Gute Charaktere in einem Buch brauchen Tiefe, Ecken und Kanten. Sie bestehen aus einer Mischung aus Aussehen, Gefühlen, Stärken, Schwächen und einer klaren eigenen Geschichte.


Bild oben:  Hugo Voss

Bild oben:  Michael Schubert

Michael Schubert ist Hugos rechte Hand und einer der Menschen, denen Hugo uneingeschränkt vertraut. Die beiden kennen sich seit ihrer Schulzeit, seit sie acht Jahre alt sind.

Anders als Hugo ging Schubert nach der Schule nicht zur Bank, sondern absolvierte eine Ausbildung im Versicherungswesen. Als Hugo ihm 1999 anbot, mit nach Monaco zu gehen, lehnte Schubert zunächst ab. Im Jahr 2000 folgte er schließlich doch nach Monaco.

Von Anfang an erhielt Schubert weitreichende Vollmachten und durfte in Hugos Namen verhandeln und Entscheidungen vertreten. Für Hugo ist er damit weit mehr als ein gewöhnlicher Mitarbeiter.

Schubert selbst lebt nicht polyamor. Zu Hugos Lebensstil hat er jedoch eine sehr einfache Haltung: Es ist ihm egal. Es ist nicht sein Leben. Auch die öffentliche Diskussion über Hugos polyamore Beziehungen und die Frauen in seinem Umfeld interessiert ihn nicht – für ihn ist ausschließlich entscheidend, dass Hugo sein Leben so führt, wie er es selbst will.

Bild oben:  Claire Hartmann

Sekretärin von Hugo

Claire Hartmann lernte Hugo während seiner Zeit bei der Deutschen Bank in London kennen. Sie wurde ihm dort als Assistentin zugeteilt und erkannte sehr schnell, dass er ein außergewöhnlicher Trader war, der Zusammenhänge schneller erfasste als fast jeder andere.

Als Hugo für einige Monate nach Hongkong wechselte, ging Claire mit ihm. Auf dem Rückweg nach London erzählte er ihr, dass er sich eines Tages selbstständig machen wolle. Ihre Antwort kam spontan: „Wenn du das machst, komme ich mit.“

Als Hugo 1999 die Deutsche Bank verließ, nach Monaco ging und begann, ausschließlich mit seinem eigenen Kapital zu investieren, hielt Claire ihr Wort und folgte ihm. Seitdem gehört sie zu seinem engsten Umfeld.

Hugo vertraut ihr stark und hört auf ihre Einschätzung. Claire gehört zu den wenigen Menschen, die tatsächlich Einfluss auf seine Entscheidungen haben, gerade weil sie ihn seit seiner Zeit als junger Trader kennt und weiß, wie er denkt.

Claire ist unverheiratet. Hugos polyamorer Lebensstil interessiert sie nicht besonders. Sie betrachtet seine privaten Beziehungen als seine Angelegenheit und denkt in dieser Hinsicht vor allem an sich selbst. Wie Hugo seine Beziehungen zu anderen Frauen gestaltet, beschäftigt sie kaum.


Bild oben: Dr. Alexander Steinhöfel

Anwalt aus Hamburg

Hugo lernte Dr. Alexander Steinhöfel in Hamburg kennen, nachdem ihm der Jurist von mehreren Freunden empfohlen worden war. Steinhöfel wurde sein Anwalt für internationale rechtliche, gesellschaftsrechtliche und kapitalmarktrechtliche Fragen und begleitet einen großen Teil der juristischen Struktur hinter Hugos Vermögen und seinen Unternehmen.

Wenn Hugo neue Firmen gründet, Gesellschaften in internationalen Finanzzentren aufbauen lässt oder Konten eröffnet, gehört Steinhöfel zu denjenigen, die die rechtlichen Voraussetzungen prüfen und die Umsetzung begleiten. Er ist für Hugo international tätig und arbeitet dabei je nach Land mit Anwälten, Treuhändern und anderen Partnern vor Ort zusammen. Dazu gehört auch die Gründung und rechtliche Strukturierung von Briefkastenfirmen und anderen Gesellschaften in verschiedenen Jurisdiktionen, sofern diese für Hugos Unternehmens- oder Vermögensstruktur benötigt werden. Auch bei Fragen zu Hugos Aktiengeschäften, möglichen regulatorischen Risiken, Ermittlungen von Aufsichtsbehörden und der rechtlichen Zulässigkeit bestimmter Transaktionen ist Steinhöfel sein zentraler Ansprechpartner.

Als 2001 erstmals die amerikanische Börsenaufsicht SEC gegen Hugo ermittelte, riet Steinhöfel ihm dazu, Monaco zu verlassen. Nach seiner Einschätzung zog Hugo dort inzwischen zu viel Aufmerksamkeit auf sich. Er empfahl ihm deshalb, Michael Schubert damit zu beauftragen, außerhalb Europas einen geeigneten neuen Lebensmittelpunkt zu suchen, weit genug entfernt, damit sich die Gerüchte und die öffentliche Aufmerksamkeit beruhigen konnten.

Die wachsende Aufmerksamkeit hatte damals nicht nur mit Hugos Geschäften zu tun. Obwohl sich seine gesundheitlichen Probleme bereits deutlich abzeichneten und er einen großen Teil seiner Zeit in seiner gemieteten Wohnung mit Dachdachterrasse verbrachte, führte er zugleich das Leben eines sehr jungen und sehr reichen Mannes. Prostituierte und Escorts gingen regelmäßig bei ihm ein und aus, Nachbarn beschwerten sich, und wenn Hugo sich öffentlich zeigte, tat er das gelegentlich demonstrativ – etwa mit offenem Wagen und weiblicher Begleitung. Auch ausgelassene Partys sorgten für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Steinhöfel bekam schließlich von Stellen in Monaco deutlich signalisiert, dass man jemanden wie Hugo dort auf Dauer nicht haben wollte. Für ihn war deshalb klar, dass Hugo Monaco besser verlassen sollte, bevor aus Beschwerden, Gerüchten, den SEC-Ermittlungen und der zunehmenden behördlichen Aufmerksamkeit ein dauerhaftes Problem wurde.

Steinhöfel ist damit nicht einfach Hugos Anwalt für einzelne Streitfälle. Er ist der Jurist, der Firmengründungen, internationale Gesellschaftsstrukturen, Konten, Kapitalmarktgeschäfte und andere rechtlich sensible Vorgänge für Hugo prüft und absichert.

Steinhöfel weiß dabei besonders die Art zu schätzen, wie er für Hugo arbeiten kann. Bei gewöhnlichen Mandanten stehen Kosten und Zeitaufwand häufig schon während der juristischen Prüfung im Vordergrund. Zusätzliche Stunden, weitere Gutachten oder die Einschaltung zusätzlicher Spezialisten müssen wirtschaftlich immer wieder begründet werden. Bei Hugo besteht dieser Druck praktisch nicht. Wenn Steinhöfel der Ansicht ist, dass eine rechtliche Frage noch weiter untersucht werden muss, dass zusätzliche Gutachten erforderlich sind oder dass Spezialisten in mehreren Ländern hinzugezogen werden sollten, kann er das veranlassen, ohne dass Hugo anschließend darüber diskutiert, ob sich noch eine weitere Stunde oder eine zusätzliche Prüfung finanziell lohnt.

Steinhöfel vergleicht diese Arbeitsweise deshalb gelegentlich mit der Tätigkeit eines Wissenschaftlers an einer Universität oder an einem juristischen Lehrstuhl. Er kann eine Frage zunächst vollständig untersuchen, verschiedene Rechtsordnungen miteinander vergleichen, unterschiedliche Konstruktionen durchspielen und erst danach die Lösung entwickeln, die er fachlich für am saubersten und belastbarsten hält. Gerade bei ungewöhnlichen und komplizierten Vertragsmodellen genießt er diese Freiheit besonders, weil er nicht gezwungen ist, möglichst schnell eine nur ausreichende Lösung zu liefern, sondern tatsächlich so gründlich arbeiten kann, wie er es für richtig hält.

Persönlich interessiert Steinhöfel Hugos Privatleben kaum. Ob Hugo sich mit Prostituierten, Escorts oder Pornodarstellerinnen umgibt, ist ihm im Grunde gleichgültig. Für ihn zählen ausschließlich die rechtlichen Fragen. Solange Hugo nichts Illegales tut und daraus keine juristischen Risiken entstehen, sieht Steinhöfel keinen Grund, sich einzumischen.

Bild oben: Dr. Gonzalo Bildegain

Anwalt aus Montevideo

Dr. Gonzalo Bildegain ist Hugos Anwalt in Montevideo. Er kam bereits im Vorfeld der Übersiedlung nach Uruguay in dessen Umfeld und wurde anschließend zu einem der wichtigsten juristischen Ansprechpartner vor Ort.

Bildegain gilt als ausgesprochen harter Verhandler. Er besitzt starke Nerven, lässt sich kaum unter Druck setzen und kann auch in schwierigen Verhandlungen äußerst ruhig bleiben. Seine Ausbildung führte ihn unter anderem nach England, in die Vereinigten Staaten und nach Argentinien. In Montevideo ist er hervorragend vernetzt und verfügt auch über gute Kontakte zu politischen Kreisen.

Gerade bei Verhandlungen mit Behörden, Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern ist diese Mischung aus juristischer Erfahrung, internationaler Ausbildung und lokalen Verbindungen für Hugo von großer Bedeutung.

Hugos Umgang mit Pornodarstellerinnen betrachtet Bildegain wesentlich lockerer als viele Außenstehende. Die öffentliche Empörung darüber belächelt er eher. Insgeheim bewundert er Hugo sogar dafür, dass dieser seinen Lebensstil offen und ohne große Rücksicht auf gesellschaftliche Erwartungen führt. Entscheidend ist für Bildegain auch hier vor allem, dass Hugo sich innerhalb des geltenden Rechts bewegt.


Bild oben:  Laurent Demas

Sicherheitschef bereits in Monaco 

Laurent Demas ist Hugos Sicherheitschef. Hugo lernte ihn bereits in Monaco kennen, nachdem Dr. Alexander Steinhöfel ihm den Franzosen vorgestellt hatte. Demas war zuvor bei der französischen Armee und verfügt über eine umfassende militärische und sicherheitstechnische Ausbildung.

Demas denkt grundsätzlich anders als Hugo. Wo Hugo ein schönes Auto, ein gutes Restaurant oder eine interessante Umgebung sieht, erkennt Demas vor allem mögliche Gefahren. Eine Straße besteht für ihn aus Zufahrten, Fluchtwegen, unübersichtlichen Punkten und möglichen Angriffsmöglichkeiten. In einem Restaurant sieht er nicht zuerst die Atmosphäre, sondern Personen, Eingänge, Sitzpositionen und Situationen, die theoretisch zu einem Sicherheitsproblem werden könnten.

Er selbst betrachtet sich deshalb auch nicht in erster Linie als Bodyguard. Demas versteht sich als Sicherheitsanalyst. Sein Anspruch ist es, Gefahren zu erkennen, bevor sie überhaupt entstehen. Sein Denken folgt im Grunde einem einfachen Prinzip: Alles, was er sieht, wird zunächst darauf geprüft, wie es Hugo gefährlich werden könnte.

Diese Haltung hat erheblichen Einfluss auf Hugos Leben. Demas ist einer der Hauptverantwortlichen dafür, dass der Sicherheitsapparat um Hugo im Laufe der Jahre immer größer und umfassender wird. Seine permanenten Gefahrenanalysen tragen zugleich dazu bei, dass Hugo selbst immer vorsichtiger und wahrscheinlich auch zunehmend paranoider wird.

Als Hugo schließlich nach Montevideo übersiedelt, geht Demas mit ihm nach Uruguay. Dort baut er den Sicherheitsdienst weiter aus und entwickelt aus dem klassischen Personenschutz ein wesentlich umfassenderes System aus Prävention, Kontrolle, Beobachtung und Risikoanalyse.

Besonders konsequent ist Demas bei gesundheitlichen Sicherheitsrisiken. Er ist beispielsweise derjenige, der die Quarantänefristen für Frauen in Hugos Umfeld deutlich verlängern lässt. Seine Begründung ist schlicht: Viren kennen keine Verträge. Für Demas sind Krankheitserreger im Grunde perfekte Tötungsmaschinen, gegen die vertragliche Zusicherungen oder persönliche Versicherungen keinerlei Schutz bieten.

Demas ist sehr karrierebewusst und definiert sich stark über seine Aufgabe. Für ihn zählt vor allem, dass sein Sicherheitskonzept funktioniert und Hugo geschützt bleibt. Sein Verantwortungsbereich wächst deshalb mit den Jahren ebenso stark wie sein eigener Einfluss auf Hugos Alltag.

Hugos Privatleben und insbesondere die Frauen in dessen Umfeld interessieren Demas persönlich überhaupt nicht. Ob sie Hugos Lebensstil mögen, ob sie sich wohlfühlen oder wie es ihnen dabei geht, ist ihm völlig gleichgültig. Er betrachtet sie ausschließlich unter Sicherheitsgesichtspunkten. Für ihn gibt es nur eine entscheidende Frage: Stellen sie ein Risiko für Hugo dar oder nicht? Seine Aufgabe sieht er einzig darin, Hugo abzusichern.

Bild oben: Matias Ferreira

persönlicher Bodyguard von Hugo

Matias Ferreira ist einer von drei Chef-Bodyguards Hugos und verantwortlich für die Vormittagsschicht. Da der persönliche Schutz Hugos im Haus in drei Schichten organisiert ist, übernimmt Ferreira morgens die Leitung des gesamten unmittelbar eingesetzten Bodyguard-Teams.

Für Hugos direkten Personenschutz sind insgesamt 395 Bodyguards beschäftigt. Davon befinden sich jeweils 92 Bodyguards pro Schicht im aktiven Dienst. Die übrigen Mitarbeiter dienen der notwendigen Personalreserve für freie Tage, Urlaub, Krankheit und sonstige Ausfälle. Der Personenschutz ist auf Vormittags-, Nachmittags- und Abendschicht verteilt. Ferreira führt die Männer seiner Schicht und koordiniert ihre Positionen und Aufgaben im Haus. Dazu gehören die Überwachung der Innenbereiche, die Absicherung von Zugängen und Balkonen sowie die unmittelbare Nähe zu Hugo.

Seine Aufgabe besteht nicht nur darin, offensichtliche Angriffe zu verhindern. Ferreira und seine Leute beobachten permanent, wer sich Hugo nähert und auf welche Weise. Auch bei den Frauen in Hugos Umfeld achten sie darauf, dass niemand sich ihm plötzlich, unkontrolliert oder auf eine Weise nähert, die aus Sicht des Personenschutzes gefährlich werden könnte.

Hugo vertraut Ferreira und akzeptiert seine Entscheidungen im unmittelbaren Sicherheitsbereich. Ferreira selbst geht dabei professionell und wesentlich pragmatischer vor als Laurent Demas. Während Demas mögliche Gefahren bis ins Detail analysiert und den gesamten Sicherheitsapparat strategisch betrachtet, konzentriert Ferreira sich stärker auf die konkrete Situation vor Ort und den direkten Schutz Hugos.

Mit den Frauen in Hugos Umfeld geht Ferreira entspannt um. Gelegentlich flirtet er auch mit ihnen, ohne dabei seine professionelle Distanz zu verlieren. Er betrachtet sie weder grundsätzlich als Problem noch wertet er sie wegen ihrer Tätigkeit oder ihres Verhältnisses zu Hugo ab. Für ihn sind sie zunächst Menschen in Hugos Umfeld, die er genauso professionell behandelt wie alle anderen. Entscheidend wird ihre Anwesenheit für ihn erst dann, wenn daraus ein konkretes Sicherheitsrisiko entstehen könnte.

Bild oben: Lucía Cabrera

persönlicher Bodyguard von Hugo

Lucía Cabrera ist eine der drei leitenden Bodyguards in Hugos persönlichem Sicherheitsdienst. Sie führt die zweite beziehungsweise die Nachmittagsschicht und steht dabei auf derselben Ebene wie Matias Ferreira am Vormittag und Diego Bentancur am Abend.

Wie bei den beiden anderen Schichten arbeitet auch unter Cabrera ein Team von 92 Bodyguards, die Hugos unmittelbaren Personenschutz im Haus übernehmen. Sie koordiniert die Positionen ihrer Leute, überwacht die inneren Bereiche und achtet besonders darauf, wer sich Hugo nähert und wie sich Personen in seiner unmittelbaren Umgebung verhalten.

Cabrera arbeitet extrem professionell, ist zugleich aber ausgesprochen ehrgeizig. Zwischen ihr, Ferreira und Bentancur besteht eine deutliche Konkurrenz. Sie will nicht dauerhaft nur eine Schicht führen, sondern langfristig selbst die gesamte Sicherheitsabteilung übernehmen. Dieser Ehrgeiz bestimmt einen erheblichen Teil ihres Verhaltens und macht sie gegenüber Fehlern anderer besonders unerbittlich.

Vor allem neues Personal betrachtet Cabrera grundsätzlich mit Misstrauen. Wo andere zunächst einen neuen Mitarbeiter sehen, sieht sie zuerst eine mögliche Schwachstelle. Sie beobachtet neue Leute genau und geht davon aus, dass Vertrauen erst verdient werden muss.

Bei den Frauen in Hugos Umfeld geht ihre Haltung allerdings weit über professionelle Vorsicht hinaus. Cabrera verachtet sie persönlich und hält wenig davon, dass Hugo sich ständig mit Pornodarstellerinnen umgibt. Sie empfindet diese Frauen als unangenehm und betrachtet sie insbesondere als potenzielle Überträgerinnen von Krankheiten.

Diese persönliche Abneigung beeinflusst auch ihren Umgang mit ihnen. Cabrera behandelt die Frauen deutlich schlechter als anderes Personal und macht aus ihrer Geringschätzung kaum ein Geheimnis. Für sie stehen sie gesellschaftlich weit unter den Menschen, mit denen sie normalerweise zu tun haben möchte. 

Bild oben: Diego Bentancur

persönlicher Bodyguard von Hugo

Diego Bentancur ist einer der drei leitenden Bodyguards Hugos und verantwortlich für die Abendschicht. Damit steht er auf derselben Ebene wie Matias Ferreira am Vormittag und Lucía Cabrera in der zweiten Schicht.

Bentancur war früher bei der Polizei und bringt entsprechend viel praktische Erfahrung im Personenschutz, in der Beobachtung von Situationen und im Umgang mit möglichen Gefahren mit. Bei Hugo verdient er mehr als doppelt so viel wie zuvor, was für ihn ein wichtiger Grund war, in den privaten Sicherheitsdienst zu wechseln.

Im Gegensatz zu Lucía Cabrera ist Bentancur im Umgang mit Menschen sehr ruhig, freundlich und kontrolliert. Er behandelt Hugo, die Frauen in dessen Umfeld und das übrige Personal respektvoll. Er hält nichts davon, Menschen unnötig schlecht zu behandeln, solange sie sich korrekt verhalten und keine Gefahr darstellen.

Für Bentancur ist Bellaventra vor allem ein sicherer Rückzugsort für Hugo. Er vertraut darauf, dass der äußere Objektschutz seine Aufgabe erfüllt und Gefahren möglichst weit vom eigentlichen Wohnbereich fernhält. Seine eigene Verantwortung sieht er deshalb vor allem im unmittelbaren Schutz Hugos innerhalb des Hauses.

Bentancur ist Hugo gegenüber loyal, aber nicht blind. Er betrachtet Hugo nicht als unfehlbar und würde eine Entscheidung nicht allein deshalb gutheißen, weil sie von ihm kommt. Seine Loyalität beruht vielmehr darauf, dass Hugo ihn sehr gut behandelt, ihn außergewöhnlich gut bezahlt und ihm beruflich Möglichkeiten bietet, die er bei der Polizei nicht gehabt hätte.

Zwischen Bentancur und Hugo besteht außerdem ein etwas persönlicheres Verhältnis als zu den meisten anderen Bodyguards. Gelegentlich spielen die beiden miteinander Schach oder Backgammon. Das kommt zwar selten vor, ist aber bemerkenswert, weil Hugo solche privaten Momente mit keinem der anderen leitenden Bodyguards teilt.

Bentancur ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er denkt langfristig und sieht seine Tätigkeit bei Hugo nicht nur als gut bezahlten Job. Eigentlich hofft er darauf, später Sicherheitschef des gesamten Voss-Komplexes zu werden. Für ihn wäre das der nächste große Karriereschritt: weg vom reinen persönlichen Bodyguard hin zu einer Führungsposition mit Verantwortung für einen wesentlich größeren Sicherheitsapparat.

Hugos Privatleben beurteilt Bentancur allerdings deutlich kritischer. Persönlich ist er der Ansicht, dass Hugo mit seinen vielen Frauen und seinem offenen Lebensstil in Sünde lebt. Als verheirateter Familienvater kann er mit diesem Teil von Hugos Leben wenig anfangen. Er muss diese Haltung jedoch für sich behalten und akzeptieren, solange er für Hugo arbeitet. Gegenüber den Frauen bleibt er trotzdem freundlich und respektvoll. Er wertet sie nicht ab und behandelt sie nicht schlechter, nur weil er Hugos Lebensstil persönlich ablehnt.


Bild oben: Javier Salgado

Direktor für Sicherheitsaufsicht und interne Integrität

Javier Salgado ist ehemaliger Mitarbeiter eines chilenischen Nachrichtendienstes und leitet innerhalb von Hugos Sicherheitsapparat eine eigene interne Kontrollabteilung. Seine Aufgabe besteht nicht darin, Bellaventra unmittelbar zu schützen, sondern diejenigen zu überwachen, die für diesen Schutz verantwortlich sind.

Seine Abteilung kontrolliert insbesondere die Bereiche von Ethan Mercer, Verónica Suárez und Marcelo Soria. Salgado überprüft dabei nicht nur die drei Abteilungsleiter selbst, sondern auch deren Mitarbeiter. Für ihn ist es selbstverständlich, dass selbst innerhalb einer Sicherheitsorganisation Verräter, bestochene Mitarbeiter oder eingeschleuste Personen existieren können.

Er fordert seine Leute ausdrücklich dazu auf, niemals davon auszugehen, dass jemand allein aufgrund seiner Position vertrauenswürdig ist. Ein langjähriger Mitarbeiter ist für Salgado genauso überprüfbar wie ein neuer Angestellter. Auch die Personen, die ihrerseits andere Mitarbeiter kontrollieren, müssen aus seiner Sicht ständig kontrolliert werden.

Salgado ist ein extrem verschlossener und misstrauischer Mensch. Seine Jahre im Nachrichtendienst haben seine Wahrnehmung nachhaltig geprägt. Selbst hinter beiläufigen Bemerkungen sucht er nach einer möglichen zweiten Bedeutung. Wenn jemand morgens lediglich fragt, wie es ihm geht, überlegt Salgado bereits, warum diese Frage gestellt wurde und welche Information die Person damit möglicherweise gewinnen möchte.

Diese Denkweise endet nicht mit seiner Arbeit. Salgado lebt ausgesprochen asketisch und vermeidet bewusst Luxus, Abhängigkeiten und persönliche Schwächen. Selbst Dinge, die ihm Freude bereiten könnten, betrachtet er zunächst unter dem Gesichtspunkt, ob jemand sie irgendwann gegen ihn verwenden könnte.

Mehrere gescheiterte Ehen haben seine ohnehin schwierige Persönlichkeit zusätzlich verhärtet. Er lebt weitgehend zurückgezogen, hat kaum enge persönliche Beziehungen und ist mit den Jahren zunehmend verbittert geworden. Vertrauen empfindet er weniger als menschliche Grundlage denn als potenzielle Schwachstelle.

Innerhalb des Sicherheitsapparates macht ihn das ausgesprochen unbeliebt. Besonders Verónica Suárez kann ihn nicht ausstehen, weil Salgado ausgerechnet die Abteilung überwacht, deren Aufgabe selbst die Überprüfung anderer Menschen ist. Salgado wiederum sieht darin keinen Widerspruch. Für ihn ist gerade eine Person mit weitreichendem Zugriff auf vertrauliche Informationen besonders kontrollbedürftig.

Hugo akzeptiert dieses System bewusst. Der Sicherheitsapparat soll sich gegenseitig überwachen, damit keine einzelne Abteilung unkontrolliert arbeiten kann. Salgado verkörpert die letzte Ebene dieses Prinzips: Er misstraut grundsätzlich auch denjenigen, deren Beruf es ist, anderen zu misstrauen.

Hugos Umgang mit den Frauen beurteilt Salgado ausgesprochen negativ, allerdings aus einer anderen Richtung als Lucía Cabrera. Er hält nicht Hugo für das Problem, sondern ist der Ansicht, dass die Frauen in Bellaventra viel zu gut behandelt werden. Für ihn erhalten sie zu viele Freiheiten, zu viel Komfort und zu viel Vertrauen. Seine Erfahrungen haben ihn gelehrt, jede persönliche Nähe als mögliche Schwachstelle zu betrachten. Deshalb würde er den Kontakt zwischen Hugo und den Frauen wesentlich stärker kontrollieren, als es ohnehin bereits geschieht.

Diese Abteilung umfasst insgesamt 175 Mitarbeiter. Davon arbeiten 60 Personen in der Frühschicht, 55 in der Nachmittagsschicht und 20 in der Abendschicht. Weitere 40 Mitarbeiter stehen als Urlaubs-, Krankheits- und Ausfallreserve zur Verfügung.

Bild oben: Ethan Mercer

Leiter für IT- und Cybersicherheit

Ethan Mercer ist ein junger Spezialist für IT- und Cybersicherheit. Während sich neben Bellaventra langsam der Voss-Konzern entwickelt, wird er zunehmend für dessen digitale Sicherheitsarchitektur verantwortlich. Zu Beginn liegt sein Schwerpunkt jedoch vor allem auf der internen Überwachung und Absicherung Bellaventras.

Mercers Abteilung kontrolliert die dienstlich genutzten Computer und Geräte der Mitarbeiter. Dazu gehören Internetaktivitäten, Zugriffe auf interne Systeme und andere digitale Spuren, die Hinweise auf unerlaubte Kontakte, Datenabfluss oder Sicherheitsverstöße geben könnten. Auch die Diensthandys der Mitarbeiter fallen in seinen Verantwortungsbereich.

Zusätzlich ist Mercer für die technische Seite des Kamerasystems in Bellaventra zuständig. Hugo wollte ausdrücklich vermeiden, dass sensible Aufzeichnungen über ein Netzwerk nach außen gelangen können. Deshalb setzt man innerhalb des Hauses auf ein weitgehend getrenntes Kamerasystem mit separat verlegten Leitungen. Mercers Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass das aufgezeichnete Material innerhalb der geschützten Infrastruktur bleibt und nicht von außen abgegriffen werden kann.

Auch die Funkkommunikation des Sicherheits- und Hauspersonals kann zentral aufgezeichnet werden. Technisch ist das ohne Weiteres möglich; professionelle Funksysteme verfügen über entsprechende Aufzeichnungs- und Archivierungslösungen. Mercer nutzt solche Aufzeichnungen als zusätzliche Möglichkeit, sicherheitsrelevante Vorgänge später nachvollziehen zu können.

Im von Hugo errichteten Wohnviertel werden die privaten Wohnungen der Mitarbeiter nicht überwacht. Die öffentlichen Bereiche, Straßen und Zufahrten stehen jedoch unter Beobachtung. Mercers Leute achten darauf, wer das Viertel betritt, wer mit wem regelmäßig Kontakt hat und ob sich daraus auffällige Verbindungen ergeben. Dabei interessiert ihn nicht, ob jemand Hugo persönlich mag oder ihn sogar beleidigt. Relevant wird es für Mercer erst, wenn sich Hinweise auf Erpressung, Spionage, Datenbeschaffung oder eine andere konkrete Gefahr ergeben.

Mercer unterstützt außerdem ein bewusst altmodisches Kommunikationssystem für besonders sensible Handelsanweisungen. Hugo hatte bereits die Vorstellung, wichtige Anweisungen nicht elektronisch zu übermitteln, sondern durch Mitarbeiter persönlich zu Banken und Finanzplätzen bringen zu lassen. Mercer bestärkte ihn darin. Für ihn hinterlässt nahezu jede digitale Kommunikation Spuren, die abgefangen oder später ausgewertet werden können.

Deshalb können Mitarbeiter beispielsweise mit nummerierten, versiegelten Briefumschlägen reisen. Erst zu einem bestimmten Zeitpunkt erhalten sie die Anweisung, einen bestimmten Umschlag zu öffnen und die darin enthaltenen Handelsaufträge auszuführen. So befindet sich die konkrete Kauf- oder Verkaufsanweisung vorher in keinem elektronischen System.

Mercers Grundsatz ist einfach: Alles Digitale kann grundsätzlich Spuren hinterlassen. Je sensibler eine Information ist, desto weniger möchte er davon online sehen. Diese Haltung prägt später auch die IT-Sicherheit des Voss-Komplexes und des wachsenden Voss-Konzerns.

Ein weiterer Schwerpunkt sind elektronische Geräte, die von außen nach Bellaventra gelangen könnten. Mit der zunehmenden Verbreitung von Mobiltelefonen mit Kameras setzt Mercer sich für Sicherheitsschleusen ein, die verhindern sollen, dass Besucher oder die Frauen in Hugos Umfeld unkontrolliert Handys, Kameras oder andere Aufnahmegeräte in die geschützten Wohnbereiche bringen.

Den Frauen stehen deshalb innerhalb Bellaventras hauptsächlich fest installierte Telefone zur Verfügung. Gespräche über diese Anschlüsse können aufgezeichnet und ausgewertet werden, um festzustellen, welche Informationen nach außen gelangen. Dasselbe gilt für fest installierte Diensttelefone des Personals.

Hugos Beziehungen zu den Frauen interessieren Mercer persönlich kaum. Er bewertet weder ihren Beruf noch Hugos Lebensstil. Für ihn werden die Frauen erst dann interessant, wenn sie ein Mobiltelefon, eine Kamera, digitale Speichermedien oder andere technische Möglichkeiten nutzen könnten, um Informationen aus Bellaventra herauszubringen. Er betrachtet sie daher nicht moralisch, sondern ausschließlich als möglichen Teil einer technischen Sicherheitslücke.

Diese Abteilung umfasst insgesamt 104 Mitarbeiter. Davon arbeiten 35 Personen in der Frühschicht, 30 in der Nachmittagsschicht und 15 in der Abendschicht. Weitere 24 Mitarbeiter stehen als Urlaubs-, Krankheits- und Ausfallreserve zur Verfügung.

Bild oben: Verónica Suárez

Leiterin für Personalüberprüfung

Verónica Suárez ist Leiterin der Personalüberprüfung. Ihre Aufgabe besteht darin, jeden Menschen, der für Bellaventra oder unmittelbar für den Voss-Konzern eingestellt werden soll, umfassend zu überprüfen, bevor diese Person Zugang zu internen Bereichen, Informationen oder zu Hugo selbst erhält.

Ihr Bereich führt die vollständigen Background-Checks durch. Dabei wird geprüft, ob Bewerber tatsächlich die Personen sind, die sie vorgeben zu sein, ob Vorstrafen bestehen, Verbindungen zu kriminellen Strukturen bekannt sind oder Kontakte zu Polizei, Nachrichtendiensten oder anderen staatlichen Stellen bestehen. Ebenso untersucht ihre Abteilung mögliche Risiken durch Industriespionage oder gezielte Einschleusungsversuche.

Die Überprüfung endet nicht mit der Einstellung. Suárez lässt Mitarbeiter auch später regelmäßig erneut kontrollieren. Veränderungen im persönlichen Umfeld, auffällige Kontakte oder andere sicherheitsrelevante Entwicklungen können dadurch erneut untersucht werden. Praktisch handelt es sich um eine kontinuierliche Sicherheitsüberprüfung des Personals.

Alle Mitarbeiter verfügen über Diensthandys. Innerhalb des Personals gibt es immer wieder Gerüchte, dass diese Geräte von Suárez' Abteilung überwacht oder ausgewertet werden. Ob und in welchem Umfang das tatsächlich geschieht, wird jedoch nicht offen kommuniziert.

Ein besonderer Teil ihres Verantwortungsbereichs betrifft die Frauen in Hugos Umfeld. Suárez beauftragt Privatdetektive unter anderem in Tschechien, Belarus, Russland und der Ukraine, um die Identität und den Hintergrund der Frauen bereits vor Ort überprüfen zu lassen. Dabei wird untersucht, ob ihre persönlichen Angaben stimmen, ob Verbindungen zu Nachrichtendiensten oder anderen Organisationen bestehen und ob jemand versuchen könnte, über sie Zugang zu Hugo zu erhalten.

Ebenso wird geprüft, ob im Hintergrund Zuhälter, Vermittler oder andere Personen stehen, die später Druck ausüben oder eine Erpressung ermöglichen könnten. Besteht ein solcher Verdacht, wird die betreffende Frau gar nicht erst zugelassen. Für Suárez zählt dabei weniger die Person selbst als die Frage, welches Sicherheitsrisiko aus ihrem Umfeld entstehen könnte.

Suárez gehört außerdem zu den Befürwortern des umfangreichen Kamerasystems innerhalb Bellaventras. Sie legt Wert darauf, dass Begegnungen zwischen Hugo und den Frauen möglichst nachvollziehbar bleiben und Hugo nicht vollständig unbeobachtet mit ihnen ist. Aus ihrer Sicht dient das nicht nur dem Personenschutz, sondern auch der späteren Nachweisbarkeit, dass Vorgänge den zuvor vereinbarten Bedingungen entsprechen.

Innerhalb des Sicherheitssystems arbeitet Suárez jedoch selbst nicht vollkommen unabhängig. Javier Salgado führt eine eigene Kontrollabteilung, die unter anderem ihre Abteilung sowie die Bereiche von Marcelo Soria und Ethan Mercer überprüft. Dieses bewusst mehrstufig aufgebaute Kontrollsystem soll verhindern, dass eine einzelne Sicherheitsabteilung zu viel unkontrollierte Macht erhält.

Suárez verabscheut Salgado. Sie empfindet es als Misstrauensvotum, dass ausgerechnet ihre eigene Arbeit nochmals von einer anderen Abteilung kontrolliert wird, obwohl sie selbst dafür zuständig ist, andere Menschen zu überprüfen. Beruflich akzeptiert sie diese Struktur, persönlich kann sie Salgado jedoch kaum ausstehen.

Hugos Beziehungen zu den Frauen betrachtet Suárez vor allem durch die Brille ihrer Aufgabe. Entscheidend ist für sie nicht, welchen Lebensstil Hugo führt, sondern ob eine Frau tatsächlich diejenige ist, die sie vorgibt zu sein, wer hinter ihr steht und ob durch sie irgendeine Form von Spionage, Erpressung oder sonstiger Gefahr entstehen könnte.

Die Abteilung umfasst insgesamt 163 Mitarbeiter. Davon arbeiten jeweils 50 Personen in der Frühschicht und 50 in der Nachmittagsschicht, während 25 Mitarbeiter die Abendschicht übernehmen. Die übrigen 38 Mitarbeiter dienen als Urlaubs-, Krankheits- und Ausfallreserve, damit die Überprüfungen und Kontrollen jederzeit ohne größere Unterbrechungen fortgeführt werden können.

Bild oben: Marcelo Soria

Leiter für Objekt- und Fahrzeugsicherheit

Marcelo Soria ist Leiter der Abteilung für Objekt- und Fahrzeugsicherheit von Bellaventra. Damit trägt er die Verantwortung für den gesamten äußeren Schutz des Anwesens, die Sicherung der unmittelbaren Umgebung sowie die Organisation der Fahrer und Sicherheitsfahrzeuge.

Der eigentliche Objektschutz umfasst pro Schicht 151 Mitarbeiter. Einschließlich Urlaubs- und Krankheitsvertretungen gehören insgesamt 589 Personen zu diesem Bereich. Hinzu kommen 234 Fahrer, von denen jeweils 60 pro Schicht eingesetzt werden und die ebenfalls durch zusätzliches Personal für Ausfälle und Urlaubszeiten ergänzt werden.

Sorías Verantwortungsbereich endet nicht am Grundstückszaun von Bellaventra. Seine Leute kontrollieren auch die unmittelbare Umgebung und das für Hugos Projekte entwickelte Stadtviertel. Sicherheitsfahrzeuge stehen an wichtigen Zufahrtsstraßen, während weitere Teams in Parallel- und Querstraßen positioniert sind. Zusätzlich fahren mobile Einheiten regelmäßig Kontrollrunden durch das Gebiet.

Für diese Aufgaben setzt die Abteilung unter anderem Nissan Pathfinder ein. Ein Teil der Fahrzeuge steht dauerhaft an strategisch ausgewählten Punkten, andere werden für mobile Patrouillen, Begleitungen und kurzfristige Verlegungen von Sicherheitspersonal genutzt.

Soria war früher Polizist und bringt viel Erfahrung mit festen Sicherheitsstrukturen, Streifendiensten und der Einschätzung von Situationen im öffentlichen Raum mit. Anders als die persönlichen Bodyguards Hugos konzentriert er sich weniger auf einzelne Personen unmittelbar neben Hugo, sondern auf die Frage, wie mögliche Gefahren möglichst weit von Bellaventra ferngehalten werden können.

Er arbeitet dabei eng mit Laurent Demas zusammen. Während Demas die übergeordneten Bedrohungsszenarien und Sicherheitskonzepte entwickelt, ist Soria für einen großen Teil der praktischen Umsetzung im äußeren Bereich verantwortlich. Dazu gehören Personalverteilung, Fahrzeugpositionen, Kontrollrouten und die Absicherung der Zufahrten.

Soria ist verheiratet und hat zwei Kinder mit seiner Ehefrau. Daneben unterhält er seit längerer Zeit eine Beziehung zu einer Geliebten, mit der er ebenfalls ein Kind hat. Deshalb betrachtet er Hugos Privatleben wesentlich entspannter als manche seiner Kollegen.

Dass Hugo mit mehreren Frauen gleichzeitig lebt, stellt für Soria überhaupt kein Problem dar. Seine Haltung ist pragmatisch: Wenn Hugo diesen Lebensstil führen kann und führen will, sieht Soria keinen Grund, sich darüber aufzuregen. Da er selbst neben seiner Ehe eine weitere Beziehung führt, liegt ihm eine moralische Verurteilung von Hugo ohnehin fern. 


Bild oben: Edward Ashcombe

Edward Ashcombe ist General Manager und Residenzdirektor von Bellaventra. Der gebürtige Engländer blickt auf eine internationale Karriere in der Luxushotellerie zurück und führte renommierte Häuser im Nahen Osten, in Asien, Russland und Nordamerika. Zuletzt leitete er eines der führenden Luxushotels in Doha, bevor Michael Schubert ihn davon überzeugte, die klassische Hotellerie zu verlassen und die Verantwortung für Bellaventra zu übernehmen.

Ashcombe kam bereits 2002, während der Bauphase, zu dem Projekt. Er begleitete die Entstehung der Residenz aus betrieblicher Sicht, stellte einen wesentlichen Teil des späteren Personals zusammen und entwickelte die Schulungs- und Servicestandards des Hauses. Sein Anspruch ist kompromisslose Perfektion bei gleichzeitig äußerster Höflichkeit. Der stets makellos gepflegte Brite legt größten Wert auf Etikette, Diskretion, korrekte Umgangsformen und einen Service, der sich an den besten Luxushotels und großen Privatresidenzen der Welt orientiert.

Für Ashcombe ist Bellaventra weniger ein gewöhnliches Privathaus als vielmehr eine Mischung aus Grandhotel und Palast. Entsprechend erwartet er von Housekeeping, Service, Küche, Spa und allen weiteren von ihm verantworteten Bereichen ein Auftreten, bei dem Zurückhaltung und Aufmerksamkeit selbstverständlich sind. Die Frauen, die sich in Bellaventra aufhalten, betrachtet er aus Sicht seines Bereichs konsequent als VIP-Gäste des Hauses. Ihre Wünsche sind von den Mitarbeitern des Servicebereichs grundsätzlich wie Gästewünsche in einem Spitzenhotel zu behandeln und, soweit sie rechtlich zulässig und organisatorisch möglich sind, umzusetzen. Ein unnötiges „Nein“ gegenüber einem Gast akzeptiert Ashcombe nur ungern.

Mit dem umfangreichen Sicherheitsapparat von Bellaventra kann er sich persönlich weniger identifizieren. Die große Zahl an Bodyguards und Sicherheitskräften empfindet er innerhalb eines Hauses, das für ihn von Ruhe, Eleganz und diskretem Service geprägt sein sollte, teilweise als störend. Nach außen würde er dies jedoch niemals erkennen lassen und mischt sich nicht in deren Zuständigkeiten ein.

Auch privat hält Ashcombe strikte Grenzen ein. Mit seiner Frau spricht er kaum über interne Vorgänge in Bellaventra. Für ihn gehören Diskretion und die klare Trennung zwischen seinem beruflichen Verantwortungsbereich und seinem Privatleben zu denselben Grundsätzen, die er auch von seinen Mitarbeitern verlangt.

Bild oben: Johannes Falkenberg

Chefkoch und Direktor des gesamten Küchenbetriebs

Johannes Falkenberg ist Chefkoch und Direktor des gesamten Küchenbetriebs von Bellaventra. Ihm unterstehen insgesamt 47 Mitarbeiter, darunter Spezialitätenköche, Pâtissiers, Beiköche, Küchenhilfen und Spülkräfte. Der Betrieb arbeitet in drei Schichten rund um die Uhr, da sich der gesamte Tagesablauf in Bellaventra nach Hugo richtet und weder feste Essenszeiten noch ein verlässlicher Schlaf-Wach-Rhythmus vorausgesetzt werden können.

Falkenberg kam 2005 auf Empfehlung von Edward Ashcombe zu Bellaventra. Zuvor hatte er als Spitzenkoch in mehreren international renommierten Hotels und Restaurants gearbeitet. Für die neue Aufgabe brachte er einige Köche seines Vertrauens mit, während weitere Spezialisten gezielt angeworben wurden.

Schon Monate vor Hugos Einzug begann die Mannschaft mit einem etwa halbjährigen Probebetrieb, bei dem Arbeitsabläufe, Speisekarten und die Zusammenarbeit der einzelnen Küchenbereiche unter realistischen Bedingungen eingeübt wurden.

Falkenberg verbrachte während dieser Vorbereitungszeit wiederholt längere Zeit in Monaco, um Hugos persönlichen Geschmack kennenzulernen. Es ging ihm nicht nur darum zu erfahren, welche Gerichte Hugo bevorzugt, sondern ebenso darum, welche Gewürze, Konsistenzen und Gerüche er ablehnt. Eine unumstößliche Besonderheit ist beispielsweise das vollständige Trüffelverbot in Bellaventra, da Hugo bereits den Geruch von Trüffeln nicht ertragen kann.

Die Küche selbst ist bewusst international aufgebaut. Zum Team gehören unter anderem Spezialisten für japanische Küche und Sushi, französische Haute Cuisine, mediterrane und spanische Küche, uruguayische und argentinische Asados, moderne Fusionsküche, levantinische Küche, kaukasische und georgische Küche sowie eine eigene Pâtisserie und Chocolaterie. Dadurch soll praktisch jeder kulinarische Wunsch ohne große Vorbereitungszeit erfüllt werden können.

Für Lebensmittel steht ein außergewöhnlich großes Budget von mehr als 100.000 € pro Tag zur Verfügung. Diese Summe muss keineswegs ausgeschöpft werden; sie soll vielmehr sicherstellen, dass Qualität oder Verfügbarkeit niemals an finanziellen Grenzen scheitern. Drei große Estancias produzieren einen erheblichen Teil der Lebensmittel ausschließlich für Bellaventra.

Fleisch, Gemüse, Obst, Eier und weitere Produkte werden dort nach besonders strengen Vorgaben erzeugt, weitgehend naturbelassen und ohne routinemäßigen Einsatz von Wachstumshormonen oder vergleichbaren Produktionsmethoden.

Was nicht selbst produziert werden kann, wird weltweit beschafft. Frischer Fisch und Meeresfrüchte werden regelmäßig direkt von ausgewählten Lieferanten geliefert, tropische Früchte können kurzfristig aus Brasilien eingeflogen werden. Sollte ein außergewöhnlicher Wunsch dies rechtfertigen, kann sogar eines der beiden Geschäftsflugzeuge eingesetzt werden.

So könnten beispielsweise besonders frische Stone Crabs aus Florida, seltene Früchte aus dem Amazonasgebiet oder spezielle Meeresprodukte aus der Karibik innerhalb kürzester Zeit nach Uruguay gebracht werden.

Dabei gilt Falkenbergs einfachste Regel: Die Küche sagt einem Gast möglichst nicht Nein. Möchte eine der Frauen nachts um drei Uhr Kaviar, Austern, Sushi, ein Steak oder ein vollständiges mehrgängiges Menü, wird der Wunsch genauso behandelt wie die Bestellung eines VIP-Gastes in einem der besten Hotels der Welt.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf individuell abgestimmter Ernährung. Falkenberg arbeitet hierzu eng mit Dr. Ricardo Salvatierra sowie Agustina Pereyra, der Leiterin des Bar-, Wellness- und Fitnessbereichs, zusammen. Gemeinsam führen sie auf Wunsch Gespräche mit den Frauen und entwickeln persönliche Ernährungspläne. Dabei sollen körperliche Ziele wie eine sehr schlanke, sichtbar definierte Figur nicht durch extremes Hungern erreicht werden.

Stattdessen werden Energiezufuhr, Eiweiß, Kohlenhydrate, Fette und Mahlzeiten so zusammengestellt, dass die jeweilige Frau ausreichend essen kann und gleichzeitig das von ihr gewünschte körperliche Erscheinungsbild erreicht oder erhalten werden kann.

Falkenberg nimmt sich hierfür ungewöhnlich viel Zeit. Er betrachtet seine Aufgabe nicht lediglich darin, hochwertige Speisen zuzubereiten, sondern darin, die Küche von Bellaventra vollständig an die Menschen anzupassen, die dort leben. Für ihn gehört es deshalb ebenso zum Beruf, sich an einen Tisch zu setzen und nach Vorlieben, Abneigungen oder persönlichen Zielen zu fragen, wie anschließend ein perfektes Gericht servieren zu lassen. 

Bild oben: Andrés Varela

Head Butler & Director of Butler Services

Andrés Varela ist Head Butler und Director of Butler Services von Bellaventra. Ihm unterstehen insgesamt 98 Mitarbeiter: 35 Butler, 47 Servicekräfte/Kellner und 16 Barkeeper. In diesen Zahlen sind die notwendigen Urlaubs- und Krankheitsvertretungen bereits vollständig enthalten. Der gesamte Bereich ist auf drei Schichten verteilt und rund um die Uhr besetzt.

Varela stammt aus der klassischen britischen Butlertradition und arbeitete zuvor im Umfeld des spanischen Adels. Edward Ashcombe kannte ihn bereits aus früheren beruflichen Stationen und holte ihn gezielt nach Bellaventra. Für Varela ist der Beruf des Butlers keine gewöhnliche Servicetätigkeit, sondern eine Haltung, die höchste Disziplin, Verschwiegenheit und Selbstbeherrschung verlangt.

Seinen Mitarbeitern vermittelt er immer wieder denselben Grundsatz: „Ich sehe nichts, ich höre nichts, ich sage nichts.“ Damit meint er nicht Gleichgültigkeit. Ein Butler muss jederzeit erkennen, wann etwas benötigt wird, und entsprechend handeln. Alles andere, was im privaten Umfeld des Hauses geschieht, hat er dagegen weder zu kommentieren noch weiterzugeben.

Diese Haltung gilt für ihn besonders im Umgang mit den Frauen in Bellaventra. Ob jemand vollständig angezogen, im Bademantel oder unbekleidet durch einen privaten Wohnbereich geht, spielt für Varela beruflich keinerlei Rolle. Er reagiert darauf nicht, verändert sein Verhalten nicht und erwartet dieselbe Selbstverständlichkeit von seinem gesamten Personal. Spricht eine Frau ihn oder einen seiner Mitarbeiter jedoch an oder äußert einen Wunsch, wird dieser sofort mit derselben professionellen Aufmerksamkeit behandelt wie der Wunsch eines hochrangigen Gastes in einem Spitzenhotel oder einer großen privaten Residenz.

Varela legt großen Wert darauf, dass Distanz und Aufmerksamkeit gleichzeitig funktionieren. Sein Personal soll jederzeit präsent sein, ohne aufdringlich zu wirken; aufmerksam, ohne neugierig zu sein; und verfügbar, ohne das Gefühl zu vermitteln, die Bewohner des Hauses würden beobachtet.

Fehler bei Tischmanieren, Anredeformen, Kleidung, Haltung oder Diskretion akzeptiert er nur schwer. Neue Butler durchlaufen daher intensive Schulungen, bei denen nicht nur Serviertechniken, Getränke- und Speisenservice oder das Eindecken von Tafeln geübt werden, sondern ebenso Körpersprache, Gesprächsführung, Schweigen im richtigen Moment und das unauffällige Erkennen von Wünschen.

Varela versteht Bellaventra als eine der anspruchsvollsten privaten Residenzen, in denen ein Butler arbeiten kann. Gerade deshalb erwartet er von seinen Mitarbeitern, dass außergewöhnliche Situationen irgendwann vollkommen gewöhnlich wirken. Für ihn zeigt sich wirkliche Professionalität daran, dass ein Gast niemals bemerkt, wie viel Aufwand notwendig war, um einen Wunsch zu erfüllen. 

Bild oben: Florencia Acosta

Leiterin Housekeeping und Textilpflege von Bellaventra

Florencia Acosta leitet den gesamten Bereich Housekeeping und Textilpflege von Bellaventra. Ihr unterstehen insgesamt 546 Mitarbeiter: 382 Beschäftigte im Housekeeping und in der Wäscherei, 124 Gärtner, 20 Mitarbeiter des Hausmeisterdienstes und 20 Techniker. Urlaubs- und Krankheitsvertretungen sind in diesen Zahlen bereits enthalten. Auch die Floristik von Bellaventra fällt in ihren Verantwortungsbereich.

Acosta stammt aus Chile und arbeitete vor ihrem Wechsel nach Bellaventra viele Jahre in der professionellen Hauswirtschaft repräsentativer Einrichtungen. Unter anderem war sie in leitender Funktion in einer chilenischen Regierungsresidenz tätig. Dort entwickelte sie den Anspruch, dass ein Raum nicht nur sauber, sondern jederzeit vollkommen vorbereitet wirken muss.

Diesen Maßstab übertrug sie auf Bellaventra. Acosta gilt als extrem penibel, perfektionistisch und konsequent. Sie kontrolliert selbst kleinste Stellen, prüft schwer erreichbare Kanten, Beschläge und Ritzen und benutzt dafür notfalls sogar Wattestäbchen. Staub an Stellen, die normalerweise niemand bemerken würde, reicht ihr bereits für eine Beanstandung.

Sie verlässt sich nicht ausschließlich auf Vorarbeiter oder Kontrolllisten, sondern erscheint regelmäßig selbst in den einzelnen Bereichen. Wenn es notwendig ist, packt sie auch persönlich mit an und ist sich für keine Arbeit zu schade. Gleichzeitig führt sie ihre Putzkolonnen ausgesprochen streng und treibt sie an, wenn sie der Meinung ist, dass das Arbeitstempo oder die Sorgfalt nachlassen. Gerade weil sie selbst jederzeit mitarbeitet, erwartet sie von ihren Mitarbeitern denselben Einsatz und akzeptiert kaum Nachlässigkeit.

Die Frauen in Bellaventra machen sich gelegentlich über ihren extremen Perfektionismus lustig, weil Acosta Dinge kontrolliert, die für andere längst sauber genug wären. Besonders wenig Verständnis hat sie allerdings dafür, wenn Kleidung, Handtücher, Kosmetik oder andere Gegenstände achtlos auf dem Boden liegen gelassen werden. Im abgeschirmten Mitarbeiterbereich kann sie darüber durchaus schimpfen und einzelne Frauen auch einmal als regelrechte „Dreckschweine“ bezeichnen. Gegenüber den Frauen selbst bleibt sie jedoch stets höflich und professionell. Auch Hugo gegenüber würde sie solche persönlichen Bemerkungen niemals machen.

Für Acosta gilt eine einfache Regel: Ein Gast darf Unordnung verursachen. Ihre Abteilung hat dafür zu sorgen, dass diese Unordnung verschwindet.

Auch die Textilpflege unterliegt ihren hohen Standards. Kleidung, Bettwäsche, Handtücher, Tischwäsche, Vorhänge und empfindliche Stoffe werden entsprechend ihrer Materialien behandelt und sorgfältig kontrolliert. Hochwertige Kleidungsstücke sollen nach der Pflege nicht lediglich sauber, sondern wieder vollkommen präsentabel sein.

Zur Abteilung gehört außerdem die Floristik. In den Wohn- und Repräsentationsbereichen stehen täglich frische Blumen, deren Zustand regelmäßig überprüft wird. Verwelkte Blüten oder sichtbar nachlassende Arrangements sollen nach Acostas Vorstellung gar nicht erst wahrgenommen werden.

Ihr Anspruch zeigt sich auch bei alltäglichen Abläufen im privaten Wohnbereich. Sobald sich eine der Frauen tagsüber oder am Nachmittag hingelegt und ein Bett benutzt hat, wird es anschließend vollständig neu bezogen und für die nächste Nutzung wieder hergerichtet. Für Acosta gibt es keinen Unterschied zwischen einer kurzen Ruhepause und einer ganzen Nacht: Ein benutztes Bett gilt als benutzt und wird entsprechend behandelt.

Florencia Acosta versteht ihre Aufgabe deshalb nicht als gewöhnliches Housekeeping. Ihr Ziel ist, dass Bellaventra unabhängig von Tageszeit, Nutzung oder Anzahl der anwesenden Personen jederzeit so wirkt, als sei jeder einzelne Bereich gerade erst vollständig vorbereitet worden.

Bild oben: Agustina Pereyra

Spa-Direktorin – Wellness, Fitness und Regeneration

Agustina Pereyra leitet den gesamten Bereich Spa, Wellness, Fitness und Regeneration von Bellaventra. Einschließlich Pereyra selbst umfasst die Abteilung 101 Mitarbeiter. Urlaubs- und Krankheitsvertretungen sind in dieser Zahl bereits enthalten. Der Bereich arbeitet in drei Schichten und steht 24 Stunden am Tag zur Verfügung.

Vor allem die Frauen nutzen das Zentrum intensiv. Für viele von ihnen gehört es zu den wichtigsten Aufenthaltsbereichen innerhalb von Bellaventra, da Fitness, Spa, Massagen, Körperpflege und Regeneration einen großen Teil ihres Tages ausmachen. Hugo selbst nutzt die Einrichtungen dagegen eher selten.

Pereyra ist fachlich ausgesprochen kompetent, achtet sehr auf ihre eigene Figur, trainiert regelmäßig und beschäftigt sich intensiv mit Ernährung und körperlicher Leistungsfähigkeit. Gerade deshalb ist ihr Verhältnis zu den Frauen jedoch von einem deutlichen inneren Widerspruch geprägt. Nach außen begegnet sie ihnen professionell und kontrolliert, insgeheim empfindet sie jedoch starken Neid.

In ihrer eigenen Wahrnehmung arbeitet sie hart, trägt Verantwortung, muss funktionieren und sich ihren Lebensstandard verdienen, während die Frauen in Bellaventra aus ihrer Sicht nahezu alles erhalten. Pereyra denkt über einige von ihnen ausgesprochen abwertend: Sie müsse arbeiten und sich abrackern, während die Frauen sich im Grunde nur hinlegen und „die Beine breitmachen“ müssten und dafür ein Leben im Luxus bekämen. Gerade weil sie selbst großen Wert auf ihren Körper legt, empfindet sie diese Ungleichheit teilweise als besonders ungerecht.

Diese Einstellung zeigt sie den Frauen jedoch kaum offen. Pereyra weiß genau, welche Stellung sie innerhalb des Hauses haben und dass ein ernsthafter Konflikt mit einer von Hugo geschätzten Frau für sie selbst problematisch werden könnte. Gegenüber Hugo verhält sie sich deshalb ausgesprochen unterwürfig und bemüht sich teilweise fast übertrieben darum, ihm zu gefallen und keinerlei Anlass zur Unzufriedenheit zu geben.

Gleichzeitig besitzt Pereyra innerhalb Bellaventras eine wichtige informelle Funktion. Durch den täglichen Umgang mit den Frauen erlebt sie deren Gespräche, Stimmungen, Streitigkeiten und persönliche Veränderungen aus unmittelbarer Nähe. Sie hört genau hin und gibt relevante Beobachtungen an Salgado weiter.

Ihre Informationen gehen jedoch nicht ausschließlich an den Sicherheitsbereich. Pereyra tauscht sich auch mit den drei für die persönliche Betreuung der Frauen zuständigen Hausdamen Milena Vacková, Klára Novotná und Jelena Morosowa aus. Sie informiert sie über auffällige Stimmungsänderungen, Konflikte, Äußerungen oder andere Dinge, von denen sie glaubt, dass sie für die Betreuung der jeweiligen Frau wichtig sein könnten.

Ebenso gibt sie Informationen aus ihrem eigenen Fachbereich weiter. Dazu gehören Veränderungen bei Fitnesswerten, Trainingsverhalten, körperlicher Leistungsfähigkeit oder ungewöhnliche Verhaltensänderungen. Wirkt eine Frau zunehmend frustriert, aggressiv, zurückgezogen oder anderweitig auffällig, meldet Pereyra dies ebenfalls.

Sie betrachtet diese Weitergabe nicht als Tratsch im gewöhnlichen Sinne, sondern ausdrücklich als Teil ihrer Aufgabe. Innerhalb Bellaventras dürfen relevante Informationen an zuständige Vorgesetzte, die Betreuung und den Sicherheitsbereich weitergegeben werden. Nach außen gelten dagegen die strengen Verschwiegenheitsregeln und die von sämtlichen Mitarbeitern unterzeichneten NDAs.

Pereyra nimmt damit eine besondere Doppelrolle ein. Einerseits führt sie einen der von den Frauen am intensivsten genutzten Bereiche von Bellaventra und steht ihnen täglich nahe. Andererseits gehört sie zu den Personen, die besonders aufmerksam beobachten, was innerhalb dieser Gruppe geschieht, und ihre Eindrücke konsequent an Salgado, Milena Vacková, Klára Novotná und Jelena Morosowa weitergeben. 

Bild oben:  Dr. Ricardo Salvatierra

Ärztlicher Leiter und Hausarzt von Bellaventra

Dr. Ricardo Salvatierra ist ärztlicher Leiter und Hausarzt von Bellaventra. Einschließlich seiner eigenen Person umfasst der medizinische Dienst fünf Ärzte und zehn Krankenschwestern. Das Team übernimmt die hausärztliche Versorgung innerhalb der Residenz und ist für kleinere Beschwerden ebenso zuständig wie für akute Erkrankungen, regelmäßige Untersuchungen und die medizinische Überwachung der Frauen.

Salvatierra war früher Amtsarzt und hatte dabei unter anderem mit der medizinischen Kontrolle von Prostituierten zu tun. Dadurch besitzt er umfangreiche Erfahrung mit sexuell übertragbaren Infektionen und den besonderen gesundheitlichen Problemen, die bei häufigem Sexualkontakt auftreten können. Diese Erfahrung war ein wesentlicher Grund dafür, ihn für Bellaventra zu verpflichten.

Bereits während der dreimonatigen Quarantäne- und Vorbereitungsphase werden die Frauen intensiv untersucht. Blutproben und weitere Abstriche werden an ein Labor geschickt und unter anderem auf HIV, Syphilis, Hepatitis, Chlamydien, Gonorrhö, Herpes und weitere übertragbare Infektionen untersucht. Hinzu kommen gynäkologische Untersuchungen, bei denen kontrolliert wird, ob die Frauen vaginal gesund sind und keine Auffälligkeiten oder Infektionen vorliegen.

Auch nach ihrer Aufnahme werden sie regelmäßig untersucht. Eine der mit Abstand häufigsten Erkrankungen, mit denen Salvatierra und sein Team in Bellaventra zu tun haben, sind Blasenentzündungen. Der Grund dafür ist innerhalb des medizinischen Dienstes bekannt: Hugo bevorzugt unter anderem Analverkehr mit anschließender vaginaler Penetration. Dadurch können Darmbakterien leichter in den Vaginal- und Harnröhrenbereich übertragen werden, was bei den Frauen immer wieder zu Harnwegsinfektionen führt.

Salvatierra hält deshalb entsprechende Medikamente, Urintests und Behandlungsmöglichkeiten ständig vor. Für ihn gehören solche Fälle inzwischen zur medizinischen Routine von Bellaventra. Die betroffenen Frauen können sich jederzeit melden, wenn Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen, häufiger Harndrang oder andere Beschwerden auftreten. In schwereren Fällen werden weitergehende Laboruntersuchungen durchgeführt.

Neben diesen wiederkehrenden Problemen behandelt der medizinische Dienst auch gewöhnliche hausärztliche Beschwerden wie Infekte, Kreislaufprobleme, kleinere Verletzungen oder allgemeines Unwohlsein. Einen Teil spezialisierter Leistungen hält Bellaventra ebenfalls direkt im Haus vor. Dazu gehört beispielsweise ein Zahnarzt, der neben normaler Zahnmedizin auch kosmetische Behandlungen wie professionelles Bleaching für die Frauen übernimmt.

Eine der wichtigsten Aufgaben Salvatierras bleibt jedoch die Verhinderung eingeschleppter Infektionen. Hier arbeitet er eng mit Demás und dem Sicherheitsbereich zusammen. Beide betrachten Viren, sexuell übertragbare Infektionen und andere ansteckende Erkrankungen als eines der größten vermeidbaren Risiken für Bellaventra. Salvatierra verlässt sich deshalb nur begrenzt auf Aussagen der Frauen und bevorzugt regelmäßige medizinische Kontrollen.

Darüber hinaus besitzt er eine besondere administrative Befugnis: Er muss bestätigen, wenn eine Frau Bellaventra während ihrer Monatsblutung vorübergehend verlassen darf. Vorgesehen sind dafür gewöhnlich ein oder zwei Tage mit besonders starker Blutung. Erst mit seiner medizinischen Bestätigung erhält sie die entsprechende Freigabe.

Viele Frauen nutzen diese Tage gerne für Einkäufe oder Ausflüge nach Montevideo. Sie werden chauffiert und von Sicherheitskräften begleitet. Dabei müssen sie grundsätzlich im Sichtbereich der Begleitung bleiben. Die Sicherheitsvorgaben sollen insbesondere verhindern, dass außerhalb Bellaventras unbeobachtete sexuelle Kontakte entstehen – unabhängig davon, ob diese mit Männern oder Frauen stattfinden.

Entzieht sich eine Frau bewusst der Begleitung oder besteht der Verdacht auf einen nicht genehmigten sexuellen Kontakt muss die Frau Bellaventra verlassen.

Persönlich ist Salvatierra ein höflicher, kontrollierter und nach außen ausgesprochen korrekter Mann. Er ist verheiratet, Familienvater und trennt sein Privatleben strikt von seiner Arbeit. Hinter dieser professionellen Fassade besitzt er allerdings ein deutlich misogynes Frauenbild. Er vertraut den Frauen nur begrenzt und hält medizinische Kontrollen grundsätzlich für verlässlicher als deren Aussagen.

Im direkten Patientenkontakt lässt er sich davon jedoch kaum etwas anmerken. Untersuchungen führt er sachlich und professionell durch und verlangt dies ebenso von seinen Ärzten und Krankenschwestern. Für Salvatierra besteht seine Aufgabe nicht darin, von den Frauen gemocht zu werden. Er soll dafür sorgen, dass gesundheitliche Probleme möglichst früh erkannt werden und Bellaventra medizinisch unter Kontrolle bleibt.

Bild oben: Claire Bennett

Fitnesstrainerin und Ernährungsberaterin

Claire Bennett ist Fitnesstrainerin und Ernährungsberaterin von Bellaventra und arbeitet vor allem mit den Frauen während ihrer dreimonatigen Quarantäne- und Vorbereitungsphase. Ihre Aufgabe besteht darin, die Frauen körperlich auf das Leben in Bellaventra vorzubereiten und ihr Erscheinungsbild möglichst genau an Hugos persönliche Vorstellungen anzupassen.

Dabei gibt es für Hugo einen Körperbereich, der alles andere deutlich überragt: den Bauch einer Frau. Für ihn ist ein sehr flacher, straffer und sichtbar definierter Bauch mit ausgeprägter Ab-Crack-Linie und klaren Eleven Lines nicht einfach nur attraktiv, sondern praktisch das zentrale Merkmal weiblicher Schönheit. Brüste, Po und Beine interessieren ihn selbstverständlich ebenfalls, doch nichts davon hat für ihn dieselbe Bedeutung wie die Körpermitte. Der Bauch ist für Hugo fast ein Fetisch.

Hugo formuliert seine Haltung selbst sehr klar: „Alles andere bekommt eine Frau von Gott. Das ist das Einzige, was sie selbst machen muss. Wenn sie bei mir sein und dieses Geld verdienen will, dann muss sie mir das bringen, was ich will.“ Genau diesen Gedanken vermittelt Claire den Frauen von Anfang an. Sie erklärt ihnen, dass ein hübsches Gesicht oder eine gute Figur allein nicht reichen. Wer langfristig in Bellaventra bestehen will, muss vor allem an diesem einen Punkt arbeiten.

Bennett trainiert deshalb nicht einfach auf allgemeine Fitness, sondern ganz gezielt auf Bauchdefinition, eine schmale Taille, niedrigen Körperfettanteil und eine klar gezeichnete Körpermitte. Das tägliche Training ist darauf ausgerichtet, genau den Bauchtyp zu formen, von dem Hugo regelrecht besessen ist. Fortschritte werden regelmäßig kontrolliert und die Übungen entsprechend angepasst.

Dabei arbeitet Claire eng mit Johannes Falkenberg zusammen. Gemeinsam wird für jede Frau besprochen, welche Ernährung sinnvoll ist, damit sie die gewünschte Definition erreicht, ohne einfach zu hungern. Training und Ernährung sollen so ineinandergreifen, dass der Körper insgesamt schlank bleibt, der Bauch aber besonders stark herausgearbeitet wird.

Zu Bennetts Aufgaben gehört außerdem die Koordination weiterer kosmetischer Vorbereitungen. Falls ein Bleaching oder kleinere Zahnkorrekturen sinnvoll erscheinen, organisiert sie entsprechende Termine beim Zahnarzt. Ihr Schwerpunkt bleibt jedoch immer derselbe: der Bauch. Alles andere ist für Hugo zweitrangig gegenüber dieser einen Körperpartie.

Claire Bennett ist Amerikanerin. Ihr Vater war Russe, ihre Mutter Amerikanerin. Dadurch wuchs sie zweisprachig auf und spricht neben Englisch auch fließend Russisch. Etwas Tschechisch hat sie sich später selbst beigebracht, weil sie häufig mit Frauen aus Osteuropa arbeitet.

Vor Bellaventra arbeitete Claire als Fitnessmodel und Trainerin. Sie wollte die Vereinigten Staaten verlassen und ganz bewusst einen Neuanfang in einem anderen Teil der Welt machen. Genau darin erkennt sie eine gewisse Gemeinsamkeit mit vielen der Frauen, die sie betreut: Auch sie wollen häufig Abstand zu ihrem früheren Leben gewinnen und an einem vollkommen anderen Ort neu anfangen.

Persönlich betrachtet Claire ihre Arbeit durchaus zwiespältig. Mit Hugo verbindet sie keinerlei romantisches oder sexuelles Interesse, und sie würde sich auch nicht auf ihn einlassen. Manchmal findet sie es ernüchternd, dass sie mit ihrer Erfahrung letztlich vor allem Pornodarstellerinnen darauf vorbereitet, Hugos sehr spezifischem Schönheitsideal zu entsprechen. Sie hatte sich ihre berufliche Laufbahn ursprünglich anders vorgestellt.

Trotzdem erledigt sie ihre Aufgabe ausgesprochen konsequent. Wenn eine Frau zu ihr kommt, zählt für Claire zunächst das erreichbare Ergebnis. Sie fordert Disziplin, arbeitet täglich mit ihr und erklärt sehr deutlich, worauf es in Bellaventra ankommt: Hugo kann vieles an einer Frau schön finden – aber auf den Bauch schaut er zuerst, am längsten und am kritischsten. Wer bei ihm bleiben will, muss genau dort liefern.


Bild oben: Milena Vacková

Milena Vacková ist Tschechin und leitet die unmittelbare Betreuung der Frauen in Bellaventra. Klára Novotná und Jelena Morosowa arbeiten unter ihr. Innerhalb des Dreierteams ist Milena die klare Autoritätsfigur und vor allem der Puffer zwischen Hugo und den Frauen.

Persönliche Probleme, Eifersucht, Streit und Beschwerden landen zunächst bei Klára oder Jelena. Was die beiden nicht selbst lösen können oder was größer wird, geht an Milena. Die meisten Probleme sollen gar nicht erst bei Hugo ankommen. Nur wirklich schwerwiegende Fälle werden mit ihm besprochen.

Milena war viele Jahre Prostituierte, arbeitete zeitweise in der Pornobranche und verbrachte einen erheblichen Teil ihres früheren Lebens auf dem Straßenstrich. Diese Vergangenheit prägt ihre Art bis heute.

In Bellaventra übernimmt sie dadurch eine Rolle, die am ehesten der einer erfahrenen Puffmutter entspricht. Sie erkennt Unsicherheit, Konkurrenz, Eifersucht und Ausreden schnell und weiß, wann eine Frau Zuspruch braucht und wann sie ihrer Meinung nach wieder auf den Boden geholt werden muss.

Auf Milena wurde Hugo ursprünglich durch die Pornobranche aufmerksam. Er erkannte, dass ihre jahrelange Erfahrung mit Prostitution, Pornografie und den Frauen dieses Milieus sie für eine Aufgabe geeignet machte, die mit einer gewöhnlichen Hausdame kaum zu besetzen gewesen wäre. Daraus entwickelte sich schließlich ihre heutige Stellung an der Spitze der unmittelbaren Frauenbetreuung.

Im normalen Umgang kann Milena aufmerksam, praktisch und überraschend fürsorglich sein. Wenn eine Frau Heimweh hat, mit dem Leben in Bellaventra nicht zurechtkommt oder ein ernstes persönliches Problem hat, nimmt sie sich Zeit und versucht, eine Lösung zu finden.

Sie weiß zugleich genau, unter welchen Bedingungen die Frauen nach Bellaventra kommen. Sie arbeiten als Pornodarstellerinnen und wissen vor ihrem Einzug, dass sexuelle Beziehungen zu Hugo ein zentraler Bestandteil ihrer Tätigkeit und ihres Lebens dort sind. Hugo hat mit allen Frauen sexuelle Beziehungen und erwartet diese grundsätzlich auch. Dazu gehören seine Vorlieben für Analverkehr und Oralverkehr sowie die Erwartung, dass Sperma geschluckt wird. Milena redet darüber ohne Umschreibungen. Wenn sie Ficken, Schwanz, Fotze, Analverkehr, Oralverkehr oder Sperma meint, benutzt sie diese Wörter.

Die Frauen sind nicht ausschließlich für Sex da. Sie sollen Hugo auch Gesellschaft leisten, ihn unterhalten, ablenken, mit ihm essen, reden, Musik hören oder ihm einfach angenehme Stunden bereiten. Trotzdem macht Milena daraus kein romantisches Konstrukt. Für sie bleibt Sexualität ein wesentlicher Grund dafür, weshalb die Frauen in Bellaventra leben.

Milena selbst trennt Sex und Liebe deutlich voneinander. Für sie ist Sex zunächst ein körperlicher Akt und ein menschliches Bedürfnis, das nicht automatisch mit romantischen Gefühlen verbunden sein muss.

Da Hugo schon rein zeitlich nicht ständig mit allen Frauen Sex haben kann, erwartet Milena ausdrücklich, dass sich auch unter den Frauen sexuelle Beziehungen und feste Konstellationen entwickeln. Jede Frau besitzt ihr eigenes Schlafzimmer und kann dort mit einer anderen Bewohnerin schlafen. Zwei Frauen können auf Wunsch auch dauerhaft gemeinsam ein Schlafzimmer beziehen. Sexspielzeug steht ebenfalls zur Verfügung.

Wenn eine Frau darüber jammert, dass Hugo keine Zeit für sie hatte und sie gleichzeitig sexuell frustriert ist, kann Milenas Sprache abrupt umschlagen: „Dann fickt euch selber. Dafür seid ihr genug Frauen. Wenn du geil bist, such dir eine Fotze, mit der du klarkommst, schnall dir meinetwegen einen Strap-on um und fickt euch gegenseitig. Geh mir nicht auf den Sack, nur weil Hugo heute keine Zeit für dich hat.“

Besonders wenig Geduld hat sie mit Frauen, die glauben, sie seien wegen ihres Aussehens oder Hugos Aufmerksamkeit etwas Besonderes. Dann kann sie bewusst brutal werden: „Was glaubst du eigentlich, wer du bist, Fotze? Du bist hier nichts weiter als ein verdammter Sperma-Mülleimer, wenn du glaubst, dass dich allein das Ficken mit Hugo zu etwas Besonderem macht. Es gibt Hunderte von Frauen wie dich. Wenn du meinst, du wärst unersetzlich, hast du überhaupt nicht verstanden, wo du hier bist.“

Hinter dieser Härte steckt auch persönliche Eifersucht. Milena ist inzwischen Mitte fünfzig. Neue Frauen in Bellaventra sind höchstens 24 Jahre alt, die meisten ungefähr 19 oder 20. Sie weiß, dass sie körperlich mit ihnen nicht mehr konkurrieren kann. Auf dem Straßenstrich hatte sie schon gegen Ende kaum noch Chancen, in einem Bordell wäre sie heute gegenüber solchen jungen Frauen deutlich im Nachteil, und auch in der Pornobranche gilt eine Frau ihres Alters längst als altes Haus.

Milena macht sich deshalb keine Illusionen: Ihre Stellung in Bellaventra ist wahrscheinlich ihre letzte große Chance auf ein dauerhaft komfortables und finanziell sicheres Leben. Gerade besonders junge, attraktive und selbstbewusste Frauen können deshalb ihren Neid wecken. Klára kennt diese Seite von ihr und merkt gelegentlich, wann Milenas persönliche Gefühle ihre berufliche Härte verstärken.

Milena erinnert die Frauen zugleich sehr nüchtern daran, was sie finanziell für dieses Leben erhalten. Hugo übernimmt sämtliche Abgaben, sodass eine Bewohnerin ungefähr 1 Million € netto pro Jahr verdient. Milena rechnet entsprechend pragmatisch: ein Jahr – eine Million Euro, zwei Jahre – zwei Millionen, drei Jahre – drei Millionen. Die meisten bleiben ungefähr zwei Jahre und verlassen Bellaventra anschließend mit einem Vermögen, das ihr weiteres Leben grundlegend verändern kann.

Für Milena ist Geld kein Argument dafür, jedes Problem zu ignorieren. Sie hält es aber für absurd, diese Größenordnung auszublenden, wenn eine Frau wegen vergleichsweise kleiner Dinge permanent unzufrieden ist.

Die meisten Konflikte werden von Klára und Jelena abgefangen. Erst wenn eine Situation festgefahren ist oder eine Bewohnerin dauerhaft Unruhe verursacht, landet sie bei Milena. Vieles regelt sie selbst. Nur bei wirklich großen Problemen oder einer möglichen Entlassung spricht sie sich mit Hugo ab. Sie kann eine Entlassung empfehlen und den Prozess anstoßen, die endgültige Entscheidung wird jedoch mit Hugo abgestimmt.

Neben der Konfliktlösung achtet Milena auf grundlegende Etikette, Kleidung und Auftreten. Neue Bewerberinnen betreut sie nicht persönlich durchgehend; dafür ist hauptsächlich Jelena zuständig. Milena behält aber die Gesamtverantwortung.

Heute lebt Milena in einer hochwertigen Wohnung von ungefähr 200 Quadratmetern in der Nähe Bellaventras und verfügt über einen Fahrer. Sie genießt ihren Wohlstand sichtbar, geht gerne gut essen, kleidet sich hochwertig und trägt Schmuck. Sie gefällt sich zunehmend in der Rolle einer Grand Dame und zeigt bewusst, wie weit sie sich von ihrem früheren Leben entfernt hat.

Dafür ist sie Hugo sehr dankbar. Gleichzeitig weiß sie, dass ihre Stellung nicht garantiert ist. Mit Klára und Jelena stehen bereits zwei Frauen hinter ihr, die ihre Arbeit kennen und langfristig aufrücken könnten. Die Vorstellung, ihre Position, ihre Sicherheit und dieses Leben wieder zu verlieren, macht ihr Angst.

Auch deshalb ist Milena so hart. Sie will ihren Bereich unter Kontrolle halten und verhindern, dass Hugo ständig mit Problemen der Frauen belastet wird. Für sie ist Bellaventra nicht einfach ein guter Arbeitsplatz, sondern die Chance, die sie in ihrem Alter weder auf dem Straßenstrich noch im Bordell oder in der Pornobranche noch einmal bekommen würde.

Bild oben: Klára Novotná

Klára Novotná ist Tschechin und arbeitet direkt unter Milena Vacková. Während Milena den Bereich führt und schwierige Konflikte übernimmt, ist Klára vor allem für den täglichen Kontakt mit den Frauen zuständig.

Auch Klára arbeitete früher als Tänzerin und Prostituierte. Sie kennt deshalb die Verbindung aus Sexualität, Geld, persönlichen Beziehungen und emotionalen Belastungen aus eigener Erfahrung. Anders als Milena ist sie im Umgang jedoch deutlich ruhiger und diplomatischer.

Klára ist häufig die erste Ansprechpartnerin, wenn eine Frau ein persönliches Problem hat, Heimweh bekommt, sich mit einer anderen Bewohnerin streitet oder einfach jemanden zum Reden braucht. Sie hört länger zu und versucht Spannungen früh zu lösen, bevor daraus ein Fall für Milena wird.

Gerade dadurch ergänzen sich beide. Klára fängt viele alltägliche Probleme ab, während Milena dort eingreift, wo klare Grenzen oder Entscheidungen notwendig werden.

Ein großer Teil von Kláras Arbeit betrifft den Alltag. Frauen wenden sich an sie wegen Kleidung, Einkäufen, persönlichen Ausgaben, organisatorischen Fragen oder Schwierigkeiten innerhalb der Gruppe.

Den Frauen stehen für persönliche Ausgaben bis zu 10.000 € monatlich zur Verfügung. Klára hilft bei Fragen dazu und stimmt sich bei Bedarf mit Verwaltung und Concierge ab. Auch Einkaufsfahrten nach Montevideo und andere persönliche Besorgungen können über sie organisiert werden.

Sie kennt zudem Hugos Geschmack bei Kleidung und Auftreten und kann die Frauen entsprechend beraten. Dabei geht es nicht darum, jeder Bewohnerin denselben Stil vorzuschreiben, sondern darum, dass Kleidung und Auftreten grundsätzlich zu Bellaventra und zu den jeweiligen Anlässen passen.

Klára verbringt regelmäßig Zeit mit den Frauen und bekommt dadurch früh mit, welche Freundschaften entstehen, welche Frauen auch sexuell enger miteinander werden und wo sich Eifersucht oder Spannungen entwickeln.

Gerade die Beziehungen untereinander sind für das Betreuungsteam wichtig. Klára unterstützt Milenas Grundgedanken, dass die Frauen nicht ausschließlich auf Hugo fixiert sein sollen. Freundschaften, sexuelle Beziehungen und feste Konstellationen innerhalb der Gruppe erleichtern das Zusammenleben und verhindern, dass jede Frau ihre gesamte emotionale und sexuelle Aufmerksamkeit auf Hugo richtet.

Dabei geht Klára deutlich zurückhaltender vor als Milena. Sie würde einer Frau eher helfen herauszufinden, mit wem sie sich gut versteht und wo sich Nähe von selbst entwickelt, statt sie mit Milenas drastischer Sprache zu konfrontieren.

Diese Nähe zu den Frauen bedeutet allerdings nicht, dass jedes Gespräch vertraulich bleibt. Sobald Klára den Eindruck bekommt, dass eine Situation ernst wird, andere Bewohnerinnen betrifft oder das Zusammenleben gefährdet, informiert sie Milena.

Wenn Milena nicht anwesend ist, übernimmt Klára einen großen Teil der laufenden Betreuung. Grundsätzliche Entscheidungen bleiben jedoch Milenas Bereich.

Klára lebt in einer komfortablen Wohnung von ungefähr 75 Quadratmetern in der Nähe Bellaventras und verdient sehr gut. Sie ist froh, ihre frühere Tätigkeit als Prostituierte hinter sich gelassen zu haben.

Privat hat sie einen festen Freund. Er weiß, dass sie heute Frauen in einer privaten Residenz betreut, kennt jedoch nicht sämtliche Einzelheiten ihrer Vergangenheit. Dass Klára selbst als Prostituierte gearbeitet hat, hat sie ihm bislang nicht erzählt.

Klára ist damit bewusst nicht die zweite Milena. Ihre Stärke liegt darin, dass viele Frauen mit ihr sprechen, bevor ein Problem eskaliert. Milena setzt die Grenzen, Klára hält den Alltag stabil.

Bild oben: Jelena Morosowa

Jelena Morosowa ist Russin und die jüngste der drei Hausdamen. Sie arbeitet unter Milena Vacková und Klára Novotná und kümmert sich vor allem um Bewerberinnen sowie um Frauen während ihrer ersten Zeit in Bellaventra.

Auch Jelena arbeitete früher als Prostituierte. Gerade deshalb kann sie vielen Bewerberinnen offen und ohne falsche Vorstellungen erklären, wie das Leben in Bellaventra funktioniert und was tatsächlich von ihnen erwartet wird.

Ihr Aufgabenbereich beginnt bereits beim ersten Besuch einer Bewerberin in Uruguay.

Eine Frau, die Hugo zunächst kennenlernen und sich Bellaventra ansehen möchte, reist für ungefähr eine Woche nach Montevideo. Zu diesem Zeitpunkt zieht sie noch nicht nach Bellaventra.

Jelena ist während dieser Woche ihre wichtigste Ansprechpartnerin. Sie holt die Bewerberin je nach Ankunft entweder am Flughafen oder aus der Innenstadt ab, begleitet sie während ihres Aufenthalts und organisiert einen kurzen Besuch in Bellaventra.

Dieser Besuch dauert nur einige Stunden. Die Bewerberin lernt die wichtigsten Bereiche kennen, bekommt einen ersten Eindruck vom späteren Alltag und trifft Hugo für ein kurzes persönliches Gespräch. Jelena organisiert den Ablauf und bringt sie anschließend wieder zurück.

Die übrige Woche verbringt die Frau außerhalb Bellaventras. Sie soll Hugo und den Stadtteil kennenlernen, danach aber mit genügend Abstand entscheiden können, ob sie sich dieses Leben tatsächlich vorstellen kann.

Anschließend fliegt sie wieder nach Hause.

Entscheidet sie sich für Bellaventra, werden Visa, Verträge und die übrigen notwendigen Formalitäten vorbereitet. Je nach Herkunft und Situation kann das einige Tage oder mehrere Wochen dauern.

Erst danach kommt die Frau ein zweites Mal nach Uruguay.

Bei dieser zweiten Anreise gibt es keinen Hotelaufenthalt mehr. Die Frau kommt jetzt nicht mehr als Bewerberin, sondern um tatsächlich einzuziehen. Sie wird am Flughafen übernommen und direkt nach Bellaventra gebracht.

Dort beginnt unmittelbar die vorgesehene Quarantäne.

Während dieser Quarantäne lebt die neue Bewohnerin bewusst getrennt von der übrigen Frauengruppe. Gerade in dieser Phase sollen noch keine engen körperlichen oder sexuellen Kontakte zu anderen Bewohnerinnen entstehen, weil verhindert werden soll, dass sexuell übertragbare oder andere ansteckende Erkrankungen in die Gruppe gelangen.

Jelena bleibt während dieser Zeit trotzdem eng an der neuen Frau. Sie erklärt die Abläufe, beantwortet Fragen, organisiert alles Notwendige und sorgt dafür, dass sie weiß, wie ihr späteres Leben in Bellaventra funktionieren wird. Die eigentliche soziale und sexuelle Eingliederung in die Frauengruppe beginnt jedoch erst nach Abschluss der Quarantäne.

Danach zeigt Jelena ihr die Residenz ausführlicher und erklärt insbesondere den Conciergeservice. Fahrer, Reservierungen, Bestellungen, Einkäufe und viele andere organisatorische Dinge können darüber erledigt werden, sodass die Frauen nicht wegen jeder Kleinigkeit Milena, Klára oder Jelena brauchen.

Erst nach der Quarantäne unterstützt Jelena die neue Bewohnerin dabei, innerhalb der Gruppe Anschluss zu finden. Dazu gehören Freundschaften ebenso wie sexuelle Beziehungen und feste Konstellationen zwischen den Frauen. Sie erklärt dabei noch einmal, dass Hugo seine Zeit zwischen vielen Frauen aufteilt und dass eigene Beziehungen innerhalb der Gruppe ausdrücklich zum Leben in Bellaventra gehören.

Gerade während der ersten Wochen nach der Quarantäne beobachtet Jelena deshalb, ob die neue Frau Anschluss findet, mit wem sie sich gut versteht und ob sie beginnt, innerhalb der Gruppe eigene Freundschaften und Beziehungen aufzubauen.

Sie ist dabei weniger autoritär als Milena und etwas unbefangener als Klára. Gerade jüngere Frauen sprechen mit ihr teilweise leichter, weil sie nicht sofort das Gefühl vermittelt, bewertet zu werden.

Jelena ist trotzdem Teil einer klaren Hierarchie. Wenn sich ernsthafte Probleme entwickeln, informiert sie Klára oder direkt Milena.

Damit greifen die drei Aufgabenbereiche ineinander: Milena führt die Frauenbetreuung und hält größere Probleme von Hugo fern. Klára betreut den Alltag und fängt persönliche Konflikte früh ab. Jelena übernimmt Bewerberinnen und begleitet neue Frauen von ihrem ersten Aufenthalt in Montevideo über den kurzen Besuch in Bellaventra bis zur Quarantäne, dem endgültigen Einzug und der späteren Eingewöhnung in die Gruppe.

Jelena lebt wie Klára in einer hochwertigen Wohnung von ungefähr 75 Quadratmetern in der Nähe Bellaventras und verdient ebenfalls sehr gut.

Sollte Milena später ausscheiden und Klára ihre Position übernehmen, ist vorgesehen, dass Jelena anschließend in Kláras bisherige Rolle aufrückt.


Bild oben: Valentina Bondi

Valentina Bondi ist Argentinierin, stammt aus Buenos Aires und gehört zu den wichtigsten Personen im unmittelbaren Umfeld von Hugo Voss. Als Direktorin der Konzernkommunikation und persönliche Pressesprecherin von Hugo ist sie das zentrale Sprachrohr für alles, was seine Person, seine Unternehmen, Stiftungen und sein Privatleben öffentlich betrifft.

Ihre Kommunikationsabteilung umfasst 16 Personen. Valentina steht an ihrer Spitze. Ihr direkt unterstellt ist Nicolás Barreto, der die Unternehmenskommunikation übernimmt. Hinzu kommen vier weitere Pressereferenten sowie zehn Mitarbeiter, die Presseunterlagen vorbereiten, Medienkampagnen planen und die Kommunikation der verschiedenen Projekte und Stiftungen betreuen.

Während Nicolás vor allem über Investitionen, Übernahmen, Geschäftszahlen und Projekte spricht, übernimmt Valentina sämtliche Themen, die Hugo persönlich betreffen oder besondere politische und öffentliche Sensibilität besitzen.

Sie entscheidet, welche Anfragen beantwortet werden, welche Informationen veröffentlicht werden und wann es keinen Kommentar gibt. Auch größere Medienprojekte, Interviews mit Michael Schubert oder ungewöhnlich tiefe Einblicke in den Voss-Komplex werden über sie koordiniert.

Valentina tritt regelmäßig selbst in Nachrichtensendungen, Interviews und Diskussionsformaten auf. Besonders bei Kontroversen um Hugo sitzt häufig sie vor den Kameras. Sie ist analytisch, eloquent und ausgesprochen schlagfertig. Auch unter aggressiver Befragung erkennt sie schnell, worauf eine Frage abzielt, und weiß ebenso genau, was sie sagen kann wie das, was sie nicht sagen darf.

Sie spricht Spanisch als Muttersprache, fließend Englisch und sehr gutes Portugiesisch. Durch ihre Stellung kennt sie sowohl die geschäftliche als auch die private Seite Hugos außergewöhnlich genau, trennt dieses Wissen jedoch strikt von dem, was für die Öffentlichkeit bestimmt ist.

Privat beurteilt sie Hugos Lebensweise deutlich positiver, als ihre öffentlichen Aussagen vermuten lassen. Gegenüber ihren Schwestern und engen Freundinnen räumt sie ein, dass sie sein polyamores Lebensmodell in manchen Punkten sogar für vernünftig hält.

Valentina ist selbst verheiratet. Ihr älterer Mann vertritt ein traditionelles, stark machistisch geprägtes Rollenverständnis und erwartet trotz ihrer anspruchsvollen Karriere, dass zu Hause ein erheblicher Teil der klassischen Hausarbeit bei ihr bleibt.

Deshalb betrachtet sie Hugos Haushalt mit einer Mischung aus Ironie und echtem Interesse. Für sie teilen die Frauen dort nicht nur einen Mann, sondern auch Alltag, Verantwortung und Belastungen. Gelegentlich bemerkt sie trocken, dass Hugos Frauen wenigstens jemanden hätten, mit dem sie sich die Wäsche teilen könnten, während sie nach einem langen Arbeitstag zu Hause erneut Arbeit erwartet.

Auch den sexuellen Teil betrachtet sie pragmatisch: Wenn eine Frau keine Lust auf Sex hat, muss daraus nicht zwangsläufig ein Konflikt entstehen, weil Hugo seine Zeit mit einer anderen Partnerin verbringen kann.

Valentina romantisiert dieses Modell nicht und hält es nicht für allgemein übertragbar. Je länger sie das Leben in Bellaventra beobachtet, desto stärker glaubt sie jedoch, dass die Aufteilung von Aufmerksamkeit, Verantwortung, Arbeit und emotionalem Druck Vorteile haben kann, die Außenstehende häufig übersehen.

Diese Haltung bleibt privat. Öffentlich bewertet Valentina Hugos Lebensmodell nicht. Ihre Aufgabe ist es, zu entscheiden, was die Welt über Hugo Voss erfährt – und wie sie es erfährt.

Bild oben: Nicolás Barreto

Nicolás Barreto ist Mexikaner und Pressesprecher der Voss-Unternehmen. Er arbeitet direkt unter Valentina Bondi und konzentriert sich auf die wirtschaftliche Seite des Konzerns: Unternehmen, Investitionen, Bauprojekte, Arbeitsplätze und Geschäftsentwicklungen.

Zu Beginn beschäftigt er sich hauptsächlich mit den Aktivitäten, die Voss in Uruguay aufbaut. Mit der späteren Verlagerung großer Vermögensteile aus dem Wertpapierhandel in Unternehmen und andere reale Investitionen wächst auch seine Bedeutung innerhalb der Organisation.

Nicolás erklärt Journalisten, wo und warum der Konzern investiert und wie sich einzelne Projekte entwickeln. Dabei versucht er nicht, jedes Geschäft nachträglich als Erfolg darzustellen. Gewinne benennt er ebenso offen wie Verluste. Diese nüchterne Art verschafft ihm besonders bei Wirtschaftsjournalisten Glaubwürdigkeit.

Bei Bedarf übernimmt er auch allgemeine Pressearbeit. Persönliche Kontroversen um Hugo und besonders sensible strategische Themen bleiben jedoch Valentinas Verantwortungsbereich.

Nicolás ist intelligent, eloquent und schnell im Erfassen einer Situation, wirkt vor Kameras aber völlig anders als Valentina. Er ist lockerer, direkter und gelegentlich zynisch. Gerade in Wirtschaftssendungen hilft ihm das, komplizierte Zusammenhänge verständlich zu erklären, ohne wie ein klassischer Unternehmenssprecher zu klingen.

Privat unterscheidet er sich deutlich von Hugo. Nicolás ist geschieden und beneidet Hugo keineswegs um sein Leben mit mehreren Frauen. Schon eine komplizierte Beziehung wäre ihm genug Arbeit; ein ganzes Haus voller Partnerinnen stellt er sich eher als permanenten Stress denn als Traum vor.

Mit Prostitution hat er dagegen keinerlei grundsätzliche Probleme und gibt privat selbst erhebliche Summen dafür aus. In seinem persönlichen Umfeld macht er daraus kein Geheimnis. Für ihn ist es eine klare Vereinbarung, bei der beide Seiten wissen, worum es geht.

Eine seiner typischen Bemerkungen darüber stammt nach eigener Aussage noch aus seiner Jugend:

„Mit achtzehn bin ich irgendwann aus einer Disco raus und habe mir gedacht: Weißt du was? Ich fahre jetzt einfach dahin, wo die Frauen sich freuen, wenn ich komme.“

Der Satz entspricht seinem Charakter: selbstironisch, provokant und unmittelbar.

Damit bildet Nicolás ein deutliches Gegenstück zu Valentina. Sie denkt stärker strategisch und wägt politische und persönliche Folgen jedes öffentlichen Wortes ab. Nicolás ist der Mann für Zahlen, Unternehmen und konkrete Geschäfte – direkter, trockener und weniger förmlich.

Mit dem Wachstum des Voss-Konzerns entwickelt er sich so vom Sprecher der zunächst überschaubaren Aktivitäten in Uruguay zu einem der wichtigsten öffentlichen Vertreter des weltweiten Unternehmensverbunds.


Das achtköpfige Strategen- und Analystenteam

Dieses Team bildet den engsten fachlichen Kreis um Hugo, wenn es um Wertpapierhandel, Unternehmensbewertungen und größere Investmententscheidungen geht.

Drei Mitglieder kennt Hugo bereits aus seiner Zeit in London: Alexander Whitmore, Dr. Arjun Mehta und Dr. Leila Farhadi. Whitmore kam aus dem Umfeld der Deutschen Bank, Mehta von Merrill Lynch und Farhadi von der UBS. 1999 gingen alle drei mit Hugo nach Monaco. 2002 fiel die Entscheidung, langfristig nach Uruguay zu wechseln; die tatsächliche Umsiedlung erfolgte 2006.

Die übrigen fünf kamen später hinzu. Einige wurden Hugo von Banken und Finanzhäusern empfohlen, mit denen er bereits Geschäfte machte; andere kamen über Whitmore, Mehta oder Farhadi. Entscheidend war nicht der berühmteste Lebenslauf, sondern außergewöhnliche Kompetenz und die Bereitschaft, Hugo offen zu widersprechen.

Diese Freiheit gilt ausdrücklich für alle acht. Niemand sitzt in diesem Team, um Hugo nach dem Mund zu reden. Wer eine Idee für Scheiße hält, soll das sagen und begründen können. Hugo erwartet, dass seine Annahmen angegriffen, Risiken offengelegt und mögliche Fehler ausgesprochen werden. Die endgültige Entscheidung trifft trotzdem er.

Dabei tragen die acht auch selbst finanzielles Risiko. Bei jedem Trade müssen sie zusammen 3 Prozent des eingesetzten Kapitals selbst stellen. Hat ein Geschäft beispielsweise ein Volumen von 100 Millionen €, kommen 3 Millionen € aus dem Kreis der acht, während Hugo die übrigen 97 Millionen € finanziert. Kann jemand seinen Anteil nicht aus eigenen Mitteln aufbringen, kann er sich das notwendige Geld von Hugo leihen.

Zusätzlich erhalten alle acht ein reguläres, sehr gutes Gehalt. Darüber hinaus beteiligt Hugo sie prozentual an seinen Gewinnen. Sie profitieren also erheblich von erfolgreichen Geschäften, tragen durch ihren eigenen Kapitaleinsatz aber zugleich einen Teil des Risikos. Genau das ist von Hugo gewollt: Wer eine Analyse verteidigt und Millionen investieren will, soll selbst etwas zu verlieren haben.

Dass selbst hervorragende Analysen keine Garantie sind, wissen alle im Team. Schon Hugos erste beiden größeren Trades gingen schief; erst der dritte brachte den entscheidenden Erfolg. Auch heute funktioniert längst nicht jedes Geschäft.

Über längere Zeit ergibt sich bei Hugo ungefähr folgendes Bild: Von fünf größeren Trades sind zwei phänomenal profitabel, einer läuft ordentlich beziehungsweise akzeptabel, einer endet mit einem sehr hohen Verlust, und einer kann sogar zum Totalverlust werden. Die außergewöhnlichen Gewinne der besten Geschäfte sind jedoch so groß, dass sie die Verluste der schwachen Trades deutlich überkompensieren.

Gerade deshalb wird vor einer Entscheidung so hart gearbeitet. Das Team versucht nicht, jeden einzelnen Trade zwanghaft zu gewinnen – das wäre unrealistisch. Es geht darum, die Chancen so weit zu verbessern, dass die wenigen außergewöhnlich erfolgreichen Positionen das Gesamtergebnis bestimmen.

Wenn das Team im Konferenzraum von Bellaventra zusammensitzt, gehören Claire Hartmann und Michael Schubert selbstverständlich mit an den Tisch. Valentina Bondi kommt hinzu, wenn öffentliche Kommunikation, politische Folgen oder Auswirkungen auf andere Unternehmen berücksichtigt werden müssen.

Die Besprechungen sind entsprechend direkt. Eine Idee kann innerhalb weniger Minuten als genial, vollkommen falsch oder kompletter Scheiß bezeichnet werden. Begriffe wie Ficken, Schwanz, Fotze, Nutten oder Scheiße fallen in diesem Umfeld ohne besondere Aufregung. Entscheidend ist nicht, ob eine Formulierung höflich klingt, sondern ob die verdammten Zahlen stimmen.

Bild oben: Dr. Leila Farhadi

Chefanalystin von Hugos Investmentgesellschaft

Dr. Leila Farhadi ist einige Jahre älter als Hugo und gehört zu den drei Personen des Investmentteams, die ihn bereits aus London kennen. Vor ihrem Wechsel arbeitete sie für die UBS, zuletzt in der Unternehmensanalyse und strategischen Bewertung großer börsennotierter Konzerne.

Ihr Schwerpunkt liegt weniger auf kurzfristigem Trading als auf der Frage, was ein Unternehmen tatsächlich wert ist. Während Hugo sehr schnell Muster erkennt und bereit ist, aggressiv zu handeln, zwingt Farhadi ihn dazu, seine Annahmen mit Zahlen, Geschäftsmodellen und langfristigen Entwicklungen zu begründen.

Sie stammt aus einer iranischstämmigen Familie, wuchs größtenteils in Großbritannien auf und studierte Wirtschaftswissenschaften und Finanzmathematik in London. Statussymbole und große Namen beeindrucken sie kaum. Auch Hugo behandelt sie nicht wie einen der reichsten Männer der Welt, sondern wie den Mann, mit dem sie seit Jahren über Bilanzen, Fehlbewertungen und Risiken streitet.

Als Hugo ihr 1999 vorschlug, ihre sichere Position aufzugeben und mit ihm nach Monaco zu gehen, hielt sie die Idee für hochriskant. Sie ging trotzdem, weil sie seine Fähigkeit erkannte, Märkte früher als viele andere zu verstehen. Als seine ersten großen Geschäfte nicht funktionierten, gehörte sie zu denen, die ihm ohne Umschweife erklärten, wo er sich verrechnet hatte.

Auch Hugos Erkrankung kennt sie seit Monaco. Deshalb versteht sie, warum er sich mit Bellaventra eine Welt geschaffen hat, in der vieles zu ihm kommt und sein eigener Tagesablauf kaum noch konventionellen Regeln folgt.

Sein Privatleben betrachtet sie nüchtern. Für Farhadi ist Bellaventra im Kern „Hugos Privatpuff“. Mehr Bedeutung muss sie dem nicht geben. Relevant wird das Ganze für sie erst dann, wenn Sex, Frauen oder andere persönliche Dinge beginnen, Hugos Urteilsfähigkeit bei einem Geschäft zu beeinflussen.

Farhadi besitzt einen trockenen und gelegentlich derben Humor. Wenn die Männer wieder minutenlang darüber reden, wer wen gefickt hat oder wie viele Frauen ein Mann angeblich braucht, kann sie die Diskussion mit einem Satz beenden: „Ich kümmere mich auch um meine Orgasmen selber.“

Damit ist für sie alles gesagt. Sie braucht weder Hugos Lebensmodell noch Whitmores Schwanzgeschichten. Sie will vernünftige Zahlen auf dem Tisch und gute Entscheidungen.

Bild oben: Dr. Arjun Mehta

Chefanalyst und Direktor für Technologieanalyse

Dr. Arjun Mehta gehört ebenfalls zum alten Londoner Kreis. Vor seinem Wechsel zu Hugo arbeitete er bei Merrill Lynch und beschäftigte sich mit Technologieunternehmen, Wachstumswerten und neuen Geschäftsmodellen.

Mehta ist fachlich brillant und menschlich ausgesprochen undiplomatisch. Er sagt, was er denkt, meistens in genau den Worten, die ihm zuerst durch den Kopf gehen.

Monaco gefiel ihm hervorragend. Als 2002 die Entscheidung fiel, langfristig nach Uruguay zu wechseln, reagierte Mehta entsprechend begeistert: „Was zum Teufel soll ich am anderen Ende der Welt in irgendeiner Pampa?“

Er wollte zunächst nicht mit. Am Ende überzeugte ihn weniger Uruguay als die Erkenntnis, dass ihm kaum ein anderer Investor dieselbe fachliche Freiheit und dieselben Möglichkeiten bieten würde. Als 2006 tatsächlich umgesiedelt wurde, ging Mehta schließlich mit. Bis heute behauptet er nicht, Südamerika sei sein persönlicher Traum gewesen. Er lebt gut dort und verdient hervorragend, aber romantische Geschichten über seine Liebe zu Uruguay kann man sich bei ihm sparen.

Hugos Privatleben interessiert ihn nur in einer Hinsicht: Es darf die Arbeit nicht stören. Wenn Hugo in einer Sitzung unkonzentriert wirkt, kann Mehta vor versammelter Mannschaft fragen: „Hast du heute Morgen schon wieder zu viel gefickt, oder warum kannst du nicht denken?“

Wörter wie ficken, Nutten, Fotzen oder Scheiße benutzt Mehta völlig selbstverständlich. Er versucht damit nicht einmal bewusst zu provozieren. Diese Sprache gehört für ihn zu einer Finanzwelt, in der ein Fehler Millionen kosten kann und niemand Zeit dafür hat, jeden Satz hübsch zu verpacken.

Was Hugo mit seinen Frauen macht, interessiert ihn deshalb kaum. Seine Haltung lautet eher: „Wie viele Nutten Hugo in seinem Haus hat, ist mir scheißegal. Ich will wissen, ob die verdammte Aktie steigt.“

Genau darin unterscheidet er sich von Whitmore. Mehta redet vulgär über Sex, aber Sex bestimmt sein Leben nicht. Sein eigentliches Vergnügen besteht darin, recht zu haben.

Er bewundert Hugo nicht blind. Wenn Mehta eine Idee für beschissen hält, sagt er das. Gerade deshalb hat sein Ja Gewicht. Wenn er nach einer harten Diskussion schließlich überzeugt ist, weiß Hugo, dass die Argumente standgehalten haben.

Bild oben: Alexander Whitmore

Unternehmensbewertungen, Übernahmen und Sondersituationen

Alexander Whitmore ist ein Jahr jünger als Hugo und der dritte aus dem alten Londoner Kreis. Vor seinem Wechsel arbeitete er bei der Deutschen Bank und spezialisierte sich auf Unternehmensbewertungen, Übernahmen und Sondersituationen.

Seine Stärke besteht darin, Unternehmen nicht nur danach zu beurteilen, was sie heute sind. Whitmore denkt sofort darüber nach, was man mit ihnen machen könnte: übernehmen, aufspalten, restrukturieren, verkaufen, shorten oder auf irgendeine andere Weise zu Geld machen.

Stillstand liegt ihm weder beruflich noch privat.

Besonders eng verbindet ihn mit Hugo, dass beide schlecht schlafen und einen vollkommen unkonventionellen Tagesrhythmus haben. Whitmore kann mitten in der Nacht wach werden, weil ihm eine Firma, ein Trade oder irgendeine verdammte Zahl nicht mehr aus dem Kopf geht, und dann einfach anfangen zu arbeiten. Hugo funktioniert ähnlich. In Bellaventra arbeitet er, wenn er arbeiten will, und schläft, wenn er schlafen kann.

Deshalb können die beiden zu Uhrzeiten über eine Milliardenposition diskutieren, zu denen andere längst schlafen. Whitmore wundert sich nicht, wenn Hugo nachts um drei eine Analyse schickt, und Hugo wundert sich nicht, wenn wenige Minuten später eine Antwort kommt. Dieses rastlose Denken verbindet die beiden stärker als viele andere persönliche Gemeinsamkeiten.

Auch sonst kann Whitmore praktisch nicht stillstehen. Er fährt Ski, segelt, geht bergsteigen und spielt Golf, Tennis und Squash. Wenn er keinen Sport treibt, arbeitet er. Wenn er nicht arbeitet, sucht er nach Frauen.

Privat ist er ein notorischer Schürzenjäger. Sex behandelt er beinahe wie Sport oder einen guten Trade: etwas, das er regelmäßig braucht und bei dem er gewinnen will. Seine Lieblingsbehauptung orientiert sich an der John F. Kennedy zugeschriebenen Geschichte über Kopfschmerzen nach einigen Tagen ohne Frau. Whitmores Version ist deutlich gröber: „Kennedy hat angeblich nach drei Tagen ohne Frau Kopfschmerzen bekommen. Aber ich bin eben potenter als Kennedy. Wenn ich nicht dreimal am Tag komme, kann ich nicht mehr richtig denken.“

Ob er das selbst glaubt oder lediglich Spaß daran hat, solche Sprüche in die Runde zu werfen, lässt er bewusst offen.

In Uruguay nutzt Whitmore regelmäßig legale Prostitution und macht daraus kein Geheimnis. Eine stundenlange Besprechung kann er tatsächlich mit der Erklärung unterbrechen, dass er jetzt erst einmal eine Frau brauche. Danach kommt er zurück, setzt sich hin und diskutiert ohne Übergang wieder über Milliardenbeträge.

Farhadi hält ihn für einen hoffnungslosen Fall. Whitmore findet genau das lustig.

Bellaventra beneidet er weniger wegen Hugo als wegen der Konstruktion selbst. Ein abgeschottetes Luxusleben, ständig Frauen, arbeiten und schlafen nach dem eigenen Rhythmus und dabei enorme Summen verdienen – für Whitmore klingt das eher nach einem verdammt guten Lebensmodell als nach einem Problem.

Sein Unterschied zu Mehta ist klar: Mehta ist der vulgäre Analyst, dem Sex letztlich scheißegal ist. Whitmore lebt den Exzess tatsächlich. Arbeit, Schlaflosigkeit, Sport, Frauen und der nächste Deal gehören für ihn zu demselben rastlosen Grundtrieb.

Bild oben: Noah Beckett

Finanzmathematiker

Noah Beckett ist der Jüngste und gleichzeitig der fachliche Außenseiter der Runde. Er ist noch Student, aber mathematisch so außergewöhnlich begabt, dass Hugo ihn unbedingt im Team haben will.

Während die älteren Mitglieder vieles aus Erfahrung, Marktgefühl oder Unternehmenskenntnis ableiten, zerlegt Beckett Probleme in Wahrscheinlichkeiten, mathematische Modelle und Abhängigkeiten. Allen ist klar, dass ihm eine außergewöhnliche Karriere bevorstehen kann.

Privat passt er allerdings überhaupt nicht in diese Runde.

Beckett hatte bislang nur wenige Beziehungen und kann mit dem ständigen Gerede über Nutten, Ficken und Fotzen wenig anfangen. Während Whitmore darüber diskutiert, wie häufig ein Mann kommen muss, damit sein Gehirn angeblich funktioniert, träumt Beckett tatsächlich davon, irgendwann eine Frau zu finden, die er liebt, sie zu heiraten und mit ihr Kinder zu bekommen.

Damit hat er sich im Team praktisch freiwillig eine Zielscheibe auf die Stirn gemalt.

Die anderen nennen seine Vorstellungen „Disney-Gehirnwäsche“ und rechnen ihm die Ehe gern wie ein schlechtes Investment vor: Erst habe er nur seine eigenen Probleme, danach bekomme er die Probleme einer Frau gratis dazu, verliere Freiheit und dürfe sich am Ende noch darüber freuen.

Hugo beteiligt sich mit Vergnügen daran. Wenn irgendwo jemand heiratet, lautet einer seiner typischen Glückwünsche: „Der Braut möchte ich von Herzen gratulieren. Dem Bräutigam wünsche ich für seinen weiteren Weg in die Hölle sehr, sehr viel Glück.“

Beckett bekommt ähnliche Sprüche ständig zu hören. Man empfiehlt ihm Prostituierte, bevor er auf die völlig verrückte Idee komme, sein Leben freiwillig mit einer einzigen Frau zu verbringen.

Er lässt sich davon nicht umdrehen. Beckett versucht allerdings auch nicht, die anderen zu bekehren. Er findet ihre Haltung teilweise beschissen, sie halten seine Vorstellungen für naiv – und anschließend setzen sich alle wieder an denselben Tisch und rechnen.

Genau deshalb funktioniert er im Team. Zwischen Männern und Frauen, die im Privatleben teilweise komplett eskalieren, ist Beckett der junge Mathematiker, der ernsthaft noch an die große Liebe glaubt und sich auch nach hundert Schwanzwitzen nicht davon abbringen lässt.

Bild oben: Mara Seidel

Analystin für Finanztechnologie

Mara Seidel ist das klassische Mauerblümchen der Gruppe – allerdings nur, solange niemand über Finanztechnologie spricht.

Fachlich gehört sie zu den stärksten Köpfen, die Hugo in diesem Bereich finden konnte. Sie erkennt früh, welche technischen Entwicklungen Handel, Datenanalyse und Finanzmärkte tatsächlich verändern können und welcher angebliche Fortschritt nur aufgeblasener Scheiß ist. Sobald sie über ihre Arbeit spricht, verschwindet ihre Unsicherheit fast vollständig.

Privat sieht das anders aus. Mara hält sich selbst nicht für besonders attraktiv, schminkt sich kaum und versucht häufig, möglichst wenig aufzufallen. Gleichzeitig leidet sie darunter, übersehen zu werden. Besonders Frauen wie Victoria Hale schüchtern sie ein, weil Hale genau jene körperliche und soziale Selbstsicherheit besitzt, die Mara fehlt.

Mit Männern hatte Mara einige sexuelle Erfahrungen, aber keine Beziehung hat ihr wirklich das gegeben, was sie suchte. Was sie sich selbst lange nicht eingestehen möchte: Ihre eigentliche Sehnsucht richtet sich stärker auf Frauen.

Sie träumt von Frauen und kann sich ein dauerhaftes Zusammenleben mit einer Frau wesentlich leichter vorstellen als mit einem Mann. Trotzdem weigert sie sich zunächst, daraus eine klare Bezeichnung für sich selbst abzuleiten.

Genau deshalb entwickelt sie eine auffällige Faszination für Bellaventra und das, was sie halb spöttisch „Hugos Harem“ nennt. Hugo selbst interessiert sie dabei beinahe am wenigsten. Was sie fasziniert, ist die Vorstellung, in einer abgeschlossenen Welt ständig von attraktiven Frauen umgeben zu sein.

Im Büro verrät sie sich gelegentlich. Sobald Bellaventra Thema wird, weiß das angebliche Mauerblümchen plötzlich erstaunlich viel, fragt auffällig genau nach und möchte wissen, wie die Frauen miteinander leben. Wird sie darauf angesprochen, wird sie rot und erklärt hastig, das sei natürlich ausschließlich theoretisches Interesse.

Das macht Mara zur stillsten persönlichen Geschichte innerhalb des Teams. Sie kann komplexe Finanztechnologie auseinandernehmen, bevor andere überhaupt verstanden haben, worum es geht. Nur bei ihren eigenen Gefühlen ist ihre Analyse beschissen.

Bild oben: Victoria Hale

Traderin für Aktien und Derivate

Victoria Hale ist eine Überfliegerin. Sie war in der Schule hervorragend, im Studium hervorragend und entwickelte sich anschließend zu einer der aggressivsten und erfolgreichsten Traderinnen für Aktien und Derivate in Hugos Umfeld.

Hale ist schnell, risikobereit und besitzt einen ausgeprägten Killerinstinkt. Wo andere noch darüber diskutieren, ob eine Position gefährlich sein könnte, hat sie längst berechnet, wie groß das Risiko ist und wie viel Geld sich daraus herausholen lässt.

Sie ist gleichzeitig extrem attraktiv und weiß es. Anders als Mara empfindet sie ihre Wirkung auf andere nicht als Problem, sondern als Werkzeug. Hale flirtet, wenn sie flirten will, reizt Grenzen aus und beobachtet gern, wie Menschen darauf reagieren.

Auch Hugo provoziert sie bewusst, weil sie seinen Geschmack kennt. Mitten in einer sachlichen Unterhaltung kann sie ihm sagen: „Du stehst doch auf so einen Bauch. Ich habe sogar deine Landebahn – diesen kleinen Streifen Schamhaar.“

Dabei versucht sie nicht, Hugo ins Bett zu bekommen. Sie genießt vielmehr, dass sie ihm so etwas direkt ins Gesicht sagen kann und er damit umgehen muss.

Ihre Sprache wird nach einem erfolgreichen Trade noch derber. Wenn ein Geschäft besonders gut läuft, kann Hale vollkommen selbstverständlich erklären: „Wenn wir diesen Trade durchhaben, lecke ich mich zur Feier des Tages einmal durch eure ganzen Mösen.“

Niemand im Team nimmt das als tatsächliche Ankündigung. Es ist Hales Form von Siegesgeschrei.

Genau darin liegt ihr Unterschied zu Whitmore. Whitmore erzählt ständig von seinem tatsächlichen Sexualleben. Hale benutzt Sexualität als Sprache von Dominanz und Triumph. Sie will den Raum besitzen.

Für zurückhaltende Menschen kann das anstrengend sein. Mara fühlt sich von ihr eingeschüchtert, obwohl Hale sie nicht gezielt fertigmacht. Hale betritt einen Raum schlicht mit der Selbstverständlichkeit einer Frau, die keinen Zweifel daran hat, dass sie dort hingehört.

Hugo lässt ihr diese Art durchgehen, weil hinter dem ganzen Flirten und der großen Fresse außergewöhnliches Können steckt. Wenn Hale einen Trade verteidigt, muss sie Zahlen liefern. Und genau das kann sie.

Ihr Aussehen verschafft ihr Aufmerksamkeit. Ihre Ergebnisse verschaffen ihr Macht.

Bild oben: Oliver Grant

Trader für Aktien und Derivate

Oliver Grant ist im Handel beinahe unheimlich kontrolliert. Er besitzt Nerven aus Stahl und kann eine Position weiterlaufen lassen, während andere längst panisch ausgestiegen wären.

Gerade bei extrem volatilen Aktien und Derivaten ist diese Fähigkeit wertvoll. Wenn Grants Analyse sagt, dass er recht hat, kann auf dem Bildschirm zwischenzeitlich ein gigantischer Verlust stehen und er bleibt trotzdem sitzen.

Sobald der Trade vorbei ist, verschwindet diese Kontrolle allerdings häufig vollständig.

Grant trinkt. Nicht ein Glas Wein nach Feierabend, sondern bis zum völligen Kontrollverlust. Nach großen Gewinnen kann er zwei oder drei Tage verschwinden. Irgendwann findet ihn jemand in einer heruntergekommenen Kneipe in Montevideo, umgeben von Prostituierten, während er Runden bezahlt und Geld verteilt, als hätte es für ihn keinerlei Wert.

Am nächsten Morgen fehlen manchmal Uhr, Bargeld oder andere Dinge. Grant selbst weiß dann nicht mehr zuverlässig, was zur Hölle passiert ist.

Seine Kollegen lieben den Widerspruch: Vor einem Bildschirm kontrolliert er Millionenbeträge bis auf die letzte Zahl. Ein paar Stunden später findet er seinen eigenen verdammten Geldbeutel nicht mehr.

Hinzu kommt seine Vorliebe für Dominas. Irgendwann gelangen Fotos an die Öffentlichkeit, die ihn in eindeutig erniedrigenden Situationen zeigen, und für einige Tage beschäftigt sich der Boulevard mit seinem Privatleben.

Grant erwartet beinahe, dafür rauszufliegen.

Hugo interessiert sich jedoch hauptsächlich dafür, ob Grant seinen Job erledigt und Unternehmensinformationen schützt. Intern lautet die Reaktion sinngemäß, Oliver solle seine privaten Katastrophen wenigstens so organisieren, dass am nächsten Morgen irgendjemand wisse, wo er liegt.

Sein Alkoholproblem wird dadurch nicht ignoriert. Nach schweren Abstürzen wird Grant zeitweise aus dem aktiven Handel genommen. Trotzdem bleibt er Teil des Teams, weil seine Fähigkeiten außergewöhnlich sind.

Kein anderer der acht verkörpert diesen Gegensatz so stark: Beim Trading absolute Selbstkontrolle, danach teilweise komplette Selbstzerstörung.

Der Spruch seiner Kollegen bringt ihn am besten auf den Punkt: „Gib Oliver hundert Millionen für einen Trade und er passt darauf auf wie auf sein Leben. Gib ihm tausend Euro und einen freien Abend – und morgen ist beides weg.“

Bild oben: James Ashford

Investmentbanking-Analyst

James Ashford ist derjenige, der auf den ersten Blick überhaupt nicht in diese Gruppe passt.

Er ist kein Trinker, kein Schürzenjäger, kein großer Provokateur und niemand, der ständig sein Sexualleben auf den Besprechungstisch legt. Fachlich ist er dafür ein ausgesprochen starker Investmentbanking-Analyst. Er arbeitet strukturiert, bewertet Unternehmen und Kapitalstrukturen präzise und besitzt ein sehr gutes Gespür für größere Transaktionen.

Privat führt Ashford ein beinahe klassisches Leben. Er hat eine feste Freundin, möchte irgendwann heiraten, ein Haus bauen und Kinder bekommen. Für ihn ist die Vorstellung, langfristig mit einer einzigen Frau zusammenzuleben, kein Gefängnis.

Damit ist er natürlich das „Schaf“ des Teams.

Wenn die anderen wieder über Prostituierte, Bellaventra und wechselnde Sexualpartner reden, bekommt Ashford regelmäßig zu hören: „Willst du wirklich für den Rest deines Lebens mit einer einzigen Möse zufrieden sein?“

Seine Antwort ist meistens erschreckend ernst: „Wenn es die richtige Frau ist, ja.“

Damit macht er alles nur schlimmer.

Whitmore und andere erklären ihm, seine Freundin habe längst erkannt, welchen Fang sie gemacht habe. Hugo behauptet gern, Ashford laufe freiwillig in eine Konstruktion hinein, bei der er später feststellen werde, wie viel Freiheit er sich selbst genommen habe.

Ashford hält große Teile dieser Schwanz-und-Fotzen-Rhetorik für pubertär und Hugos Lebensweise für vollkommen übertrieben. Er sagt Hugo das gelegentlich sogar direkt.

Ganz frei von Neugier ist er allerdings nicht. Manche Geschichten faszinieren ihn stärker, als er zugeben möchte. Gerade deshalb reagiert er manchmal besonders entschieden dagegen.

Hugo merkt das natürlich und stichelt: „Ashford ist nicht prüde. Ashford hat nur Angst davor herauszufinden, dass ihm der ganze Scheiß gefallen könnte.“

Ashford weist das jedes Mal entschieden zurück.

Bei der Arbeit endet das Theater. Hugo kann Ashfords Privatleben für spießig halten und Ashford kann Hugos Lebensweise für verrückt halten – sobald eine Investmententscheidung auf dem Tisch liegt, zählt ausschließlich die Analyse.

Gerade deshalb ist Ashford wichtig. Er ist nicht das moralische Gegenstück, das den anderen Vorträge hält, sondern der Mann, der privat völlig anders lebt und trotzdem in derselben harten Finanzwelt besteht. Für die Kollegen bleibt er das Schaf. Für Hugo bleibt er vor allem ein verdammt guter Analyst.


Internationales Netzwerk

Hugo unterhält ein internationales Netz aus zehn Finanzbevollmächtigten, deren Zuständigkeiten auf drei große Regionen verteilt sind: Karibik und Mittelamerika, Europa sowie Naher Osten und Südostasien. Zu diesen Regionen gehören die internationalen Finanzplätze, an denen für Hugos Unternehmensnetz Gesellschaften geführt und Bankverbindungen unterhalten werden.

Der Zweck dieser Struktur liegt vor allem darin, Hugos tatsächliche Beteiligungen an Unternehmen und Wertpapieren nach außen möglichst wenig sichtbar werden zu lassen. Wenn Hugo größere Aktienpakete aufbauen oder sich an einer möglichen Unternehmensübernahme beteiligen will, möchte er verhindern, dass der Markt frühzeitig erkennt, dass hinter verschiedenen Käufen letztlich derselbe Investor steht. Große Beteiligungen können Offenlegungs- und Meldepflichten auslösen.

Deshalb werden Beteiligungen auf verschiedene rechtlich eigenständige Gesellschaften verteilt, die jeweils eigene Konten und formale Vertreter besitzen. Dadurch erscheint nicht unmittelbar eine einzige große Position unter Hugos Namen.

Die Gesellschaften werden über Steinhöfel und die jeweils zuständigen internationalen Dienstleister gegründet und verwaltet. Die Finanzbevollmächtigten erhalten anschließend die erforderlichen Vollmachten, um diese Unternehmen gegenüber Banken zu vertreten. Sie können Firmenkonten eröffnen, Unterlagen hinterlegen, Bankgespräche führen und als autorisierte Ansprechpartner der jeweiligen Gesellschaft auftreten.

Sie sind daher keine gewöhnlichen Kuriere, sondern die persönliche Verbindung zwischen Hugos Hauptbüro in Montevideo, den Gesellschaften und den Banken.

Ein weiterer Grund für dieses System ist Hugos Sicherheitsprinzip. Besonders sensible Kauf- und Verkaufsentscheidungen sollen möglichst nicht vollständig über elektronische Kommunikationswege verschickt werden. Die Finanzbevollmächtigten reisen deshalb regelmäßig persönlich zu den Banken ihrer jeweiligen Region und überbringen Unterlagen und vorbereitete schriftliche Anweisungen.

Bei den Banken können mehrere versiegelte und gekennzeichnete Umschläge mit unterschiedlichen vorbereiteten Szenarien hinterlegt werden. Aus Montevideo wird später lediglich mitgeteilt, welche der hinterlegten Anweisungen maßgeblich ist. Auf diese Weise muss der eigentliche Inhalt einer umfangreichen Handelsentscheidung nicht jedes Mal elektronisch zwischen Hugo und der Bank übertragen werden.

Die zehn Finanzbevollmächtigten betreuen ihre Banken dauerhaft. Sie reisen regelmäßig zu denselben Finanzplätzen zurück, bringen neue Dokumente und Anweisungen mit und pflegen die persönlichen Beziehungen zu den zuständigen Bankern. Die internationale Reisetätigkeit ist damit kein gelegentlicher Bestandteil ihrer Arbeit, sondern gehört zu ihren zentralen Aufgaben. Je nach Zuständigkeitsbereich verbringen sie einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit auf Reisen zwischen Montevideo und den von ihnen betreuten Finanzplätzen sowie zwischen den einzelnen Ländern ihrer Region.

Diese Reisen werden vollständig von Hugo beziehungsweise seinen Unternehmen finanziert und organisiert. Flugreisen erfolgen grundsätzlich in der Business Class. Während ihrer Aufenthalte wohnen die Finanzbevollmächtigten in erstklassigen, häufig entsprechend aufwendigen Hotels. Sämtliche dienstlich veranlassten Kosten werden übernommen. Dazu gehören neben Flügen, Hotels und Transfers auch Restaurants, Bewirtungen und Einladungen von Bankern sowie geschäftlich veranlasste Aktivitäten wie Golf, Segel- oder Bootsausflüge, Skitage, Veranstaltungen und vergleichbare Formen der persönlichen Beziehungspflege. Die Finanzbevollmächtigten müssen diese Ausgaben nicht aus ihrem eigenen Einkommen bestreiten, solange sie im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit und der Betreuung der jeweiligen Bankkontakte stehen.

Gerade diese persönliche Beziehungspflege ist ausdrücklich Teil ihrer Aufgabe. Hugo erwartet nicht nur, dass sie Dokumente überbringen und formale Bankgeschäfte erledigen, sondern dass sie an ihren Finanzplätzen dauerhaft ein belastbares persönliches Netzwerk aufbauen. Gemeinsame Abendessen, längere Aufenthalte, Einladungen und andere gesellschaftliche Aktivitäten gehören deshalb bewusst zu ihrer Arbeit. Da hinter den Gesellschaften erhebliche Vermögenswerte und ein großes Geschäftsvolumen stehen, werden sie von den Banken als bedeutende internationale Geschäftskunden behandelt.

Damit erfüllt das System zwei Funktionen gleichzeitig: Es erschwert nach außen die unmittelbare Zuordnung großer Beteiligungen zu Hugo und reduziert gleichzeitig die elektronische Übertragung besonders sensibler Finanzinformationen.

Bild oben: Julian Mercer – Der Vertreter der großen Insel-Finanzplätze

Julian Mercer, 33 Jahre, stammt aus Belize City und ist für die Gesellschaften und Bankverbindungen auf den Cayman Islands, den British Virgin Islands und den Bahamas zuständig.

Er studierte Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt Gesellschafts- und Finanzrecht und arbeitete anschließend für eine international tätige Wirtschaftskanzlei, die sich mit Gesellschaftsgründungen, Banken und vermögenden Mandanten beschäftigte.

Innerhalb der von Steinhöfel aufgebauten Gesellschaftsstrukturen übernimmt Mercer die wirtschaftliche Vertretung ausgewählter Unternehmen. Mit den entsprechenden Vollmachten kann er diese gegenüber Banken und Finanzdienstleistern vertreten, Firmenkonten eröffnen und betreuen sowie als autorisierter Vertreter und Zeichnungsberechtigter auftreten.

Mercer reist ausgesprochen gern und pflegt sehr persönliche Beziehungen zu seinen Bankern. Banktermine verbindet er häufig mit gemeinsamen Mittagessen und nutzt diese Treffen bewusst, um langfristige Kontakte aufzubauen. Viele seiner Ansprechpartner kennt er seit Jahren.

Bild oben: Camila Reyes – Die Finanzvertreterin von Panama bis Turks and Caicos

Camila Reyes, 31 Jahre, stammt aus Panama-Stadt und betreut die Gesellschaften und Bankverbindungen in Panama, Belize und auf den Turks and Caicos Islands.

Sie studierte Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt internationalem Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht. Anschließend arbeitete sie für eine Wirtschaftskanzlei, die internationale Unternehmensstrukturen und grenzüberschreitende Bankbeziehungen betreute.

Für die ihr zugeordneten Gesellschaften tritt Reyes gegenüber Banken, Kanzleien und Finanzdienstleistern als bevollmächtigte wirtschaftliche Vertreterin auf. Sie kann Firmenkonten eröffnen und betreuen und übernimmt die finanziellen und bankseitigen Angelegenheiten dieser Unternehmen, ohne deshalb deren formale Geschäftsführerin sein zu müssen.

Reyes reist gern und verbindet ihre Aufenthalte regelmäßig mit Golf. Bei längeren Reisen lädt sie ausgewählte Banker zu einer gemeinsamen Runde ein. Sie gilt als professionell und kontrolliert und nutzt diese persönlichen Treffen gezielt zur Pflege ihrer Geschäftsbeziehungen.

Bild oben: Gabriel Navarro – Der Beziehungsmanager der östlichen Karibik

Gabriel Navarro, 27 Jahre, stammt aus San José in Costa Rica und betreut die Gesellschaften und Bankverbindungen auf Anguilla sowie St. Kitts und Nevis.

Er studierte Betriebswirtschaft und Finanzwesen und arbeitete anschließend im internationalen Private Banking, wo er vermögende Kunden und grenzüberschreitende Firmenkonten betreute.

Für die ihm zugeordneten Gesellschaften besitzt Navarro entsprechende wirtschaftliche Vollmachten. Er vertritt sie gegenüber Banken und Finanzdienstleistern, eröffnet und betreut Firmenkonten und tritt als autorisierter Ansprechpartner der Unternehmen auf.

Navarro ist innerhalb der Gruppe besonders kontaktfreudig. Er lädt Banker gern zu Abendessen in guten Restaurants ein und organisiert bei längeren Aufenthalten gelegentlich einen Segeltörn. Seine Geschäftsbeziehungen pflegt er dadurch deutlich informeller als Mercer oder Reyes und hat sich in seinem Gebiet ein enges persönliches Netzwerk aufgebaut.

Bild oben: Mateo Alvarez – Der Gesellschaftsvertreter zwischen Monaco und Luxemburg

Mateo Alvarez, 36 Jahre, stammt aus Madrid und betreut die Gesellschaften und Bankverbindungen in Monaco, Andorra und Luxemburg.

Er studierte Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt Gesellschafts-, Steuer- und internationalem Wirtschaftsrecht. Danach arbeitete er mehrere Jahre für eine internationale Wirtschaftskanzlei und betreute Holdinggesellschaften, Beteiligungsstrukturen sowie vermögende Mandanten mit grenzüberschreitenden Geschäftsinteressen. Neben Spanisch und Englisch spricht er fließend Französisch.

Alvarez vertritt die ihm zugeordneten Gesellschaften gegenüber Banken, Kanzleien und Finanzdienstleistern. Aufgrund seiner Vollmachten kann er Firmenkonten eröffnen und betreuen und als autorisierter Vertreter und Zeichnungsberechtigter auftreten.

Er ist ausgesprochen gesellschaftlich und legt großen Wert auf persönliche Beziehungen. In Monaco trifft er Banker häufig zum Abendessen oder bei Veranstaltungen rund um den Yachthafen. Bei längeren Aufenthalten in Luxemburg verbindet er Geschäftstermine gelegentlich mit einem Wochenende oder einem Essen in der Champagne. Viele seiner Ansprechpartner kennt er seit Jahren.

Bild oben: Sophie Bennett – Die Verbindung zu den britisch geprägten Finanzzentren

Sophie Bennett, 29 Jahre, stammt aus London und ist für die Gesellschaften und Bankverbindungen auf Jersey, Guernsey, der Isle of Man und Malta zuständig.

Sie studierte Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt internationales Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht, arbeitete zunächst für eine britische Wirtschaftskanzlei und anschließend im internationalen Private Banking. Dadurch kennt sie besonders gut Finanzplätze, deren Gesellschafts- und Bankensystem stark britisch geprägt ist.

Bennett vertritt die ihr zugeordneten Gesellschaften gegenüber Banken, Kanzleien und Finanzdienstleistern. Mit den entsprechenden Vollmachten kann sie Firmenkonten eröffnen und betreuen, Gesellschaftsunterlagen hinterlegen und als autorisierte Vertreterin auftreten.

Sie reist gern, ist dabei aber deutlich sportlicher als Alvarez. Auf Jersey und Guernsey lädt sie Banker gelegentlich zum Golf oder anschließend ins Clubhaus ein. Auf Malta bevorzugt sie gemeinsame Segel- oder Bootsausflüge. Ihre Beziehungen pflegt sie persönlich, aber professionell und wesentlich weniger extravagant als einige ihrer Kollegen.

Bild oben: Adrian Keller – Der Vertrauensmann der Schweizer Bankenwelt

Adrian Keller, 39 Jahre, stammt aus Zürich und betreut die Gesellschaften und Bankverbindungen in der Schweiz, Liechtenstein und Zypern.

Er studierte Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt Bank-, Gesellschafts- und internationalem Wirtschaftsrecht. Danach arbeitete er zunächst für eine Schweizer Wirtschaftskanzlei und später mehrere Jahre im internationalen Private Banking. Neben Deutsch und Englisch spricht er Französisch und verfügt über sehr gute Kontakte in der Schweizer und liechtensteinischen Bankenwelt.

Keller vertritt die ihm zugeordneten Gesellschaften gegenüber Banken und Finanzdienstleistern. Er verfügt über die dafür erforderlichen Vollmachten, eröffnet und betreut Firmenkonten und kann als autorisierter Vertreter und Zeichnungsberechtigter auftreten.

Innerhalb der europäischen Gruppe ist Keller der zurückhaltendste. In der Schweiz und in Liechtenstein pflegt er Beziehungen häufig über gemeinsame Skitage, längere Mittagessen oder Einladungen in gehobene Berghotels. Auf Zypern bevorzugt er ruhige Abendessen. Für ihn steht weniger Unterhaltung als der Aufbau langfristiger und diskreter Vertrauensverhältnisse im Vordergrund.

Bild oben: Adrian Cole – Der Finanzvertreter am Golf

Adrian Cole, 29 Jahre, stammt aus London und betreut die Gesellschaften und Bankverbindungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Qatar.

Er studierte Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt internationales Gesellschafts- und Finanzrecht. Anschließend arbeitete er zunächst für eine internationale Wirtschaftskanzlei und danach für eine Bank, die vermögende Privatkunden und internationale Unternehmensgruppen im Nahen Osten betreute.

Cole vertritt die ihm zugeordneten Gesellschaften gegenüber Banken, Kanzleien und Finanzdienstleistern. Mit seinen entsprechenden Vollmachten kann er Firmenkonten eröffnen und betreuen und als autorisierter Vertreter und Zeichnungsberechtigter der jeweiligen Gesellschaft auftreten.

Cole ist sportlich und nutzt seine Aufenthalte gern für Golf. In Dubai, Abu Dhabi oder Bahrain lädt er ausgewählte Banker zu gemeinsamen Runden ein. Er betrachtet diese langen persönlichen Treffen als wichtigen Bestandteil seiner Beziehungspflege und zieht mehrere Stunden mit einem Geschäftspartner auf dem Golfplatz häufig einem förmlichen Geschäftsessen vor.

Bild oben: Camila Duarte – Die Schnittstelle zur Bankenwelt Hongkongs

Camila Duarte, 31 Jahre, stammt aus Macau und betreut die Gesellschaften und Bankverbindungen in Hongkong.

Sie studierte Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt internationales Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht und arbeitete anschließend für eine international tätige Wirtschaftskanzlei in Hongkong. Neben Portugiesisch und Englisch spricht sie Kantonesisch und kennt dadurch sowohl die europäisch geprägte als auch die chinesische Geschäftskultur.

Duarte vertritt die ihr zugeordneten Gesellschaften gegenüber Banken, Kanzleien und Finanzdienstleistern. Aufgrund ihrer Vollmachten kann sie Firmenkonten eröffnen und betreuen, Unternehmensunterlagen hinterlegen und als autorisierte Vertreterin auftreten.

Sie liebt gutes Essen und die gesellschaftliche Seite Hongkongs. Banker lädt sie gern in gehobene Restaurants oder private Clubs ein. Gelegentlich verbindet sie solche Treffen mit einem Besuch bei einem Pferderennen. Sie gilt als kommunikativ, aufmerksam und besonders gut darin, unterschiedliche Gesprächspartner miteinander bekannt zu machen.

Bild oben: Rafael Sosa – Der erfahrene Bankmann für Singapur und Labuan

Rafael Sosa, 38 Jahre, stammt aus Montevideo und betreut die Gesellschaften und Bankverbindungen in Singapur und Malaysia, insbesondere im internationalen Finanzzentrum Labuan.

Er studierte Betriebswirtschaft und Finanzwesen und arbeitete anschließend viele Jahre im internationalen Firmenkundengeschäft und später im Private Banking. Damit gehört er zu den erfahrensten Finanzbevollmächtigten und kennt die Arbeitsweise großer Banken aus eigener beruflicher Erfahrung.

Sosa vertritt die ihm zugeordneten Gesellschaften gegenüber Banken und Finanzdienstleistern. Mit seinen umfangreichen Vollmachten kann er Konten eröffnen und betreuen und fungiert als fester wirtschaftlicher Ansprechpartner für die Unternehmen.

Sosa ist leidenschaftlicher Tennisspieler. Bei längeren Aufenthalten in Singapur verabredet er sich mit Bankern häufig zu einem Match oder trifft sie anschließend im Club. Er ist weniger gesellschaftlich als Duarte, baut seine Kontakte dafür sehr langfristig auf. Hat er Vertrauen zu einem Banker gefasst, versucht er möglichst über Jahre mit derselben Person zusammenzuarbeiten.

Bild oben: Mariana Costa – Die Vertreterin im Indischen Ozean

Mariana Costa, 26 Jahre, stammt aus Lissabon und betreut die Gesellschaften und Bankverbindungen auf den Seychellen und Mauritius. Sie gehört zu den jüngsten Mitgliedern der Gruppe.

Costa studierte Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt internationales Gesellschaftsrecht. Anschließend arbeitete sie für einen Unternehmensdienstleister, der internationale Gesellschaften und deren Bankverbindungen betreute. Aufgrund ihrer schnellen Auffassungsgabe und ihres sicheren Auftretens wechselte sie bereits nach wenigen Jahren in Hugos Unternehmensstruktur.

Costa vertritt die ihr zugeordneten Gesellschaften gegenüber Banken, Kanzleien und Corporate-Service-Anbietern. Mit den entsprechenden Vollmachten kann sie Firmenkonten eröffnen und betreuen und als autorisierte wirtschaftliche Vertreterin der jeweiligen Unternehmen auftreten.

Sie liebt das Meer und betrachtet ihre Reisen auf die Seychellen und nach Mauritius als einen der angenehmsten Teile ihrer Tätigkeit. Bei längeren Aufenthalten lädt sie ausgewählte Geschäftspartner gelegentlich zum Hochseefischen oder zu einem Bootsausflug ein. Sie bevorzugt kleine Gruppen und persönliche Gespräche und entwickelt gerade dadurch schnell ein gutes Verhältnis zu den Bankern und Dienstleistern, mit denen sie regelmäßig zusammenarbeitet.


Einleitung Musik

Hugo bevorzugt Stimmen, die nicht vollkommen glatt oder steril klingen. Er mag Klangfarben mit Charakter: rauchige Untertöne, dunkle Färbungen, Wärme, Tiefe und gelegentlich auch eine leichte Brüchigkeit. Deshalb unterscheiden sich die Sänger von Bellaventra bewusst voneinander. Jeder besitzt ein eigenes Klangprofil, andere musikalische Stärken und eine persönliche Art, mit einem Lied umzugehen.

Die Sänger sind grundsätzlich bestimmten Tageszeiten zugeordnet, ihre Schichten sind jedoch flexibel. Wenn die Besetzung weiterhin gewährleistet ist, können sie Dienste untereinander tauschen. Dadurch lassen sich persönliche Wünsche ebenso berücksichtigen wie Situationen, in denen Hugo gezielt eine bestimmte Stimme hören möchte.

Bild oben – Shelly Marvelle

Shelly Marvelle singt überwiegend am Vormittag, kann ihre Schicht aber mit den anderen Sängern tauschen. Ihre Stimme ist voll, warm und eindeutig feminin. Eine leichte rauchige Färbung gibt ihr Tiefe, ohne dass sie schwer klingt. Besonders bei Soul, Pop und Balladen liegt ihre Stärke darin, Gefühle glaubwürdig zu transportieren. Shelly braucht keine extremen Tonlagen oder spektakulären Effekte. Sie kann eine ruhige Passage beinahe intim wirken lassen und anschließend deutlich mehr Kraft entwickeln, ohne den weichen Charakter ihrer Stimme zu verlieren.

Die jungen Frauen in Bellaventra betrachtet Shelly mit einer gewissen Nachdenklichkeit. Manchmal fragt sie sich, ob sie in deren Alter und unter anderen Umständen selbst Gefallen an einem solchen Leben gefunden hätte. Sie verurteilt die Frauen nicht, sondern sieht in ihnen gelegentlich eine Erinnerung daran, dass ihr eigenes Leben auch andere Wege hätte nehmen können.

Bild oben – Marcus Ellington

Marcus Ellington gehört normalerweise zur Vormittagsbesetzung. Wenn es organisatorisch sinnvoll ist, tauscht er seinen Dienst jedoch problemlos mit einem anderen Sänger. Seine Stimme besitzt Druck, Körper und eine deutlich raue Kante. Sie wirkt männlich und präsent und eignet sich besonders für rhythmische, kraftvolle Stücke, bei denen der Sänger den Song nach vorne treiben muss. Marcus klingt nicht zurückhaltend. Seine Stimme nimmt Raum ein, und genau darin liegt ihre Wirkung.

Das passt zu seiner Persönlichkeit. Marcus singt ausgesprochen gerne vor den jungen Frauen in Bellaventra. Er registriert ihre Blicke und sucht seinerseits bewusst den Blickkontakt. Wenn Frauen auf seinen Auftritt reagieren, genießt er das. Für ihn gehören Flirt, Präsenz und gegenseitige Aufmerksamkeit zu einer guten Bühnensituation dazu.

Bild oben – Malik Zayaro

Malik Zayaro arbeitet hauptsächlich am Nachmittag, ist durch die Möglichkeit zum Schichttausch aber nicht fest an diese Zeit gebunden. Seine Stimme liegt für einen Mann ungewöhnlich hoch, besitzt darunter jedoch einen dunklen, samtigen Kern. Dieser Gegensatz macht seinen Klang unverwechselbar. Malik singt nicht mit großer Wucht, sondern mit feinen Abstufungen. Er kann einzelne Wörter hervorheben, Melodien sehr weich führen und einem Lied durch kleine Veränderungen in Betonung und Klangfarbe eine eigene Geschichte geben.

Malik ist homosexuell und empfindet gegenüber den Frauen in Bellaventra keine sexuelle Anziehung. Dadurch ist sein Umgang mit ihnen sehr entspannt. Er unterhält sich gerne mit ihnen, kann freundschaftliche Nähe entwickeln und genießt ihre Gesellschaft, ohne daraus einen Flirt zu machen. Wenn er vor ihnen singt, interessiert ihn vor allem ihre Reaktion auf die Musik.

Bild oben – Zafira Montell

Zafira Montell stammt aus Montevideo und singt gewöhnlich am Nachmittag. Ihre Dienste können wie bei den übrigen Sängern bei Bedarf getauscht werden. Zafiras Stimme ist relativ hoch, erhält durch einen dunklen, leicht rauen Unterton jedoch mehr Gewicht. Ihre Besonderheit liegt in ihrer Beweglichkeit. Sie kann sehr schnell zwischen zurückgenommenen und temperamentvollen Passagen wechseln und wirkt dadurch besonders gut bei lebhaften, rhythmischen Songs. Während andere Sänger einen Titel langsam aufbauen, verändert Zafira dessen Energie oft innerhalb weniger Takte.

Bellaventra betrachtet sie in erster Linie als außergewöhnlich guten Arbeitsplatz in ihrer Heimatregion. Über vieles, was sie dort erlebt, würde sie manchmal gerne sprechen, muss sich wegen der Verschwiegenheit jedoch zurückhalten. Die Frauen betrachtet sie interessiert, aber nicht neidisch. Zafira selbst findet ausgeprägtere weibliche Formen attraktiver und hält einige von Hugos sehr schlanken Frauen persönlich sogar für zu dünn.

Bild oben – Anouk van der Meer

Anouk van der Meer ist überwiegend am Nachmittag eingesetzt. Ihre Schicht ist dennoch flexibel und kann mit anderen Sängern abgestimmt werden. Ihre Stimme klingt kontrolliert, elegant und dunkel gefärbt. Ein leichter rauchiger Ton verhindert, dass sie zu glatt wirkt. Anouk ist keine Sängerin, die durch Lautstärke auffallen muss. Ihre Stärke liegt in präziser Phrasierung, langen sauber geführten Tönen und darin, Spannung mit sehr kleinen Veränderungen aufzubauen. Besonders bei Jazz, akustischen Arrangements und ruhigen Duetten kommt diese kontrollierte Art gut zur Geltung.

Ihr Blick auf die Frauen ist zwiespältiger. Anouk hatte selbst einmal von einer großen Karriere und einem luxuriösen Leben geträumt. Wenn sie sieht, wie die Frauen in Bellaventra leben, spürt sie deshalb gelegentlich Neid. Gleichzeitig weiß sie, dass deren Lebensweise Dinge beinhaltet, die für sie selbst nicht infrage kämen. Sie kann beides voneinander trennen: den Wunsch nach manchen äußeren Vorteilen und die klare Erkenntnis, dass sie nicht deren Leben führen möchte.

Bild oben – Nayara Solís

Nayara Solís stammt aus Spanien und singt meistens am Abend. Auch sie kann ihre Schicht mit anderen Mitgliedern der Sängergruppe tauschen. Ihre Stimme liegt im mittleren Bereich und wirkt für ihr Alter erstaunlich reif. Sie besitzt einen dunklen, leicht rauchigen Grundton, der stellenweise fast melancholisch wirkt. Nayara eignet sich deshalb besonders für Lieder, bei denen Atmosphäre wichtiger ist als große technische Effekte. Ihre Stimme darf gelegentlich etwas ungeschliffen wirken – gerade das gibt ihr Persönlichkeit.

Mit den Frauen in Bellaventra hat Nayara grundsätzlich kein Problem. Wie sie ihre Sexualität und ihr Leben gestalten, betrachtet sie als deren eigene Angelegenheit. Hugo selbst beurteilt sie deutlich kritischer. Sie findet ihn unsympathisch und teilweise sogar eklig. Trotzdem arbeitet sie gerne in Bellaventra. Nach ihrer früheren Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff schätzt sie besonders die größere Freiheit, die bessere Freizeitgestaltung und die angenehmeren Arbeitsbedingungen.

Bild oben – Amara Nyelle

Amara Nyelle gehört üblicherweise zur Abendbesetzung, kann aber ebenfalls Dienste mit anderen Sängern tauschen. Ihre Stimme unterscheidet sich innerhalb der Gruppe besonders deutlich. Sie singt für eine Frau ungewöhnlich tief und besitzt einen dunklen, rauchigen Klang, der stellenweise beinahe androgyn wirkt. Statt mit Höhe arbeitet Amara mit Resonanz, Tiefe und einer starken körperlichen Wirkung. Langsame, schwere oder atmosphärische Stücke profitieren besonders von ihrer Stimme.

Privat führt sie mit Maël Sorian eine offene Beziehung. Amara selbst ist heterosexuell und empfindet keine sexuelle Anziehung zu Frauen. Wenn Frauen während ihrer Auftritte sehr ausgelassen tanzen oder sich ausziehen, kann sie sich deshalb durchaus unwohl fühlen. Sie möchte sich diese Unsicherheit jedoch nicht anmerken lassen und reagiert dann oft mit besonders guter Laune und demonstrativer Begeisterung.

Bild oben – Maël Sorian

Maël Sorian stammt aus Frankreich und wird überwiegend am Abend eingesetzt. Bei Bedarf kann er seine Schicht jedoch mit einem anderen Sänger tauschen. Seine Stimme ist ein hoher Tenor, unter dessen klaren oberen Lagen ein dunkler, leicht rauchiger Grundton liegt. Seine Stärke sind starke Spannungsbögen. Er kann einen Song sehr zurückgenommen beginnen, lange Spannung halten und erst spät vollständig öffnen. Dadurch funktioniert er besonders gut bei Liedern, die sich langsam entwickeln und auf einen emotionalen Höhepunkt zulaufen.

Mit Amara Nyelle lebt Maël in einer offenen Beziehung. Eifersucht spielt für ihn nur eine geringe Rolle. Im Gegensatz zu Amara genießt er die erotische Atmosphäre Bellaventras deutlich. Viele der Frauen entsprechen seinem Geschmack, und er hat kein Problem damit, sexuelle Fantasien über einzelne von ihnen zu haben. Für ihn widerspricht das seiner Beziehung zu Amara nicht, sondern gehört zu der Freiheit, auf die beide sich verständigt haben.

Bild oben – Leandro Vescari

Leandro Vescari singt gewöhnlich am Abend, kann seine Einsatzzeit aber ebenso flexibel mit den anderen Sängern abstimmen. Sein Klang bildet bewusst einen Gegenpol zu Malik und Maël. Leandro besitzt einen tiefen Bariton mit einer deutlich rauen, stellenweise fast kratzigen Oberfläche. Seine Stimme muss nicht vollkommen sauber klingen; kleine Brüche und angegriffene Töne gehören ausdrücklich zu ihrem Charakter. Besonders bei Blues, Rock, Reggae und erdigeren Stücken kommt diese Stimme zur Geltung. Hugo mag an Leandro gerade dieses Unpolierte, weil man ihn bereits nach wenigen Tönen erkennt.

Leandro betrachtet die Frauen in Bellaventra pragmatisch. Er findet einige von ihnen attraktiv, macht daraus aber keine große Sache und versucht nicht, aus jedem Kontakt einen Flirt zu entwickeln. Für ihn sind sie zunächst Menschen, mit denen er am selben Ort arbeitet und lebt. Wenn sich ein lockeres Gespräch oder gegenseitige Sympathie ergibt, genießt er das, hält sich jedoch bewusst aus Eifersüchteleien, Konkurrenz zwischen den Frauen oder persönlichen Auseinandersetzungen heraus. Er möchte Musik machen und seinen eigenen Platz in Bellaventra behalten, ohne sich unnötig in Hugos Privatleben einzumischen.


Bild oben: Hanna Dvořáková

Bild oben: Hugo Voss

Hanna Dvořáková gehört zu den wenigen Menschen, die Hugo Voss bereits kannten, lange bevor Bellaventra auch nur als Gedanke existierte. Ihre spätere Bedeutung für sein Leben lag nicht einfach darin, dass sie ihm Frauen vermittelte. Sie war diejenige, die aus einer zunächst vergleichsweise simplen Vorstellung – einige Frauen dauerhaft mit nach Uruguay zu nehmen – ein vollständiges Lebensmodell machte. Vieles von dem, was Bellaventra später räumlich, personell und organisatorisch auszeichnete, ging letztlich auf dieses eine Gespräch mit ihr zurück.

Hugo hatte Hanna über sein früheres Umfeld bei der Deutschen Bank kennengelernt.

Er war sehr jung zur Bank gekommen und galt dort früh als außergewöhnliches Talent. Seine Ergebnisse ermöglichten ihm Zugang zu Kreisen, die normalerweise wesentlich älteren und hierarchisch höher stehenden Mitarbeitern vorbehalten waren. Damit lernte er nicht nur das Geschäft großer Banken kennen, sondern auch jene Welt, die sich außerhalb der Besprechungsräume um erfolgreiche Banker, Kunden und Investoren entwickelte.

Reisen, größere Veranstaltungen und Aufenthalte wichtiger Geschäftspartner konnten mit erheblichem Aufwand organisiert werden. Dazu gehörten Hotels, Restaurants, Fahrer und je nach Veranstaltung auch weibliche Begleitung. Wenn Mitarbeiter oder Gäste nach Monaco oder an die Côte d’Azur reisten und Escortfrauen gewünscht wurden, gab es dafür professionelle Kontakte.

Einer dieser Kontakte führte nach Prag.

Dort betrieb Hanna Dvořáková ihre Escort-Agentur.

Ihr Geschäft war legal, international und ausgesprochen diskret. Sie vermittelte Frauen nicht nur an Privatkunden, sondern konnte bei größeren Veranstaltungen oder Reisen auch mehrere Frauen gleichzeitig organisieren. Hanna verfügte über ein Netzwerk, das weit über klassische Escortagenturen hinausging. Fotografen, Visagisten, Modelagenturen, Produzenten und Menschen aus der Pornobranche kannten sie. Dadurch hatte sie Zugriff auf Frauen, die nicht lediglich gut aussahen, sondern gewohnt waren, ihren Körper professionell einzusetzen und über Sexualität ohne besondere Hemmungen zu sprechen.

Für Hugo war diese Welt neu und gleichzeitig faszinierend.

Er war als junger Mann bereits in einer Position, in der andere für ihn organisierten, was er sich selbst wenige Jahre zuvor kaum hätte leisten können. Wenn Männer aus seinem beruflichen Umfeld mit Frauen auftraten oder diese für eine Reise organisiert wurden, wurde Hugo als besonders erfolgreicher junger Mitarbeiter nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil: Sein beruflicher Erfolg verschaffte ihm auch dort einen entsprechenden Status.

Damit verband sich in seinem Denken sehr früh Geld mit sexueller Auswahl.

Später erinnerte ihn diese Welt auch an Geschichten aus dem Bankenumfeld, in denen Status und Einkommen sichtbar darüber entschieden, wer Zugang zu welchen Frauen erhielt. Hugo lernte dadurch nicht die Vorstellung kennen, dass Sex etwas war, worum ein Mann werben musste, sondern eine vollkommen andere Logik: Erfolg erzeugte Auswahl.

Als er später nach Monaco zog, verstärkte sich diese Entwicklung.

Steuerliche Gründe waren für seine Entscheidung wichtig, aber Monaco und die Côte d’Azur entsprachen zugleich genau jener Lebenswelt, die er inzwischen kennengelernt hatte. Monaco, Cannes, Nizza, Saint-Jean-Cap-Ferrat und Saint-Tropez boten ihm Hotels, Restaurants, Clubs, Strände, Boote und eine internationale Szene, in der vermögende Männer mit mehreren attraktiven Frauen kaum auffielen.

Zu dieser Zeit lebte Hugo noch wesentlich extrovertierter als später.

Seine Störung machte sich bereits bemerkbar, bestimmte sein Leben jedoch noch nicht vollständig. Er reiste, ging aus, veranstaltete laute Partys und erschien mitunter mit fünf oder sechs jungen Frauen gleichzeitig in Restaurants oder Clubs. Er war jung, verdiente für seine damaligen Maßstäbe geradezu absurd viel Geld und wollte das auch zeigen.

Champagner, Beachclubs, Hotels und gemietete Boote gehörten zeitweise dazu.

Eine eigene Yacht wollte er allerdings nie besitzen. Für Hugo war sie schwimmendes, gebundenes Kapital, das laufend Geld kostete und gleichzeitig an Wert verlor. Wenn er ein Boot wollte, mietete er eines. Besitz um des Besitzes willen interessierte ihn wenig.

Bei Frauen dachte er anders.

Viele von ihnen kamen über Hanna.

Zunächst hatte er sie über andere kennengelernt. Irgendwann brauchte er diese Vermittlung nicht mehr. Wenn Hugo allein nach Monaco oder an die Côte d’Azur fuhr, wandte er sich direkt an Hanna.

Dadurch lernte sie seinen Geschmack immer genauer kennen.

Hugo bevorzugte insbesondere junge, sehr attraktive Frauen aus Mittel- und Osteuropa. Tschechinnen gefielen ihm anfangs besonders. Viele Frauen in Hannas Umfeld arbeiteten gleichzeitig als Escort, Models oder Pornodarstellerinnen. Gerade diese Überschneidung faszinierte Hugo.

Ein gewöhnliches Foto genügte ihm bald nicht mehr.

Hanna konnte ihm Videos schicken, damit er eine Frau vor einer Buchung genauer beurteilen konnte. Er sah Gesicht, Körper, Stimme, Bewegung und Auftreten. Bei Frauen aus der Pornobranche konnten diese Aufnahmen wesentlich eindeutiger sein. Manche masturbierten vor der Kamera oder benutzten Sexspielzeug. Hugo gefiel daran nicht nur die sexuelle Wirkung. Für ihn war es eine Form der Vorauswahl. Er konnte sehen, wie selbstverständlich eine Frau mit Sexualität umging und welche Praktiken sie anzubieten bereit war.

Damit wusste er bereits vor ihrer Ankunft ziemlich genau, wen Hanna ihm schicken würde.

Hanna wiederum wusste bald ebenso genau, was Hugo mit diesen Frauen tat.

Sie sprach mit ihnen.

Sie erfuhr, wie er sich verhielt, was ihm gefiel, was er wiederholt verlangte und welche Dinge einzelne Frauen ablehnten. Hugo konnte ihr gegenüber deshalb weder den besonders erfahrenen Liebhaber spielen noch seine Vorlieben verschweigen. Sie kannte die Berichte der Frauen ohnehin.

Genau das machte Hanna für ihn wertvoll.

Er musste ihr nichts vorspielen.

In Hannas beruflicher Welt wurden sexuelle Praktiken nicht mit eleganten Umschreibungen versehen. Oralverkehr, Vaginalverkehr und Analverkehr waren für sie normale Begriffe. Dass eine Frau Sperma schluckte, Urin trank oder sexuelle Handlungen mit mehreren Frauen ausführte, war für Hanna keine philosophische Frage. Sie wollte wissen, ob eine Frau etwas tat oder nicht tat und ob Hugo genau diese Frau buchen konnte.

Ihre Sprache konnte dabei ebenso klinisch wie derb sein. Sie konnte im selben Gespräch von Vagina sprechen und wenige Sätze später genauso selbstverständlich das Wort Fotze verwenden. Penis, Schwanz, Arsch, Sperma, Urin oder Fäkalien waren für sie keine Wörter, um die herum sie sprach. Seit Jahren verdiente sie ihr Geld in einem Milieu, in dem sexuelle Wünsche konkret benannt werden mussten, weil nur so klar war, welche Frau zu welchem Kunden passte.

Sie kannte auch jene Wünsche Hugos, die viele andere Menschen als ekelhaft empfunden hätten.

Er mochte beispielsweise den unmittelbaren Wechsel zwischen Anal- und Vaginalverkehr. Er konnte verlangen, dass eine Frau seinen Penis ableckte, nachdem er zuvor mit einer anderen Frau analen Sex gehabt hatte. Auch das Schlucken von Sperma, Urin oder die Einbeziehung mehrerer Frauen in dieselbe sexuelle Situation gehörten zu Dingen, über die Hanna mit ihm ohne Scheu sprechen konnte.

Gerade der Wechsel zwischen Anal- und Vaginalverkehr war für Hanna ein Beispiel dafür, dass Hugos Sexualität nicht nur organisatorische, sondern auch medizinische Konsequenzen hatte. Fäkalbakterien konnten auf diese Weise in den Vaginal- und Harnwegsbereich gelangen und Beschwerden oder Blasenentzündungen verursachen. Hugo wollte deswegen seine Vorlieben nicht unbedingt ändern. Hanna versuchte deshalb, seine Wünsche mit einem praktikablen Ablauf zu verbinden.

Zu den Dingen, die sie ihm vorschlug, gehörte, den Penis zwischen solchen Wechseln von einer der Frauen oral reinigen zu lassen. Für Hugo konnte schon dieses Sauberlecken Teil des sexuellen Spiels werden. Hanna behandelte es entsprechend pragmatisch. Sie wusste allerdings aus ihrer Erfahrung zugleich, dass eine solche erotische Reinigung keine ärztliche Vorsorge ersetzte. Wenn Hugo dauerhaft auf diese Weise leben wollte, musste es zusätzlich echte Hygienestrukturen, Untersuchungen und medizinische Betreuung geben.

Bei einzelnen kurzen Aufenthalten konnte vieles improvisiert werden.

Bei zwanzig oder dreißig Frauen, die dauerhaft mit demselben Mann und teilweise miteinander Sex hatten, ging das nicht mehr.

Frauen würden Reizungen, Blasenentzündungen und andere Beschwerden bekommen. Sexuell übertragbare Infektionen mussten regelmäßig kontrolliert werden. Wenn Hugo möglichst ohne Kondom schlafen wollte, brauchte eine dauerhaft zusammenlebende Gruppe deshalb ein enges medizinisches System. Untersuchungen mussten unkompliziert möglich sein. Ein Arzt musste erreichbar sein. Medikamente mussten verfügbar sein. Bei Beschwerden durfte nicht jedes Mal erst überlegt werden, zu welcher Klinik man eine Frau bringen konnte.

Hanna dachte bei all dem nicht darüber nach, ob ihr Hugos Vorlieben gefielen.

Sie dachte darüber nach, wie sie funktionierten.

Genau darin unterschied sie sich von Hugo.

Hugo dachte zunächst daran, was er wollte.

Hanna dachte daran, was notwendig war, damit er es dauerhaft haben konnte.

Mit der Zeit begann Hugo auch unabhängig von seinem früheren Bankumfeld bei Hanna zu buchen. Wenn er allein nach Monaco oder an die Côte d’Azur fuhr, organisierte sie ihm Frauen. Dadurch wurde sie zunehmend mehr als eine Vermittlerin. Sie kannte seine Auswahlkriterien, seine Gewohnheiten, seine sexuellen Vorlieben und schließlich auch seine Schwierigkeiten.

Als Hugo entschied, Europa zu verlassen und nach Montevideo zu gehen, wurde dieses Wissen entscheidend.

Seine bisherige Lebensweise ließ sich nicht einfach nach Uruguay übertragen.

In Monaco oder an der Côte d’Azur konnte Hanna kurzfristig reagieren. Eine Frau konnte aus Prag, Budapest, Warschau, Moskau oder Kiew nach Nizza fliegen und von dort weitergebracht werden. Wenn Hugo nach einigen Tagen eine andere wollte, war das organisatorisch lösbar.

Montevideo lag dagegen auf einem anderen Kontinent.

Lange Flugzeiten, größere Entfernungen und wesentlich mehr Planung machten ein ständiges Austauschen der Frauen unpraktisch.

Hugo dachte deshalb zunächst an eine einfache Lösung.

Vier oder fünf Frauen sollten dauerhaft mit ihm in Uruguay leben.

Hanna hielt das für eine schlechte Idee.

Nach ihrer Erfahrung waren gerade kleine geschlossene Gruppen besonders anfällig für Konflikte. Zwei Frauen mochten sich besonders gern. Eine dritte fühlte sich ausgeschlossen. Eine vierte versuchte vielleicht, Hugos bevorzugte Partnerin zu werden. Eine andere wurde eifersüchtig. Freundschaften entwickelten sich zu Bündnissen, Beziehungen zerbrachen und persönliche Konflikte konnten bei nur fünf Frauen sofort die gesamte Gruppe bestimmen.

Hanna erklärte Hugo deshalb, dass er größer denken musste.

Wenn er wirklich eine dauerhafte Gruppe wollte, hielt sie zwanzig Frauen für das Minimum.

Dreißig erschienen ihr besser.

Viel größer musste es ihrer Ansicht nach auch nicht werden, weil dann Verwaltung, persönliche Beziehungen und Auswahl wieder unnötig schwierig würden. Aber vier oder fünf waren für das Modell, das Hugo wollte, nach Hannas Auffassung gerade die falsche Größenordnung.

Als Beispiele verwies sie auf Männer, die vergleichbare private Lebensformen ebenfalls nicht in einer gewöhnlichen Villa organisiert hatten.

Adnan Khashoggi hatte bei Marbella das riesige Anwesen La Baraka besessen, aus dessen Gelände später La Zagaleta hervorging. Für Hanna war daran nicht entscheidend, dass Hugo Khashoggi kopieren sollte. Entscheidend war die Größenordnung. Ein Mann, der eine große Zahl von Menschen dauerhaft um sich organisierte, brauchte Raum, Personal, Rückzugsmöglichkeiten und Unterhaltung.

Dasselbe galt für Prinz Jefri von Brunei.

Seine privaten Anlagen und Paläste waren ebenfalls keine gewöhnlichen Wohnhäuser. Wohnen, Unterhaltung, Personal, Gäste und private Bereiche konnten dort räumlich voneinander getrennt werden.

Hanna benutzte diese Beispiele als Analogie.

Wenn Hugo glaubte, er könne zwanzig oder dreißig Frauen einfach in ein großes Haus setzen und ansonsten so weiterleben wie bisher, unterschätzte er die Sache.

Die Frauen brauchten eine eigene Welt.

Dazu gehörte zunächst die Gruppenzusammensetzung.

Hugo bevorzugte Tschechinnen. Hanna sah darin kein Problem. Eine größere tschechische Gruppe ließ sich organisieren. Sie hielt es auch für möglich, daneben eine zweite Sprachgruppe aufzubauen.

Zwei Sprachen waren aus ihrer Sicht vertretbar.

Mehr aber nicht.

Eine beliebige Mischung aus Tschechinnen, Deutschen, Französinnen, Polinnen, Ungarinnen, Russinnen, Ukrainerinnen und anderen Nationalitäten hielt Hanna für problematisch. Sprache würde dann automatisch zur Grundlage verschiedener Lager werden. Die Deutschen würden miteinander reden, die Polinnen miteinander, die Ungarinnen untereinander, und innerhalb kürzester Zeit hätte Hugo nicht eine Gruppe, sondern mehrere voneinander getrennte Gruppen im selben Haus.

Zwei große Sprachgruppen ließen sich dagegen noch organisieren.

Eine konnte tschechisch sein.

Für die zweite bot sich ein russischsprachiger beziehungsweise größerer osteuropäischer Pool an. Russland, die Ukraine und Belarus ermöglichten wesentlich mehr Auswahl als Tschechien allein. Auch Frauen aus angrenzenden Staaten konnten infrage kommen, sofern sie sprachlich in diese Gruppe passten.

Hanna wusste außerdem, wo sie solche Frauen finden konnte.

Viele Frauen aus diesem Raum kamen ohnehin nach Prag, Budapest oder andere europäische Zentren, um als Models, Escortfrauen oder Pornodarstellerinnen zu arbeiten. Fotografen kannten Frauen. Visagisten kannten Frauen. Produzenten kannten Frauen. Escortagenturen kannten Frauen. Pornoproduktionen kannten Frauen.

Hanna musste keine öffentliche Anzeige schalten.

Sie konnte ihr bestehendes Netzwerk benutzen.

Dabei stellte sie eine weitere Bedingung auf, die sie für fast ebenso wichtig hielt wie Sprache und Anzahl.

Die Frauen sollten bisexuell sein.

Für Hanna war das eine praktische Notwendigkeit.

Kein Mann konnte zwanzig oder dreißig Frauen permanent sexuell befriedigen. Hugo mochte reich sein, jung sein und sich für außergewöhnlich halten – aber auch er hatte nur einen Körper und einen Tag mit vierundzwanzig Stunden.

Hanna formulierte das wesentlich direkter.

Er konnte nicht dreißig Frauen permanent besamen.

Das Wort passte zu ihr. Es war grob, eindeutig und ließ keinen Zweifel daran, was sie meinte.

Wenn sämtliche Frauen ausschließlich auf Hugo als Sexualpartner ausgerichtet waren, würde seine Aufmerksamkeit automatisch zu einer knappen Ressource. Jede würde irgendwann registrieren, wie häufig eine andere bei ihm gewesen war. Daraus konnten Konkurrenz, Eifersucht und Rangordnungen entstehen.

Wenn die Frauen dagegen bisexuell waren, konnten auch untereinander sexuelle und emotionale Beziehungen entstehen.

Hugo blieb Mittelpunkt der Gruppe.

Aber er musste nicht ihr einziger Mittelpunkt sein.

Die Frauen konnten miteinander schlafen, miteinander Zeit verbringen und eigene Beziehungen entwickeln. Aus Hannas Sicht nahm das Druck aus dem System und machte es überhaupt erst möglich, eine so große Gruppe dauerhaft zusammenzuhalten.

Sex allein genügte allerdings nicht.

Das war der nächste Punkt, den Hugo zunächst unterschätzte.

Dreißig Frauen konnten nicht den gesamten Tag darauf warten, ob Hugo gerade Lust hatte, eine von ihnen zu sehen.

Wenn sie dauerhaft in Uruguay leben sollten, mussten sie dort ein angenehmes Leben haben.

Hanna erklärte ihm deshalb, dass Bellaventra umfangreiche Freizeitangebote brauchte.

Pools und Sonnenbereiche gehörten dazu. Ebenso Fitnessräume, Sportmöglichkeiten, Sauna, Massagen, Kosmetik und Möglichkeiten zur Körperpflege. Es brauchte Räume für Filme und Musik, Spiele, Lesen und gemeinsames Essen. Einige Frauen würden tanzen wollen, andere trainieren, schwimmen, sich schminken lassen, stundenlang am Pool liegen, kochen, Musik hören oder einfach mit Freundinnen zusammensitzen.

Sie brauchten Spaß.

Sie brauchten Beschäftigung.

Sie brauchten Abwechslung.

Sie brauchten Möglichkeiten, einen ganzen Tag angenehm verbringen zu können, auch wenn Hugo keine einzige von ihnen sehen wollte.

Auch Gartenanlagen und geschützte Außenbereiche waren wichtig.

Die Frauen brauchten Bereiche, in denen sie gemeinsam etwas unternehmen konnten, und gleichzeitig Räume, in denen sie ihre Ruhe hatten.

Nicht jede Frau wollte ständig von dreißig anderen Menschen umgeben sein.

Bellaventra durfte für sie deshalb nicht zu einem luxuriösen Wartezimmer werden, in dem dreißig Frauen lediglich darauf warteten, dass Hugo eine Tür öffnete und eine von ihnen auswählte.

Je attraktiver ihr eigenes Leben dort war, desto weniger hing ihre Stimmung ausschließlich von Hugo ab.

Für Hanna war das entscheidend.

Beschäftigung verhinderte Langeweile.

Langeweile erzeugte Konflikte.

Und Konflikte waren bei einer dauerhaft zusammenlebenden Gruppe gefährlicher als nahezu alles andere.

Damit kam Hanna zu einem weiteren Punkt, den Hugo selbst zunächst überhaupt nicht bedacht hatte.

Er brauchte eine Schnittstelle.

Zwischen ihm und den Frauen musste eine Person stehen.

Hugo durfte nicht derjenige sein, bei dem jeden Morgen Beschwerden, Wünsche, Eifersüchteleien und organisatorische Probleme landeten. Wenn dreißig Frauen unmittelbar zu ihm kamen, weil eine ein anderes Schlafzimmer wollte, zwei miteinander gestritten hatten, eine sich ungerecht behandelt fühlte, eine einen Arzt brauchte, eine mehr Geld ausgeben wollte, eine mit einer anderen nicht mehr zusammen essen wollte oder eine überzeugt war, Hugo habe sie seit einer Woche zu wenig beachtet, würde die gesamte Konstruktion genau das Gegenteil dessen bewirken, was er eigentlich wollte.

Sie würde sein Leben mit Problemen füllen.

Hanna wusste, dass Hugo dafür ungeeignet war.

Er wollte Frauen um sich haben.

Er wollte nicht dreißig verschiedene Alltagsprobleme verwalten.

Deshalb musste zwischen ihm und den Frauen ein Puffer stehen.

Eine Frau, die beide Seiten verstand.

Sie musste den Frauen nah genug sein, damit diese mit ihren Problemen zu ihr gingen, und gleichzeitig eindeutig Teil von Hugos Organisation sein. Sie musste Konflikte früh erkennen, Streit schlichten, Wünsche sammeln, Arzttermine organisieren, Beschwerden weitergeben, Freizeit koordinieren und beurteilen, welche Angelegenheit tatsächlich so wichtig war, dass Hugo davon erfahren musste.

Der größte Teil durfte ihn niemals erreichen.

Wenn zwei Frauen stritten, musste nicht Hugo entscheiden.

Wenn eine Frau ein anderes Zimmer wollte, musste nicht Hugo entscheiden.

Wenn jemand eine Blasenentzündung hatte, brauchte sie einen Arzt und nicht Hugo.

Wenn eine Frau mehr Aufmerksamkeit wollte, musste zunächst jemand anderes herausfinden, ob dahinter ein tatsächliches Problem oder bloß momentane Eifersucht steckte.

Diese Schnittstelle sollte Hugos Privatleben vor dem organisatorischen Alltag der Gruppe schützen.

Sie war gleichzeitig Ansprechpartnerin, Vermittlerin und Filter.

Hugo sollte die Frauen sehen, weil er sie sehen wollte.

Nicht weil irgendwo ein Problem entstanden war.

Hanna hielt diese Funktion für so wichtig, dass sie nicht irgendeiner Sekretärin übertragen werden konnte. Die betreffende Frau musste das Milieu verstehen. Sie durfte von der sexuellen Offenheit der Gruppe nicht irritiert sein. Wenn eine der Frauen ihr sagte, dass ihre Fotze nach einer Nacht mit Hugo brannte, dass sie Schmerzen beim Pinkeln hatte, dass sie mit einer anderen Frau geschlafen hatte oder dass es beim Sex Streit gegeben hatte, durfte daraus kein peinliches Gespräch werden.

Sie musste genauso selbstverständlich über Vagina, Fotze, Penis, Analverkehr, Sperma oder Blasenentzündungen sprechen können wie Hanna selbst.

Gleichzeitig musste sie diskret genug sein, Hugo nicht mit jedem Detail zu belasten.

Damit entstand erstmals die Vorstellung einer Frau innerhalb Bellaventras, die nicht einfach zu Hugos sexueller Gruppe gehörte, sondern zwischen dieser Gruppe und Hugo stand.

Eine Pufferzone in Person.

Und je länger Hanna die Sache durchdachte, desto deutlicher wurde, dass diese eine Funktion weitere Strukturen nach sich zog.

Zwanzig oder dreißig Frauen benötigten eigene Schlafzimmer und Badezimmer.

Sie benötigten Gemeinschaftsräume und Rückzugsmöglichkeiten.

Sie brauchten Pools, Fitnessräume, Wellnessbereiche und Freizeitangebote.

Sie brauchten Küche, Reinigung und Wäscherei.

Sie brauchten Fahrer und organisatorisches Personal.

Sie brauchten medizinische Betreuung und regelmäßige Untersuchungen.

Sie brauchten Medikamente, wenn eine Frau krank wurde.

Sie brauchten jemanden, der ihre Termine und Wünsche koordinierte.

Sie brauchten eine Schnittstelle zu Hugo.

Und sie brauchten Sicherheit.

Wenn Hugo weiter jene Sexualität leben wollte, an die Hanna ihn aus Monaco gewöhnt kannte, mussten diese Strukturen dauerhaft verfügbar sein und nicht erst dann improvisiert werden, wenn etwas passierte.

Damit veränderte Hanna Hugos ursprünglichen Gedanken vollständig.

Er war zu ihr gekommen, weil er wissen wollte, wie er vier oder fünf Frauen nach Uruguay mitnehmen konnte.

Sie erklärte ihm, dass vier oder fünf gerade nicht funktionierten.

Sie machte daraus zwanzig bis dreißig.

Sie erklärte ihm, warum die Frauen möglichst nur zwei Sprachgruppen bilden sollten.

Sie erklärte ihm, warum Bisexualität innerhalb der Gruppe wichtig war.

Sie erklärte ihm, dass er unmöglich alle Frauen permanent selbst sexuell beschäftigen oder, in ihrer eigenen Sprache, besamen konnte.

Sie erklärte ihm, dass die Frauen miteinander schlafen und eigene Beziehungen entwickeln können mussten.

Sie erklärte ihm, dass die Frauen nicht nur Sex mit ihm haben konnten, sondern ein eigenes angenehmes Leben innerhalb der Anlage brauchten.

Sie erklärte ihm, dass sie Freizeitangebote, Sport, Wellness, Unterhaltung, Gärten und Rückzugsmöglichkeiten brauchten.

Sie erklärte ihm, dass bei seiner Art von Sexualität medizinische Betreuung selbstverständlich Teil des Systems werden musste.

Sie erklärte ihm, dass die Frauen bei bestimmten sexuellen Praktiken Beschwerden bekommen würden und dass Ärzte, Untersuchungen und Medikamente verfügbar sein mussten.

Sie erklärte ihm sogar die praktischen Details seiner eigenen Vorlieben, bis hin zu der Frage, wie sich der Wechsel zwischen analem und vaginalem Sex in sein sexuelles Spiel integrieren ließ und warum das Sauberlecken seines Penis zwar für ihn Teil dieses Spiels sein konnte, die medizinische Organisation aber trotzdem notwendig blieb.

Und sie erklärte ihm, dass zwischen ihm und dreißig Frauen zwingend ein Puffer stehen musste, damit deren Alltag nicht zu seinem Alltag wurde.

Damit wurde aus einer privaten Vorliebe eine organisatorische Aufgabe.

Aus einigen Schlafzimmern wurden ganze Wohnbereiche.

Aus einigen Angestellten wurden eigene Abteilungen.

Aus einem Pool wurden Freizeit- und Wellnessbereiche.

Aus gelegentlichen Arztbesuchen wurde medizinische Betreuung.

Aus einer Ansprechpartnerin wurde eine eigene Schnittstelle zwischen Hugo und den Frauen.

Aus vier oder fünf Frauen wurden zwanzig bis dreißig.

Und aus einem großen Haus wurde ein Compound.

Später würden Architekten Grundrisse zeichnen, Sicherheitsleute Personalstärken berechnen, Ärzte Versorgungsabläufe planen und Verwalter ganze Abteilungen organisieren. Hugos zunehmende Störung würde die Anlage zusätzlich vergrößern und immer stärker nach innen orientieren.

Doch der erste Schritt dazu geschah lange vorher.

Hugo war nach Prag gekommen, weil er seine bisherige Lebensweise aus Monaco nach Uruguay übertragen wollte.

Hanna erklärte ihm, dass das nicht möglich war.

Er musste sie neu bauen.

Der entscheidende Gedanke, aus dem Bellaventra schließlich entstand, kam deshalb nicht von einem Architekten und nicht aus Montevideo.

Er kam von Hanna Dvořáková in Prag.

Sie machte Hugo klar, dass er für das Leben, das er wollte, nicht einfach ein großes Haus brauchte.

Er brauchte eine eigene Welt.

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