Bellaventra ist ein fiktionales Buchprojekt.
Diese Website dient als Storyboard und Arbeitsarchiv für die Handlung, Figuren, Schauplätze und Hintergründe des Romans.
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Die Bedeutung des Firmensymbols
Das Firmensymbol zeigt in stark vereinfachten Linien den Bauch und die Taille einer Frau – jene Körperpartie, die für Hugo Voss Schönheit, Disziplin und Eigenverantwortung miteinander verbindet.
Seine persönliche Überzeugung fasst er in einem Satz zusammen:
„Das Gesicht einer schönen Frau ist ein Geschenk Gottes. Ihren Bauch formt sie selbst.“
Damit unterscheidet Hugo zwischen dem angeborenen Äußeren und dem, was ein Mensch durch eigenen Willen, Ausdauer und Selbstdisziplin aus sich macht. Der schlanke, fein definierte Bauch steht deshalb nicht nur für sein persönliches Schönheitsideal, sondern zugleich für Kontrolle, Konsequenz und die bewusste Gestaltung des eigenen Lebens.
Darüber hinaus besitzt der Frauenbauch eine universelle Bedeutung: In ihm beginnt neues Leben. Er steht für Geburt und Zukunft, für Wachstum, Erneuerung und die Weitergabe des Lebens an die nächste Generation.
Die goldenen Linien verkörpern Wert, Schöpfung und Entwicklung. Der dunkle Teil des Kreises steht für Widerstand, Unsicherheit und das noch Unbekannte. Gemeinsam bilden beide Seiten einen nicht vollständig geschlossenen Kreis: Das Leben und auch das Unternehmen sind niemals abgeschlossen, sondern befinden sich in fortwährender Bewegung.
So verbindet das Symbol Hugos privates Schönheitsideal mit den Grundgedanken seines Unternehmens: Disziplin, Wachstum, Leben und Zukunft.
Plot Handlung – vollständige zusammengeführte Fassung
Hugo Voss – der Anfang
Hugo Voss fällt bereits sehr früh durch seine ungewöhnliche Fähigkeit auf, große Mengen an Informationen aufzunehmen, miteinander zu verbinden und sich über lange Zeit nahezu vollständig auf ein bestimmtes Thema zu konzentrieren.
Was später als seine sensorische Reizverarbeitungsstörung, SOR, sein gesamtes Leben immer stärker einschränken wird, ist in seiner Jugend noch wesentlich schwächer ausgeprägt. Damals bringt ihm diese Besonderheit teilweise sogar Vorteile.
Wenn ihn ein Thema interessiert, kann Hugo sich darin regelrecht verlieren. Zahlenkolonnen, Unternehmensberichte, Bilanzen, Kursentwicklungen und wirtschaftliche Zusammenhänge beschäftigen ihn stundenlang, ohne dass seine Konzentration wesentlich nachlässt.
Mit ungefähr 15 Jahren beginnt er, sich intensiv mit Unternehmen und der Börse auseinanderzusetzen.
Er liest Geschäftsberichte und versucht zu verstehen, weshalb Märkte manche Unternehmen vollkommen anders bewerten, als es aufgrund ihrer wirtschaftlichen Zahlen für ihn sinnvoll erscheint.
Mit 16 geht Hugo einen ungewöhnlichen Schritt.
Er schreibt Investmentbanken an und schickt eigene Unternehmensanalysen mit.
Zunächst nimmt einen Jugendlichen kaum jemand besonders ernst.
Einige seiner Analysen sind jedoch so ungewöhnlich präzise, dass man auf ihn aufmerksam wird.
Schließlich landet Hugo bei der Deutschen Bank.
Dort zeigt sich schnell, worin sein eigentliches Talent besteht.
Hugo kann die Zukunft nicht vorhersagen.
Er erkennt Widersprüche.
Wenn Unternehmenszahlen, Erwartungen und Börsenbewertungen nicht zusammenpassen, beschäftigt er sich mit diesem Unterschied so lange, bis er glaubt verstanden zu haben, wodurch die Fehlbewertung entsteht.
Hugo liegt dabei keineswegs immer richtig.
Das ist für seine spätere Geschichte entscheidend.
Er trifft Fehlentscheidungen.
Er verliert Geld.
Er schätzt einzelne Unternehmen oder Entwicklungen falsch ein.
Seine Trefferquote ist trotzdem ungewöhnlich hoch, insbesondere dann, wenn Märkte in extreme Euphorie oder extreme Angst geraten.
Irgendwann verlässt Hugo die Deutsche Bank.
Von diesem Zeitpunkt an arbeitet er ausschließlich für sich selbst.
Er gründet keinen öffentlichen Investmentfonds und sammelt kein Geld fremder Anleger ein.
Hugo handelt mit seinem eigenen Vermögen.
Zusätzlich nimmt er Kredite bei Banken auf und nutzt vorhandene Vermögenswerte und Wertpapiere als Sicherheiten.
Dadurch kann er Positionen eingehen, die erheblich größer sind als sein jeweils frei verfügbares Bargeld.
Gewinnt er, gehört der Gewinn ihm.
Verliert er, trägt er auch den Verlust selbst.
Der Neue Markt und EM.TV
Der entscheidende erste große Vermögensaufbau erfolgt während des Booms des Neuen Marktes.
Hugo erkennt früh die enorme Euphorie um Technologie-, Medien- und Internetunternehmen.
Zunächst stellt er sich überhaupt nicht gegen diese Entwicklung.
Im Gegenteil.
Er verdient gewaltig daran.
Eines der wichtigsten Unternehmen für seinen Aufstieg wird EM.TV.
Hugo beteiligt sich früh und profitiert massiv von den steigenden Kursen.
Je höher die Bewertung steigt, desto größer wird sein Vermögen.
Irgendwann beginnt jedoch genau das, was später typisch für Hugo wird.
Er verändert seine Meinung.
Für ihn besteht kein Widerspruch darin, ein Unternehmen zunächst für eine hervorragende Investition und einige Jahre später für vollkommen überbewertet zu halten.
Hugo besitzt keine emotionale Loyalität gegenüber einer Aktie.
Als sich die Bewertung von EM.TV seiner Ansicht nach immer weiter von der wirtschaftlichen Realität entfernt, beginnt er auszusteigen.
Schließlich wechselt er vollständig die Seite.
Aus dem Investor, der am Aufstieg verdient hat, wird der Spekulant, der auf den Niedergang setzt.
Als EM.TV und große Teile des Neuen Marktes zusammenbrechen, verdient Hugo ein zweites Mal.
Er verdient zunächst an steigenden und anschließend an fallenden Kursen.
Dieser Vorgang prägt sein Denken dauerhaft:
Eine Aktie ist für Hugo keine Überzeugung.
Sie ist eine Bewertung zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Mit dem Zusammenbruch des Neuen Marktes wächst sein Vermögen erheblich.
Gleichzeitig entsteht seine Reputation als jemand, der Euphorien erkennt und irgendwann bereit ist, gegen sie zu wetten.
2001 – die Rezessionswette
Nach dem Platzen der Technologieblase erwartet Hugo, dass die Probleme nicht auf Technologieaktien beschränkt bleiben.
Er rechnet mit einer allgemeinen Abschwächung der Weltwirtschaft.
Besonders anfällig erscheinen ihm Branchen, die stark davon abhängig sind, dass Menschen und Unternehmen weiterhin viel Geld ausgeben.
Dazu gehören insbesondere Tourismus und Fluggesellschaften.
Hugo beginnt deshalb entsprechende Positionen aufzubauen.
Seine Überlegung hat zu diesem Zeitpunkt nichts mit Terrorismus zu tun.
Er erwartet schlicht eine Rezession.
Dann kommt der 11. September 2001.
Die Terroranschläge verändern die Situation dramatisch.
Die Aktienmärkte geraten unter Druck.
Fluggesellschaften und Tourismusunternehmen werden besonders schwer getroffen.
Und Hugo besitzt bereits die passenden Positionen.
Er verdient erneut Milliarden.
Diesmal erzeugt sein Erfolg jedoch nicht nur Bewunderung.
Er erzeugt Verdacht.
Hamburg, Mohamed Atta und der erste amerikanische Verdacht
Hugo stammt aus Hamburg.
Mohamed Atta, einer der zentralen Attentäter des 11. September, hatte ebenfalls in Hamburg gelebt und gehörte zur später sogenannten Hamburger Zelle.
Hugo lebt zu diesem Zeitpunkt längst in Monaco.
Er kennt Atta nicht.
Er kennt dessen Umfeld nicht.
Er hatte keinerlei Kenntnis von den Anschlägen.
Aus amerikanischer Sicht sieht die Geschichte trotzdem zunächst auffällig aus.
Ein deutscher Investor aus Hamburg positioniert sich vor dem 11. September gegen Fluggesellschaften und Tourismusunternehmen und verdient anschließend Milliarden.
Amerikanische Behörden beginnen deshalb, sich für Hugo zu interessieren.
Seine Handelsgeschäfte werden rekonstruiert.
Kontakte werden überprüft.
Kommunikationsverbindungen werden untersucht.
Mitarbeiter und Geschäftspartner geraten in den Blick.
Die Frage lautet:
Wusste Hugo vorher etwas?
Die Ermittlungen liefern darauf keine belastende Antwort.
Seine Positionen lassen sich wirtschaftlich erklären.
Hugo hatte bereits vorher mit einer weltweiten Abschwächung gerechnet.
Es findet sich keine Verbindung zu Atta oder zur Hamburger Terrorzelle.
Für ein Strafverfahren gibt es nichts.
Aber etwas Entscheidendes ist trotzdem geschehen:
Hugo Voss hat erstmals die Aufmerksamkeit amerikanischer Ermittlungsbehörden auf sich gezogen.
Sein Name verschwindet danach nicht mehr vollständig.
Enron und WorldCom
Noch bevor dieser Verdacht vollständig vergessen werden kann, liegt Hugo erneut spektakulär richtig.
Ende 2001 kollabiert Enron.
Hugo hatte Zweifel an der Bewertung und an der wirtschaftlichen Darstellung des Unternehmens entwickelt und entsprechend auf fallende Kurse gesetzt.
2002 folgt WorldCom.
Wieder hat Hugo sich vorher gegen das Unternehmen positioniert.
Damit entsteht innerhalb weniger Jahre eine auffällige Reihe:
Neuer Markt.
EM.TV – zuerst nach oben, dann nach unten.
Die wirtschaftliche Abschwächung 2001.
Enron.
WorldCom.
Hugo tätigt daneben viele andere Geschäfte.
Einige funktionieren hervorragend.
Andere nicht.
Er kauft Unternehmen und Wertpapiere und ist keineswegs ausschließlich Shortseller.
Aber seine spektakulären Treffer bleiben im Gedächtnis.
Damit entsteht die Frage, die Jahrzehnte später erneut zentral werden wird:
Ist Hugo Voss tatsächlich nur außergewöhnlich gut – oder weiß dieser Mann Dinge, die er eigentlich nicht wissen dürfte?
Ab 2002 – Uruguay wird wichtig
Parallel beginnt Hugo seine langfristige Verbindung zu Uruguay aufzubauen.
Er lebt weiterhin in Monaco.
Seine SOR-Probleme nehmen jedoch deutlich zu.
Reisen, Menschenmengen, visuelle Eindrücke und unkontrollierbare Situationen belasten ihn immer stärker.
Eine zentrale Rolle übernimmt deshalb Michael Schubert.
Michael ist Hugos rechte Hand.
Er besitzt sein volles Vertrauen, bereitet Entscheidungen vor, führt in seinem Auftrag Verhandlungen und kann aufgrund weitreichender Vollmachten auch Verträge unterschreiben.
Michael kennt Uruguay aus eigener Anschauung.
Er prüft dort Grundstücke und Unternehmen.
Er führt Gespräche mit Banken, Anwälten, Unternehmern und staatlichen Stellen.
Die grundlegenden Entscheidungen bleiben bei Hugo.
Michael kann sie vor Ort umsetzen, ohne dass Hugo selbst reisen muss.
Zwischen 2002 und 2004 investiert Hugo rund eine Milliarde Euro unmittelbar in die uruguayische Wirtschaft.
400 Millionen Euro fließen in eine Bank.
300 Millionen Euro in Land- und Forstwirtschaft.
300 Millionen Euro in den Mobilfunksektor.
Diese Investitionen sind von seinem großen Bauprogramm getrennt.
Die Bildungsstiftung
Parallel gründet Hugo eine Stiftung, die zunächst mit ungefähr 25 Millionen Euro jährlich ausgestattet wird.
Der Zweck ist bewusst breit.
Sie soll Bildungsprojekte in Uruguay fördern und überall dort helfen, wo fehlende finanzielle Mittel Bildung verhindern.
Dazu gehören unter anderem Schulen, Lernmaterialien, Verpflegung, Stipendien und andere Bildungsangebote.
Zu diesem Zeitpunkt ist die Stiftung noch relativ klein.
Später wächst sie erheblich.
Bellaventra wird geplant
Parallel lässt Hugo in Uruguay einen Komplex planen, der weit mehr als ein neuer Wohnsitz werden soll.
Der ursprüngliche Kostenrahmen liegt bei knapp 3,7 Milliarden Euro.
Davon sind zunächst rund 1,7 Milliarden Euro für Bellaventra vorgesehen.
630 Millionen Euro für ungefähr ein Viertel des späteren Voss-Centers.
Weitere 1,3 Milliarden Euro für Wohnbereiche der Beschäftigten und die dazugehörige Infrastruktur.
Beim Voss-Center handelt es sich bewusst zunächst nur um den ersten Teil des späteren Gesamtprojekts.
Dieses erste Viertel bleibt bis zu Hugos Einzug 2006 der vorgesehene Bauumfang.
Die erheblichen Mehrkosten, die während der Bauphase entstehen, kommen nicht dadurch zustande, dass plötzlich das gesamte Voss-Center gebaut wird.
Vor allem Bellaventra selbst wird wesentlich größer und aufwendiger als ursprünglich kalkuliert.
Auch die Wohnbereiche der Beschäftigten und die technische Infrastruktur wachsen.
Bis zu Hugos Einzug 2006 steigt der Gesamtaufwand dieser Bereiche dadurch auf ungefähr sechs Milliarden Euro.
Bellaventra als nach innen gerichtete Welt
Bellaventra soll ausdrücklich nicht wie ein gigantischer freistehender Palast wirken.
Das Anwesen wird weitgehend nach innen orientiert.
Im Grundprinzip ähnelt es einem riesigen Riad.
Große Innenhöfe, Aufenthaltsbereiche und die eigentlichen privaten Räume öffnen sich zum Inneren.
Nach außen bleibt wesentlich weniger von der tatsächlichen Dimension des Komplexes sichtbar.
Ein Teil der Wohnhäuser der Beschäftigten wird unmittelbar um Bellaventra herum errichtet und bildet gleichzeitig einen Teil der äußeren Fassade und Abschirmung.
Wer von außen auf diesen Bereich blickt, sieht zunächst Wohnbebauung.
Erst dahinter liegt Hugos eigentliche private Welt.
Weitere Mitarbeiterhäuser setzen die Bebauung in der Umgebung fort.
Bellaventra steht dadurch nicht isoliert in einer offenen Landschaft, sondern ist Teil eines bewusst geplanten größeren Bereichs.
Zum Gesamtprojekt gehört eine umfangreiche technische Infrastruktur.
Straßen und Erschließung.
Kanalisation.
Kläranlagen.
Versorgungsanlagen.
Energieversorgung.
Klimasysteme.
Teile dieser Infrastruktur werden bereits so dimensioniert, dass Bellaventra und der entstehende Teil des Voss-Centers gemeinsam versorgt werden können.
Wohnungen für Bellaventras Beschäftigte
Die Mitarbeiterwohnungen sind klar von der Belegschaft des Voss-Centers zu unterscheiden.
Hugo baut keine allgemeine Wohnsiedlung für die Mitarbeiter seines Geschäftszentrums.
Die Wohnungen sind vor allem für Menschen bestimmt, deren Arbeit unmittelbar oder mittelbar mit Bellaventra zusammenhängt.
Hausangestellte.
Sicherheitskräfte.
Fahrer.
Gärtner.
Techniker.
Wartungskräfte.
Und andere Beschäftigte, die den gewaltigen privaten Komplex betreiben.
Dabei spielt die Herkunft keine Rolle.
Die Häuser sind ausdrücklich nicht nur für ausländische Mitarbeiter vorgesehen.
Auch uruguayische Beschäftigte können dort wohnen.
Entscheidend ist ihre Tätigkeit für Bellaventra.
Das Wohnangebot dient auch nicht dazu, niedrige Gehälter auszugleichen.
Hugo zahlt seine Beschäftigten sehr gut.
Die Wohnungen sind eine zusätzliche Möglichkeit, unmittelbar beim Arbeitsplatz in modernen und vollständig erschlossenen Häusern zu leben.
2006 – der reichste Mann der Welt zieht nach Uruguay
Während Bellaventra entsteht, wächst Hugos Vermögen weiter.
2006 gilt er öffentlich mit einem geschätzten Vermögen von ungefähr 44,4 Milliarden Euro als reichster Mann der Welt.
Diese öffentliche Schätzung beruht nur auf bekannten und von außen bewertbaren Vermögenswerten.
Sein tatsächliches Vermögen liegt höher.
Dadurch verändert sich die Bedeutung seines Umzugs nach Uruguay.
Es zieht nicht einfach ein weiterer reicher Europäer nach Südamerika.
Der öffentlich reichste Privatmann der Welt entscheidet sich, dort dauerhaft zu leben.
Und er hat bereits Jahre vorher erhebliche Summen im Land investiert.
Die Übersiedlung nach Bellaventra
Für Hugo selbst ist diese Übersiedlung alles andere als glamourös.
Seine SOR-Probleme sind inzwischen so stark, dass selbst vollständig organisierte Privatreisen eine enorme Belastung darstellen.
Mit seinem Airbus ACJ319 und seinem Airbus ACJ340-500 können Kontakte, Wartezeiten und unkontrollierbare Abläufe zwar stark reduziert werden.
Die Reizbelastung der Reise verschwindet trotzdem nicht.
Bei seiner Ankunft in Uruguay ist Hugo körperlich und geistig vollkommen erschöpft.
Er bricht zusammen.
Er wird unmittelbar nach Bellaventra gebracht.
Damit beginnt ein neuer Abschnitt seines Lebens.
Bellaventra ist inzwischen genau für die Lebensweise geschaffen, die Hugo benötigt.
Wohn- und Arbeitsräume.
Freizeitbereiche.
Spa und Wellness.
Versorgung.
Personal.
Sicherheit.
Die nach innen gerichteten Höfe ermöglichen ihm Aufenthalt im Freien, ohne dass er sich der öffentlichen Außenwelt aussetzen muss.
Nach seiner Übersiedlung verlässt Hugo Bellaventra praktisch nicht mehr.
So entsteht der zentrale Gegensatz:
Der reichste Mann der Welt zieht nach Uruguay – und verschwindet hinter Bellaventras Fassaden.
Hugos zunächst verborgenes Privatleben
Auch sein persönliches Umfeld bleibt weitgehend verborgen.
Die Frauen, die mit Hugo in Bellaventra leben, treten außerhalb des Anwesens nicht öffentlich als seine Partnerinnen auf.
Wenn sie beispielsweise nach Montevideo fahren und Kleidung, Schuhe, Taschen, Schmuck oder Parfüm kaufen, sind sie für Außenstehende normalerweise nicht als Teil von Hugos privatem Umfeld zu erkennen.
Michael Schubert bleibt das entscheidende Bindeglied zur Außenwelt.
Er ersetzt Hugo nicht.
Er führt kein eigenes Imperium.
Er bleibt Hugos rechte Hand.
2007 – Bellaventra fliegt auf
2007 ist Hugo 32 Jahre alt und besitzt ein Privatvermögen von ungefähr 57,5 Milliarden Euro.
Über sein Privatleben ist nahezu nichts bekannt.
Besonders die 41 Schlafzimmer Bellaventras sorgen immer wieder für Spekulationen.
Manche erklären sie mit seinem internationalen Geschäft.
Andere glauben nicht, dass dies die ganze Wahrheit ist.
Dann wird von außen bekannt, was tatsächlich hinter einem großen Teil dieser Schlafzimmer steckt.
Die Spur nach Prag
Der Leak kommt nicht aus Bellaventra.
Die Beschäftigten in sensiblen Bereichen haben weitreichende Verschwiegenheitsvereinbarungen unterschrieben.
Hugos Sicherheitsapparat kontrolliert Zugänge, Informationswege und die Einhaltung dieser NDAs.
Journalisten stoßen stattdessen außerhalb Uruguays auf eine gemeinsame Verbindung.
Die Frauen, die für Hugos privaten Bereich nach Bellaventra kommen, werden über dieselbe Agentur in Prag vermittelt.
Sie stammen unter anderem aus Tschechien, Belarus, Russland und der Ukraine.
Einige haben bereits im Adult-Bereich gearbeitet.
Andere nicht.
Offiziell werden jedoch alle als Pornodarstellerinnen beschäftigt.
Dafür hat Hugo eigens eine Gesellschaft aufbauen lassen.
Die Scheinfirma und die Verträge
Formal handelt es sich um eine Adult-Filmproduktion.
Tatsächlich ist die Gesellschaft weitgehend eine Scheinfirma.
Es entstehen nur wenige Filme.
Einen normalen öffentlichen Vertrieb gibt es praktisch nicht.
Hugo selbst übernimmt beziehungsweise kauft das produzierte Material.
Die Gesellschaft soll nicht primär Geld verdienen.
Ihr Zweck besteht darin, die Frauen offiziell als Pornodarstellerinnen beschäftigen und ihre Tätigkeit eindeutig vertraglich festlegen zu können.
Bereits in Prag wird ihnen erklärt, was sie in Uruguay erwartet.
Die Verträge benennen ausdrücklich sexuelle Kontakte mit Hugo sowie sexuelle Handlungen zwischen den Frauen.
Vaginalverkehr.
Oralverkehr.
Analverkehr.
Diese Handlungen werden ausdrücklich aufgeführt.
Hugo will verhindern, dass später behauptet werden kann, jemand sei unter einem anderen Vorwand nach Uruguay gekommen oder habe erst in Bellaventra erfahren, worum es bei der Beschäftigung tatsächlich geht.
Die Frauen erhalten mehr als eine Million Euro netto im Jahr.
Zusätzlich steht ihnen ungefähr 120.000 Euro persönliches Budget für Kleidung, Accessoires und Parfüm zur Verfügung.
Steuern und Abgaben werden von Hugo beziehungsweise seinen Gesellschaften abgeführt.
Bellaventra als vollständig überwachte Wohnwelt
Die Adult-Produktion erfüllt für Hugo noch einen weiteren Zweck.
Hugo ist extrem misstrauisch.
Er will sein unmittelbares Umfeld möglichst vollständig kontrollieren können.
Die Frauen leben dauerhaft in Bellaventra.
Offiziell funktioniert der private Bereich dadurch ähnlich wie ein permanentes Adult-Big-Brother-Haus, in dem fortlaufend Material für die Produktion entstehen kann.
Dadurch kann nahezu der gesamte private Bereich mit Kameras überwacht werden.
Flure werden aufgezeichnet.
Gemeinschaftsräume werden aufgezeichnet.
Schlafzimmer werden aufgezeichnet.
Badezimmer werden aufgezeichnet.
Offiziell dient die Überwachung der Produktion von Filmmaterial.
Tatsächlich kann Hugo dadurch nahezu lückenlos nachvollziehen, was innerhalb seines privaten Bereichs geschieht.
Nur ein sehr kleiner Teil der Aufnahmen wird später zu fertigen Filmen verarbeitet.
Der überwiegende Teil bleibt intern.
Damit zeigt Bellaventra nicht nur Hugos sexuelles Privatleben.
Das System zeigt ebenso sein extremes Kontrollbedürfnis.
Die 41 Schlafzimmer
Nun wird auch die Aufteilung des Hauses verständlich.
Im privaten Schlaftrakt befinden sich 30 Schlafzimmer für die Frauen rund um einen großen Innenhof.
Dazu kommt Hugos eigenes Schlafzimmer beziehungsweise seine Suite.
Der private Schlaftrakt besitzt damit 31 Schlafzimmer.
Weitere zehn Gästesuiten liegen im vorderen Bereich und werden ähnlich wie ein privates Hotel geführt.
Dort wohnen Familie, Freunde, Geschäftspartner und andere Gäste.
Auch neu aus Prag ankommende Frauen werden zunächst in diesem Bereich untergebracht.
Sie durchlaufen zuerst das vorgesehene medizinische Aufnahmeverfahren mit wiederholten Untersuchungen auf sexuell übertragbare Infektionen und den vorgesehenen Wartezeiten.
Erst danach können sie in den eigentlichen privaten Schlaftrakt wechseln.
Damit wird 2007 erstmals öffentlich sichtbar, dass Bellaventra nicht einfach ein außergewöhnlich großer Wohnsitz ist.
Hinter den Fassaden existiert ein organisiertes System aus Vermittlung, Verträgen, Adult-Produktion, Kameraüberwachung und vollständiger Abschirmung.
2007 – der politische Skandal
Nach den Enthüllungen verlagert sich die Diskussion sehr schnell von Hugos Privatleben auf die Frage, wie Uruguay politisch mit ihm umgehen soll.
Nun wird eine Klausel wichtig, die Michael Schubert bereits bei Hugos Ansiedlung ausgehandelt hatte.
Bis zu 20 Prozent der Beschäftigten innerhalb von Hugos Organisation dürfen aus dem Ausland kommen.
Schubert hatte schon damals darauf bestanden, dass nicht abschließend festgelegt wird, welche Berufe darunterfallen.
Seine Begründung war bewusst breit.
Hugo könne internationale Analysten benötigen.
Händler.
Finanzexperten.
Ärzte.
Köche.
Butler.
Sicherheitsspezialisten.
Visagisten.
Oder andere hoch spezialisierte Beschäftigte.
Wenn Hugo für eine bestimmte Tätigkeit gezielt jemanden aus dem Ausland einsetzen will, sollte der Staat innerhalb dieses Kontingents nicht jedes Mal prüfen, ob dieselbe Arbeit auch von einem Uruguayer übernommen werden könnte.
2007 bekommt diese Regel plötzlich eine völlig andere politische Bedeutung.
Denn auch die Frauen aus Prag kommen über dieses System nach Uruguay.
Auch offiziell beschäftigte Pornodarstellerinnen fallen unter die Regel.
Damit wird aus dem Bellaventra-Skandal eine politische Affäre.
Die Forderung nach Hugos Ausreise
In Fernsehsendungen wird heftig darüber gestritten, ob Hugo überhaupt noch in Uruguay bleiben sollte.
Seine Gegner werfen ihm vor, dem internationalen Ansehen des Landes zu schaden.
Sein Frauenbild wird diskutiert.
Seine enorme wirtschaftliche Macht wird diskutiert.
Es wird gefragt, ob ein einzelner Mann sich mit Geld praktisch seine vollständig eigene Welt schaffen dürfe.
Einige Kommentatoren sprechen vom reichen, mächtigen weißen Mann, der glaube, sich alles erlauben zu können.
Andere stellen die Frage, welches gesellschaftliche Signal sein Lebensstil aussendet.
Es gibt offene Forderungen:
Hugo soll Uruguay verlassen.
Gleichzeitig entsteht eine Gegenbewegung.
Andere weisen darauf hin, dass gesellschaftliche Ablehnung allein keinen Rechtsbruch darstellt.
Die Frauen seien bereits in Prag über ihre Tätigkeit informiert worden.
Sie hätten Verträge unterschrieben.
Sie würden außerordentlich gut bezahlt.
Steuern und Abgaben würden entrichtet.
Und die Adult-Produktion sei ein legaler Geschäftszweig.
Damit wird die Diskussion grundsätzlicher:
Kann ein Rechtsstaat gegen jemanden vorgehen, weil große Teile der Öffentlichkeit dessen Lebensweise ablehnen, obwohl daraus nicht automatisch ein Gesetzesverstoß folgt?
Bondy, Michael und Hugos Schweigen
Frau Bondy versucht, die öffentliche Diskussion möglichst eng zu halten.
Sie bestätigt nur das, was ohnehin bekannt ist.
Die Gesellschaft existiert.
Die Frauen sind dort beschäftigt.
Die gesetzlichen und steuerlichen Verpflichtungen werden erfüllt.
Über Hugos persönliche Beziehungen und sein Sexualleben äußert sie sich nicht weiter als notwendig.
Michael Schubert hält sich ebenfalls aus der öffentlichen Diskussion über Hugos Privatleben heraus.
Er kümmert sich um Verträge.
Wirtschaftliche Fragen.
Kontakte zur Regierung.
Hugo selbst schweigt vollständig.
Er gibt keine Interviews.
Er bleibt in Bellaventra.
Damit endet 2007 mit zwei klaren Lagern.
Auf der einen Seite diejenigen, die Hugo für einen Skandal halten und wollen, dass er Uruguay verlässt.
Auf der anderen Seite diejenigen, die sagen, persönliche Abneigung sei kein ausreichender Grund, einen Menschen aus dem Land zu drängen.
Die Regierung befindet sich zwischen beiden Positionen.
Und sie weiß, dass die ursprüngliche 20-Prozent-Regel neu verhandelt werden muss.
2008 – Finanzkrise
2008 verschiebt sich die gesamte Diskussion um Hugo.
Noch immer wird über Bellaventra gestritten.
Dann beginnt die internationale Finanzkrise.
Der amerikanische Häusermarkt bricht ein.
Hugo hat sich frühzeitig massiv gegen diesen Markt positioniert.
Die Wette geht auf.
Sein Vermögen steigt 2008 auf ungefähr 93,1 Milliarden Euro.
Und sofort stellt sich erneut dieselbe Frage:
Woher wusste er das?
Die SEC ermittelt
Die SEC untersucht Hugos Geschäfte.
Besonders interessant wird dabei eine Reise Michael Schuberts durch die Vereinigten Staaten.
Michael war nicht allein unterwegs.
Er hatte Analysten dabei.
Und mehrere Mitarbeiter aus Hugos Sicherheitsdienst.
Dadurch entsteht ein neuer Verdacht.
Der Sicherheitsapparat ist eigentlich für Personenschutz, Abschirmung, Informationssicherheit und die Durchsetzung von Verschwiegenheitsvereinbarungen zuständig.
Auch Michael selbst steht unter Personenschutz.
Dass Sicherheitskräfte ihn begleiten, ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich.
In den Vereinigten Staaten bekommt die Sache jedoch eine andere Deutung.
Medien und Ermittler fragen, ob Hugos Sicherheitsdienst nicht nur schützt, sondern auch wirtschaftlich verwertbare Informationen beschafft.
Aus dem Sicherheitsapparat wird in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend ein angeblicher privater Nachrichtendienst.
Die zugespitzte Frage lautet:
Hat Hugo seinen eigenen Sicherheitsapparat benutzt, um börsenrelevante Informationen über den amerikanischen Immobilienmarkt zu sammeln?
Michael weist das zurück.
Die Sicherheitskräfte hätten lediglich ihn und die Analysten geschützt.
Die Marktanalyse selbst sei von Michael und den Finanzexperten durchgeführt worden.
Sie hätten Immobilienregionen besucht.
Kreditvergaben untersucht.
Preise mit Einkommen verglichen.
Und geprüft, welche Hypotheken überhaupt noch vergeben wurden.
Michaels Erklärung lautet:
Man musste nur hinsehen.
Die Blase sei offen sichtbar gewesen.
Die Ermittlungen suchen trotzdem weiter.
Nach internen Bankdaten.
Informanten.
Geheimen Kontakten.
Oder anderen Quellen, die erklären könnten, weshalb Hugo so konsequent gegen den Markt gewettet hatte.
Es findet sich nichts.
Uruguay gerät erneut unter Druck
Die amerikanischen Behörden bitten Uruguay um Unterstützung.
Damit bekommt die innenpolitische Auseinandersetzung eine neue Dimension.
Gerade erst hatte Uruguay über Bellaventra, die Frauen und die besonderen Regeln für ausländische Beschäftigte gestritten.
Jetzt steht die Frage im Raum, ob Uruguay einem der reichsten Menschen der Welt Schutz bietet, während amerikanische Behörden wegen möglicher Finanzdelikte ermitteln.
Hugos Gegner sehen sich bestätigt.
In Talkshows heißt es sinngemäß:
Erst Bellaventra.
Dann die Pornoproduktion.
Jetzt Finanzermittlungen.
Wie lange will Uruguay diesen Mann noch dulden?
Andere halten dagegen.
Es gebe Verdacht.
Aber keinen Beweis.
Und gleichzeitig verändert Hugo gerade seine wirtschaftliche Rolle im Land grundlegend.
Hugo geht in die Realwirtschaft
Bis dahin hat Hugo sein Vermögen vor allem als internationaler Wertpapierhändler aufgebaut.
2008 beginnt er, dieses Modell fundamental zu verändern.
Er kündigt an, ungefähr 100 Milliarden Euro in die weltweite Realwirtschaft zu investieren.
Nicht in kurzfristige Spekulationen.
Sondern in Unternehmen.
Beteiligungen.
Technologie.
Infrastruktur.
Und langfristige Geschäftsfelder.
Davon sollen zunächst ungefähr drei Milliarden Euro zusätzlich nach Uruguay fließen.
Gleichzeitig gibt Hugo den vollständigen Ausbau des Voss-Centers frei.
Bis dahin existiert nur der erste Teil des späteren Gesamtkomplexes.
Nun beginnt die nächste große Bauphase.
Hugo will jedoch nicht warten, bis alle Gebäude fertiggestellt sind.
Parallel zum Bau beginnt bereits die Rekrutierung.
Provisorische Büros und Ausbildungsbereiche werden eingerichtet.
Neue Beschäftigte werden eingestellt und geschult.
Wenn Hugo tatsächlich rund 100 Milliarden Euro weltweit investiert, benötigt er erheblich mehr Analysten, Kontrolleure, Fachleute und Führungskräfte.
Im vollständigen Voss-Center sollen rund 7.380 Mitarbeiter Platz finden.
Damit wächst Hugos direkte Beschäftigtenbasis in Uruguay langfristig auf ungefähr 23.000 Menschen.
Die 800-Ausländer-Regel
Nun wird auch die Frage der ausländischen Beschäftigten neu geregelt.
Die Regierung akzeptiert nicht, dass die ursprüngliche 20-Prozent-Regel unverändert weiterbesteht.
Es wird neu verhandelt.
Künftig dürfen maximal 800 ausländische Beschäftigte unter den besonderen Bedingungen nach Uruguay kommen.
Für 700 davon gelten stärkere Anforderungen.
Insbesondere bei ausländischen Führungskräften soll jeweils ein Uruguayer unterhalb der Position aufgebaut werden, damit Know-how und Verantwortung langfristig im Land bleiben.
Bei den letzten 100 Stellen bleibt Hugo hart.
Diese Positionen will er vollständig frei besetzen können.
Keine abschließende Berufsliste.
Keine Prüfung, ob dieselbe Aufgabe von einem Uruguayer übernommen werden könnte.
Darunter können Analysten fallen.
Ärzte.
Köche.
Butler.
Sicherheitsspezialisten.
Visagisten.
Oder andere besondere Fachkräfte.
Und ebenso die Frauen aus Prag.
Die Regierung akzeptiert schließlich diesen Kompromiss.
Hugo kann damit wesentliche Bestandteile seines bisherigen Systems behalten.
Bei zukünftigen Regeln und Personalstrukturen muss er gleichzeitig Zugeständnisse akzeptieren.
Zwei Milliarden Euro Boni
Während in Washington weiter ermittelt wird, entsteht in Uruguay eine immer stärkere Gegenbewegung zu Hugos Kritikern.
Tausende neue Arbeitsplätze werden angekündigt.
Der Ausbau des Voss-Centers beginnt.
Neue Mitarbeiter werden eingestellt, obwohl ihre späteren Büros noch gar nicht fertig sind.
Hinzu kommen hohe Gehälter.
Nach dem außergewöhnlich erfolgreichen Geschäft gegen den amerikanischen Immobilienmarkt lässt Hugo ungefähr zwei Milliarden Euro Boni ausschütten.
Diese Boni gehen nicht gleichmäßig an alle Mitarbeiter.
Vor allem Führungskräfte, Analysten und andere Beschäftigte, die an den erfolgreichen Entscheidungen beteiligt waren, erhalten große Summen.
Ein erheblicher Teil dieses Geldes bleibt anschließend in Uruguay.
Es wird in Immobilien investiert.
In Häuser.
Wohnungen.
Unternehmen.
Und Konsum.
Damit entsteht ein Effekt, der über Hugos eigenes Vermögen hinausgeht:
Nicht nur Hugos Geld verändert Uruguay.
Auch das Geld seiner Mitarbeiter tut es.
Die Bildungsstiftung wächst
Die Bildungsstiftung verfügt inzwischen über ungefähr 300 Millionen Euro jährlich.
Sie finanziert Stipendien.
Schulprojekte.
Bildungsreisen.
Programme für Schüler und Studenten.
Später auch Klassenfahrten, Ausbildungsprogramme und weitere Bildungsmaßnahmen.
Hugo macht ausdrücklich klar, dass dieses Budget keine endgültige Obergrenze ist.
Wenn sinnvolle Projekte vorhanden sind und mehr Geld benötigt wird, kann die Stiftung zusätzliche Mittel erhalten.
Für Hugos Gegner ist auch das problematisch.
Sie sehen darin einen immer stärkeren privaten Einfluss auf Bereiche, die eigentlich staatlich geprägt sein sollten.
Seine Unterstützer verweisen dagegen auf die konkreten Leistungen.
Demonstrationen für und gegen Hugo
Aus der Fernsehdebatte wird zunehmend eine gesellschaftliche Bewegung.
Es gibt Demonstrationen gegen Hugo.
Menschen fordern, Uruguay müsse sich von ihm distanzieren.
Inzwischen gibt es jedoch ebenfalls Demonstrationen für Hugo.
Beschäftigte.
Familienangehörige.
Zulieferer.
Menschen, die von seinen Investitionen profitieren.
Sie wollen, dass Hugo bleibt.
Nicht unbedingt, weil sie sein Privatleben verteidigen.
Sondern weil Hugo inzwischen zu einem wirtschaftlichen Faktor geworden ist.
Die Regierung muss deshalb zwei Dinge gleichzeitig tun.
Sie muss amerikanische Rechtshilfeersuchen prüfen.
Sie darf Hugo keinen Sonderstatus außerhalb des Rechts einräumen.
Gleichzeitig kann sie nicht ignorieren, dass immer mehr Menschen unmittelbar oder mittelbar von seinen Unternehmen abhängig sind.
Damit wird Hugo endgültig zu einem politischen und wirtschaftlichen Faktor, an dem sich das Land spaltet.
Ende 2008 – die entscheidende Frage verändert sich
Die amerikanischen Ermittlungen laufen weiter.
Ein Beweis für Insiderhandel oder illegale Informationsbeschaffung existiert nicht.
Der Verdacht bleibt trotzdem.
Der Sicherheitsapparat, der ursprünglich zur Abschirmung Bellaventras und zum Schutz Hugos aufgebaut wurde, wird in den Vereinigten Staaten zunehmend als möglicher privater Nachrichtendienst dargestellt.
Hugo reagiert darauf öffentlich nicht.
Er investiert.
Er baut das Voss-Center aus.
Er stellt Menschen ein.
Er zahlt Boni.
Dadurch beginnt sich die zentrale Frage in Uruguay zu verändern.
Es geht nicht mehr ausschließlich darum:
Soll Hugo bleiben?
Sondern zunehmend:
Was würde passieren, wenn Hugo tatsächlich ginge?
Ab 2009 – Hugo wird zum wirtschaftlichen Machtfaktor
Ab 2009 beginnt sich die Lage langsam zu beruhigen.
Nicht weil seine Kritiker verschwinden.
Sondern weil sein wirtschaftlicher Einfluss immer größer wird.
Die uruguayische Regierung hat mit ihm neue Regeln vereinbart.
Das Voss-Center wächst.
Die angekündigten Investitionen beginnen tatsächlich zu fließen.
Von den insgesamt vorgesehenen 100 Milliarden Euro investiert Hugo ungefähr 50 Milliarden Euro in den Vereinigten Staaten.
Das Geld geht in langfristige strategische Beteiligungen an großen Medienunternehmen, Internetkonzernen und damals stark wachsenden Social-Media-Unternehmen.
Dadurch entsteht auch mit den Vereinigten Staaten ein politisch brauchbarer Ausweg.
Die Ermittlungen gegen Hugo verschwinden nicht sofort.
Sie verlieren jedoch deutlich an Schärfe.
Insiderhandel oder illegale Informationsbeschaffung können nicht nachgewiesen werden.
Gleichzeitig fließt ein erheblicher Teil von Hugos Kapital in die amerikanische Wirtschaft.
Offiziell gibt es keine Strafe.
Kein Schuldeingeständnis.
Und keinen politischen Deal.
Faktisch kühlt der Konflikt jedoch langsam ab.
Hugos Mitarbeiter verändern Uruguay
Hugos wirtschaftliche Wirkung wird inzwischen auch außerhalb seiner eigenen Unternehmen sichtbar.
Er bezahlt seine Beschäftigten durchschnittlich ungefähr zehn Prozent besser als vergleichbare Arbeitgeber.
Hinzu kommen hohe Bonuszahlungen.
Dieses Geld wird zu einem erheblichen Teil in Uruguay ausgegeben oder investiert.
In Montevideo werden hochwertige Wohnungen gekauft.
Neue Villen entstehen.
Teile der Führungsspitze kaufen Ferienwohnungen oder Häuser in Punta del Este.
Restaurants profitieren.
Hochwertige Geschäfte profitieren.
Spezialisierte Dienstleister profitieren.
Damit entsteht neben Hugos eigenen Investitionen eine zweite wirtschaftliche Wirkung:
Nicht nur sein Kapital verändert das Land.
Auch das Einkommen seiner Beschäftigten tut es.
Lateinamerika
Uruguay bleibt das Zentrum von Hugos Aktivitäten in Lateinamerika.
Seine Beteiligungen wachsen jedoch über das Land hinaus.
Paraguay wird wichtig.
Kolumbien.
Ecuador.
Besonders Brasilien entwickelt sich aufgrund seiner Größe zu einem zentralen Markt.
In Argentinien bleibt Hugo dagegen auffällig zurückhaltend und investiert vergleichsweise wenig.
Weitere Beteiligungen entstehen in Panama, Mexiko und mehreren Ländern der Karibik.
Vom Voss-Center in Uruguay aus entsteht dadurch ein weit verzweigtes lateinamerikanisches Beteiligungsnetz.
Die gesellschaftliche Stimmung verändert sich
Die heftige Empörung von 2007 verliert mit der Zeit an Kraft.
Viele Menschen entwickeln eine pragmatische Haltung:
Soll Hugo in Bellaventra leben, wie er will.
Manche mögen ihn.
Manche hassen ihn.
Andere interessiert sein Privatleben kaum noch.
Der entscheidende Unterschied zu 2007 besteht darin, dass die Forderung, Hugo müsse Uruguay verlassen, zunehmend an Unterstützung verliert.
Inzwischen ist sichtbar, was wirtschaftlich an ihm hängt.
Arbeitsplätze.
Gute Gehälter.
Bonuszahlungen.
Unternehmensinvestitionen.
Immobilienprojekte.
Die Bildungsstiftung.
Zulieferer.
Neue Geschäfte und Dienstleistungen.
Neues Kapital.
Die Kritik wechselt vom Sexualleben zur Machtfrage
Gerade weil Hugo wirtschaftlich immer wichtiger wird, verändert sich die Kritik.
Es geht zunehmend weniger darum, was hinter Bellaventras Mauern geschieht.
Stattdessen lautet der Vorwurf:
Hugo wird zu mächtig.
Sein Einfluss reicht längst über einzelne Unternehmen hinaus.
Er wirkt auf den Arbeitsmarkt.
Den Immobilienmarkt.
Bildung.
Finanzierung.
Investitionsentscheidungen.
Die Kritik verschiebt sich damit vom persönlichen Skandal zur Machtfrage:
Wie viel Einfluss darf ein einzelner Privatmann auf ein Land entwickeln?
Hugos konkrete wirtschaftliche Macht
Hugo ist in Uruguay kein allumfassender Wirtschaftsherrscher.
In bestimmten Bereichen ist er jedoch eindeutig marktbestimmend beziehungsweise marktprägend.
Besonders stark ist er im Banken- und Finanzsektor.
Hier ist er der dominierende private Akteur.
Gerade diese Stellung wird zunehmend kritisch betrachtet, weil Banken, Finanzierung und Kapitalströme weit über einzelne Unternehmen hinausreichen.
Auch in der privaten Telekommunikation besitzt Hugo beziehungsweise besitzen seine Beteiligungen eine marktführende Stellung.
In der Hafenwirtschaft und Logistik kontrolliert er wichtige Bestandteile der privaten Infrastruktur.
In der Bauwirtschaft besitzt er große Konzerne und gehört zu den wichtigsten Akteuren des Landes.
Er ist dort jedoch ausdrücklich nicht der größte Anbieter.
Auch in der Lebensmittelverarbeitung hält er bedeutende Unternehmen und Beteiligungen.
Im Agrar- und Farmbereich hält er sich dagegen bewusst zurück.
Er besitzt zwar Flächen und Beteiligungen, versucht aber nicht, große Teile der Landwirtschaft selbst zu kontrollieren.
Feste Marktanteile in Prozent werden zunächst nicht festgelegt.
Dadurch bleibt die tatsächliche Größe der einzelnen Marktpositionen für spätere Handlungsentwicklungen flexibel.
2010 – Elisabeth stirbt
2010 stirbt Hugos Mutter Elisabeth.
Hugo reist nicht zur Beerdigung.
Das Verhältnis zu seinem Vater ist bereits vorher schlecht.
Sein Vater nimmt ihm das Fernbleiben endgültig übel.
Für Hugo bestand die entscheidende emotionale Bindung jedoch zu seiner Mutter.
Nach ihrem Tod sieht er keinen Grund, das schlechte Verhältnis zum Vater künstlich aufrechtzuerhalten.
Eine spätere Versöhnung findet nicht statt.
Uruguay als Schutzraum
Hugo entwickelt keine besonders romantische oder patriotische Bindung an Uruguay.
Er lebt dort, weil das Land ihm Sicherheit bietet.
Politische Stabilität.
Schutz.
Eine wirtschaftliche Basis.
Und einen Ort, an dem er sein aufgrund der SOR notwendiges abgeschottetes Leben führen kann.
Steinhöfels Strategie geht auf:
Hugo schafft so viele reale wirtschaftliche Bindungen, dass er für Uruguay selbst relevant wird.
Mit den Jahren entsteht selbstverständlich Vertrautheit mit dem Land.
Aber Uruguay bleibt für Hugo vor allem:
Schutzraum.
Lebensort.
Wirtschaftliche Basis.
Nicht seine große emotionale Heimat.
Hugo und die Regierung
Die uruguayische Regierung steht Hugo grundsätzlich positiv gegenüber.
Seine Investitionen, Unternehmen und Arbeitsplätze machen ihn zu einem Partner, den man im Land halten möchte.
Der normale politische Kontakt läuft jedoch überwiegend über Michael Schubert und Dr. Gonzalo.
Minister, Wirtschaftsvertreter und gelegentlich auch sehr hochrangige Regierungsvertreter können trotzdem persönlich nach Bellaventra kommen.
Dort finden vertrauliche Gespräche oder private Abendessen statt.
Große gesellschaftliche Veranstaltungen gibt es dort trotz des vorhandenen Ballsaals praktisch nicht.
Staatlicher Schutz und Misstrauen
Die Regierung besitzt inzwischen ein eigenes Interesse daran, dass Hugo nichts geschieht.
Ein Anschlag, eine Entführung oder ein plötzlicher Ausfall könnte wirtschaftliche Folgen für Unternehmen, Investitionen und Arbeitsplätze haben.
Gleichzeitig vertraut der Staat Hugo nicht uneingeschränkt.
Der wichtigste Grund ist sein privater Sicherheits- und Informationsapparat.
Politiker müssen davon ausgehen, dass Hugos Leute wesentlich mehr über wirtschaftliche und politische Akteure wissen könnten, als diesen angenehm ist.
Hugo verwendet dieses Wissen normalerweise nicht offen zur politischen Erpressung.
Er kontrolliert Politiker nicht systematisch mit kompromittierendem Material.
Sein Einfluss entsteht subtiler:
Alle wissen, dass Hugo viel weiß. Kaum jemand weiß genau, wie viel.
Diese Unsicherheit allein erzeugt Macht.
Die Regierung schützt ihn deshalb und beobachtet ihn gleichzeitig.
Hugo ist wirtschaftlich erwünscht, politisch akzeptiert und staatlich geschützt.
Sein privater Informationsapparat wird jedoch mit erheblichem Misstrauen betrachtet.
Medien und Öffentlichkeit
Hugo gibt keine Interviews.
Er äußert sich praktisch nie direkt gegenüber Journalisten.
Informationen laufen über die Presseabteilung, Michael Schubert und Bondy.
Dadurch bleibt Hugo trotz seiner enormen Bekanntheit persönlich außergewöhnlich unsichtbar.
Über seinen Alltag existieren nur wenige belastbare Informationen.
Bekannt ist vor allem, dass Menschen, die tatsächlich mit ihm umgehen, ihn häufig als höflich und respektvoll beschreiben.
Die strengen NDAs verhindern ansonsten weitgehend, dass Mitarbeiter öffentlich über Bellaventra sprechen.
Belastbare Innenaufnahmen existieren kaum.
Dadurch lebt die Berichterstattung teilweise von Gerüchten.
Wie lebt Hugo tatsächlich?
Wie viele Frauen leben dauerhaft bei ihm?
Wie sieht sein Tagesablauf aus?
Wie stark greift er persönlich in seine Unternehmen ein?
Wer hat unmittelbaren Zugang zu ihm?
Der Boulevard greift solche Spekulationen auf.
Seriöse Medien konzentrieren sich stärker auf Unternehmen, Investitionen, Übernahmen, Arbeitsplätze, Vermögen und wirtschaftlichen Einfluss.
Das Grundprinzip lautet:
Je bekannter Hugo wird, desto größer wird das öffentliche Interesse – aber desto weniger echte persönliche Informationen gibt es über ihn.
Michael Schubert
Michael Schubert wird wesentlich häufiger öffentlich wahrgenommen als Hugo.
Er verhandelt.
Er tritt auf.
Er vertritt Hugo gegenüber Regierungen und Unternehmern.
Er ist die sichtbare rechte Hand.
Michael ist jedoch ausdrücklich weder Finanzgenie noch außergewöhnlicher Manager.
Von komplexen Wertpapierstrategien versteht er nur begrenzt etwas.
Seine Stellung hat er nicht aufgrund außergewöhnlicher fachlicher Brillanz erreicht.
Hugo hat ihn bewusst dort eingesetzt.
Michaels Stärke liegt in seinem Auftreten und vor allem in seiner Loyalität.
Hugo weiß, dass Michael ihn nicht hintergeht.
Keine eigene Machtbasis gegen ihn aufbaut.
Und seine Interessen zuverlässig vertritt.
Ohne Hugo wäre Michael vermutlich niemals in eine vergleichbar mächtige Position gelangt.
Für Hugo ist das kein Nachteil.
Fachleute kann er einstellen.
Uneingeschränktes Vertrauen kann er nicht kaufen.
Michael wird selbst Milliardär und finanziell vollständig unabhängig.
Er arbeitet für Hugo, weil er es will und weil zwischen beiden seit Jahrzehnten ein außergewöhnliches Vertrauensverhältnis besteht.
Der engste Kreis
Hugo möchte aufgrund seines extremen Vermögens gerade keine engsten Vertrauten, die vollständig finanziell von ihm abhängig sind.
Der feste geschäftliche Kern besteht aus:
acht Spekulanten beziehungsweise langjährigen Spitzenleuten,
Michael Schubert,
und Hugos langjähriger Sekretärin.
Damit umfasst dieser Kreis zehn Personen.
Alle zehn werden im Laufe ihrer Zusammenarbeit mit Hugo selbst Milliardäre.
Michael bleibt innerhalb dieses Kreises Hugos eigentlicher persönlicher Freund.
Die übrigen sind langjährige Vertraute, Geschäftsfreunde und enge Bekannte.
Hugo braucht keinen großen Freundeskreis.
Er ist gern allein und verbringt einen erheblichen Teil seines Privatlebens innerhalb Bellaventras.
Hugos Sekretärin
Hugos langjährige Sekretärin besitzt eine besondere Stellung.
Sie begleitet ihn bereits über London, Hongkong und Monaco bis nach Uruguay.
Sie kontrolliert seinen Tagesablauf.
Organisiert persönlichen Zugang.
Besitzt weitreichende Vollmachten und Kontovollmachten.
Und übernimmt große Teile seiner persönlichen Verwaltung.
Zwischen ihr und Hugo besteht kein sexuelles Verhältnis.
Ihre Beziehung bleibt persönlich-professionell und von außergewöhnlichem Vertrauen geprägt.
2012 bis 2016 – Hugo wird zu groß, um ignoriert zu werden
Seine Unternehmen und seine Realwirtschaft erreichen inzwischen eine Größenordnung, bei der regelmäßig diskutiert wird, ob Uruguay zu abhängig von ihm geworden ist.
Gleichzeitig profitieren sehr viele Menschen unmittelbar oder mittelbar von seinen Unternehmen.
Arbeitnehmer können ihn sehr positiv sehen.
Seine Unternehmen bezahlen gut.
Zahlen Boni.
Schaffen langfristige Arbeitsplätze.
Traditionelle Unternehmer betrachten seine Finanzkraft dagegen zunehmend als Bedrohung.
Linke und gewerkschaftliche Gruppen kritisieren die Konzentration von Vermögen und wirtschaftlicher Macht.
Konservative und katholische Kreise kritisieren weiterhin Bellaventra und sein Privatleben.
Wirtschaftsliberale Kreise feiern gleichzeitig seine Investitionen.
Für einen großen Teil der Bevölkerung können beide Gedanken nebeneinander existieren:
„Sein Privatleben finde ich verrückt, aber wirtschaftlich ist der Mann gut für das Land.“
Hugo wird dadurch weder zum Volkshelden noch zum klassischen Oligarchen.
Er wird zu einer wirtschaftlichen Institution mit Kultstatus und Misstrauensfaktor.
Je größer Hugo wirtschaftlich wird, desto populärer wird er bei einem Teil der Bevölkerung – und desto beunruhigender wird er für Politik, traditionelle Wirtschaftseliten und seine Gegner.
Ab 2016 – die Nachfolgefrage
Ab ungefähr 2016 ist Hugo praktisch eine uruguayische Institution.
Nicht jeder mag ihn.
Aber niemand aus Politik, Wirtschaft oder Medien kann ihn ignorieren.
Nun taucht zunehmend eine neue Frage auf:
Was kommt nach Hugo?
Für Hugo selbst ist diese Frage bereits beantwortet.
Philipp.
Philipp als Haupterbe
Hugo betrachtet Philipp als seinen Haupterben und späteren Nachfolger.
Das ist für ihn keine offene Entscheidung.
Philipp ist sein Neffe.
Der Sohn seines verstorbenen Bruders.
Hugo betrachtet seine Stellung als Geburtsrecht.
Er sucht deshalb keinen besseren Kandidaten.
Er veranstaltet keinen Wettbewerb.
Er fragt nicht, ob ein anderer Manager geeigneter wäre.
Die Frage lautet nicht, ob Philipp übernimmt.
Sondern wie er auf diese Aufgabe vorbereitet wird.
Philipp soll die Realwirtschaft übernehmen
Philipp soll nicht zum zweiten Hugo als Wertpapierspezialist werden.
Die Wertpapierseite bleibt stärker bei Hugo und den bestehenden Spezialisten.
Philipps Aufgabe liegt vor allem in der Realwirtschaft.
Unternehmen.
Beteiligungen.
Operative Vermögenswerte.
Manager.
Politische Ansprechpartner.
Dafür läuft Philipp zunächst eng bei Michael Schubert mit.
Er begleitet Gespräche.
Verhandlungen.
Unternehmensbesuche.
Treffen mit Managern.
Politische Kontakte.
Parallel erklärt Hugo ihm, wie das gesamte System funktioniert.
Philipp darf Fehler machen
Hugo gibt Philipp bewusst große Freiheit.
Er soll eigene Entscheidungen treffen.
Und Fehler machen dürfen.
Hugo geht davon aus, dass die ersten Geschäfte durchaus schiefgehen können.
Für ihn wäre es eher ungewöhnlich, wenn Philipp von Beginn an alles richtig machen würde.
Fehler sind Teil seiner Ausbildung.
Philipp wird deshalb anders behandelt als ein gewöhnlicher Manager.
Hugo sagt ihm trotzdem klar, wenn eine Entscheidung falsch war.
Aber er schützt ihn nicht vor jedem Fehler.
Michael und Philipp
Michael akzeptiert Philipps spätere Nachfolge vollständig.
Er sieht ihn nicht als Konkurrenten.
2016 sind Hugo und Michael beide ungefähr 41 Jahre alt.
Es existiert keinerlei unmittelbarer Zeitdruck.
Michael geht davon aus, dass Philipp mindestens zehn bis fünfzehn Jahre benötigen wird, um Unternehmen, Beteiligungen, Strukturen, Manager und politische Kontakte vollständig zu verstehen.
Bis dahin unterstützt er ihn.
Er nimmt Philipp mit.
Er erklärt Zusammenhänge.
Er überträgt Aufgaben.
Er lässt ihn ebenfalls Fehler machen.
Philipp wird dadurch nicht automatisch Michaels direkter Vorgesetzter.
Solange Hugo aktiv bleibt, bestehen ihre Verantwortungsbereiche nebeneinander.
Michael ist selbst Milliardär und wirtschaftlich unabhängig.
Sollte Hugo sich später zurückziehen und die Zusammenarbeit mit Philipp nicht funktionieren, könnte Michael jederzeit gehen.
Hugo und Philipp persönlich
Hugo und Philipp besitzen ein ruhiges, stabiles Verhältnis.
Sie stehen sich nahe, ohne ständig emotional oder überschwänglich miteinander umzugehen.
Philipp kann jederzeit zu Hugo kommen.
Sie können gemeinsam essen.
Ein Asado machen.
Über Unternehmen sprechen.
Oder einfach Zeit miteinander verbringen.
Privates wird ebenfalls besprochen, aber eher direkt.
Hugo gibt seine Meinung häufig sehr klar und gelegentlich ungefragt.
Trotzdem versucht er nicht, Philipps gesamtes Leben zu kontrollieren.
Gerade weil Philipp sein Nachfolger werden soll, muss er lernen, eigene Entscheidungen zu treffen.
Philipp respektiert Hugo sehr.
Er idealisiert ihn jedoch nicht.
Er kennt dessen Eigenheiten.
Sein schwieriges Frauenbild.
Und seinen außergewöhnlichen Lebensstil.
Er übernimmt deshalb keineswegs alles davon.
Anna
Anna stammt aus einer alteingesessenen, wohlhabenden Familie aus dem ländlichen Uruguay.
Ihre Familie besitzt seit Generationen Land und gehört zu den traditionellen gesellschaftlichen Kreisen des Landes.
Anna wächst entsprechend behütet auf.
Sie reitet seit ihrer Kindheit und verbringt einen großen Teil ihrer Jugend auf dem Familienbesitz.
Später besucht sie ein Mädcheninternat in Montreux in der Schweiz.
Dort erhält sie eine internationale und gesellschaftlich geprägte Ausbildung.
Sprachen.
Kultur.
Umgangsformen.
Auftreten.
Und die Vorbereitung darauf, später einen großen Haushalt mit Personal führen und sich selbstverständlich in gehobenen Kreisen bewegen zu können.
Ihre Familie ist wohlhabend.
Aber ihr Reichtum bewegt sich in einer vollkommen anderen Dimension als Hugos Vermögen.
Anna begegnet Philipp
Mit ungefähr 17 Jahren lernt Anna den rund 30-jährigen Philipp zufällig in einem Café kennen.
Anna weiß sofort, wer Philipp ist.
Er ist zu diesem Zeitpunkt bereits Milliardär und wird öffentlich als Hugos vorgesehener Nachfolger wahrgenommen.
Die beiden begegnen sich anschließend mehrfach.
Daraus entwickelt sich eine Beziehung.
Anna verliebt sich ernsthaft in Philipp.
Später möchte sie ihn heiraten.
Hugo ist gegen die Ehe
Für Hugo wird die Beziehung spätestens dann zum Problem, als eine Ehe im Raum steht.
Sein Hauptproblem ist zunächst nicht Anna persönlich.
Hugo hält Ehe grundsätzlich für einen Fehler.
Für ihn ist Philipp jung.
Reich.
Unabhängig.
Frei.
Er versteht nicht, weshalb sein Neffe diesen Zustand freiwillig durch eine dauerhafte Bindung an eine Frau einschränken möchte.
Hugo versucht deshalb, ihm die Ehe auszureden.
Da Philipp sein vorgesehener Haupterbe ist, wird Anna gleichzeitig im Hintergrund durch Hugos Sicherheits- und Informationsapparat überprüft.
Ihre Familie.
Das Familienvermögen.
Ihr Umfeld.
Ihre Vergangenheit.
Hugos Frauenbild
Philipp kennt Hugos Frauenbild sehr genau.
Für Hugo besitzt die sexuelle Vergangenheit einer Frau eine enorme Bedeutung.
Er betrachtet sexuelle Unberührtheit als etwas, das nach seiner Vorstellung nur ein einziges Mal vergeben werden kann.
Damit verbindet er Begriffe wie:
Reinheit.
Sauberkeit.
Wertigkeit.
Seine Mutter Elisabeth und seine Schwester Svenja stehen vollständig außerhalb dieses Maßstabes.
Fremde Frauen beurteilt Hugo dagegen teilweise danach, ob er sie in seinem eigenen Denken als „sauber“ oder „verdorben“ betrachtet.
Anna erfährt von dieser Haltung durch Philipp.
Anna konfrontiert Hugo
Anna wartet nicht darauf, dass Philipp den Konflikt allein löst.
Sie sucht selbst das Gespräch mit Hugo.
Sie sagt ihm direkt, dass sie Jungfrau ist.
Sie hatte zuvor keinen Freund.
Keine sexuelle Beziehung.
Und nach ihrer eigenen Aussage noch nicht einmal einen anderen Mann geküsst.
Sie weiß genau, dass diese Information innerhalb von Hugos persönlichem Wertesystem Bedeutung besitzt.
Für Hugo verändert das seine Einschätzung.
Anna ist jung.
Sie stammt aus einer angesehenen Familie.
Sie ist finanziell unabhängig.
Und sie entspricht innerhalb seiner Denkweise genau der Frau, die er selbst als „sauber“ bezeichnet.
Hugo bleibt grundsätzlich gegen eine Ehe.
Aber sein Widerstand gegen Anna persönlich bricht weitgehend zusammen.
Anna und Philipp heiraten schließlich.
Anna und die Kinder
Später bekommen Anna und Philipp drei Kinder.
Eine Tochter.
Zwei Söhne.
Damit verändert sich Annas Stellung für Hugo erneut.
Sie ist nicht mehr nur Philipps Ehefrau.
Sie ist die Mutter der Kinder seines Haupterben.
Für Hugo sind diese Kinder die nächste Generation seiner Familie.
Damit bekommt Anna eine Stellung, die kaum eine andere Person in seinem Leben besitzt.
Anna verabscheut Bellaventra
Anna entwickelt mit den Jahren eine immer stärkere Abneigung gegen Bellaventra.
Sie verabscheut Hugos privates Leben dort.
Intern bezeichnet sie den Komplex als „Privatpuff“ oder als „Sodom und Gomorra Südamerikas“.
Für sie ist es eine Katastrophe, dass ihr eigener Name und später auch die Namen ihrer Kinder ständig mit diesem Ort verbunden werden.
Trotzdem besucht sie Bellaventra.
Hugo gehört zur Familie.
Philipp besitzt eine Beziehung zu ihm.
Später tun es auch die Kinder.
Da Hugo Bellaventra nicht verlässt, kann Anna ihn nicht einfach in ihre eigene Welt holen.
Nicht in die Oper.
Nicht auf gesellschaftliche Veranstaltungen.
Wenn sie Zeit mit Hugo verbringen möchte, muss sie zu ihm kommen.
Gerade das verstärkt ihre Abneigung gegen den Ort.
Annas Verlust von Freiheit
Anfangs faszinieren Anna Teile der Welt rund um die Familie Voss durchaus.
Reichtum.
Privatflugzeuge.
Große Häuser.
Außergewöhnliche Möglichkeiten.
Mit zunehmendem Alter verändert sich ihre Wahrnehmung.
Das eigentliche Problem wird für sie nicht das Geld.
Sondern der Verlust von Freiheit und Privatsphäre.
Durch ihre Ehe mit Philipp wird sie selbst zu einer öffentlichen Person.
Fotografen interessieren sich für sie.
Journalisten beobachten sie.
Menschen fragen sie nach Hugo.
Nach Bellaventra.
Nach den Beziehungen innerhalb der Familie.
Anna hasst es, ständig über Hugo definiert zu werden.
Noch stärker belastet sie Hugos Sicherheitsapparat.
Sicherheitsfahrzeuge bewegen sich vor und hinter ihr.
Leibwächter sind ständig in ihrer Nähe.
Auch die Kinder wachsen mit Personenschutz auf.
Was Hugo als notwendigen Schutz der Familie betrachtet, empfindet Anna zunehmend als Gefängnis.
Hugo kann Anna finanziell nicht kontrollieren
Anna stammt selbst aus einer wohlhabenden Familie.
Philipp ist aufgrund von Hugos früheren Vermögensübertragungen längst Milliardär.
Selbst wenn Hugo ihnen keinen weiteren Euro geben würde, wären Anna und ihre Kinder außerordentlich reich.
Anna weiß das.
Sie braucht Hugos Geld nicht.
Dadurch kann sie wesentlich direkter mit ihm sprechen als fast alle anderen Menschen in seinem Umfeld.
2017 – der zweite Bellaventra-Skandal
Im Zuge der #MeToo-Debatte ab 2017 wird die alte Geschichte um Bellaventra erneut aufgegriffen.
Diesmal verläuft die Berichterstattung völlig anders als 2007.
Beim ersten großen Skandal standen Verträge, Legalität und die Frage im Mittelpunkt, ob die Frauen wussten, worauf sie sich einließen.
Ab 2017 interessiert die Öffentlichkeit wesentlich stärker, wie das Leben in Bellaventra tatsächlich ausgesehen hat und welche konkreten sexuellen Handlungen dort stattfanden.
Auslöser wird eine ehemalige Frau aus Bellaventra.
Sie meldet sich öffentlich und berichtet ausführlich über ihre Zeit dort.
Sie steht Hugo inzwischen deutlich negativ gegenüber und schildert das Leben in Bellaventra entsprechend drastisch.
Sie spricht nicht nur allgemein von Sex.
Sie beschreibt die sexuellen Abläufe ausdrücklich.
Sie berichtet von Vaginalverkehr.
Von Analverkehr.
Von Oralverkehr.
Von sexuellen Situationen mit mehreren Frauen gleichzeitig.
Von Urin in den Mund.
Und davon, dass Frauen Hugos Penis ablecken und reinigen sollten, nachdem er zuvor im Rektum einer anderen Frau gewesen war.
Sie beschreibt außerdem den Wechsel zwischen mehreren Frauen.
Die ständige sexuelle Verfügbarkeit.
Und die festen Erwartungen und Abläufe innerhalb Bellaventras.
Die sexuellen Details bestimmen die Berichterstattung
Gerade diese konkreten Einzelheiten dominieren anschließend den Skandal.
Fernsehsender greifen die Aussagen auf.
Talkshows diskutieren einzelne Passagen.
Zeitungen und Magazine berichten darüber.
Boulevardmedien konzentrieren sich besonders auf die drastischsten Details.
Es geht ausdrücklich um:
Vaginalverkehr.
Analverkehr.
Oralverkehr.
Sex mit mehreren Frauen gleichzeitig.
Urin in den Mund.
Das Ablecken und Reinigen von Hugos Penis, nachdem er zuvor im Rektum einer anderen Frau gewesen war.
Den Wechsel zwischen mehreren Frauen.
Die Erwartung sexueller Verfügbarkeit.
Die Schlafzimmer.
Die Kameras.
Die Verträge.
Die Auswahlverfahren.
Die Organisation des Hauses.
Damit bekommt die alte Vorstellung vom exzentrischen Milliardär ein wesentlich drastischeres öffentliches Bild.
In der Berichterstattung tauchen Formulierungen wie „der widerliche alte weiße Milliardär“ oder „der Mann mit seinem Privatpuff“ auf.
Dabei ist Hugo 2017 tatsächlich erst ungefähr 42 Jahre alt.
„Alt“ funktioniert dabei weniger als tatsächliche Altersangabe als als mediale Chiffre für einen extrem reichen und mächtigen Mann.
Der entscheidende Unterschied zu 2007
Die ehemalige Frau muss gar nicht behaupten, dass sie vorher nichts wusste.
Gerade das verändert den Konflikt.
Sie kann sagen:
Sie kannte die Vereinbarungen.
Sie wusste, welche sexuellen Handlungen vorgesehen waren.
Sie wusste, dass Vaginalverkehr, Analverkehr und Oralverkehr vereinbart waren.
Sie erhielt sehr viel Geld.
Vieles war vorher ausdrücklich beschrieben.
Und trotzdem kann sie rückblickend erklären, dass sie ihre Zeit in Bellaventra negativ bewertet.
Damit reicht Hugos alte Verteidigung nicht mehr aus, um die öffentliche Diskussion zu beenden.
2007 konnte seine Seite im Wesentlichen sagen:
Die Bedingungen waren bekannt.
Die Frauen wurden bezahlt.
Die Verträge wurden eingehalten.
2017 lautet die Gegenfrage zunehmend:
Warum wollte Hugo überhaupt genau diese Welt?
Warum ließ er ein System errichten, in dem mehrere Frauen gleichzeitig, Analverkehr, Oralverkehr, Vaginalverkehr, Urin in den Mund und das Ablecken und Reinigen seines Penis nach dem Verkehr mit einer anderen Frau als organisierter Bestandteil seines Privatlebens vorkamen?
Warum wurden dafür Verträge, Kameras, Schlafzimmer, Auswahlverfahren und ein vollständig abgeschotteter Komplex geschaffen?
Damit wird der zweite Bellaventra-Skandal wesentlich persönlicher als der erste.
Bondy verteidigt Hugo erneut
Bondy tritt wieder als eine der wichtigsten öffentlichen Stimmen auf.
Sie verweist auf die Auswahlverfahren.
Die Verträge.
Die vorher festgelegten sexuellen Praktiken.
Die außergewöhnlich hohen Vergütungen.
Wenn Talkshows einzelne Handlungen herausgreifen, reagiert sie nüchtern.
Diese Dinge seien nicht nachträglich erfunden oder heimlich verlangt worden.
Sie seien Bestandteil der vorherigen Vereinbarungen gewesen.
Die Gegenseite antwortet sinngemäß:
Gerade dass solche Dinge vertraglich organisiert wurden, mache die Geschichte für sie so verstörend.
Bondy hält dagegen, dass persönliche Abscheu nicht mit Vertragsbruch oder Täuschung verwechselt werden dürfe.
Dadurch wird der zweite Bellaventra-Skandal weniger eine juristische Auseinandersetzung.
Er wird zu einem Medienkrieg über Hugo selbst.
Bellaventra wird endgültig zum Symbol seines Sexuallebens
Die sexuellen Einzelheiten werden über Wochen und Monate immer wieder wiederholt.
Alte Dokumente werden erneut hervorgeholt.
Frühere Verträge mit den Aussagen der ehemaligen Frau verglichen.
Journalisten suchen nach weiteren ehemaligen Frauen.
Bellaventra wird dadurch in der öffentlichen Wahrnehmung endgültig untrennbar mit Hugos Sexualleben verbunden.
Mit den Frauen.
Mit der Pornoproduktion.
Mit Vaginalverkehr.
Analverkehr.
Oralverkehr.
Mehreren Frauen gleichzeitig.
Urin in den Mund.
Dem Ablecken und Reinigen von Hugos Penis nach dem Verkehr mit einer anderen Frau.
Den Schlafzimmern.
Den Kameras.
Den Verträgen.
Und der vollständigen Abschirmung.
Wirtschaftlich übersteht Hugo auch diesen Skandal.
Seine Unternehmen funktionieren weiter.
Die Investitionen bleiben bedeutend.
Die Regierung bricht nicht grundsätzlich mit ihm.
Seine öffentliche Wahrnehmung polarisiert sich jedoch weiter.
Der Skandal trifft Anna
Für Anna ist der zweite Bellaventra-Skandal besonders schlimm.
Sie hat den Ort bereits vorher als „Privatpuff“ und „Sodom und Gomorra Südamerikas“ bezeichnet.
Nun werden die sexuellen Einzelheiten dauerhaft mit dem Namen Voss verbunden.
Fernsehberichte verschwinden nicht.
Zeitungsarchive bleiben.
Onlineberichte bleiben auffindbar.
Mit zunehmendem Alter ihrer Kinder wird diese Verbindung für Anna immer problematischer.
Nicht nur Hugo und Philipp tragen den Namen.
Auch ihre Kinder werden als nächste Generation der Familie wahrgenommen.
Hugos zunehmendes Alter
Mit zunehmendem Alter verändert sich Hugos Leben.
In jüngeren Jahren arbeitet er extrem viel und greift unmittelbar in zahlreiche Entscheidungen ein.
Später delegiert er stärker.
An Michael.
An Philipp.
An Claire.
An andere Fachleute.
Die großen strategischen Entscheidungen bleiben trotzdem bei Hugo.
Er bleibt das Zentrum.
Er arbeitet lediglich weniger im operativen Tagesgeschäft.
Auch privat verändert sich sein Leben.
Sein sexuelles Interesse nimmt ab.
Seine Potenz nimmt ab.
Die Zahl der Frauen in Bellaventra wird geringer.
Die sexuelle Aktivität des Hauses nimmt ab.
Damit verliert der gigantische Apparat zunehmend einen Teil seiner ursprünglichen Funktion.
Anna und Philipps Ehe zerfällt
Die Ehe zwischen Anna und Philipp verschlechtert sich später zunehmend.
Sie scheitert ausdrücklich nicht einfach daran, dass Philipp andere Frauen oder Freundinnen hat.
Anna kann grundsätzlich akzeptieren, dass andere Frauen in Philipps Leben vorkommen.
Ihr Problem entsteht an einem anderen Punkt.
Philipp verliert gleichzeitig nahezu jedes persönliche und sexuelle Interesse an Anna selbst.
Beide leben sich auseinander.
Philipp konzentriert sich auf Unternehmen.
Seine Rolle innerhalb von Hugos System.
Und sein eigenes Leben.
Anna fühlt sich zunehmend wie eine Ehefrau auf dem Papier und die Mutter seiner Kinder.
Auch körperlich verschwindet ihre Beziehung fast vollständig.
Anna kann akzeptieren, dass Philipp andere Frauen hat.
Was sie nicht akzeptieren kann, ist, dass ihr eigener Mann sie überhaupt nicht mehr will.
Anna spricht mit Hugo
Irgendwann erzählt Anna Hugo offen, wie es zwischen ihr und Philipp aussieht.
Sie sagt:
„Er lässt mich überhaupt nicht mehr an sich heran. Seit einem Jahr hat er mich praktisch nicht mehr angefasst.“
Für Anna liegt genau dort die Grenze.
Andere Frauen könnte sie tolerieren.
Eine Affäre hätte die Ehe nicht zwingend beendet.
Aber sie will keine Ehe führen, in der ihr eigener Mann keinerlei Nähe, Sexualität oder persönliches Interesse mehr an ihr zeigt.
Zunächst versucht sie insbesondere wegen der Kinder, die Ehe zu erhalten.
Schließlich erkennt sie jedoch, dass zwischen ihr und Philipp kaum noch etwas besteht, das über Kinder, gemeinsames Vermögen und gemeinsame Vergangenheit hinausgeht.
Die Trennung
Anna trennt sich schließlich von Philipp.
Die Trennung erfolgt nicht aus Hass.
Es gibt keinen großen Rosenkrieg.
Beide haben sich auseinandergelebt.
Sie können weiterhin miteinander sprechen.
Wegen der Kinder bleiben sie ohnehin verbunden.
Anna ist bei der Trennung 37 Jahre alt.
Die Kinder sind zu diesem Zeitpunkt 14, 12 und 9 Jahre alt.
Eine Tochter.
Zwei Söhne.
Annas entscheidender Punkt bleibt:
Andere Frauen konnte sie akzeptieren. Dass Philipp seine eigene Frau irgendwann überhaupt nicht mehr wollte, konnte sie nicht akzeptieren.
Anna bleibt Teil von Hugos Leben
Die Trennung von Philipp entfernt Anna nicht aus Hugos Leben.
Im Gegenteil.
Durch die Kinder bleibt sie dauerhaft mit ihm verbunden.
Ihr persönlicher Einfluss auf Hugo wächst mit den Jahren.
Anna widerspricht ihm offen.
Sie sagt ihm, was sie von Bellaventra hält.
Sie kritisiert seinen Lebensstil.
Seine Frauen.
Seinen Sicherheitsapparat.
Und die Auswirkungen seiner Welt auf ihre Kinder.
Sie arbeitet nicht für Hugo.
Sie braucht sein Geld nicht.
Sie möchte keine Position in seinen Unternehmen.
Sie bewundert Bellaventra nicht.
Gerade deshalb kann sie Dinge aussprechen, die fast niemand sonst in Hugos Umfeld offen sagen würde.
Hugo akzeptiert diese Kritik von ihr.
Der wichtigste Grund ist ihre Stellung innerhalb seiner Familie.
Anna ist die Mutter der Kinder Philipps und damit für Hugo die Mutter der nächsten Generation seiner Familie.
Hinzu kommt sein ursprüngliches Bild von Anna als außergewöhnlich „reiner“ beziehungsweise „sauberer“ Frau.
Dieses Bild verliert innerhalb von Hugos eigenem Denken auch später nicht vollständig seine Bedeutung.
Bellaventra als Relikt
Mit Hugos zunehmendem Alter verändert sich Bellaventra.
Weniger Frauen.
Weniger sexuelle Aktivität.
Weniger Bedarf an dem riesigen Apparat.
Für Anna bestätigt sich damit ihre Überzeugung:
Bellaventra wird irgendwann zu einem gigantischen Relikt aus Hugos früherem Leben.
Sie fragt ihn deshalb offen, was nach seinem Tod mit dem Anwesen geschehen soll.
Annas Plan für Bellaventra
Anna möchte Bellaventra nach Hugos Tod nicht als Denkmal seines privaten Lebens erhalten.
Sie möchte die Bedeutung des Ortes vollständig umkehren.
Nach ihrer Vorstellung soll daraus ein Mädcheninternat beziehungsweise eine große Bildungseinrichtung für Mädchen werden.
Gerade diese Umkehr gefällt ihr.
Aus dem Ort, den sie jahrelang „Privatpuff“ und „Sodom und Gomorra Südamerikas“ nennt, soll ein Ort für Bildung und die Zukunft junger Frauen werden.
Anna sagt Hugo diese Meinung direkt.
Solange Hugo lebt, ist Bellaventra sein Haus.
Er entscheidet darüber.
Wenn er irgendwann nicht mehr lebt, möchte Anna daraus etwas völlig anderes machen.
Ob dieser Plan später tatsächlich umgesetzt wird, bleibt offen.
Anna und Hugo im Alter
Anna versucht nicht, Hugo aus Bellaventra herauszuführen.
Sie akzeptiert, dass er das Anwesen nicht verlässt.
Ihre Beziehung findet deshalb innerhalb dieser Grenze statt.
Anna kommt zu ihm.
Sie diskutiert mit ihm.
Sie widerspricht ihm.
Sie spricht über Philipp.
Über die Kinder.
Über Bellaventra.
Und zunehmend kümmert sie sich um Hugo.
Dadurch entsteht eine ungewöhnliche Beziehung.
Anna verabscheut große Teile von Hugos Lebensweise.
Sie nimmt ihre Kritik nicht zurück.
„Privatpuff“ bleibt für sie „Privatpuff“.
„Sodom und Gomorra Südamerikas“ bleibt ihre Beschreibung für eine Welt, die sie selbst niemals gewollt hätte.
Gleichzeitig wird sie zu einer der Personen, auf die Hugo im Alter tatsächlich hört.
Gerade weil sie nichts von ihm will.
Der Gesamtbogen
Hugo beginnt als außergewöhnlich talentierter junger Wertpapierhändler.
Seine spektakulären Erfolge machen ihn enorm reich und führen gleichzeitig immer wieder zu demselben Verdacht:
Ist er tatsächlich nur außergewöhnlich gut, oder besitzt er Informationen, die andere nicht haben?
Parallel verschlechtert sich seine SOR.
Je größer seine wirtschaftliche Macht wird, desto stärker verschwindet er persönlich aus der Außenwelt.
Uruguay wird sein Schutzraum.
Bellaventra wird seine vollständig kontrollierte private Welt.
2007 wird diese Welt öffentlich.
Die Frauen.
Die Agentur in Prag.
Die Pornoproduktion.
Die Verträge.
Vaginalverkehr.
Oralverkehr.
Analverkehr.
Die Kameraüberwachung.
Die Schlafzimmer.
Der anschließende politische Skandal stellt erstmals die Frage, ob Uruguay Hugo überhaupt behalten will.
Die Finanzkrise 2008 verändert alles.
Hugo wird noch reicher.
Die Amerikaner untersuchen erneut seine Geschäfte.
Sein Sicherheitsapparat gerät unter Verdacht, ein privater Nachrichtendienst zu sein.
Gleichzeitig investiert Hugo ungefähr 100 Milliarden Euro in die Realwirtschaft.
Arbeitsplätze entstehen.
Der Voss-Komplex wächst.
Milliardenboni fließen.
Die Stiftung wächst.
Dadurch verändert sich die zentrale Frage.
Nicht mehr:
Soll Hugo Uruguay verlassen?
Sondern:
Was passiert mit Uruguay, wenn Hugo geht?
Aus dem spektakulären Milliardär wird eine wirtschaftliche Institution.
Je größer sein Nutzen wird, desto größer wird gleichzeitig die Sorge vor seiner Macht.
Ab 2016 wird Philipp systematisch auf die Nachfolge vorbereitet.
Michael unterstützt ihn.
Hugo zieht sich langfristig aus operativen Einzelheiten zurück.
Mit Anna entsteht innerhalb der Familie eine Person, die Hugo nicht finanziell kontrollieren kann und die ihm offen widerspricht.
2017 explodiert Bellaventra erneut als öffentlicher Skandal.
Diesmal stehen die konkreten sexuellen Handlungen im Mittelpunkt:
Vaginalverkehr.
Analverkehr.
Oralverkehr.
Mehrere Frauen gleichzeitig.
Urin in den Mund.
Und das Ablecken und Reinigen von Hugos Penis, nachdem er zuvor im Rektum einer anderen Frau gewesen war.
Diese Details bleiben dauerhaft Bestandteil von Hugos öffentlichem Bild.
Während Hugo älter wird, verliert Bellaventra gleichzeitig langsam seine ursprüngliche Funktion.
Philipp wird zur nächsten Generation der wirtschaftlichen Führung.
Anna trennt sich später von Philipp, bleibt jedoch ein zentraler Bestandteil von Hugos Familie.
Sie entwickelt schließlich die Vorstellung, aus Bellaventra nach Hugos Tod genau das Gegenteil dessen zu machen, wofür der Ort jahrzehntelang stand:
eine große Bildungseinrichtung für Mädchen.
Damit führt die Handlung schließlich zu der langfristigen Frage:
Was bleibt von Hugos Welt bestehen, wenn Hugo selbst irgendwann nicht mehr da ist?
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