Gute Charaktere in einem Buch brauchen Tiefe, Ecken und Kanten. Sie bestehen aus einer Mischung aus Aussehen, Gefühlen, Stärken, Schwächen und einer klaren eigenen Geschichte.
Bild oben: Hugo Voss
Bild oben: Michael Schubert
Michael Schubert ist Hugos rechte Hand und einer der Menschen, denen Hugo uneingeschränkt vertraut. Die beiden kennen sich seit ihrer Schulzeit, seit sie acht Jahre alt sind.
Anders als Hugo ging Schubert nach der Schule nicht zur Bank, sondern absolvierte eine Ausbildung im Versicherungswesen. Als Hugo ihm 1999 anbot, mit nach Monaco zu gehen, lehnte Schubert zunächst ab. Im Jahr 2000 folgte er schließlich doch nach Monaco.
Von Anfang an erhielt Schubert weitreichende Vollmachten und durfte in Hugos Namen verhandeln und Entscheidungen vertreten. Für Hugo ist er damit weit mehr als ein gewöhnlicher Mitarbeiter.
Schubert selbst lebt nicht polyamor. Zu Hugos Lebensstil hat er jedoch eine sehr einfache Haltung: Es ist ihm egal. Es ist nicht sein Leben. Auch die öffentliche Diskussion über Hugos polyamore Beziehungen und die Frauen in seinem Umfeld interessiert ihn nicht – für ihn ist ausschließlich entscheidend, dass Hugo sein Leben so führt, wie er es selbst will.
Bild oben: Claire Hartmann
Sekretärin von Hugo
Claire Hartmann lernte Hugo während seiner Zeit bei der Deutschen Bank in London kennen. Sie wurde ihm dort als Assistentin zugeteilt und erkannte sehr schnell, dass er ein außergewöhnlicher Trader war, der Zusammenhänge schneller erfasste als fast jeder andere.
Als Hugo für einige Monate nach Hongkong wechselte, ging Claire mit ihm. Auf dem Rückweg nach London erzählte er ihr, dass er sich eines Tages selbstständig machen wolle. Ihre Antwort kam spontan: „Wenn du das machst, komme ich mit.“
Als Hugo 1999 die Deutsche Bank verließ, nach Monaco ging und begann, ausschließlich mit seinem eigenen Kapital zu investieren, hielt Claire ihr Wort und folgte ihm. Seitdem gehört sie zu seinem engsten Umfeld.
Hugo vertraut ihr stark und hört auf ihre Einschätzung. Claire gehört zu den wenigen Menschen, die tatsächlich Einfluss auf seine Entscheidungen haben, gerade weil sie ihn seit seiner Zeit als junger Trader kennt und weiß, wie er denkt.
Claire ist unverheiratet. Hugos polyamorer Lebensstil interessiert sie nicht besonders. Sie betrachtet seine privaten Beziehungen als seine Angelegenheit und denkt in dieser Hinsicht vor allem an sich selbst. Wie Hugo seine Beziehungen zu anderen Frauen gestaltet, beschäftigt sie kaum.
Bild oben: Dr. Alexander Steinhöfel
Anwalt aus Hamburg
Hugo lernte Dr. Alexander Steinhöfel in Hamburg kennen, nachdem ihm der Jurist von mehreren Freunden empfohlen worden war. Steinhöfel wurde sein Anwalt für internationale rechtliche, gesellschaftsrechtliche und kapitalmarktrechtliche Fragen und begleitet einen großen Teil der juristischen Struktur hinter Hugos Vermögen und seinen Unternehmen.
Wenn Hugo neue Firmen gründet, Gesellschaften in internationalen Finanzzentren aufbauen lässt oder Konten eröffnet, gehört Steinhöfel zu denjenigen, die die rechtlichen Voraussetzungen prüfen und die Umsetzung begleiten. Auch bei Fragen zu Hugos Aktiengeschäften, möglichen regulatorischen Risiken, Ermittlungen von Aufsichtsbehörden und der rechtlichen Zulässigkeit bestimmter Transaktionen ist Steinhöfel sein zentraler Ansprechpartner.
Als 2001 erstmals die amerikanische Börsenaufsicht SEC gegen Hugo ermittelte, riet Steinhöfel ihm dazu, Monaco zu verlassen. Nach seiner Einschätzung zog Hugo dort inzwischen zu viel Aufmerksamkeit auf sich. Er empfahl ihm deshalb, Michael Schubert damit zu beauftragen, außerhalb Europas einen geeigneten neuen Lebensmittelpunkt zu suchen, weit genug entfernt, damit sich die Gerüchte und die öffentliche Aufmerksamkeit beruhigen konnten.
Die wachsende Aufmerksamkeit hatte damals nicht nur mit Hugos Geschäften zu tun. Obwohl sich seine gesundheitlichen Probleme bereits deutlich abzeichneten und er einen großen Teil seiner Zeit in seinem gemieteten Penthouse verbrachte, führte er zugleich das Leben eines sehr jungen und sehr reichen Mannes. Prostituierte und Escorts gingen regelmäßig bei ihm ein und aus, Nachbarn beschwerten sich, und wenn Hugo sich öffentlich zeigte, tat er das gelegentlich demonstrativ – etwa mit offenem Wagen und weiblicher Begleitung. Auch ausgelassene Partys sorgten für zusätzliche Aufmerksamkeit.
Steinhöfel bekam schließlich von Stellen in Monaco deutlich signalisiert, dass man jemanden wie Hugo dort auf Dauer nicht haben wollte. Für ihn war deshalb klar, dass Hugo Monaco besser verlassen sollte, bevor aus Beschwerden, Gerüchten, den SEC-Ermittlungen und der zunehmenden behördlichen Aufmerksamkeit ein dauerhaftes Problem wurde.
Steinhöfel ist damit nicht einfach Hugos Anwalt für einzelne Streitfälle. Er ist der Jurist, der Firmengründungen, internationale Gesellschaftsstrukturen, Konten, Kapitalmarktgeschäfte und andere rechtlich sensible Vorgänge für Hugo prüft und absichert.
Persönlich interessiert Steinhöfel Hugos Privatleben kaum. Ob Hugo sich mit Prostituierten, Escorts oder Pornodarstellerinnen umgibt, ist ihm im Grunde gleichgültig. Für ihn zählen ausschließlich die rechtlichen Fragen. Solange Hugo nichts Illegales tut und daraus keine juristischen Risiken entstehen, sieht Steinhöfel keinen Grund, sich einzumischen.
Bild oben: Dr. Gonzalo Bildegain
Anwalt aus Montevideo
Dr. Gonzalo Bildegain ist Hugos Anwalt in Montevideo. Er kam bereits im Vorfeld der Übersiedlung nach Uruguay in dessen Umfeld und wurde anschließend zu einem der wichtigsten juristischen Ansprechpartner vor Ort.
Bildegain gilt als ausgesprochen harter Verhandler. Er besitzt starke Nerven, lässt sich kaum unter Druck setzen und kann auch in schwierigen Verhandlungen äußerst ruhig bleiben. Seine Ausbildung führte ihn unter anderem nach England, in die Vereinigten Staaten und nach Argentinien. In Montevideo ist er hervorragend vernetzt und verfügt auch über gute Kontakte in politische Kreise.
Gerade bei Verhandlungen mit Behörden, Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern ist diese Mischung aus juristischer Erfahrung, internationaler Ausbildung und lokalen Verbindungen für Hugo von großer Bedeutung.
Hugos Umgang mit Pornodarstellerinnen betrachtet Bildegain wesentlich lockerer als viele Außenstehende. Die öffentliche Empörung darüber belächelt er eher. Insgeheim bewundert er Hugo sogar dafür, dass dieser seinen Lebensstil offen und ohne große Rücksicht auf gesellschaftliche Erwartungen führt. Entscheidend ist für Bildegain auch hier vor allem, dass Hugo sich innerhalb des geltenden Rechts bewegt.
Bild oben: Laurent Demas
Sicherheitschef bereits in Monaco
Laurent Demas ist Hugos Sicherheitschef. Hugo lernte ihn bereits in Monaco kennen, nachdem Dr. Alexander Steinhöfel ihm den Franzosen vorgestellt hatte. Demas war zuvor bei der französischen Armee und verfügt über eine umfassende militärische und sicherheitstechnische Ausbildung.
Demas denkt grundsätzlich anders als Hugo. Wo Hugo ein schönes Auto, ein gutes Restaurant oder eine interessante Umgebung sieht, erkennt Demas vor allem mögliche Gefahren. Eine Straße besteht für ihn aus Zufahrten, Fluchtwegen, unübersichtlichen Punkten und möglichen Angriffsmöglichkeiten. In einem Restaurant sieht er nicht zuerst die Atmosphäre, sondern Personen, Eingänge, Sitzpositionen und Situationen, die theoretisch zu einem Sicherheitsproblem werden könnten.
Er selbst betrachtet sich deshalb auch nicht in erster Linie als Bodyguard. Demas versteht sich als Sicherheitsanalyst. Sein Anspruch ist es, Gefahren zu erkennen, bevor sie überhaupt entstehen. Sein Denken folgt im Grunde einem einfachen Prinzip: Alles, was er sieht, wird zunächst darauf geprüft, wie es Hugo gefährlich werden könnte.
Diese Haltung hat erheblichen Einfluss auf Hugos Leben. Demas ist einer der Hauptverantwortlichen dafür, dass der Sicherheitsapparat um Hugo im Laufe der Jahre immer größer und umfassender wird. Seine permanenten Gefahrenanalysen tragen zugleich dazu bei, dass Hugo selbst immer vorsichtiger und wahrscheinlich auch zunehmend paranoider wird.
Als Hugo schließlich nach Montevideo übersiedelt, geht Demas mit ihm nach Uruguay. Dort baut er den Sicherheitsdienst weiter aus und entwickelt aus dem klassischen Personenschutz ein wesentlich umfassenderes System aus Prävention, Kontrolle, Beobachtung und Risikoanalyse.
Besonders konsequent ist Demas bei gesundheitlichen Sicherheitsrisiken. Er ist beispielsweise derjenige, der die Quarantänefristen für Frauen in Hugos Umfeld deutlich verlängern lässt. Seine Begründung ist schlicht: Viren kennen keine Verträge. Für Demas sind Krankheitserreger im Grunde perfekte Tötungsmaschinen, gegen die vertragliche Zusicherungen oder persönliche Versicherungen keinerlei Schutz bieten.
Demas ist sehr karrierebewusst und definiert sich stark über seine Aufgabe. Für ihn zählt vor allem, dass sein Sicherheitskonzept funktioniert und Hugo geschützt bleibt. Sein Verantwortungsbereich wächst deshalb mit den Jahren ebenso stark wie sein eigener Einfluss auf Hugos Alltag.
Hugos Privatleben und insbesondere die Frauen in dessen Umfeld interessieren Demas persönlich überhaupt nicht. Ob sie Hugos Lebensstil mögen, ob sie sich wohlfühlen oder wie es ihnen dabei geht, ist ihm völlig gleichgültig. Er betrachtet sie ausschließlich unter Sicherheitsgesichtspunkten. Für ihn gibt es nur eine entscheidende Frage: Stellen sie ein Risiko für Hugo dar oder nicht? Seine Aufgabe sieht er einzig darin, Hugo abzusichern.
Bild oben: Matias Ferreira
persönlicher Bodyguard von Hugo
Matias Ferreira ist einer von drei Chef-Bodyguards Hugos und verantwortlich für die Vormittagsschicht. Da der persönliche Schutz Hugos im Haus in drei Schichten organisiert ist, übernimmt Ferreira morgens die Leitung des gesamten unmittelbar eingesetzten Bodyguard-Teams.
Insgesamt sind für Hugos direkten Personenschutz 92 Bodyguards beschäftigt, jeweils verteilt auf Vormittags-, Nachmittags- und Abendschicht. Ferreira führt die Männer seiner Schicht und koordiniert ihre Positionen und Aufgaben im Haus. Dazu gehören die Überwachung der Innenbereiche, die Absicherung von Zugängen und Balkonen sowie die unmittelbare Nähe zu Hugo.
Seine Aufgabe besteht nicht nur darin, offensichtliche Angriffe zu verhindern. Ferreira und seine Leute beobachten permanent, wer sich Hugo nähert und auf welche Weise. Auch bei den Frauen in Hugos Umfeld achten sie darauf, dass niemand sich ihm plötzlich, unkontrolliert oder auf eine Weise nähert, die aus Sicht des Personenschutzes gefährlich werden könnte.
Hugo vertraut Ferreira und akzeptiert seine Entscheidungen im unmittelbaren Sicherheitsbereich. Ferreira selbst geht dabei professionell und wesentlich pragmatischer vor als Laurent Demas. Während Demas mögliche Gefahren bis ins Detail analysiert und den gesamten Sicherheitsapparat strategisch betrachtet, konzentriert Ferreira sich stärker auf die konkrete Situation vor Ort und den direkten Schutz Hugos.
Mit den Frauen in Hugos Umfeld geht Ferreira entspannt um. Gelegentlich flirtet er auch mit ihnen, ohne dabei seine professionelle Distanz zu verlieren. Er betrachtet sie weder grundsätzlich als Problem noch wertet er sie wegen ihrer Tätigkeit oder ihres Verhältnisses zu Hugo ab. Für ihn sind sie zunächst Menschen in Hugos Umfeld, die er genauso professionell behandelt wie alle anderen. Entscheidend wird ihre Anwesenheit für ihn erst dann, wenn daraus ein konkretes Sicherheitsrisiko entstehen könnte.
Bild oben: Lucía Cabrera
persönlicher Bodyguard von Hugo
Lucía Cabrera ist eine der drei leitenden Bodyguard-Chefinnen in Hugos persönlichem Sicherheitsdienst. Sie führt die zweite beziehungsweise die Nachmittagsschicht und steht dabei auf derselben Ebene wie Matias Ferreira am Vormittag und Diego Bentancur am Abend.
Wie bei den beiden anderen Schichten arbeitet auch unter Cabrera ein Team von 92 Bodyguards, die Hugos unmittelbaren Personenschutz im Haus übernehmen. Sie koordiniert die Positionen ihrer Leute, überwacht die inneren Bereiche und achtet besonders darauf, wer sich Hugo nähert und wie sich Personen in seiner unmittelbaren Umgebung verhalten.
Cabrera arbeitet extrem professionell, ist zugleich aber ausgesprochen ehrgeizig. Zwischen ihr, Ferreira und Bentancur besteht eine deutliche Konkurrenz. Sie will nicht dauerhaft nur eine Schicht führen, sondern langfristig selbst die gesamte Sicherheitsabteilung übernehmen. Dieser Ehrgeiz bestimmt einen erheblichen Teil ihres Verhaltens und macht sie gegenüber Fehlern anderer besonders unerbittlich.
Vor allem neues Personal betrachtet Cabrera grundsätzlich mit Misstrauen. Wo andere zunächst einen neuen Mitarbeiter sehen, sieht sie zuerst eine mögliche Schwachstelle. Sie beobachtet neue Leute genau und geht davon aus, dass Vertrauen erst verdient werden muss.
Bei den Frauen in Hugos Umfeld geht ihre Haltung allerdings weit über professionelle Vorsicht hinaus. Cabrera verachtet sie persönlich und hält wenig davon, dass Hugo sich ständig mit Pornodarstellerinnen umgibt. Sie empfindet diese Frauen als unangenehm und betrachtet sie insbesondere als potenzielle Überträgerinnen von Krankheiten.
Diese persönliche Abneigung beeinflusst auch ihren Umgang mit ihnen. Cabrera behandelt die Frauen deutlich schlechter als anderes Personal und macht aus ihrer Geringschätzung kaum ein Geheimnis. Für sie stehen sie gesellschaftlich weit unter den Menschen, mit denen sie normalerweise zu tun haben möchte.
Bild oben: Diego Bentancur
persönlicher Bodyguard von Hugo
Diego Bentancur ist einer der drei leitenden Bodyguards Hugos und verantwortlich für die Abendschicht. Damit steht er auf derselben Ebene wie Matias Ferreira am Vormittag und Lucía Cabrera in der zweiten Schicht.
Bentancur war früher bei der Polizei und bringt entsprechend viel praktische Erfahrung im Personenschutz, in der Beobachtung von Situationen und im Umgang mit möglichen Gefahren mit. Bei Hugo verdient er mehr als doppelt so viel wie zuvor, was für ihn ein wichtiger Grund war, in den privaten Sicherheitsdienst zu wechseln.
Im Gegensatz zu Lucía Cabrera ist Bentancur im Umgang mit Menschen sehr ruhig, freundlich und kontrolliert. Er behandelt Hugo, die Frauen in dessen Umfeld und das übrige Personal respektvoll. Er hält nichts davon, Menschen unnötig schlecht zu behandeln, solange sie sich korrekt verhalten und keine Gefahr darstellen.
Für Bentancur ist Bellaventra vor allem ein sicherer Rückzugsort für Hugo. Er vertraut darauf, dass der äußere Objektschutz seine Aufgabe erfüllt und Gefahren möglichst weit vom eigentlichen Wohnbereich fernhält. Seine eigene Verantwortung sieht er deshalb vor allem im unmittelbaren Schutz Hugos innerhalb des Hauses.
Bentancur ist Hugo gegenüber loyal, aber nicht blind. Er betrachtet Hugo nicht als unfehlbar und würde eine Entscheidung nicht allein deshalb gutheißen, weil sie von ihm kommt. Seine Loyalität beruht vielmehr darauf, dass Hugo ihn sehr gut behandelt, ihn außergewöhnlich gut bezahlt und ihm beruflich Möglichkeiten bietet, die er bei der Polizei nicht gehabt hätte.
Zwischen Bentancur und Hugo besteht außerdem ein etwas persönlicheres Verhältnis als zu den meisten anderen Bodyguards. Gelegentlich spielen die beiden miteinander Schach oder Backgammon. Das kommt zwar selten vor, ist aber bemerkenswert, weil Hugo solche privaten Momente mit keinem der anderen leitenden Bodyguards teilt.
Bentancur ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er denkt langfristig und sieht seine Tätigkeit bei Hugo nicht nur als gut bezahlten Job. Eigentlich hofft er darauf, später Sicherheitschef des gesamten Voss-Komplexes zu werden. Für ihn wäre das der nächste große Karriereschritt: weg vom reinen persönlichen Bodyguard hin zu einer Führungsposition mit Verantwortung für einen wesentlich größeren Sicherheitsapparat.
Hugos Privatleben beurteilt Bentancur allerdings deutlich kritischer. Persönlich ist er der Ansicht, dass Hugo mit seinen vielen Frauen und seinem offenen Lebensstil in Sünde lebt. Als verheirateter Familienvater kann er mit diesem Teil von Hugos Leben wenig anfangen. Er muss diese Haltung jedoch für sich behalten und akzeptieren, solange er für Hugo arbeitet. Gegenüber den Frauen bleibt er trotzdem freundlich und respektvoll. Er wertet sie nicht ab und behandelt sie nicht schlechter, nur weil er Hugos Lebensstil persönlich ablehnt.
Bild oben: Javier Salgado
Direktor für Sicherheitsaufsicht und interne Integrität
Javier Salgado ist ehemaliger Mitarbeiter eines chilenischen Nachrichtendienstes und leitet innerhalb von Hugos Sicherheitsapparat eine eigene interne Kontrollabteilung. Seine Aufgabe besteht nicht darin, Bellaventra unmittelbar zu schützen, sondern diejenigen zu überwachen, die für diesen Schutz verantwortlich sind.
Seine Abteilung kontrolliert insbesondere die Bereiche von Ethan Mercer, Verónica Suárez und Marcelo Soria. Salgado überprüft dabei nicht nur die drei Abteilungsleiter selbst, sondern auch deren Mitarbeiter. Für ihn ist es selbstverständlich, dass selbst innerhalb einer Sicherheitsorganisation Verräter, bestochene Mitarbeiter oder eingeschleuste Personen existieren können.
Er fordert seine Leute ausdrücklich dazu auf, niemals davon auszugehen, dass jemand allein aufgrund seiner Position vertrauenswürdig ist. Ein langjähriger Mitarbeiter ist für Salgado genauso überprüfbar wie ein neuer Angestellter. Auch die Personen, die ihrerseits andere Mitarbeiter kontrollieren, müssen aus seiner Sicht ständig kontrolliert werden.
Salgado ist ein extrem verschlossener und misstrauischer Mensch. Seine Jahre im Nachrichtendienst haben seine Wahrnehmung nachhaltig geprägt. Selbst hinter beiläufigen Bemerkungen sucht er nach einer möglichen zweiten Bedeutung. Wenn jemand morgens lediglich fragt, wie es ihm geht, überlegt Salgado bereits, warum diese Frage gestellt wurde und welche Information die Person damit möglicherweise gewinnen möchte.
Diese Denkweise endet nicht mit seiner Arbeit. Salgado lebt ausgesprochen asketisch und vermeidet bewusst Luxus, Abhängigkeiten und persönliche Schwächen. Selbst Dinge, die ihm Freude bereiten könnten, betrachtet er zunächst unter dem Gesichtspunkt, ob jemand sie irgendwann gegen ihn verwenden könnte.
Mehrere gescheiterte Ehen haben seine ohnehin schwierige Persönlichkeit zusätzlich verhärtet. Er lebt weitgehend zurückgezogen, hat kaum enge persönliche Beziehungen und ist mit den Jahren zunehmend verbittert geworden. Vertrauen empfindet er weniger als menschliche Grundlage denn als potenzielle Schwachstelle.
Innerhalb des Sicherheitsapparates macht ihn das ausgesprochen unbeliebt. Besonders Verónica Suárez kann ihn nicht ausstehen, weil Salgado ausgerechnet die Abteilung überwacht, deren Aufgabe selbst die Überprüfung anderer Menschen ist. Salgado wiederum sieht darin keinen Widerspruch. Für ihn ist gerade eine Person mit weitreichendem Zugriff auf vertrauliche Informationen besonders kontrollbedürftig.
Hugo akzeptiert dieses System bewusst. Der Sicherheitsapparat soll sich gegenseitig überwachen, damit keine einzelne Abteilung unkontrolliert arbeiten kann. Salgado verkörpert die letzte Ebene dieses Prinzips: Er misstraut grundsätzlich auch denjenigen, deren Beruf es ist, anderen zu misstrauen.
Hugos Umgang mit den Frauen beurteilt Salgado ausgesprochen negativ, allerdings aus einer anderen Richtung als Lucía Cabrera. Er hält nicht Hugo für das Problem, sondern ist der Ansicht, dass die Frauen in Bellaventra viel zu gut behandelt werden. Für ihn erhalten sie zu viele Freiheiten, zu viel Komfort und zu viel Vertrauen. Seine Erfahrungen haben ihn gelehrt, jede persönliche Nähe als mögliche Schwachstelle zu betrachten. Deshalb würde er den Kontakt zwischen Hugo und den Frauen wesentlich stärker kontrollieren, als es ohnehin bereits geschieht.
Diese Abteilung umfasst insgesamt 175 Mitarbeiter. Davon arbeiten 60 Personen in der Frühschicht, 55 in der Nachmittagsschicht und 20 in der Abendschicht. Weitere 40 Mitarbeiter stehen als Urlaubs-, Krankheits- und Ausfallreserve zur Verfügung.
Bild oben: Ethan Mercer
Leiter für IT- und Cybersicherheit
Ethan Mercer ist ein junger Spezialist für IT- und Cybersicherheit. Während sich neben Bellaventra langsam der Voss-Konzern entwickelt, wird er zunehmend für dessen digitale Sicherheitsarchitektur verantwortlich. Zu Beginn liegt sein Schwerpunkt jedoch vor allem auf der internen Überwachung und Absicherung Bellaventras.
Mercers Abteilung kontrolliert die dienstlich genutzten Computer und Geräte der Mitarbeiter. Dazu gehören Internetaktivitäten, Zugriffe auf interne Systeme und andere digitale Spuren, die Hinweise auf unerlaubte Kontakte, Datenabfluss oder Sicherheitsverstöße geben könnten. Auch die Diensthandys der Mitarbeiter fallen in seinen Verantwortungsbereich.
Zusätzlich ist Mercer für die technische Seite des Kamerasystems in Bellaventra zuständig. Hugo wollte ausdrücklich vermeiden, dass sensible Aufzeichnungen über ein Netzwerk nach außen gelangen können. Deshalb setzt man innerhalb des Hauses auf ein weitgehend getrenntes Kamerasystem mit separat verlegten Leitungen. Mercers Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass das aufgezeichnete Material innerhalb der geschützten Infrastruktur bleibt und nicht von außen abgegriffen werden kann.
Auch die Funkkommunikation des Sicherheits- und Hauspersonals kann zentral aufgezeichnet werden. Technisch ist das ohne Weiteres möglich; professionelle Funksysteme verfügen über entsprechende Aufzeichnungs- und Archivierungslösungen. Mercer nutzt solche Aufzeichnungen als zusätzliche Möglichkeit, sicherheitsrelevante Vorgänge später nachvollziehen zu können.
Im von Hugo errichteten Wohnviertel werden die privaten Wohnungen der Mitarbeiter nicht überwacht. Die öffentlichen Bereiche, Straßen und Zufahrten stehen jedoch unter Beobachtung. Mercers Leute achten darauf, wer das Viertel betritt, wer mit wem regelmäßig Kontakt hat und ob sich daraus auffällige Verbindungen ergeben. Dabei interessiert ihn nicht, ob jemand Hugo persönlich mag oder ihn sogar beleidigt. Relevant wird es für Mercer erst, wenn sich Hinweise auf Erpressung, Spionage, Datenbeschaffung oder eine andere konkrete Gefahr ergeben.
Mercer unterstützt außerdem ein bewusst altmodisches Kommunikationssystem für besonders sensible Handelsanweisungen. Hugo hatte bereits die Vorstellung, wichtige Anweisungen nicht elektronisch zu übermitteln, sondern durch Mitarbeiter persönlich zu Banken und Finanzplätzen bringen zu lassen. Mercer bestärkte ihn darin. Für ihn hinterlässt nahezu jede digitale Kommunikation Spuren, die abgefangen oder später ausgewertet werden können.
Deshalb können Mitarbeiter beispielsweise mit nummerierten, versiegelten Briefumschlägen reisen. Erst zu einem bestimmten Zeitpunkt erhalten sie die Anweisung, einen bestimmten Umschlag zu öffnen und die darin enthaltenen Handelsaufträge auszuführen. So befindet sich die konkrete Kauf- oder Verkaufsanweisung vorher in keinem elektronischen System.
Mercers Grundsatz ist einfach: Alles Digitale kann grundsätzlich Spuren hinterlassen. Je sensibler eine Information ist, desto weniger möchte er davon online sehen. Diese Haltung prägt später auch die IT-Sicherheit des Voss-Komplexes und des wachsenden Voss-Konzerns.
Ein weiterer Schwerpunkt sind elektronische Geräte, die von außen nach Bellaventra gelangen könnten. Mit der zunehmenden Verbreitung von Mobiltelefonen mit Kameras setzt Mercer sich für Sicherheitsschleusen ein, die verhindern sollen, dass Besucher oder die Frauen in Hugos Umfeld unkontrolliert Handys, Kameras oder andere Aufnahmegeräte in die geschützten Wohnbereiche bringen.
Den Frauen stehen deshalb innerhalb Bellaventras hauptsächlich fest installierte Telefone zur Verfügung. Gespräche über diese Anschlüsse können aufgezeichnet und ausgewertet werden, um festzustellen, welche Informationen nach außen gelangen. Dasselbe gilt für fest installierte Diensttelefone des Personals.
Hugos Beziehungen zu den Frauen interessieren Mercer persönlich kaum. Er bewertet weder ihren Beruf noch Hugos Lebensstil. Für ihn werden die Frauen erst dann interessant, wenn sie ein Mobiltelefon, eine Kamera, digitale Speichermedien oder andere technische Möglichkeiten nutzen könnten, um Informationen aus Bellaventra herauszubringen. Er betrachtet sie daher nicht moralisch, sondern ausschließlich als möglichen Teil einer technischen Sicherheitslücke.
Diese Abteilung umfasst insgesamt 104 Mitarbeiter. Davon arbeiten 35 Personen in der Frühschicht, 30 in der Nachmittagsschicht und 15 in der Abendschicht. Weitere 24 Mitarbeiter stehen als Urlaubs-, Krankheits- und Ausfallreserve zur Verfügung.
Bild oben: Verónica Suárez
Leiterin für Personalüberprüfung
Verónica Suárez ist Leiterin der Personalüberprüfung. Ihre Aufgabe besteht darin, jeden Menschen, der für Bellaventra oder unmittelbar für den Voss-Konzern eingestellt werden soll, umfassend zu überprüfen, bevor diese Person Zugang zu internen Bereichen, Informationen oder zu Hugo selbst erhält.
Ihr Bereich führt die vollständigen Background-Checks durch. Dabei wird geprüft, ob Bewerber tatsächlich die Personen sind, die sie vorgeben zu sein, ob Vorstrafen bestehen, Verbindungen zu kriminellen Strukturen bekannt sind oder Kontakte zu Polizei, Nachrichtendiensten oder anderen staatlichen Stellen bestehen. Ebenso untersucht ihre Abteilung mögliche Risiken durch Industriespionage oder gezielte Einschleusungsversuche.
Die Überprüfung endet nicht mit der Einstellung. Suárez lässt Mitarbeiter auch später regelmäßig erneut kontrollieren. Veränderungen im persönlichen Umfeld, auffällige Kontakte oder andere sicherheitsrelevante Entwicklungen können dadurch erneut untersucht werden. Praktisch handelt es sich um eine kontinuierliche Sicherheitsüberprüfung des Personals.
Alle Mitarbeiter verfügen über Diensthandys. Innerhalb des Personals gibt es immer wieder Gerüchte, dass diese Geräte von Suárez' Abteilung überwacht oder ausgewertet werden. Ob und in welchem Umfang das tatsächlich geschieht, wird jedoch nicht offen kommuniziert.
Ein besonderer Teil ihres Verantwortungsbereichs betrifft die Frauen in Hugos Umfeld. Suárez beauftragt Privatdetektive unter anderem in Tschechien, Belarus, Russland und der Ukraine, um die Identität und den Hintergrund der Frauen bereits vor Ort überprüfen zu lassen. Dabei wird untersucht, ob ihre persönlichen Angaben stimmen, ob Verbindungen zu Nachrichtendiensten oder anderen Organisationen bestehen und ob jemand versuchen könnte, über sie Zugang zu Hugo zu erhalten.
Ebenso wird geprüft, ob im Hintergrund Zuhälter, Vermittler oder andere Personen stehen, die später Druck ausüben oder eine Erpressung ermöglichen könnten. Besteht ein solcher Verdacht, wird die betreffende Frau gar nicht erst zugelassen. Für Suárez zählt dabei weniger die Person selbst als die Frage, welches Sicherheitsrisiko aus ihrem Umfeld entstehen könnte.
Suárez gehört außerdem zu den Befürwortern des umfangreichen Kamerasystems innerhalb Bellaventras. Sie legt Wert darauf, dass Begegnungen zwischen Hugo und den Frauen möglichst nachvollziehbar bleiben und Hugo nicht vollständig unbeobachtet mit ihnen ist. Aus ihrer Sicht dient das nicht nur dem Personenschutz, sondern auch der späteren Nachweisbarkeit, dass Vorgänge den zuvor vereinbarten Bedingungen entsprechen.
Innerhalb des Sicherheitssystems arbeitet Suárez jedoch selbst nicht vollkommen unabhängig. Javier Salgado führt eine eigene Kontrollabteilung, die unter anderem ihre Abteilung sowie die Bereiche von Marcelo Soria und Ethan Mercer überprüft. Dieses bewusst mehrstufig aufgebaute Kontrollsystem soll verhindern, dass eine einzelne Sicherheitsabteilung zu viel unkontrollierte Macht erhält.
Suárez verabscheut Salgado. Sie empfindet es als Misstrauensvotum, dass ausgerechnet ihre eigene Arbeit nochmals von einer anderen Abteilung kontrolliert wird, obwohl sie selbst dafür zuständig ist, andere Menschen zu überprüfen. Beruflich akzeptiert sie diese Struktur, persönlich kann sie Salgado jedoch kaum ausstehen.
Hugos Beziehungen zu den Frauen betrachtet Suárez vor allem durch die Brille ihrer Aufgabe. Entscheidend ist für sie nicht, welchen Lebensstil Hugo führt, sondern ob eine Frau tatsächlich diejenige ist, die sie vorgibt zu sein, wer hinter ihr steht und ob durch sie irgendeine Form von Spionage, Erpressung oder sonstiger Gefahr entstehen könnte.
Die Abteilung umfasst insgesamt 163 Mitarbeiter. Davon arbeiten jeweils 50 Personen in der Frühschicht und 50 in der Nachmittagsschicht, während 25 Mitarbeiter die Abendschicht übernehmen. Die übrigen 38 Mitarbeiter dienen als Urlaubs-, Krankheits- und Ausfallreserve, damit die Überprüfungen und Kontrollen jederzeit ohne größere Unterbrechungen fortgeführt werden können.
Bild oben: Marcelo Soria
Leiter für Objekt- und Fahrzeugsicherheit
Marcelo Soria ist Leiter der Abteilung für Objekt- und Fahrzeugsicherheit von Bellaventra. Damit trägt er die Verantwortung für den gesamten äußeren Schutz des Anwesens, die Sicherung der unmittelbaren Umgebung sowie die Organisation der Fahrer und Sicherheitsfahrzeuge.
Der eigentliche Objektschutz umfasst pro Schicht 151 Mitarbeiter. Einschließlich Urlaubs- und Krankheitsvertretungen gehören insgesamt 589 Personen zu diesem Bereich. Hinzu kommen 234 Fahrer, von denen jeweils 60 pro Schicht eingesetzt werden und die ebenfalls durch zusätzliches Personal für Ausfälle und Urlaubszeiten ergänzt werden.
Sorías Verantwortungsbereich endet nicht am Grundstückszaun von Bellaventra. Seine Leute kontrollieren auch die unmittelbare Umgebung und das für Hugos Projekte entwickelte Stadtviertel. Sicherheitsfahrzeuge stehen an wichtigen Zufahrtsstraßen, während weitere Teams in Parallel- und Querstraßen positioniert sind. Zusätzlich fahren mobile Einheiten regelmäßig Kontrollrunden durch das Gebiet.
Für diese Aufgaben setzt die Abteilung unter anderem Nissan Pathfinder ein. Ein Teil der Fahrzeuge steht dauerhaft an strategisch ausgewählten Punkten, andere werden für mobile Patrouillen, Begleitungen und kurzfristige Verlegungen von Sicherheitspersonal genutzt.
Soria war früher Polizist und bringt viel Erfahrung mit festen Sicherheitsstrukturen, Streifendiensten und der Einschätzung von Situationen im öffentlichen Raum mit. Anders als die persönlichen Bodyguards Hugos konzentriert er sich weniger auf einzelne Personen unmittelbar neben Hugo, sondern auf die Frage, wie mögliche Gefahren möglichst weit von Bellaventra ferngehalten werden können.
Er arbeitet dabei eng mit Laurent Demas zusammen. Während Demas die übergeordneten Bedrohungsszenarien und Sicherheitskonzepte entwickelt, ist Soria für einen großen Teil der praktischen Umsetzung im äußeren Bereich verantwortlich. Dazu gehören Personalverteilung, Fahrzeugpositionen, Kontrollrouten und die Absicherung der Zufahrten.
Soria ist verheiratet und hat zwei Kinder mit seiner Ehefrau. Daneben unterhält er seit längerer Zeit eine Beziehung zu einer Geliebten, mit der er ebenfalls ein Kind hat. Deshalb betrachtet er Hugos Privatleben wesentlich entspannter als manche seiner Kollegen.
Dass Hugo mit mehreren Frauen gleichzeitig lebt, stellt für Soria überhaupt kein Problem dar. Seine Haltung ist pragmatisch: Wenn Hugo diesen Lebensstil führen kann und führen will, sieht Soria keinen Grund, sich darüber aufzuregen. Da er selbst neben seiner Ehe eine weitere Beziehung führt, liegt ihm eine moralische Verurteilung von Hugo ohnehin fern.
Bild oben: Edward Ashcombe
Edward Ashcombe ist General Manager und Residenzdirektor von Bellaventra. Der gebürtige Engländer blickt auf eine internationale Karriere in der Luxushotellerie zurück und führte renommierte Häuser im Nahen Osten, in Asien, Russland und Nordamerika. Zuletzt leitete er eines der führenden Luxushotels in Doha, bevor Michael Schubert ihn davon überzeugte, die klassische Hotellerie zu verlassen und die Verantwortung für Bellaventra zu übernehmen.
Ashcombe kam bereits 2002, während der Bauphase, zu dem Projekt. Er begleitete die Entstehung der Residenz aus betrieblicher Sicht, stellte einen wesentlichen Teil des späteren Personals zusammen und entwickelte die Schulungs- und Servicestandards des Hauses. Sein Anspruch ist kompromisslose Perfektion bei gleichzeitig äußerster Höflichkeit. Der stets makellos gepflegte Brite legt größten Wert auf Etikette, Diskretion, korrekte Umgangsformen und einen Service, der sich an den besten Luxushotels und großen Privatresidenzen der Welt orientiert.
Für Ashcombe ist Bellaventra weniger ein gewöhnliches Privathaus als vielmehr eine Mischung aus Grandhotel und Palast. Entsprechend erwartet er von Housekeeping, Service, Küche, Spa und allen weiteren von ihm verantworteten Bereichen ein Auftreten, bei dem Zurückhaltung und Aufmerksamkeit selbstverständlich sind. Die Frauen, die sich in Bellaventra aufhalten, betrachtet er aus Sicht seines Bereichs konsequent als VIP-Gäste des Hauses. Ihre Wünsche sind von den Mitarbeitern des Servicebereichs grundsätzlich wie Gästewünsche in einem Spitzenhotel zu behandeln und, soweit sie rechtlich zulässig und organisatorisch möglich sind, umzusetzen. Ein unnötiges „Nein“ gegenüber einem Gast akzeptiert Ashcombe nur ungern.
Mit dem umfangreichen Sicherheitsapparat von Bellaventra kann er sich persönlich weniger identifizieren. Die große Zahl an Bodyguards und Sicherheitskräften empfindet er innerhalb eines Hauses, das für ihn von Ruhe, Eleganz und diskretem Service geprägt sein sollte, teilweise als störend. Nach außen würde er dies jedoch niemals erkennen lassen und mischt sich nicht in deren Zuständigkeiten ein.
Auch privat hält Ashcombe strikte Grenzen ein. Mit seiner Frau spricht er kaum über interne Vorgänge in Bellaventra. Für ihn gehören Diskretion und die klare Trennung zwischen seinem beruflichen Verantwortungsbereich und seinem Privatleben zu denselben Grundsätzen, die er auch von seinen Mitarbeitern verlangt.
Bild oben: Johannes Falkenberg
Chefkoch und Direktor des gesamten Küchenbetriebs
Johannes Falkenberg ist Chefkoch und Direktor des gesamten Küchenbetriebs von Bellaventra. Ihm unterstehen insgesamt 47 Mitarbeiter, darunter Spezialitätenköche, Pâtissiers, Beiköche, Küchenhilfen und Spülkräfte. Der Betrieb arbeitet in drei Schichten rund um die Uhr, da sich der gesamte Tagesablauf in Bellaventra nach Hugo richtet und weder feste Essenszeiten noch ein verlässlicher Schlaf-Wach-Rhythmus vorausgesetzt werden können.
Falkenberg kam 2005 auf Empfehlung von Edward Ashcombe zu Bellaventra. Zuvor hatte er als Spitzenkoch in mehreren international renommierten Hotels und Restaurants gearbeitet. Für die neue Aufgabe brachte er einige Köche seines Vertrauens mit, während weitere Spezialisten gezielt angeworben wurden. Schon Monate vor Hugos Einzug begann die Mannschaft mit einem etwa halbjährigen Probebetrieb, bei dem Arbeitsabläufe, Speisekarten und die Zusammenarbeit der einzelnen Küchenbereiche unter realistischen Bedingungen eingeübt wurden.
Falkenberg verbrachte während dieser Vorbereitungszeit wiederholt längere Zeit in Monaco, um Hugos persönlichen Geschmack kennenzulernen. Es ging ihm nicht nur darum zu erfahren, welche Gerichte Hugo bevorzugt, sondern ebenso darum, welche Gewürze, Konsistenzen und Gerüche er ablehnt. Eine unumstößliche Besonderheit ist beispielsweise das vollständige Trüffelverbot in Bellaventra, da Hugo bereits den Geruch von Trüffeln nicht ertragen kann.
Die Küche selbst ist bewusst international aufgebaut. Zum Team gehören unter anderem Spezialisten für japanische Küche und Sushi, französische Haute Cuisine, mediterrane und spanische Küche, uruguayische und argentinische Asados, moderne Fusionsküche, levantinische Küche, kaukasische und georgische Küche sowie eine eigene Pâtisserie und Chocolaterie. Dadurch soll praktisch jeder kulinarische Wunsch ohne große Vorbereitungszeit erfüllt werden können.
Für Lebensmittel steht ein außergewöhnlich großes Budget von mehr als 100.000 € pro Tag zur Verfügung. Diese Summe muss keineswegs ausgeschöpft werden; sie soll vielmehr sicherstellen, dass Qualität oder Verfügbarkeit niemals an finanziellen Grenzen scheitern. Drei große Estancias produzieren einen erheblichen Teil der Lebensmittel ausschließlich für Bellaventra. Fleisch, Gemüse, Obst, Eier und weitere Produkte werden dort nach besonders strengen Vorgaben erzeugt, weitgehend naturbelassen und ohne routinemäßigen Einsatz von Wachstumshormonen oder vergleichbaren Produktionsmethoden.
Was nicht selbst produziert werden kann, wird weltweit beschafft. Frischer Fisch und Meeresfrüchte werden regelmäßig direkt von ausgewählten Lieferanten geliefert, tropische Früchte können kurzfristig aus Brasilien eingeflogen werden. Sollte ein außergewöhnlicher Wunsch dies rechtfertigen, kann sogar eines der beiden Geschäftsflugzeuge eingesetzt werden. So könnten beispielsweise besonders frische Stone Crabs aus Florida, seltene Früchte aus dem Amazonasgebiet oder spezielle Meeresprodukte aus der Karibik innerhalb kürzester Zeit nach Uruguay gebracht werden.
Dabei gilt Falkenbergs einfachste Regel: Die Küche sagt einem Gast möglichst nicht Nein. Möchte eine der Frauen nachts um drei Uhr Kaviar, Austern, Sushi, ein Steak oder ein vollständiges mehrgängiges Menü, wird der Wunsch genauso behandelt wie die Bestellung eines VIP-Gastes in einem der besten Hotels der Welt.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf individuell abgestimmter Ernährung. Falkenberg arbeitet hierzu eng mit Dr. Ricardo Salvatierra sowie Agustina Pereyra, der Leiterin des Bar-, Wellness- und Fitnessbereichs, zusammen. Gemeinsam führen sie auf Wunsch Gespräche mit den Frauen und entwickeln persönliche Ernährungspläne. Dabei sollen körperliche Ziele wie eine sehr schlanke, sichtbar definierte Figur nicht durch extremes Hungern erreicht werden. Stattdessen werden Energiezufuhr, Eiweiß, Kohlenhydrate, Fette und Mahlzeiten so zusammengestellt, dass die jeweilige Frau ausreichend essen kann und gleichzeitig ihr gewünschtes körperliches Erscheinungsbild unterstützt wird.
Falkenberg nimmt sich hierfür ungewöhnlich viel Zeit. Er betrachtet seine Aufgabe nicht lediglich darin, hochwertige Speisen zuzubereiten, sondern darin, die Küche von Bellaventra vollständig an die Menschen anzupassen, die dort leben. Für ihn gehört es deshalb ebenso zum Beruf, sich an einen Tisch zu setzen und nach Vorlieben, Abneigungen oder persönlichen Zielen zu fragen, wie anschließend ein perfektes Gericht servieren zu lassen.
Bild oben: Andrés Varela
Head Butler & Director of Butler Services
Andrés Varela ist Head Butler und Director of Butler Services von Bellaventra. Ihm unterstehen insgesamt 98 Mitarbeiter: 35 Butler, 47 Servicekräfte/Kellner und 16 Barkeeper. In diesen Zahlen sind die notwendigen Urlaubs- und Krankheitsvertretungen bereits vollständig enthalten. Der gesamte Bereich ist auf drei Schichten verteilt und rund um die Uhr besetzt.
Varela stammt aus der klassischen britischen Butlertradition und arbeitete zuvor im Umfeld des spanischen Adels. Edward Ashcombe kannte ihn bereits aus früheren beruflichen Stationen und holte ihn gezielt nach Bellaventra. Für Varela ist der Beruf des Butlers keine gewöhnliche Servicetätigkeit, sondern eine Haltung, die höchste Disziplin, Verschwiegenheit und Selbstbeherrschung verlangt.
Seinen Mitarbeitern vermittelt er immer wieder denselben Grundsatz: „Ich sehe nichts, ich höre nichts, ich sage nichts.“ Damit meint er nicht Gleichgültigkeit. Ein Butler muss jederzeit erkennen, wann etwas benötigt wird, und entsprechend handeln. Alles andere, was im privaten Umfeld des Hauses geschieht, hat er dagegen weder zu kommentieren noch weiterzugeben.
Diese Haltung gilt für ihn besonders im Umgang mit den Frauen in Bellaventra. Ob jemand vollständig angezogen, im Bademantel oder unbekleidet durch einen privaten Wohnbereich geht, spielt für Varela beruflich keinerlei Rolle. Er reagiert darauf nicht, verändert sein Verhalten nicht und erwartet dieselbe Selbstverständlichkeit von seinem gesamten Personal. Spricht eine Frau ihn oder einen seiner Mitarbeiter jedoch an oder äußert einen Wunsch, wird dieser sofort mit derselben professionellen Aufmerksamkeit behandelt wie der Wunsch eines hochrangigen Gastes in einem Spitzenhotel oder einer großen privaten Residenz.
Varela legt großen Wert darauf, dass Distanz und Aufmerksamkeit gleichzeitig funktionieren. Sein Personal soll jederzeit präsent sein, ohne aufdringlich zu wirken; aufmerksam, ohne neugierig zu sein; und verfügbar, ohne das Gefühl zu vermitteln, die Bewohner des Hauses würden beobachtet.
Fehler bei Tischmanieren, Anredeformen, Kleidung, Haltung oder Diskretion akzeptiert er nur schwer. Neue Butler durchlaufen daher intensive Schulungen, bei denen nicht nur Serviertechniken, Getränke- und Speisenservice oder das Eindecken von Tafeln geübt werden, sondern ebenso Körpersprache, Gesprächsführung, Schweigen im richtigen Moment und das unauffällige Erkennen von Wünschen.
Varela versteht Bellaventra als eine der anspruchsvollsten privaten Residenzen, in denen ein Butler arbeiten kann. Gerade deshalb erwartet er von seinen Mitarbeitern, dass außergewöhnliche Situationen irgendwann vollkommen gewöhnlich wirken. Für ihn zeigt sich wirkliche Professionalität daran, dass ein Gast niemals bemerkt, wie viel Aufwand notwendig war, um einen Wunsch zu erfüllen.
Bild oben: Florencia Acosta
Leiterin Housekeeping und Textilpflege von Bellaventra
Florencia Acosta leitet den gesamten Bereich Housekeeping und Textilpflege von Bellaventra. Ihr unterstehen insgesamt 546 Mitarbeiter: 382 Beschäftigte im Housekeeping und in der Wäscherei, 124 Gärtner, 20 Mitarbeiter des Hausmeisterdienstes und 20 Techniker. Urlaubs- und Krankheitsvertretungen sind in diesen Zahlen bereits enthalten. Auch die Floristik von Bellaventra fällt in ihren Verantwortungsbereich.
Acosta stammt aus Chile und arbeitete vor ihrem Wechsel nach Bellaventra viele Jahre in der professionellen Hauswirtschaft repräsentativer Einrichtungen. Unter anderem war sie in leitender Funktion in einer chilenischen Regierungsresidenz tätig. Dort entwickelte sie den Anspruch, dass ein Raum nicht nur sauber, sondern jederzeit vollkommen vorbereitet wirken muss.
Diesen Maßstab übertrug sie auf Bellaventra. Acosta gilt als extrem penibel, perfektionistisch und konsequent. Sie kontrolliert selbst kleinste Stellen, prüft schwer erreichbare Kanten, Beschläge und Ritzen und benutzt dafür notfalls sogar Wattestäbchen. Staub an Stellen, die normalerweise niemand bemerken würde, reicht ihr bereits für eine Beanstandung.
Sie verlässt sich nicht ausschließlich auf Vorarbeiter oder Kontrolllisten, sondern erscheint regelmäßig selbst in den einzelnen Bereichen. Wenn es notwendig ist, packt sie auch persönlich mit an und ist sich für keine Arbeit zu schade. Gleichzeitig führt sie ihre Putzkolonnen ausgesprochen streng und treibt sie an, wenn sie der Meinung ist, dass das Arbeitstempo oder die Sorgfalt nachlassen. Gerade weil sie selbst jederzeit mitarbeitet, erwartet sie von ihren Mitarbeitern denselben Einsatz und akzeptiert kaum Nachlässigkeit.
Die Frauen in Bellaventra machen sich gelegentlich über ihren extremen Perfektionismus lustig, weil Acosta Dinge kontrolliert, die für andere längst sauber genug wären. Besonders wenig Verständnis hat sie allerdings dafür, wenn Kleidung, Handtücher, Kosmetik oder andere Gegenstände achtlos auf dem Boden liegen gelassen werden. Im abgeschirmten Mitarbeiterbereich kann sie darüber durchaus schimpfen und einzelne Frauen auch einmal als regelrechte „Dreckschweine“ bezeichnen. Gegenüber den Frauen selbst bleibt sie jedoch stets höflich und professionell. Auch Hugo gegenüber würde sie solche persönlichen Bemerkungen niemals machen.
Für Acosta gilt eine einfache Regel: Ein Gast darf Unordnung verursachen. Ihre Abteilung hat dafür zu sorgen, dass diese Unordnung verschwindet.
Auch die Textilpflege unterliegt ihren hohen Standards. Kleidung, Bettwäsche, Handtücher, Tischwäsche, Vorhänge und empfindliche Stoffe werden entsprechend ihrer Materialien behandelt und sorgfältig kontrolliert. Hochwertige Kleidungsstücke sollen nach der Pflege nicht lediglich sauber, sondern wieder vollkommen präsentabel sein.
Zur Abteilung gehört außerdem die Floristik. In den Wohn- und Repräsentationsbereichen stehen täglich frische Blumen, deren Zustand regelmäßig überprüft wird. Verwelkte Blüten oder sichtbar nachlassende Arrangements sollen nach Acostas Vorstellung gar nicht erst wahrgenommen werden.
Ihr Anspruch zeigt sich auch bei alltäglichen Abläufen im privaten Wohnbereich. Sobald sich eine der Frauen tagsüber oder am Nachmittag hingelegt und ein Bett benutzt hat, wird es anschließend vollständig neu bezogen und für die nächste Nutzung wieder hergerichtet. Für Acosta gibt es keinen Unterschied zwischen einer kurzen Ruhepause und einer ganzen Nacht: Ein benutztes Bett gilt als benutzt und wird entsprechend behandelt.
Florencia Acosta versteht ihre Aufgabe deshalb nicht als gewöhnliches Housekeeping. Ihr Ziel ist, dass Bellaventra unabhängig von Tageszeit, Nutzung oder Anzahl der anwesenden Personen jederzeit so wirkt, als sei jeder einzelne Bereich gerade erst vollständig vorbereitet worden.
Bild oben: Agustina Pereyra
Spa-Direktorin – Wellness, Fitness und Regeneration
Agustina Pereyra leitet den gesamten Bereich Spa, Wellness, Fitness und Regeneration von Bellaventra. Einschließlich Pereyra selbst umfasst die Abteilung 101 Mitarbeiter. Urlaubs- und Krankheitsvertretungen sind in dieser Zahl bereits enthalten. Der Bereich arbeitet in drei Schichten und steht 24 Stunden am Tag zur Verfügung.
Vor allem die Frauen nutzen das Zentrum intensiv. Für viele von ihnen gehört es zu den wichtigsten Aufenthaltsbereichen innerhalb von Bellaventra, da Fitness, Spa, Massagen, Körperpflege und Regeneration einen großen Teil ihres Tages ausmachen. Hugo selbst nutzt die Einrichtungen dagegen eher selten.
Pereyra ist fachlich ausgesprochen kompetent, achtet sehr auf ihre eigene Figur, trainiert regelmäßig und beschäftigt sich intensiv mit Ernährung und körperlicher Leistungsfähigkeit. Gerade deshalb ist ihr Verhältnis zu den Frauen jedoch von einem deutlichen inneren Widerspruch geprägt. Nach außen begegnet sie ihnen professionell und kontrolliert, insgeheim empfindet sie jedoch starken Neid.
In ihrer eigenen Wahrnehmung arbeitet sie hart, trägt Verantwortung, muss funktionieren und sich ihren Lebensstandard verdienen, während die Frauen in Bellaventra aus ihrer Sicht nahezu alles erhalten. Pereyra denkt über einige von ihnen ausgesprochen abwertend: Sie müsse arbeiten und sich abrackern, während die Frauen sich im Grunde nur hinlegen und „die Beine breitmachen“ müssten und dafür ein Leben im Luxus bekämen. Gerade weil sie selbst großen Wert auf ihren Körper legt, empfindet sie diese Ungleichheit teilweise als besonders ungerecht.
Diese Einstellung zeigt sie den Frauen jedoch kaum offen. Pereyra weiß genau, welche Stellung sie innerhalb des Hauses haben und dass ein ernsthafter Konflikt mit einer von Hugo geschätzten Frau für sie selbst problematisch werden könnte. Gegenüber Hugo verhält sie sich deshalb ausgesprochen unterwürfig und bemüht sich teilweise fast übertrieben darum, ihm zu gefallen und keinerlei Anlass zur Unzufriedenheit zu geben.
Gleichzeitig besitzt Pereyra innerhalb Bellaventras eine wichtige informelle Funktion. Durch den täglichen Umgang mit den Frauen erlebt sie deren Gespräche, Stimmungen, Streitigkeiten und persönliche Veränderungen aus unmittelbarer Nähe. Sie hört genau hin und gibt relevante Beobachtungen an Salgado weiter.
Ihre Informationen gehen jedoch nicht ausschließlich an den Sicherheitsbereich. Pereyra tauscht sich auch mit den drei für die persönliche Betreuung der Frauen zuständigen Hausdamen Milena Vacková, Klára Novotná und Jelena Morosowa aus. Sie informiert sie über auffällige Stimmungsänderungen, Konflikte, Äußerungen oder andere Dinge, von denen sie glaubt, dass sie für die Betreuung der jeweiligen Frau wichtig sein könnten.
Ebenso gibt sie Informationen aus ihrem eigenen Fachbereich weiter. Dazu gehören Veränderungen bei Fitnesswerten, Trainingsverhalten, körperlicher Leistungsfähigkeit oder ungewöhnliche Verhaltensänderungen. Wirkt eine Frau zunehmend frustriert, aggressiv, zurückgezogen oder anderweitig auffällig, meldet Pereyra dies ebenfalls.
Sie betrachtet diese Weitergabe nicht als Tratsch im gewöhnlichen Sinne, sondern ausdrücklich als Teil ihrer Aufgabe. Innerhalb Bellaventras dürfen relevante Informationen an zuständige Vorgesetzte, die Betreuung und den Sicherheitsbereich weitergegeben werden. Nach außen gelten dagegen die strengen Verschwiegenheitsregeln und die von sämtlichen Mitarbeitern unterzeichneten NDAs.
Pereyra nimmt damit eine besondere Doppelrolle ein. Einerseits führt sie einen der von den Frauen am intensivsten genutzten Bereiche von Bellaventra und steht ihnen täglich nahe. Andererseits gehört sie zu den Personen, die besonders aufmerksam beobachten, was innerhalb dieser Gruppe geschieht, und ihre Eindrücke konsequent an Salgado, Milena Vacková, Klára Novotná und Jelena Morosowa weitergeben.
Bild oben: Dr. Ricardo Salvatierra
Ärztlicher Leiter und Hausarzt von Bellaventra
Dr. Ricardo Salvatierra ist ärztlicher Leiter und Hausarzt von Bellaventra. Einschließlich seiner eigenen Person umfasst der medizinische Dienst fünf Ärzte und zehn Krankenschwestern. Das Team übernimmt die hausärztliche Versorgung innerhalb der Residenz und ist für kleinere Beschwerden ebenso zuständig wie für akute Erkrankungen, regelmäßige Untersuchungen und die medizinische Überwachung der Frauen.
Salvatierra war früher Amtsarzt und hatte dabei unter anderem mit der medizinischen Kontrolle von Prostituierten zu tun. Dadurch besitzt er umfangreiche Erfahrung mit sexuell übertragbaren Infektionen und den besonderen gesundheitlichen Problemen, die bei häufigem Sexualkontakt auftreten können. Diese Erfahrung war ein wesentlicher Grund dafür, ihn für Bellaventra zu verpflichten.
Bereits während der dreimonatigen Quarantäne- und Vorbereitungsphase werden die Frauen intensiv untersucht. Blutproben und weitere Abstriche werden an ein Labor geschickt und unter anderem auf HIV, Syphilis, Hepatitis, Chlamydien, Gonorrhö, Herpes und weitere übertragbare Infektionen untersucht. Hinzu kommen gynäkologische Untersuchungen, bei denen kontrolliert wird, ob die Frauen vaginal gesund sind und keine Auffälligkeiten oder Infektionen vorliegen.
Auch nach ihrer Aufnahme werden sie regelmäßig untersucht. Eine der mit Abstand häufigsten Erkrankungen, mit denen Salvatierra und sein Team in Bellaventra zu tun haben, sind Blasenentzündungen. Der Grund dafür ist innerhalb des medizinischen Dienstes bekannt: Hugo bevorzugt unter anderem Analverkehr mit anschließender vaginaler Penetration. Dadurch können Darmbakterien leichter in den Vaginal- und Harnröhrenbereich übertragen werden, was bei den Frauen immer wieder zu Harnwegsinfektionen führt.
Salvatierra hält deshalb entsprechende Medikamente, Urintests und Behandlungsmöglichkeiten ständig vor. Für ihn gehören solche Fälle inzwischen zur medizinischen Routine von Bellaventra. Die betroffenen Frauen können sich jederzeit melden, wenn Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen, häufiger Harndrang oder andere Beschwerden auftreten. In schwereren Fällen werden weitergehende Laboruntersuchungen durchgeführt.
Neben diesen wiederkehrenden Problemen behandelt der medizinische Dienst auch gewöhnliche hausärztliche Beschwerden wie Infekte, Kreislaufprobleme, kleinere Verletzungen oder allgemeines Unwohlsein. Einen Teil spezialisierter Leistungen hält Bellaventra ebenfalls direkt im Haus vor. Dazu gehört beispielsweise ein Zahnarzt, der neben normaler Zahnmedizin auch kosmetische Behandlungen wie professionelles Bleaching für die Frauen übernimmt.
Eine der wichtigsten Aufgaben Salvatierras bleibt jedoch die Verhinderung eingeschleppter Infektionen. Hier arbeitet er eng mit Demás und dem Sicherheitsbereich zusammen. Beide betrachten Viren, sexuell übertragbare Infektionen und andere ansteckende Erkrankungen als eines der größten vermeidbaren Risiken für Bellaventra. Salvatierra verlässt sich deshalb nur begrenzt auf Aussagen der Frauen und bevorzugt regelmäßige medizinische Kontrollen.
Darüber hinaus besitzt er eine besondere administrative Befugnis: Er muss bestätigen, wenn eine Frau Bellaventra während ihrer Monatsblutung vorübergehend verlassen darf. Vorgesehen sind dafür gewöhnlich ein oder zwei Tage mit besonders starker Blutung. Erst mit seiner medizinischen Bestätigung erhält sie die entsprechende Freigabe.
Viele Frauen nutzen diese Tage gerne für Einkäufe oder Ausflüge nach Montevideo. Sie werden chauffiert und von Sicherheitskräften begleitet. Dabei müssen sie grundsätzlich im Sichtbereich der Begleitung bleiben. Die Sicherheitsvorgaben sollen insbesondere verhindern, dass außerhalb Bellaventras unbeobachtete sexuelle Kontakte entstehen – unabhängig davon, ob diese mit Männern oder Frauen stattfinden.
Entzieht sich eine Frau bewusst der Begleitung oder besteht der Verdacht auf einen nicht genehmigten sexuellen Kontakt muss die Frau Bellaventra verlassen.
Persönlich ist Salvatierra ein höflicher, kontrollierter und nach außen ausgesprochen korrekter Mann. Er ist verheiratet, Familienvater und trennt sein Privatleben strikt von seiner Arbeit. Hinter dieser professionellen Fassade besitzt er allerdings ein deutlich misogynes Frauenbild. Er vertraut den Frauen nur begrenzt und hält medizinische Kontrollen grundsätzlich für verlässlicher als deren Aussagen.
Im direkten Patientenkontakt lässt er sich davon jedoch kaum etwas anmerken. Untersuchungen führt er sachlich und professionell durch und verlangt dies ebenso von seinen Ärzten und Krankenschwestern. Für Salvatierra besteht seine Aufgabe nicht darin, von den Frauen gemocht zu werden. Er soll dafür sorgen, dass gesundheitliche Probleme möglichst früh erkannt werden und Bellaventra medizinisch unter Kontrolle bleibt.
Bild oben: Claire Bennett
Fitnesstrainerin und Ernährungsberaterin
Claire Bennett ist Fitnesstrainerin und Ernährungsberaterin von Bellaventra und arbeitet vor allem mit den Frauen während ihrer dreimonatigen Quarantäne- und Vorbereitungsphase. Ihre Aufgabe besteht darin, die Frauen körperlich auf das Leben in Bellaventra vorzubereiten und ihr Erscheinungsbild möglichst genau an Hugos persönliche Vorstellungen anzupassen.
Dabei gibt es für Hugo einen Körperbereich, der alles andere deutlich überragt: den Bauch einer Frau. Für ihn ist ein sehr flacher, straffer und sichtbar definierter Bauch mit ausgeprägter Ab-Crack-Linie und klaren Eleven Lines nicht einfach nur attraktiv, sondern praktisch das zentrale Merkmal weiblicher Schönheit. Brüste, Po und Beine interessieren ihn selbstverständlich ebenfalls, doch nichts davon hat für ihn dieselbe Bedeutung wie die Körpermitte. Der Bauch ist für Hugo fast ein Fetisch.
Hugo formuliert seine Haltung selbst sehr klar: „Alles andere bekommt eine Frau von Gott. Das ist das Einzige, was sie selbst machen muss. Wenn sie bei mir sein und dieses Geld verdienen will, dann muss sie mir das bringen, was ich will.“ Genau diesen Gedanken vermittelt Claire den Frauen von Anfang an. Sie erklärt ihnen, dass ein hübsches Gesicht oder eine gute Figur allein nicht reichen. Wer langfristig in Bellaventra bestehen will, muss vor allem an diesem einen Punkt arbeiten.
Bennett trainiert deshalb nicht einfach auf allgemeine Fitness, sondern ganz gezielt auf Bauchdefinition, eine schmale Taille, niedrigen Körperfettanteil und eine klar gezeichnete Körpermitte. Das tägliche Training ist darauf ausgerichtet, genau den Bauchtyp zu formen, von dem Hugo regelrecht besessen ist. Fortschritte werden regelmäßig kontrolliert und die Übungen entsprechend angepasst.
Dabei arbeitet Claire eng mit Johannes Falkenberg zusammen. Gemeinsam wird für jede Frau besprochen, welche Ernährung sinnvoll ist, damit sie die gewünschte Definition erreicht, ohne einfach zu hungern. Training und Ernährung sollen so ineinandergreifen, dass der Körper insgesamt schlank bleibt, der Bauch aber besonders stark herausgearbeitet wird.
Zu Bennetts Aufgaben gehört außerdem die Koordination weiterer kosmetischer Vorbereitungen. Falls ein Bleaching oder kleinere Zahnkorrekturen sinnvoll erscheinen, organisiert sie entsprechende Termine beim Zahnarzt. Ihr Schwerpunkt bleibt jedoch immer derselbe: der Bauch. Alles andere ist für Hugo zweitrangig gegenüber dieser einen Körperpartie.
Claire Bennett ist Amerikanerin. Ihr Vater war Russe, ihre Mutter Amerikanerin. Dadurch wuchs sie zweisprachig auf und spricht neben Englisch auch fließend Russisch. Etwas Tschechisch hat sie sich später selbst beigebracht, weil sie häufig mit Frauen aus Osteuropa arbeitet.
Vor Bellaventra arbeitete Claire als Fitnessmodel und Trainerin. Sie wollte die Vereinigten Staaten verlassen und ganz bewusst einen Neuanfang in einem anderen Teil der Welt machen. Genau darin erkennt sie eine gewisse Gemeinsamkeit mit vielen der Frauen, die sie betreut: Auch sie wollen häufig Abstand zu ihrem früheren Leben gewinnen und an einem vollkommen anderen Ort neu anfangen.
Persönlich betrachtet Claire ihre Arbeit durchaus zwiespältig. Mit Hugo verbindet sie keinerlei romantisches oder sexuelles Interesse, und sie würde sich auch nicht auf ihn einlassen. Manchmal findet sie es ernüchternd, dass sie mit ihrer Erfahrung letztlich vor allem Pornodarstellerinnen darauf vorbereitet, Hugos sehr spezifischem Schönheitsideal zu entsprechen. Sie hatte sich ihre berufliche Laufbahn ursprünglich anders vorgestellt.
Trotzdem erledigt sie ihre Aufgabe ausgesprochen konsequent. Wenn eine Frau zu ihr kommt, zählt für Claire zunächst das erreichbare Ergebnis. Sie fordert Disziplin, arbeitet täglich mit ihr und erklärt sehr deutlich, worauf es in Bellaventra ankommt: Hugo kann vieles an einer Frau schön finden – aber auf den Bauch schaut er zuerst, am längsten und am kritischsten. Wer bei ihm bleiben will, muss genau dort liefern.
Bild oben: Milena Vacková
Erste Hausdame – Betreuung, Ordnung und Etikette
Milena Vacková ist Tschechin und die Erste Hausdame für Betreuung, Ordnung und Etikette in Bellaventra. Gemeinsam mit Klára Novotná und Jelena Morosowa bildet sie die unmittelbare Betreuungsebene für die Frauen. Die beiden anderen Hausdamen sind ihr unterstellt und übernehmen innerhalb dieses Systems eigene Aufgabenbereiche.
Milena spricht neben Tschechisch auch Russisch und kann sich deshalb besonders gut mit vielen Frauen aus Osteuropa verständigen. Ihre Funktion ähnelt am ehesten der einer erfahrenen Puffmutter: Sie kennt Prostitution und Pornografie aus eigener Erfahrung, weiß, wie Frauen aus diesem Milieu denken, wann sie Zuspruch brauchen und wann freundliche Worte nicht mehr ausreichen.
Milena war selbst viele Jahre Prostituierte und zeitweise in der Pornobranche tätig. Ihr früheres Leben war hart; einen erheblichen Teil davon verbrachte sie am unteren Ende des Gewerbes und zeitweise auf dem Straßenstrich. Wie genau sie später nach Bellaventra kam, ist nicht eindeutig dokumentiert. Innerhalb des Hauses hält sich allerdings hartnäckig das Gerücht, Hugo sei Jahre zuvor selbst einmal Kunde bei ihr gewesen und habe sich später an sie erinnert. Ob das tatsächlich stimmt, wissen nur wenige.
Fest steht, dass Milena Bellaventra nicht aus eigener Erfahrung als dort beschäftigte Prostituierte kennt. Sie hat diese Rolle im Haus nie ausgeübt. Stattdessen war sie früh daran beteiligt, das Betreuungssystem für die Frauen aufzubauen. Ihre Erfahrungen stammen aus ihrem früheren Leben, und genau dieses Wissen hat sie genutzt, um Regeln und Abläufe zu entwickeln, mit denen Frauen aufgenommen, beruhigt, geführt und auf das Leben in Bellaventra vorbereitet werden.
Milena erkennt Angst, Heimweh, Eifersucht, Trotz und Überforderung sehr schnell. Eine Frau kann nachts bei ihr sitzen und weinen, und Milena wird ihr zuhören, sie beruhigen und ihr erklären, dass die ersten Monate die schwierigsten sind. Sie kann ihr sagen: „Ich weiß, dass es gerade beschissen ist. Aber halte durch. Zwei oder drei Jahre hier können dein ganzes restliches Leben verändern.“
Dabei erinnert sie die Frauen auch an die finanzielle Dimension. Wer einige Jahre in Bellaventra bleibt und mehrere Millionen Euro verdient, kann später mit einer finanziellen Sicherheit gehen, die zuvor für viele vollkommen unerreichbar war. Milena benutzt dieses Argument bewusst, wenn eine Frau während der ersten Monate aufgeben möchte.
Doch ihre fürsorgliche Seite hat klare Grenzen. Wenn sie den Eindruck bekommt, dass eine Frau sich ständig selbst bemitleidet, Streit verursacht oder sich bewusst nicht einordnet, kann ihr Ton innerhalb von Sekunden umschlagen. Dann wird aus der verständnisvollen Hausdame die ehemalige Frau vom Straßenstrich. Sätze wie „Reiß dich zusammen, du blödes Stück“ oder „Du weißt genau, warum du hier bist – also hör auf, dir einzureden, du wärst eine Prinzessin“ gehören durchaus zu ihrem Repertoire.
Milena besitzt dabei echte Autorität. Hugo hat ihr ausdrücklich das Recht eingeräumt, eine Frau aus Bellaventra zu entlassen, wenn diese sich dauerhaft nicht in die Regeln einfügt, ständig Konflikte verursacht oder aus Milenas Sicht für das Zusammenleben nicht mehr tragbar ist. Sie muss deshalb nicht wegen jeder Entscheidung zu Hugo gehen. Gerade diese Befugnis macht den Frauen sehr schnell klar, dass Milena nicht lediglich eine Ansprechpartnerin ist, sondern tatsächlich über ihre Zukunft im Haus entscheiden kann.
Ihre Aufgabe besteht vor allem darin, Probleme von Hugo fernzuhalten. Streitigkeiten, Eifersucht, persönliche Krisen und Beschwerden sollen zuerst bei Milena, Klára oder Jelena landen. Gegenüber Hugo sollen die Frauen freundlich und möglichst unbelastet auftreten. Milena versteht sich deshalb ausdrücklich als Puffer zwischen Hugo und den Frauen.
Ihre Erklärung dafür kann ausgesprochen brutal sein. Wenn eine Frau glaubt, Hugo müsse sich stärker mit ihren Gefühlen oder Problemen beschäftigen, erinnert Milena sie daran, weshalb sie überhaupt in Bellaventra lebt. In ihren härtesten Momenten bezeichnet sie die Frauen provokativ als „Mülleimer für Sperma“ und macht ihnen klar, dass sie nicht dort sind, damit Hugo ihre persönlichen Sorgen löst. Probleme sollen zu ihr kommen, nicht zu ihm.
Gleichzeitig weiß Milena, dass ein weitgehend abgeschottetes Leben ohne emotionale und körperliche Nähe kaum funktioniert. Deshalb achten sie und ihre Kolleginnen darauf, dass die Frauen untereinander Freundschaften und auch sexuelle Beziehungen aufbauen. Milena erklärt neuen Frauen, dass Hugo aufgrund der großen Zahl von Frauen nicht ständig für jede Einzelne verfügbar sein wird und dass sie deshalb lernen müssen, Nähe auch untereinander zu finden.
Daneben vermittelt sie Tischmanieren, Auftreten, Kleidung, Ruhe und Etikette. Hugo bevorzugt ein feminines und kontrolliertes Auftreten und mag es nicht, wenn Frauen ständig laut sind, herumbrüllen oder sich demonstrativ vulgär verhalten. Milena versucht nicht, aus ihnen Mitglieder des Hochadels zu machen, verlangt aber, dass sie wissen, wie man sich bei einem formellen Essen, gegenüber Gästen und in den repräsentativen Bereichen des Hauses benimmt.
Auch bei der Aufnahme neuer Frauen spielt sie eine wichtige Rolle. Milena oder eine ihrer beiden Kolleginnen kann eine Neuankömmlingin bereits am Flughafen abholen, sie während der ersten Nacht begleiten oder direkt mit ihr nach Bellaventra fahren. Gerade in dieser ersten Phase soll möglichst eine Frau dabei sein, die das Milieu versteht und ohne falsche Versprechungen erklären kann, was sie erwartet.
Bemerkenswert ist Hugos persönliches Verhältnis zu Milena. Er behandelt sie mit Respekt und ausgesprochen gut. Ihre Vergangenheit als Prostituierte stört ihn überhaupt nicht. Im Gegenteil: Er weiß, dass gerade diese Vergangenheit sie für ihre Aufgabe so wertvoll macht. Sie nimmt ihm einen erheblichen Teil der Konflikte und emotionalen Probleme mit den Frauen ab, und Hugo weiß sehr genau, was das für sein eigenes Leben bedeutet.
Er hat deshalb ein starkes Interesse daran, Milena zu behalten. Sie genießt innerhalb Bellaventras eine Stellung, die weit über die einer gewöhnlichen Angestellten hinausgeht. Sie verdient außerordentlich gut und lebt in einer etwa 200 Quadratmeter großen, hochwertigen Wohnung unmittelbar bei Bellaventra. Morgens wird sie abgeholt und zur Residenz gefahren; für ihre dienstlichen und privaten Wege steht ihr bei Bedarf ein Fahrer zur Verfügung. Sie kann sich chauffieren lassen oder den Fahrer beispielsweise auch für Besorgungen und Einkäufe einsetzen.
Milena genießt diesen Lebensstandard ganz bewusst. Nach ihrem früheren Leben empfindet sie es keineswegs als selbstverständlich, in einer großen Wohnung zu leben, hervorragend bezahlt zu werden und sich um alltägliche Dinge kaum kümmern zu müssen. Gerade deshalb weiß sie auch sehr genau, was sie verlieren könnte, wenn das von ihr aufgebaute Betreuungssystem scheitert.
Diese Mischung macht sie so kompromisslos. Einer Frau, die wirklich zusammenbricht, kann sie stundenlang zuhören und helfen. Einer Frau, die sich ihrer Meinung nach lediglich weigert, die Realität zu akzeptieren, kann sie unmittelbar danach erklären, dass sie entweder die Regeln akzeptiert oder gehen muss.
Milena ist damit gleichzeitig Betreuerin, Erzieherin, Aufpasserin, Entscheidungsträgerin und Puffer zwischen Hugo und den Frauen. Hugo weiß, dass sie ihm einen Teil seines Lebens organisiert, mit dem er sich selbst kaum beschäftigen will – und genau deshalb behandelt er sie mit einer Wertschätzung und einem Respekt, den sie sich innerhalb Bellaventras selbst erarbeitet hat.
Bild oben: Klára Novotná
Zweite Hausdame – Betreuung, Ordnung und Etikette
Klára Novotná ist Tschechin und die Zweite Hausdame für Betreuung, Ordnung und Etikette in Bellaventra. Sie ist Milena Vacková direkt unterstellt und bildet gemeinsam mit ihr und Jelena Morosowa die persönliche Betreuungsebene für die Frauen. Während Milena die Führung innehat und bei Konflikten deutlich härter auftreten kann, ist Klára häufig diejenige, zu der Frauen mit alltäglichen Problemen, Sorgen oder Fragen zuerst gehen.
Klára stammt selbst aus dem Prostitutionsmilieu. Sie arbeitete lange Zeit vor allem als Tänzerin, daneben jedoch auch als Prostituierte. Dadurch kennt sie die Mischung aus Nähe, Geschäft, Selbstdarstellung, Unsicherheit und emotionaler Distanz sehr gut. Sie versteht, wie schnell Frauen in diesem Umfeld zwischen Selbstbewusstsein, Heimweh, Angst und Erschöpfung wechseln können.
Neben Tschechisch spricht Klára auch Russisch, das sie sich im Laufe ihres früheren Berufslebens angeeignet hat. Gerade im Umgang mit Frauen aus Osteuropa hilft ihr das häufig, weil sie Gespräche direkter und persönlicher führen kann.
Im Vergleich zu Milena wirkt Klára meist zugänglicher und weniger einschüchternd. Wenn eine Frau nachts nicht schlafen kann, ihre Familie vermisst oder einfach jemanden braucht, mit dem sie reden kann, ist Klára häufig die erste Ansprechpartnerin. Sie kann zuhören, beruhigen und durchaus sagen: „Ich bin nicht Milena. Sag mir einfach, was los ist. Ich weiß, wie es ist, wenn man sich fragt, ob man die richtige Entscheidung getroffen hat.“
Das bedeutet allerdings nicht, dass sie weich ist. Auch Klára kommt aus einem harten Geschäft und kann sehr deutlich werden, wenn sie merkt, dass eine Frau sich bewusst nicht einordnet oder sich selbst sabotiert. Sie versucht jedoch länger als Milena, über Vertrauen und ein beinahe freundschaftliches Verhältnis an die Frauen heranzukommen.
Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit betrifft die Tage, an denen Frauen Bellaventra während ihrer Menstruation verlassen dürfen. Nach entsprechender medizinischer Freigabe können sie morgens nach Montevideo fahren, dort einkaufen und am Abend zurückkehren. Besteht am folgenden Tag erneut eine Freigabe, kann die Fahrt wiederholt werden.
Den Frauen stehen für persönliche Ausgaben bis zu 10.000 € monatlich zur Verfügung. Vieles wird in Bellaventra ohnehin gestellt, sodass dieses Geld vor allem für persönliche Wünsche, zusätzliche Kleidung, Accessoires, Kosmetik oder andere individuelle Anschaffungen verwendet werden kann. Klára organisiert solche Einkaufsfahrten, begleitet sie teilweise und ist häufig diejenige, die praktische Fragen rund um diese Ausgaben klärt.
Auch bei finanziellen Angelegenheiten wenden sich viele Frauen direkt an sie. Sie fragen Klára, ob ihr Geld bereits eingegangen ist, wann eine Zahlung erfolgt, ob eine bestimmte Ausgabe übernommen wird oder wie viel von ihrem persönlichen Monatsbudget noch verfügbar ist. Klára klärt solche Punkte mit der zuständigen Verwaltung und gibt den Frauen anschließend Rückmeldung. Gerade dadurch ist sie für viele weniger eine formelle Hausdame als die Person, zu der man mit den kleinen Problemen des Alltags geht.
Beim Einkauf achtet sie zugleich darauf, dass Kleidung grundsätzlich zu dem Stil passt, den Hugo bevorzugt: hochwertig, elegant und feminin, möglichst so geschnitten, dass die Körpermitte betont wird. Besonders passend sind Kleidungsstücke, die einen Blick auf den Bauch freigeben oder ihn durch Schnitt und Silhouette deutlich hervorheben. Bei Unsicherheiten spricht Klára sich mit Milena und Jelena ab.
Auch außerhalb dieser Ausflüge versuchen die drei Hausdamen, möglichst viel Präsenz zu zeigen. Sie arbeiten nicht in einem starren 24-Stunden-Schichtsystem, organisieren ihre Zeiten jedoch so, dass möglichst oft eine von ihnen erreichbar ist. Besonders am Abend verbringen sie regelmäßig mehrere Stunden mit den Frauen, hören zu, sprechen mit ihnen und bekommen dadurch sehr genau mit, wie sich Stimmungen und Beziehungen innerhalb der Gruppe entwickeln.
Diese Nähe hat zugleich eine zweite Funktion. Was die Frauen Klára erzählen, bleibt nicht zwangsläufig ausschließlich bei ihr. Auffällige Aussagen, starke Frustration, Konflikte oder andere Informationen, die aus ihrer Sicht für die Stabilität oder Sicherheit innerhalb Bellaventras relevant sind, gibt sie an Salgado oder Demás weiter. Klára betrachtet dies als Teil ihrer Aufgabe: Sie hört zu und hilft, muss aber gleichzeitig erkennen, wann aus einem persönlichen Problem ein größeres Risiko werden könnte.
Wenn Milena nicht anwesend ist, übernimmt Klára weitgehend deren alltägliche Aufgaben und wird zur wichtigsten Ansprechpartnerin. Sie besitzt nicht Milenas vollständige Autorität und kann keine grundsätzlichen Entscheidungen in demselben Umfang treffen, ist jedoch in der Lage, die meisten Probleme selbstständig zu lösen und kleinere Konflikte abzufangen.
Auch privat hat sich ihr Leben durch Bellaventra grundlegend verändert. Klára lebt in einer komfortablen Wohnung von ungefähr 75 Quadratmetern in der Nähe der Residenz und verdient sehr gut. Sie ist dankbar dafür, nicht mehr in ihrem früheren Beruf arbeiten zu müssen.
Klára hat einen festen Freund. Er weiß, dass sie heute als Betreuerin für Frauen in einer privaten Residenz arbeitet, kennt aber weder alle Einzelheiten ihrer Tätigkeit noch ihre vollständige Vergangenheit. Dass sie früher selbst als Prostituierte gearbeitet hat, hat sie ihm bislang verschwiegen.
Gerade dadurch besitzt Klára eine besondere Nähe zu vielen Frauen in Bellaventra. Sie weiß, wie es ist, einen Lebensabschnitt hinter sich lassen zu wollen und trotzdem von der eigenen Vergangenheit begleitet zu werden. Deshalb kann sie glaubwürdig Verständnis zeigen, ohne ihre Aufgabe aus den Augen zu verlieren.
Klára ist damit vor allem die praktische und zugänglichere Ergänzung zu Milena: Sie kümmert sich um persönliche Sorgen, Geldfragen, Einkäufe, alltägliche Probleme und emotionale Krisen, während Milena stärker für Führung, Disziplin und grundsätzliche Entscheidungen steht. Klára hört zu, begleitet und hilft – und weiß zugleich genau, wann Informationen an Salgado, Demás oder Milena weitergegeben werden müssen.
Bild oben: Jelena Morosowa
Dritte Hausdame – Betreuung, Ordnung und Etikette
Jelena Morosowa ist Russin und die Dritte Hausdame für Betreuung, Ordnung und Etikette in Bellaventra. Sie ist die jüngste und neueste der drei Hausdamen und arbeitet direkt unter Klára Novotná, die wiederum Milena Vacková unterstellt ist. Innerhalb dieser Struktur gilt Jelena im Wesentlichen als Stellvertreterin von Klára und wird zugleich darauf vorbereitet, später einmal deren Position zu übernehmen.
Auch Jelena arbeitete früher als Prostituierte. Gerade deshalb kann sie sich gut in viele der Frauen hineinversetzen, die neu nach Bellaventra kommen. Sie kennt Unsicherheit, Angst, Scham und das Gefühl, in eine völlig neue Umgebung zu geraten, in der man zunächst nicht weiß, wie alles funktioniert.
Ihr wichtigster Aufgabenbereich beginnt deshalb häufig direkt bei der Ankunft. Jelena führt neue Frauen durch Bellaventra, zeigt ihnen die wichtigsten Bereiche und erklärt ihnen, wie das Haus funktioniert. Sie zeigt ihnen, wo sich Spa, Fitnessbereich, medizinischer Bereich, Restaurants, Gemeinschaftsräume und andere Einrichtungen befinden und an wen sie sich mit bestimmten Fragen wenden können.
Besonders wichtig ist dabei der Conciergeservice am Eingang, der ähnlich wie in einem Luxushotel funktioniert. Jelena erklärt neuen Frauen sehr früh, dass sie nicht jede organisatorische Frage selbst lösen müssen. Wenn sie einen Termin benötigen, etwas bestellen möchten, eine Reservierung brauchen, einen Fahrer benötigen oder irgendeine andere praktische Angelegenheit geklärt werden soll, können sie sich an den Concierge wenden. Ihre Aufgabe besteht also nicht darin, solche Termine selbst dauerhaft zu organisieren, sondern den Frauen zu zeigen, wie sie das System von Bellaventra selbst nutzen können.
Gerade während der ersten Tage bleibt Jelena häufig näher bei den Neuankömmlingen. Sie erklärt Abläufe, beantwortet Fragen und sorgt dafür, dass sich eine Frau nicht völlig verloren fühlt. Im Laufe der Zeit zieht sie sich stärker zurück, sobald klar ist, dass die Frau weiß, wo sie Hilfe bekommt und wie sie sich innerhalb der Residenz orientieren kann.
Auch emotional ist Jelena häufig leichter zugänglich als Milena. Manche Frauen sprechen lieber mit ihr, weil sie weniger Autorität ausstrahlt und näher an ihrem eigenen früheren Leben erscheint. Sie hört zu, beruhigt und versucht Vertrauen aufzubauen. Gleichzeitig weiß sie, dass sie nicht einfach nur Freundin der Frauen ist. Auffällige Entwicklungen oder ernsthafte Probleme bespricht sie mit Klára oder Milena und gibt relevante Informationen gegebenenfalls auch an Salgado oder Demás weiter.
Bei der Ankunft neuer Frauen ist Jelena besonders häufig eingesetzt. Sie kann sie am Flughafen in Montevideo abholen und nach Bellaventra begleiten. Sollte eine Neuankömmlingin ausnahmsweise noch eine Nacht in einem Hotel verbringen wollen, etwa um sich nach der Reise zunächst zu akklimatisieren oder noch etwas zu erledigen, bleibt Jelena ebenfalls dort. Die Frau erhält ihr eigenes Zimmer, Jelena übernachtet separat und bleibt lediglich in unmittelbarer Nähe als Ansprechpartnerin. Solche Fälle kommen allerdings nur selten vor.
Privat lebt Jelena ähnlich komfortabel wie Klára. Sie verfügt über eine hochwertige Wohnung von ungefähr 75 Quadratmetern in der Nähe Bellaventras und verdient ebenfalls sehr gut. Finanziell liegt sie auf demselben Niveau wie Klára, auch wenn ihre formale Verantwortung derzeit noch geringer ist.
Diese Stellung ist bewusst so angelegt. Jelena soll nicht dauerhaft nur eine zusätzliche Betreuerin bleiben, sondern schrittweise mehr Verantwortung übernehmen. Wenn Milena eines Tages ausscheidet und Klára zur Ersten Hausdame aufrückt, ist vorgesehen, dass Jelena Kláras bisherige Position übernimmt.
Ihre Rolle innerhalb Bellaventras ist damit klar abgegrenzt: Milena führt, Klára trägt die zweite Verantwortungsebene, und Jelena kümmert sich besonders um Orientierung, Eingewöhnung und den unmittelbaren Kontakt zu neuen Frauen. Sie zeigt ihnen, wie Bellaventra funktioniert, wo sie Hilfe bekommen und an wen sie sich wenden müssen – und sorgt dafür, dass aus einer Neuankömmlingin möglichst schnell jemand wird, der sich im Haus selbstständig zurechtfindet.
Bild oben: Valentina Bondi
Direktorin der Konzernkommunikation und persönliche Pressesprecherin von Hugo Voss
Valentina Bondi ist Argentinierin, stammt aus Buenos Aires und gehört zu den wichtigsten Personen im unmittelbaren Umfeld von Hugo Voss. Als Direktorin der Konzernkommunikation und persönliche Pressesprecherin von Hugo Voss ist sie das zentrale Sprachrohr für praktisch alles, was Hugo, seine Unternehmen, seine Stiftungen und sein Privatleben öffentlich betrifft.
Ihre Kommunikationsabteilung umfasst insgesamt 16 Personen. Valentina steht als Hauptpressesprecherin und Leiterin an der Spitze. Ihr direkt unterstellt ist Nicolás Barreto, der ausschließlich als Pressesprecher für den Voss-Konzern und dessen Unternehmen zuständig ist. Hinzu kommen vier weitere Pressereferenten sowie zehn Mitarbeiter, die intern wie eine eigene Medien- und Kommunikationsagentur arbeiten. Sie bereiten Presseunterlagen vor, planen Werbe- und Medienkampagnen, betreuen Veröffentlichungen der Stiftungen und koordinieren die Kommunikation der verschiedenen Projekte.
Die Aufgabenteilung zwischen Valentina und Nicolás ist klar: Nicolás kümmert sich um klassische Unternehmensmeldungen – neue Investitionen, Übernahmen, Geschäftszahlen, Projekte oder Veränderungen innerhalb des Konzerns. Sobald eine Anfrage jedoch Hugo persönlich betrifft oder über reine Unternehmenskommunikation hinausgeht, liegt sie bei Valentina. Damit erreichen sie täglich Anfragen aus aller Welt: Wo investiert Hugo und warum? Welche politischen Vorstellungen hat er? Warum unterstützt er bestimmte Projekte? Wie lebt er? Wie ist sein Verhältnis zu Frauen? Stimmen bestimmte Gerüchte? Ebenso landen Boulevardanfragen und Fragen zu seinem Privatleben bei ihr.
Valentina entscheidet, welche Fragen beantwortet werden, welche Informationen veröffentlicht werden und wann die Antwort schlicht lautet, dass es keinen Kommentar geben wird. Sie bestimmt gemeinsam mit der Unternehmensführung auch, wann Medien einen ungewöhnlich tiefen Einblick erhalten. Möchte ein Fernsehsender beispielsweise Teile des Voss-Komplexes zeigen, Büroräume filmen oder eine größere Reportage über Hugos Aktivitäten produzieren, läuft die Anfrage über ihren Schreibtisch. Ebenso stimmt sie sich mit Michael Schubert ab, wenn ein Fernsehsender ein Interview mit ihm führen möchte oder wenn entschieden werden muss, wer den Konzern öffentlich vertritt.
Sie selbst tritt regelmäßig in Nachrichtensendungen, Interviews und Diskussionsformaten auf. Besonders dann, wenn es nicht mehr nur um Unternehmen, sondern unmittelbar um Hugo geht, ist sie häufig diejenige, die vor den Kameras sitzt. Als später öffentliche Skandale um Hugo bekannt werden, fällt ihr damit eine besonders schwierige Aufgabe zu: Sie muss ihren Chef öffentlich vertreten und verteidigen, während Journalisten aus aller Welt versuchen, ihr Aussagen zu entlocken.
Für diese Stellung ist Valentina außergewöhnlich geeignet. Sie ist extrem intelligent, analytisch, eloquent und bemerkenswert schlagfertig. Auch unter aggressiver Befragung verliert sie kaum die Kontrolle über ein Gespräch. Sie erkennt sehr schnell, worauf ein Journalist mit einer Frage hinauswill, und kann ihre Antwort innerhalb weniger Sekunden entsprechend formulieren. Dabei weiß sie nicht nur genau, was sie sagen sollte, sondern vor allem auch, was sie nicht sagen darf. Nicolás besitzt ähnliche Fähigkeiten, doch innerhalb der Kommunikationshierarchie bleibt Valentina eindeutig seine Vorgesetzte.
Valentina spricht Spanisch als Muttersprache, fließend Englisch und sehr gutes Portugiesisch. Durch ihre Funktion ist sie eines der wenigen Mitglieder des Voss-Apparats, das sowohl die geschäftliche als auch die private Seite Hugos sehr genau kennt. Trotzdem behandelt sie diese Informationen streng professionell und trennt deutlich zwischen dem, was sie weiß, und dem, was für die Öffentlichkeit bestimmt ist.
Privat fällt ihre Bewertung von Hugos Lebensweise allerdings deutlich anders aus als ihre vorsichtigen öffentlichen Formulierungen vermuten lassen. Gegenüber ihren Schwestern und engen Freundinnen gibt sie offen zu, dass sie sein polyamores Lebensmodell in mancher Hinsicht sogar für ausgesprochen vernünftig hält.
Valentina ist selbst verheiratet. Ihr Mann ist älter als sie und vertritt ein traditionelles, stark machistisch geprägtes Rollenverständnis. Obwohl Valentina beruflich eine große Abteilung führt, weltweit mit Medien verhandelt und zu den wichtigsten Führungskräften im Umfeld eines der mächtigsten Unternehmer der Welt gehört, erwartet ihr Mann zu Hause weiterhin, dass ein erheblicher Teil der klassischen Hausarbeit von ihr erledigt wird.
Gerade deshalb betrachtet sie Hugos Haushalt mit einer Mischung aus Ironie und echtem Interesse. Für sie teilen die Frauen dort nicht einfach nur einen Mann. Sie teilen sich auch Alltag, Belastungen und Verantwortung. Wenn eine Frau erschöpft ist, muss sie nicht automatisch alles selbst erledigen. Es gibt andere Menschen im Haus, mit denen Aufgaben geteilt werden können. Valentina kommentiert gegenüber Freundinnen gelegentlich trocken, dass Hugos Frauen wenigstens jemanden im Haus hätten, der gemeinsam mit ihnen die Wäsche mache, während sie nach einem langen Arbeitstag noch nach Hause komme und dort erneut Arbeit auf sie warte.
Auch den sexuellen Aspekt sieht sie pragmatisch. Wenn eine der Frauen keine Lust auf Sex hat, entsteht daraus für sie nicht zwangsläufig derselbe Konflikt, der in einer monogamen Beziehung entstehen könnte. Hugo kann Zeit mit einer anderen Partnerin verbringen, während die betreffende Frau ihren Freiraum behält.
Valentina romantisiert dieses Lebensmodell nicht und behauptet auch nicht, dass es für jeden funktionieren würde. Aber je länger sie Hugos privates Umfeld beobachtet, desto stärker kommt sie zu der Überzeugung, dass Hugo und die Frauen in einigen Punkten möglicherweise etwas richtig machen, das Außenstehende vorschnell verurteilen. Für sie liegt der entscheidende Vorteil weniger in der Sexualität als in der Aufteilung von Aufmerksamkeit, Verantwortung, Arbeit und emotionalem Druck.
Diese Meinung bleibt allerdings weitgehend privat. Öffentlich ist Valentina Bondi nicht die Frau, die Hugos Lebensmodell bewertet. Öffentlich ist sie diejenige, die entscheidet, was die Welt über Hugo Voss erfährt – und wie sie es erfährt.
Bild oben: Nicolás Barreto,
Pressesprecher für die Voss Firmen
Nicolás Barreto ist Mexikaner und arbeitet als Pressesprecher der Voss-Unternehmen. Innerhalb der Kommunikationsabteilung ist er Valentina Bondi direkt unterstellt. Während Bondi die Gesamtkommunikation verantwortet und zugleich Hugo Voss persönlich vertritt, konzentriert sich Nicolás vor allem auf die geschäftliche Seite: Unternehmen, Investitionen, Bauprojekte und wirtschaftliche Entscheidungen.
Zu Beginn liegt sein Schwerpunkt vor allem auf den Aktivitäten, die Voss in Uruguay aufbaut. Er beantwortet Fragen zum Voss-Komplex, zu neuen Unternehmen, Arbeitsplätzen, Bauvorhaben und Investitionen im Land. Als Hugo später beginnt, große Teile seines Vermögens aus dem Wertpapierhandel in die Realwirtschaft umzuschichten, gewinnt Nicolás innerhalb der Organisation erheblich an Bedeutung. Mit der wachsenden Zahl von Beteiligungen und Unternehmen wird auch die Menge der internationalen Presseanfragen immer größer.
Er erklärt Journalisten beispielsweise, wo Voss investiert hat, warum eine bestimmte Branche ausgewählt wurde und wie sich eine Investition entwickelt hat. Dabei versucht er nicht, jede Entscheidung nachträglich als Erfolg zu verkaufen. Wenn ein Projekt gut gelaufen ist, sagt er das genauso offen wie bei einem Geschäft, bei dem der Konzern Geld verloren hat. Diese vergleichsweise nüchterne Art verschafft ihm bei Wirtschaftsjournalisten eine gewisse Glaubwürdigkeit.
Wenn Valentina mit einer größeren politischen, privaten oder internationalen Angelegenheit beschäftigt ist, übernimmt Nicolás außerdem einen Teil der allgemeinen Pressearbeit. Er kann deshalb durchaus Fragen beantworten, die über ein einzelnes Unternehmen hinausgehen. Die klare Grenze bleibt jedoch bestehen: Sobald es unmittelbar um Hugos Privatleben, größere persönliche Kontroversen oder strategisch besonders sensible Fragen geht, liegt die endgültige Verantwortung bei Valentina.
Nicolás ist hochintelligent, sehr eloquent und ausgesprochen schlagfertig. Ähnlich wie Valentina erkennt er schnell, worauf ein Journalist mit einer Frage hinauswill. Sein Auftreten ist jedoch weniger kontrolliert-elegant als ihres. Nicolás wirkt lockerer, direkter und gelegentlich etwas zynisch. Gerade in Wirtschaftssendungen funktioniert das gut, weil er komplexe Zusammenhänge verständlich erklären kann, ohne wie ein vorbereiteter Unternehmenssprecher zu wirken.
Privat unterscheidet er sich deutlich von Hugo. Nicolás ist geschieden und betrachtet Hugos Leben mit mehreren Frauen keineswegs mit Neid. Wenn Freunde ihn fragen, ob er mit seinem Chef tauschen würde, lehnt er entschieden ab. Für ihn wäre schon eine komplizierte Beziehung genug Arbeit; ein ganzes Haus voller Partnerinnen hält er eher für eine Vorstellung von permanentem Stress als für einen Traum.
In einem anderen Punkt versteht er Hugo allerdings sehr gut. Nicolás hat ein ausgesprochen unverkrampftes Verhältnis zu Prostitution und gibt privat auch erhebliche Summen dafür aus. In Uruguay, wo er lebt und arbeitet, macht er daraus in seinem persönlichen Umfeld kein großes Geheimnis. Für ihn ist es eine einfache, klare Form einer Vereinbarung, bei der beide Seiten wissen, worum es geht.
Eine seiner typischen Bemerkungen darüber stammt nach eigener Aussage noch aus seiner Jugend:
„Mit achtzehn bin ich irgendwann aus einer Disco raus und habe mir gedacht: Weißt du was? Ich fahre jetzt einfach dahin, wo die Frauen sich freuen, wenn ich komme.“
Der Satz passt zu Nicolás: selbstironisch, etwas provokant und so formuliert, dass jeder sofort versteht, was er meint, ohne dass er es weiter erklären muss.
Gerade diese Mischung macht ihn zu einem wirkungsvollen Gegenstück zu Valentina. Sie ist die oberste Strategin der öffentlichen Kommunikation und schützt Hugo auch persönlich. Nicolás ist stärker der Mann für Zahlen, Unternehmen und konkrete Geschäfte. Wo Valentina jedes Wort auf seine möglichen politischen oder persönlichen Folgen prüft, kann Nicolás trockener und unmittelbarer auftreten.
Mit dem Wachstum des Voss-Konzerns entwickelt er sich dadurch von einem Pressesprecher für die zunächst noch überschaubaren Aktivitäten in Uruguay zu einem der wichtigsten öffentlichen Vertreter von Hugos weltweitem Unternehmensimperium.
Das achtköpfige Strategen- und Analystenteam bildet den engsten fachlichen Kreis um Hugo, wenn es um Wertpapierhandel, Unternehmensbewertungen und größere Investmententscheidungen geht. Drei Mitglieder dieses Teams begleiten ihn bereits seit seiner Zeit in Monaco: Alexander Whitmore, Dr. Arjun Mehta und Dr. Leila Farhadi. Sie lernten Hugo zuvor im Londoner Finanzumfeld kennen. Whitmore kam aus dem Umfeld der Deutschen Bank, Mehta von Merrill Lynch und Farhadi von der UBS. Alle drei gaben sichere und gut bezahlte Positionen auf, um sich Hugo anzuschließen und mit ihm nach Monaco zu gehen.
Das war zu diesem Zeitpunkt keineswegs eine sichere Karriereentscheidung. Hugo verfügte zwar bereits über Kapital und hatte den drei früh gezeigt, dass er Märkte ungewöhnlich schnell erfasste und Zusammenhänge erkannte, die anderen entgingen. Ein bewiesenes Erfolgsmodell hatte er jedoch noch nicht. Seine erste größere Investition scheiterte, die zweite entwickelte sich ebenfalls deutlich schlechter als erwartet. Erst die dritte größere Position brachte den entscheidenden Erfolg und verhinderte, dass das junge Unternehmen bereits in seiner Anfangsphase ernsthafte Schwierigkeiten bekam. Danach folgten mehrere außergewöhnlich erfolgreiche Geschäfte. Whitmore, Mehta und Farhadi gehören deshalb zu den wenigen Mitarbeitern, die nicht erst zu einem bereits erfolgreichen Hugo stießen, sondern den riskanten Aufbau von Anfang an miterlebten.
Finanziell bedeutete ihr Wechsel zunächst sogar einen Rückschritt. In den ersten Jahren verdienten sie bei Hugo weniger, als sie bei ihren bisherigen Arbeitgebern hätten verdienen können. Mit dem späteren Erfolg änderte sich das grundlegend. Gerade deshalb besitzen die drei innerhalb des heutigen Teams eine besondere Stellung: Sie kennen nicht nur Hugos Arbeitsweise, sondern auch seine Fehlentscheidungen, seine Reaktion auf Verluste und die Entwicklung seiner Investmentstrategie seit den ersten Jahren.
Die übrigen fünf Strategen und Analysten kamen erst später in Uruguay hinzu. Gemeinsam bilden die acht heute das zentrale Investmentteam. Sie analysieren Unternehmen, Branchen und Märkte, entwickeln Investmentideen, überprüfen bestehende Positionen und bereiten Entscheidungen vor. Hugo trifft die endgültigen Entscheidungen jedoch weiterhin selbst.
Für die wichtigsten Besprechungen fährt das gesamte Team nach Bellaventra. Dort befindet sich der Konferenzraum, in dem die Analysen zusammengeführt und die größeren Positionen diskutiert werden. Neben Hugo und den acht Strategen nehmen regelmäßig Claire und Michael Schubert teil. Bondi kommt hinzu, wenn eine Entscheidung bereits weiter fortgeschritten ist und ihre Auswirkungen auf andere Unternehmensbereiche oder die spätere öffentliche Kommunikation relevant werden. Dann ist der Konferenzraum vollständig besetzt.
Diese Besprechungen sind kein formelles Abnicken bereits getroffener Entscheidungen. Von den acht wird ausdrücklich erwartet, Hugo zu widersprechen. Eine Investmentthese wird von mehreren Seiten angegriffen, Annahmen werden überprüft und mögliche Verluste ebenso ausführlich behandelt wie die erwarteten Gewinne. Gerade Whitmore, Mehta und Farhadi besitzen dabei eine besondere Freiheit im Umgang mit Hugo: Sie haben schon erlebt, dass er falschlag, bevor sein Name mit Milliardenvermögen und spektakulären Börsenerfolgen verbunden wurde.
Bild oben: Dr. Leila Farhadi
Chefanalystin von Hugos Investmentgesellschaft
Dr. Leila Farhadi ist einige Jahre älter als Hugo und gehört zu den drei Personen im Investmentteam, die ihn bereits aus seiner Zeit in Monaco kennen. Vor ihrem Wechsel zu Hugo arbeitete sie in London für die UBS, zuletzt im Bereich Unternehmensanalyse und strategische Bewertung großer börsennotierter Konzerne. Ihr Schwerpunkt lag weniger auf kurzfristigem Trading als auf der Frage, ob ein Unternehmen langfristig tatsächlich das wert war, was der Markt ihm zuschrieb. Gerade darin ergänzte sie Hugo früh: Während er sehr schnell Muster erkannte und bereit war, aggressiv Positionen einzugehen, zwang Farhadi ihn regelmäßig dazu, seine Annahmen bis ins Detail zu begründen.
Sie stammt aus einer iranischstämmigen Familie, wuchs jedoch größtenteils in Großbritannien auf und studierte Wirtschaftswissenschaften und Finanzmathematik in London. Schon vor ihrem Wechsel galt sie als ausgesprochen nüchtern, analytisch und schwer zu beeindrucken. Statussymbole, Hierarchien und große Namen interessieren sie wenig. Auch Hugo behandelt sie bis heute weniger wie einen der reichsten Männer der Welt als wie den Mann, mit dem sie seit vielen Jahren über Bilanzen, Fehlbewertungen und Risiken streitet.
Als Hugo sie damals fragte, ob sie ihre sichere Position aufgeben und mit ihm nach Monaco gehen würde, hielt sie den Plan für hochriskant. Trotzdem ging sie mit. Nicht aus persönlicher Loyalität, sondern weil sie überzeugt war, dass Hugo über eine außergewöhnliche Fähigkeit verfügte, Marktbewegungen früher zu erkennen als andere. Dass seine ersten Geschäfte keineswegs alle funktionierten, änderte daran wenig. Farhadi gehörte vielmehr zu denen, die ihm nach den frühen Fehlschlägen offen sagten, wo seine Analyse falsch gewesen war.
Hugos Erkrankung kennt sie seit Monaco aus unmittelbarer Nähe. Sie hat erlebt, wie stark äußere Reize seinen Alltag einschränken und wie sehr seine Lebensweise durch diese Grenzen bestimmt wird. Deshalb betrachtet sie auch Bellaventra ausgesprochen pragmatisch. Für sie ist die Anlage im Kern „Hugos Privatpuff“, wie sie es ohne besondere Wertung nennt. Gleichzeitig versteht sie, weshalb Hugo sich eine Umgebung geschaffen hat, in der nahezu alles zu ihm kommt, statt dass er selbst ständig einer Außenwelt ausgesetzt sein muss, die er nur schwer erträgt.
Ob sie seine Lebensweise persönlich gutheißt, spielt für sie kaum eine Rolle. Sie hat keinerlei Interesse daran, Hugo moralisch zu erziehen, und ebenso wenig daran, sein Privatleben zu imitieren. Für sie zählt, ob er bei Investmententscheidungen klar denkt und ob persönliche Bedürfnisse seine Urteilsfähigkeit beeinflussen. Solange das nicht geschieht, betrachtet sie Bellaventra schlicht als Teil seiner Lebensorganisation.
Farhadi besitzt zudem einen trockenen, gelegentlich ausgesprochen derben Humor. Wenn Gespräche über Hugos Frauen, Beziehungen oder sein Sexualleben zu lange dauern, beendet sie solche Diskussionen gerne mit ihrem Standardsatz:
„Ich kümmere mich auch um meine Orgasmen selber.“
Der Satz beschreibt ihre Haltung ziemlich vollständig. Sie braucht weder Hugos Lebensmodell noch dessen Rechtfertigung. Sie interessiert sich für ihre Arbeit, ihre Freiheit und ihre eigenen Entscheidungen. Gerade diese Distanz macht sie innerhalb des Teams zu einer der Personen, die Hugo besonders ernst nimmt.
Bild oben: Dr. Arjun Mehta
Chefanalyst und Direktor für Technologieanalyse
Dr. Arjun Mehta gehört wie Whitmore und Farhadi zu den drei Analysten, die Hugo bereits aus der Zeit vor Uruguay kennen. Vor seinem Wechsel arbeitete er in London bei Merrill Lynch, wo er sich vor allem mit Technologieunternehmen, Wachstumswerten und der Bewertung neuer Geschäftsmodelle beschäftigte. Er galt schon damals als hervorragender Analyst, allerdings auch als jemand, der kaum diplomatische Fähigkeiten besaß. Mehta sagt, was er denkt, und meistens sagt er es genauso grob, wie es ihm gerade durch den Kopf geht.
Mit Hugo ging er zunächst gerne nach Monaco. Dort hatte er sich auf ein Leben eingestellt, das ihm ausgesprochen gut gefiel: gutes Wetter, Restaurants, Autos, kurze Wege und die Nähe zu den europäischen Finanzzentren. Als Hugo später ankündigte, nach Uruguay zu gehen, war Mehta von den drei alten Weggefährten derjenige, der den stärksten Widerstand leistete.
Seine erste Reaktion fiel entsprechend aus:
„Was zum Teufel soll ich am anderen Ende der Welt in irgendeiner Pampa?“
Mehta machte Hugo deutlich, dass er keinerlei Interesse daran hatte, sein Leben in Monaco aufzugeben. Mehrfach erklärte er, dass Hugo gerne nach Uruguay ziehen könne, er selbst aber keinen Grund sehe, ihm dorthin zu folgen. Erst nach längeren Gesprächen ließ er sich schließlich überreden. Dabei spielte weniger Uruguay eine Rolle als die Tatsache, dass er wusste, mit wem er arbeitete. Mehta war überzeugt, dass er bei kaum jemand anderem dieselben Möglichkeiten bekommen würde wie bei Hugo.
Bis heute macht er keinen Hehl daraus, dass Uruguay niemals seine eigene Wahl gewesen wäre. Er arrangiert sich damit, arbeitet dort hervorragend und hat sich längst ein komfortables Leben aufgebaut – aber wenn jemand behauptet, er habe sich schon immer nach Südamerika gesehnt, erntet er von ihm höchstens ein spöttisches Lachen.
Auch Hugos Privatleben behandelt Mehta völlig anders als Farhadi. Er analysiert es nicht und versucht erst recht nicht, es zu verstehen. Für ihn ist es schlicht eine Tatsache, dass Hugo von sehr vielen Frauen umgeben ist. Ob daraus Bellaventra geworden ist oder irgendein anderes Modell, interessiert ihn nur dann, wenn es Hugos Arbeit beeinflusst.
Wenn Hugo in einer Besprechung unkonzentriert wirkt, kann Mehta durchaus vor allen anderen fragen:
„Hast du heute Morgen schon wieder zu viel gefickt, oder warum kannst du nicht denken?“
Diese Art von Sprache gehört bei ihm zum normalen Umgangston. Er verwendet Begriffe wie „ficken“, „Nutten“ oder „Fotzen“ ohne besondere Absicht zu provozieren. Es ist schlicht seine derbe Art, die teilweise noch aus den aggressiven Handelsräumen und Investmentbanking-Abteilungen seiner früheren Karriere stammt.
Auf die Frage, was er von Bellaventra und den vielen Frauen halte, könnte seine Antwort entsprechend ausfallen:
„Von mir aus soll er sich noch hundert Fotzen mehr anschaffen. Mich interessiert nur, ob wir damit Geld verdienen. Wenn es ihm hilft, einen klaren Kopf zu behalten, soll er machen, was er will.“
Oder noch kürzer:
„Wie viele Nutten Hugo um sich herum hat, ist mir scheißegal. Ich bin hier, um Geld zu verdienen.“
Genau darin liegt auch Mehtas Verhältnis zu Hugo. Er ist weder Bewunderer noch Vertrauter in privaten Dingen. Er arbeitet mit Hugo, weil er ihn für einen außergewöhnlichen Investor hält und weil beide gemeinsam enorme Summen verdienen können. Gleichzeitig gehört Mehta zu den wenigen Männern, die Hugo ohne Zögern ins Gesicht sagen, wenn sie eine Entscheidung für vollkommen bescheuert halten.
Seine Loyalität zeigt sich deshalb nicht durch Gefälligkeit, sondern durch Widerstand. Gerade weil er schon bei der Entscheidung für Uruguay massiv widersprochen hat, weiß Hugo, dass ein zustimmendes Urteil von Mehta tatsächlich etwas bedeutet.
Bild oben: Alexander Whitmore
Sein Fachgebiet sind Unternehmensbewertungen, Übernahmen und Sondersituationen
Alexander Whitmore ist etwa fünf Jahre jünger als Hugo und gehört zu den drei Strategen, die bereits vor Uruguay mit ihm zusammenarbeiteten. Vor seinem Wechsel zu Hugo war er bei der Deutschen Bank in London tätig und spezialisierte sich dort auf Unternehmensbewertungen, Übernahmen und Sondersituationen. Er besitzt ein ausgesprochen gutes Gespür dafür, komplizierte Unternehmensstrukturen zu zerlegen und Möglichkeiten zu erkennen, die anderen Analysten zunächst entgehen. Besonders bei Übernahmekandidaten, Abspaltungen, Restrukturierungen und ungewöhnlichen Börsensituationen gehört er zu den stärksten Köpfen in Hugos Team.
Whitmore ist unverheiratet und beabsichtigt auch nicht zu heiraten. Privat ist er ein notorischer Schürzenjäger, der praktisch jeder attraktiven Frau hinterherläuft, bei der er sich Chancen ausrechnet. Sex und Frauen behandelt er genauso offen wie Geld und Börsengeschäfte. Diskretion interessiert ihn dabei kaum. Im Gegenteil: Es gefällt ihm durchaus, wenn andere mitbekommen, dass er während eines Arbeitstages eine Besprechung unterbricht, weil ihm gerade eine Frau interessanter erscheint.
Gleichzeitig besitzt er einen beinahe krankhaften Bewegungs- und Beschäftigungsdrang. Whitmore fährt Ski, geht bergsteigen, segelt und spielt Golf, Tennis und Squash. Ruhe empfindet er nicht als Erholung, sondern fast als Belastung. Wenn er keinen Sport treibt, arbeitet er. Wenn er nicht arbeitet, sucht er nach dem nächsten Geschäft. Selbst nachts kann er aufwachen und anfangen, eine Aktie, ein Unternehmen oder eine mögliche Übernahme zu analysieren, weil ihm im Schlaf irgendein Zusammenhang eingefallen ist.
Diese Rastlosigkeit macht ihn zu einem hervorragenden Analysten. Whitmore sucht permanent nach der nächsten Gelegenheit. Ein Unternehmen kann für ihn gleichzeitig Übernahmekandidat, Shortposition, Restrukturierungsfall oder mögliche Aufspaltung sein. Er denkt selten nur darüber nach, was ein Unternehmen heute wert ist, sondern fast immer darüber, was man daraus machen könnte und wie sich damit Geld verdienen lässt.
Sein sexuelles Verhalten ist ähnlich exzessiv. Whitmore behauptet gerne, Sex sei für ihn beinahe eine Voraussetzung dafür, vernünftig arbeiten zu können. Dabei beruft er sich scherzhaft auf die John F. Kennedy zugeschriebene Bemerkung, dieser habe nach einigen Tagen ohne Frau Kopfschmerzen bekommen. Whitmores eigene Version lautet:
„Kennedy hat angeblich nach drei Tagen ohne Frau Kopfschmerzen bekommen. Aber ich bin eben potenter als Kennedy. Wenn ich nicht dreimal am Tag komme, kann ich nicht mehr richtig denken.“
Ob das ernst gemeint oder reine Selbstdarstellung ist, lässt Whitmore bewusst offen. Beides gehört bei ihm zusammen. Er pflegt dieses Bild von sich und benutzt dabei regelmäßig eine ausgesprochen derbe Sprache. Wörter wie „ficken“, „Nutten“ oder „Fotzen“ gehören bei ihm selbstverständlich zum Wortschatz. Er kann während einer langen Besprechung ohne jede Verlegenheit erklären, dass er jetzt erst einmal eine Frau brauche und anschließend wieder vernünftig über Milliardeninvestitionen sprechen könne.
Bellaventra betrachtet er deshalb vollkommen anders als Farhadi. Für ihn ist Hugos Lebensmodell nicht problematisch, sondern beneidenswert. Er nennt Bellaventra ganz offen „Hugos Privatpuff“ und erklärt regelmäßig, dass er sich irgendwann selbst etwas Vergleichbares anschaffen möchte. Seine Haltung dazu fasst er ebenso vulgär wie einfach zusammen:
„Von mir aus soll Hugo sich noch hundert Fotzen mehr anschaffen. Wenn es ihm hilft, klar zu denken und Geld zu verdienen, soll er machen. Mich interessiert nur das Geschäft.“
Whitmore selbst nutzt in Uruguay regelmäßig legale Prostitution und macht daraus keinerlei Geheimnis. Im Gegenteil: Er zelebriert es beinahe demonstrativ. Wenn eine Besprechung lange dauert oder er meint, seine Konzentration lasse nach, lässt er sich eine Prostituierte kommen, verschwindet mit ihr für einige Minuten in sein Büro oder einen Nebenraum und kehrt anschließend zurück, als hätte er lediglich einen Kaffee geholt. Dann setzt er sich wieder an den Tisch, zieht die Unterlagen heran und arbeitet ohne Übergang weiter.
Dabei ist Whitmore keineswegs oberflächlich oder fachlich undiszipliniert. Genau dieser Gegensatz prägt ihn. Eine attraktive Frau kann ihn innerhalb einer Sekunde von einer Besprechung ablenken; sobald er zurückkommt, kann er jedoch ebenso schnell wieder vollständig in eine Unternehmensbewertung einsteigen. Er besitzt die Fähigkeit, zwischen seinem exzessiven Privatleben und hochkonzentrierter analytischer Arbeit beinahe auf Knopfdruck umzuschalten.
Farhadi belächelt dieses Verhalten weitgehend. Sie kennt ihn lange genug, um weder seine Sprüche noch seine demonstrativen Eskapaden besonders ernst zu nehmen. Whitmore wiederum weiß genau, dass sie ihn für einen hoffnungslosen Fall hält, und findet gerade das amüsant.
Innerhalb des Teams ist er damit der rastlose Opportunist: immer auf der Suche nach der nächsten unterbewerteten Firma, der nächsten Übernahme, der nächsten sportlichen Herausforderung und der nächsten Frau. Für Whitmore besteht zwischen diesen Dingen kein Widerspruch. Sie sind unterschiedliche Ausdrucksformen desselben Bedürfnisses: Er braucht ständig etwas Neues, das ihn reizt.
Bild oben: Noah Beckett
Außergewöhnliche Mathematiker
Noah Beckett ist der Jüngste und in vieler Hinsicht der Außenseiter der Runde. Er ist noch Student, zugleich aber ein außergewöhnlich begabter Mathematiker, dessen Fähigkeiten in der Finanzmathematik so weit über das Übliche hinausgehen, dass Hugo ihn trotz seiner Jugend unbedingt im Team haben will. Wo andere Entwicklungen intuitiv oder aufgrund jahrelanger Markterfahrung einschätzen, zerlegt Beckett sie in mathematische Modelle, Wahrscheinlichkeiten und Abhängigkeiten. Allen Beteiligten ist klar, dass ihm eine außergewöhnliche Karriere bevorsteht, wenn er sein Talent richtig nutzt.
Privat passt er allerdings überhaupt nicht zu den Männern, mit denen er arbeitet. Beckett hatte bisher nur zwei oder drei Freundinnen und kann mit dem ständigen Gerede über Prostituierte, Ficken und Fotzen wenig anfangen. Während Whitmore und einige der anderen Sex beinahe wie eine jederzeit verfügbare Dienstleistung behandeln und Hugo sein eigenes Lebensmodell ohnehin für wesentlich vernünftiger hält als eine klassische Beziehung, denkt Beckett ausgesprochen romantisch. Er möchte irgendwann eine Frau finden, die er wirklich liebt, heiraten, Kinder bekommen und mit ihr ein dauerhaft glückliches Familienleben führen.
Damit liefert er den anderen regelmäßig eine Steilvorlage. Für sie ist Beckett das Opfer einer romantischen Vorstellung, die sie spöttisch als „Disney-Gehirnwäsche“ bezeichnen. Sie erklären ihm, die glückliche Ehe, von der er träume, existiere höchstens im Film. Besonders gern rechnen sie ihm seine Vorstellung sogar wie ein schlechtes Investment vor: Allein habe er nur seine eigenen Probleme; mit einer Frau bekomme er deren Probleme kostenlos dazu, müsse sich um sie kümmern, Rücksicht nehmen, Zeit investieren und verliere dabei auch noch einen erheblichen Teil seiner persönlichen Freiheit. Aus ihrer Sicht ist die Rendite eindeutig negativ.
Hugo beteiligt sich daran mit besonderem Vergnügen. Wenn irgendwo im Unternehmen bekannt wird, dass ein Mann heiratet, verschickt er gelegentlich eine Karte mit einem für ihn typischen Glückwunsch:
„Der Braut möchte ich von Herzen gratulieren. Dem Bräutigam wünsche ich für seinen weiteren Weg in die Hölle sehr, sehr viel Glück.“
Gerade dieses übertriebene „sehr, sehr viel Glück“ macht deutlich, dass Hugo das genaue Gegenteil meint. Beckett bekommt solche Sprüche ständig zu hören. Hugo bezeichnet ihn gelegentlich demonstrativ als „den Idioten da hinten, der unbedingt sein Leben mit einer Frau ruinieren will“, und die anderen erklären ihm, sie müssten ihn dringend retten, bevor er tatsächlich auf die Idee komme zu heiraten. Statt irgendwelchen romantischen Vorstellungen hinterherzulaufen, solle er sich Prostituierte bestellen, sein Leben genießen und Beziehungen dort beenden, wo sie anfangen kompliziert zu werden.
Beckett findet diese Haltung ziemlich fürchterlich. Hugos Lebensweise würde er für sich ebenso wenig wollen wie die demonstrative Sexualität einiger seiner Kollegen. Trotzdem versucht er nicht, sie zu missionieren. Er weiß, dass er wegen seiner mathematischen Fähigkeiten dort sitzt und nicht wegen seiner Ansichten über Beziehungen. Ebenso weiß er, welche Möglichkeiten ihm die Arbeit mit Hugo eröffnet. Deshalb erträgt er die Sprüche, verteidigt gelegentlich trocken seine Vorstellung vom Familienleben und konzentriert sich anschließend wieder auf die Zahlen.
Gerade dieser Gegensatz macht ihn innerhalb der Gruppe interessant: fachlich kann er mit Männern mithalten, die ihm an Erfahrung Jahre voraus sind; privat wirkt er zwischen ihnen beinahe altmodisch. Und je heftiger die anderen versuchen, ihm auszureden, dass eine glückliche Ehe möglich sei, desto hartnäckiger hält Beckett daran fest, dass sie sich vielleicht einfach die falschen Frauen ausgesucht haben.
Bild oben: Mara Seidel
Analystin für Finanztechnologie
Mara Seidel ist innerhalb der Gruppe das klassische Mauerblümchen. Fachlich gehört sie zu den stärksten Köpfen, die Hugo für den Bereich Finanztechnologie gewinnen konnte. Sie erkennt früh, welche technischen Entwicklungen für Handel, Datenanalyse und Finanzmärkte tatsächlich relevant werden können und welche lediglich kurzfristiger Hype sind. Sobald es um ihre Arbeit geht, verschwindet ein großer Teil ihrer Unsicherheit. Dann argumentiert sie präzise, analytisch und mit einer Sicherheit, die man ihr außerhalb solcher Gespräche kaum zutrauen würde.
Privat sieht das vollkommen anders aus. Mara hält sich selbst nicht für besonders attraktiv, schminkt sich praktisch nie und versucht eher, nicht aufzufallen. Besonders selbstbewusste Kolleginnen wie Hale schüchtern sie ein. Gleichzeitig leidet sie darunter, übersehen zu werden. Sie möchte wahrgenommen werden, weiß aber nicht, wie sie Aufmerksamkeit bekommen soll, ohne sich dabei lächerlich oder aufdringlich zu fühlen.
Richtige Beziehungen hatte sie bisher kaum. Einige sexuelle Erfahrungen mit Männern gab es, allerdings weniger aus wirklicher Leidenschaft als aus Neugier und dem Gefühl heraus, irgendwann müsse man solche Dinge eben ausprobiert haben. Wirklich erfüllt hat sie das nie.
Was Mara sich selbst nicht eingestehen will, ist, dass ihre eigentliche Sehnsucht Frauen gilt. Sie träumt von Frauen, stellt sich Beziehungen mit Frauen vor und könnte sich wesentlich leichter vorstellen, dauerhaft mit einer Frau zusammenzuleben als mit einem Mann. Trotzdem bezeichnet sie sich selbst nicht als lesbisch. Für sie bleibt das zunächst etwas, das sie verdrängt und vor allem vor ihren Kollegen unbedingt geheimhalten möchte.
Gerade deshalb entwickelt sie eine merkwürdige Faszination für Bellaventra und besonders für das, was sie halb spöttisch und halb sehnsüchtig „Hugos Harem“ nennt. Dabei geht es ihr ausgerechnet nicht darum, Hugo zu bekommen. Im Gegenteil: In ihren Vorstellungen wäre Hugo beinahe das uninteressanteste Element dieser ganzen Konstellation. Was sie fasziniert, ist die Vorstellung, ständig von attraktiven Frauen umgeben zu sein, mit ihnen zusammenzuwohnen und Teil dieser abgeschlossenen Welt zu werden.
Gelegentlich verrät sie sich selbst. Wenn Gespräche auf Bellaventra oder Hugos Frauen kommen, weiß Mara plötzlich erstaunlich genau, wie das Zusammenleben dort funktioniert, stellt auffällig viele Fragen oder beginnt darüber zu spekulieren, wie es wohl wäre, „in diesem Harem“ zu leben. Sobald jemand genauer hinhört oder sie damit aufzieht, wird sie rot, zieht sich sofort zurück und behauptet, das sei selbstverständlich nur theoretisches Interesse.
Für ihre Kollegen ist sie damit eine ungewöhnliche Kombination: eine brillante Finanztechnologie-Analystin, die komplizierteste Systeme problemlos durchschaut, während sie bei ihren eigenen Gefühlen praktisch vollständig im Dunkeln tappt.
Bild oben: Victoria Hale
Traderin für Aktien und Derivate
Victoria Hale ist eine Überfliegerin, und zwar seit sie denken kann. In der Schule gehörte sie selbstverständlich zu den Besten, im Studium setzte sich das fort, und im professionellen Handel entwickelte sie sich schnell zu einer der stärksten Traderinnen für Aktien und Derivate, die Hugo in seinem Umfeld hat. Sie ist schnell, aggressiv, risikobereit und besitzt genau den Killerinstinkt, den Hugo im Trading schätzt. Wo andere noch überlegen, ob eine Position zu gefährlich sein könnte, hat Hale längst berechnet, wie groß das Risiko tatsächlich ist und wie man daraus maximalen Gewinn zieht.
Sie ist gleichzeitig extrem attraktiv und weiß das ganz genau. Hale hat keinerlei Problem damit, ihre Wirkung auf Männer bewusst einzusetzen, allerdings nicht aus Unsicherheit oder weil sie Bestätigung braucht. Für sie gehört Flirten zum Spiel mit Macht und Kontrolle. Sie entscheidet, wann sie kokett ist, mit wem sie es ist und wie weit sie damit geht.
Auch Hugo gegenüber macht sie daraus keinen Hehl. Weil sie genau weiß, welchen Frauentyp er attraktiv findet, reizt sie ihn absichtlich damit. Sie kann ihm mitten in einer Unterhaltung trocken sagen:
„Du stehst doch auf so einen Bauch. Ich habe sogar deine Landebahn – diesen kleinen Streifen Schamhaar.“
Sie sagt so etwas nicht verschämt und auch nicht, um tatsächlich etwas von Hugo zu bekommen. Sie genießt vielmehr den Moment, in dem sie eine Grenze berührt und beobachtet, ob ihr Gegenüber damit umgehen kann. Bei Hugo funktioniert das besonders gut, weil er ihre Provokationen nicht mit Empörung beantwortet, sondern meistens genauso trocken zurückgibt.
Hale besitzt generell eine ausgesprochen derbe Art. Nach einem besonders erfolgreichen Geschäft kann von ihr ein Satz fallen wie:
„Wenn wir diesen Trade durchhaben, lecke ich mich zur Feier des Tages einmal durch deinen ganzen Mösen.“
Solche Aussagen sind bei ihr weniger sexuelles Versprechen als eine Form übersteigerter Siegesrhetorik. Wenn sie einen großen Trade gewinnt, wirkt sie fast wie ein Raubtier nach erfolgreicher Jagd: laut, provozierend und vollkommen überzeugt davon, dass sie gerade wieder bewiesen hat, warum sie dort sitzt.
Innerhalb des Teams kann diese Art anstrengend sein. Hale ist dominant, konkurrenzorientiert und nimmt wenig Rücksicht auf Unsicherheiten anderer. Gerade Mara Seidel fühlt sich von ihr eingeschüchtert, ohne dass Hale das unbedingt beabsichtigt. Sie betritt einen Raum mit der Selbstverständlichkeit einer Frau, die davon ausgeht, dass sie dort hingehört und sich für niemanden kleiner machen muss.
Hugo lässt ihr vieles durchgehen, was er bei anderen Mitarbeitern wahrscheinlich nicht akzeptieren würde. Nicht weil er von ihrer Erscheinung geblendet wäre, sondern weil Hale für sein eigentliches Geschäft außergewöhnlich wertvoll ist. Wenn sie ihm sagt, dass ein Trade funktioniert, hört er zu. Wenn sie widerspricht, muss sie dafür gute Argumente haben – und meistens hat sie welche.
Ihre Stellung basiert deshalb nicht auf ihrem Aussehen und auch nicht auf ihrer provokanten Art. Beides ist lediglich die Verpackung. Entscheidend ist, dass hinter dieser Verpackung eine der gefährlichsten Traderinnen des gesamten Teams steckt.
Bild oben: Oliver Grant
Trader für Aktien und Derivate
Oliver Grant ist ein begnadeter Trader mit Nerven aus Stahl. Er besitzt die seltene Fähigkeit, Positionen weiterlaufen zu lassen, wenn andere längst ausgestiegen wären. Gerade bei extrem volatilen Aktien und Derivaten reizt er Situationen bis an die Grenze aus. Wenn seine Analyse ihm sagt, dass er recht hat, hält er durch – auch dann, wenn auf dem Papier zwischenzeitlich enorme Verluste stehen. Diese psychische Belastbarkeit macht ihn für Hugo außerordentlich wertvoll.
Das Merkwürdige daran ist, dass Grant außerhalb des Handels nahezu das Gegenteil dieses kontrollierten Mannes ist.
Während eines wichtigen Trades kann er stundenlang konzentriert arbeiten, Zahlen verfolgen und vollkommen ruhig bleiben. Ist die Position jedoch geschlossen und der Druck verschwunden, beginnt häufig der Absturz. Dann trinkt er. Nicht ein Glas zur Feier des Tages, sondern bis zum völligen Kontrollverlust. Grant ist Alkoholiker, auch wenn er selbst dieses Wort möglichst vermeidet.
Nach besonders großen Gewinnen verschwindet er teilweise für zwei oder drei Tage. Irgendwann findet ihn jemand in irgendeiner billigen Kneipe in Montevideo, obwohl er problemlos in den teuersten Bars des Landes sitzen könnte. Genau diese heruntergekommenen Orte scheint er sogar zu bevorzugen. Nicht selten hat er dann mehrere Prostituierte um sich, bezahlt ganze Runden und verteilt Geld, als hätte es keinerlei Wert. Am nächsten Morgen fehlen ihm manchmal Uhr, Bargeld oder andere Dinge, und er kann sich nur bruchstückhaft daran erinnern, wie der Abend geendet hat.
Seine Kollegen machen sich deshalb regelmäßig über den absurden Gegensatz lustig: Grant kann bei einem Derivategeschäft Millionenbeträge bis auf die letzte Nachkommastelle kontrollieren und wenige Stunden später in einer Kneipe nicht mehr feststellen, wohin sein eigenes Portemonnaie verschwunden ist.
Hinzu kommt eine zweite Seite seines Privatlebens, die irgendwann sogar öffentlich bekannt wird. Grant besucht regelmäßig Dominas. Anfangs bleibt das innerhalb des Unternehmens lediglich ein schlecht gehütetes Geheimnis. Später tauchen jedoch Fotos auf, die ihn bei einer solchen Frau zeigen – teilweise in eindeutig erniedrigenden Situationen. Die Bilder verbreiten sich in Uruguay und sorgen für einige Tage für erheblichen Boulevardrummel.
Grant erwartet daraufhin beinahe seine Entlassung.
Hugo reagiert jedoch deutlich nüchterner. Solange Grant seine Arbeit erledigt und keine Unternehmensinformationen gefährdet, interessiert ihn dessen Sexualleben kaum. Intern fällt lediglich ein trockener Kommentar, Grant solle wenigstens lernen, seine privaten Katastrophen so zu organisieren, dass am nächsten Morgen noch jemand wisse, wo er sei.
Damit ist die Angelegenheit für Hugo im Wesentlichen beendet.
Gerade diese Loyalität trägt dazu bei, dass Grant trotz seiner Abstürze bei der Firma bleibt. Niemand beschönigt sein Alkoholproblem, und mehrfach muss er nach besonders schweren Eskapaden für einige Zeit aus dem aktiven Handel genommen werden. Trotzdem wird er nicht fallen gelassen, weil alle wissen, was er kann, wenn er vor einem Bildschirm sitzt.
Oliver Grant bleibt deshalb ein ständiges Auf und Ab: Im Handel gehört er zu den kontrolliertesten Männern im Raum. Privat kann er innerhalb weniger Stunden alles verlieren, was diese Kontrolle ausmacht.
Vielleicht beschreibt ihn ein Satz seiner Kollegen am besten:
„Gib Oliver hundert Millionen für einen Trade und er passt darauf auf wie auf sein Leben. Gib ihm tausend Euro und einen freien Abend – und morgen ist beides weg.“
Bild oben: James Ashford
Investmentbanking-Analyst
James Ashford ist innerhalb der Gruppe derjenige, der auf den ersten Blick am wenigsten auffällt. Kein Exzentriker, kein Trinker, kein Provokateur und kein Mann, der sein Privatleben demonstrativ vor sich herträgt. Er ist ein ausgesprochen begabter Investmentbanking-Analyst, arbeitet strukturiert, diszipliniert und besitzt ein sehr gutes Gespür dafür, Unternehmen, Kapitalstrukturen und größere Transaktionen zu bewerten. Seine Analysen sind sauber, seine Strategien häufig außergewöhnlich gut durchdacht, und genau deshalb gehört er trotz seiner völlig anderen Persönlichkeit zu Hugos engerem Kreis.
Privat führt Ashford ein nahezu klassisches Leben. Er hat einen festen Freundeskreis, möchte irgendwann ein Haus bauen, heiraten und mit seiner Freundin eine Familie gründen. Sie ist zugleich seine erste wirklich ernsthafte Beziehung, und für Ashford gibt es keinen Grund, daran etwas zu ändern. Für ihn ist Treue keine Einschränkung, sondern selbstverständlich.
Damit steht er innerhalb der Gruppe regelmäßig unter Beschuss.
Vor allem wenn die Gespräche wieder bei Hugo, Bellaventra, Prostituierten oder wechselnden Sexualpartnerinnen landen, wird Ashford schnell zum Moralisten. Er hält Hugos Lebensweise für übertrieben und sagt ihm das gelegentlich sogar offen. Hugo wiederum nennt ihn dann gern ein „Schaf“, das freiwillig in eine Konstruktion laufe, bei der bereits vorhersehbar sei, wie viel Freiheit er irgendwann verlieren werde.
Auch die anderen lassen ihn damit nicht in Ruhe.
„Willst du wirklich für den Rest deines Lebens mit einer einzigen Möse zufrieden sein?“
Ashfords Antwort fällt meistens erstaunlich ernst aus:
„Wenn es die richtige Frau ist, ja. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, mit jemand anderem zusammen sein zu wollen.“
Für die anderen ist genau dieser Satz natürlich eine Einladung, ihn noch weiter aufzuziehen. Sie behaupten, seine Freundin habe längst verstanden, welchen Fang sie gemacht habe, und werde alles daransetzen, ihn zu halten. Ashford dagegen hält solche Kommentare für pubertär und verteidigt seine Beziehung vehement.
Ganz so eindeutig ist seine Haltung allerdings nicht.
Ein kleiner Teil von ihm ist durchaus neugierig auf das Leben, das die anderen führen. Er würde niemals offen zugeben, dass ihn manche Geschichten faszinieren oder dass er sich gelegentlich fragt, wie es wäre, weniger kontrolliert und weniger angepasst zu leben. Gerade deshalb tritt er moralisch manchmal besonders entschieden auf. Je stärker ihn etwas heimlich interessiert, desto schneller erklärt er, warum er es für falsch oder lächerlich hält.
Hugo merkt das durchaus und stichelt entsprechend.
„Ashford ist nicht prüde. Ashford hat nur Angst davor herauszufinden, dass ihm der ganze Scheiß gefallen könnte.“
Ashford weist solche Bemerkungen empört zurück.
Im Arbeitsalltag spielt dieser Gegensatz jedoch kaum eine Rolle. Hugo kann Ashfords Vorstellungen vom Privatleben für naiv halten und Ashford kann Hugos Lebensweise für vollkommen verrückt halten – sobald eine Investitionsentscheidung auf dem Tisch liegt, zählen ausschließlich die Argumente. Und dort hat Ashford Gewicht.
Er ist damit einer der wenigen Männer im Team, die Hugo regelmäßig persönlich widersprechen und trotzdem fachlich dessen uneingeschränktes Vertrauen genießen. Für die anderen bleibt er das „Schaf“ der Gruppe. Für Hugo bleibt er vor allem eines: ein verdammt guter Analyst.
Hugo liebt Musik, insbesondere Reggae, und legt großen Wert darauf, Musik möglichst live zu hören. Deshalb beschäftigt Bellaventra eigene Sänger und Musiker, die über den gesamten Tag hinweg eingesetzt werden können. Vormittags stehen ihm zwei Sänger und eine siebenköpfige Band zur Verfügung, nachmittags drei Sänger und zehn Musiker und am Abend vier Sänger sowie eine dreizehnköpfige Band. Damit sind gleichzeitig bis zu neun Sänger und 30 Musiker im regulären Schichtbetrieb eingeplant. Einschließlich der notwendigen Urlaubs- und Krankheitsvertretungen umfasst der Bereich insgesamt zwölf Sänger und 39 Musiker.
Die Musiker treten nicht ausschließlich bei größeren Veranstaltungen auf. Hugo lässt sich auch tagsüber Musik vorspielen, wenn er zwischen seiner Arbeit etwas Zeit hat oder sich für eine Weile zurückziehen möchte. Am Abend werden Sänger und Band außerdem regelmäßig in seiner privaten Disco eingesetzt. Für ihn ist Live-Musik weniger eine besondere Veranstaltung als vielmehr ein selbstverständlicher Bestandteil des täglichen Lebens in Bellaventra.
Bild oben: Shelly Marvelle
Sängerin vormittags
Shellys Stimme lag eher im höheren weiblichen Bereich, klang dabei aber keineswegs dünn oder schrill. Im Gegenteil: Sie hatte eine auffallende Wärme und einen dunkleren, satten Unterton. Gerade dieser Gegensatz machte ihre Stimme unverwechselbar. Obwohl ihre Stimmlage vergleichsweise hoch war, fehlte ihr die typische Helligkeit einer sehr leichten Frauenstimme.
Beim Sprechen war Shelly ausgesprochen beweglich. Ihre Stimme hob und senkte sich deutlich, Lautstärke und Betonung wechselten häufig, ohne dass es gekünstelt wirkte. Sie sprach nicht einfach einen Satz aus – sie gab ihm eine Stimmung. Freude, Ironie, Verwunderung oder Ärger waren oft schon an ihrer Stimme zu erkennen, bevor ihr Gesicht etwas davon verriet.
Dadurch wirkte ihre Stimme warm, weich, voll und sehr ausdrucksstark. Sie konnte freundlich und beinahe einladend klingen, hatte aber genug Präsenz, um in einem Raum sofort wahrgenommen zu werden.
Bild oben: Marcus Ellington
Sänger vormittags
Ellingtons Stimme war für einen Mann ungewöhnlich hoch angesiedelt. Wer bei einem Mann seines Auftretens zunächst eine tiefe, schwere Stimme erwartete, wurde überrascht. Trotzdem klang sie nicht feminin. Dafür war der Klang zu satt und zu dunkel. Unter der höheren Stimmlage lag eine deutliche Wärme, die seiner Stimme etwas Ruhiges und Angenehmes gab.
Er sprach kontrollierter als Shelly. Auch seine Stimme besaß hörbare Bewegung und wechselte in Tonhöhe und Betonung, doch wesentlich zurückhaltender. Ellington musste einen Satz nicht stark ausschmücken, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Seine Wirkung entstand eher aus dem gleichmäßigen, warmen Klang und seiner ruhigen Art zu sprechen.
Seine Stimme wirkte deshalb weich, warm und etwas dunkel, zugleich aber ungewöhnlich hoch für einen Mann. Sie hatte nichts Raues oder besonders Bassiges. Gerade diese Kombination machte sie markant: Man konnte Ellington hören, ohne ihn zu sehen, und wusste nach kurzer Zeit trotzdem, dass er es war.
Bild oben: Malik Zayaro
Sänger nachmittags
Bild oben: Zafira Montell
Sängerin nachmittags
Bild oben: Anouk van der Meer
Sängerin nachmittags
Bild oben: Nayara Solís
Sängerin abends
Bild oben: Amara Nyelle
Sängerin abends
Bild oben: Maël Sorian
Sänger abends
Bild oben: Leandro Vescari
Sänger abends
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