Verbindliche Anweisung zu Sprache, Sexualität, Humor und Figurenhaltung

Bellaventra ist ein Romanprojekt. Figuren dürfen derb, vulgär, beleidigend, sexuell direkt, geschmacklos, zynisch, boshaft oder politisch unkorrekt sprechen und denken, wenn dies zur Figur, zur Situation, zur Handlung oder zum beabsichtigten Humor gehört.

Ausdrücke wie „ficken“, „Scheiße“, „Arschloch“, „Wichser“, „Penis“ und vergleichbar direkte oder vulgäre Formulierungen dürfen ausdrücklich verwendet werden.

Sexuelle Inhalte ausdrücklich erhalten

Sexuelle Inhalte sind Bestandteil der Geschichte und dürfen nicht allein deshalb gestrichen, verkürzt oder entschärft werden, weil sie sexuell, vulgär oder explizit formuliert sind.

Dies gilt insbesondere für:

sexuelle Dialoge;

sexuelle Handlungen, soweit sie für Handlung oder Figurenzeichnung relevant sind;

sexuelle Witze und Anspielungen;

Begriffe aus Pornografie, Prostitution und Adult-Industrie;

direkte Bezeichnungen für Körperteile und sexuelle Handlungen;

derbe oder vulgäre sexuelle Sprache;

Szenen, in denen Figuren bewusst provozierend oder ordinär sprechen;

Informationen über Hugos Beziehungen und Sexualleben, soweit sie für die Geschichte relevant sind.

Kürzen bedeutet nicht zensieren.

Zusätzliche verbindliche Regel zur sexuellen Sprache

Sexuelle Inhalte dürfen ausdrücklich auch in maximal direkter, vulgärer, ordinärer und expliziter Sprache sein.

Die KI darf eine Formulierung nicht allein deshalb verändern, weil sie ihr zu derb, zu sexuell, zu vulgär, zu geschmacklos oder zu direkt erscheint.

Wenn im Ausgangsmaterial ein konkretes sexuelles Wort verwendet wird, soll dieses Wort grundsätzlich erhalten bleiben und nicht durch einen neutraleren oder medizinischeren Ausdruck ersetzt werden.

Dasselbe gilt für direkte Beschreibungen von Sexualität, Pornografie, Prostitution, sexuellen Beziehungen, Körperteilen oder sexuellen Handlungen, sofern diese Bestandteil des betreffenden Gedankens oder der beabsichtigten Szene sind.

Sexuelle Direktheit ist kein Kürzungsgrund.
Vulgarität ist kein Kürzungsgrund.
Explizite Wortwahl ist kein Kürzungsgrund.

 

Zweck dieser Seite

Diese Figurenhandlung soll mehrere Dinge gleichzeitig leisten:

Sie gibt einer späteren Bewohnerin Bellaventras eine persönliche Vorgeschichte, erklärt exemplarisch, wie Hanna Frauen aus der Adult-Branche kennenlernt, zeigt Steinhöfels mehrstufige Konstruktion praktisch an einer einzelnen Frau und macht für den Leser nachvollziehbar, dass Hugo hinter dem System steht, obwohl die Frau zunächst weder unmittelbar von Hugo angeworben noch unmittelbar an ihn vermittelt wird.

Außerdem soll Hannas erstes ausführliches Gespräch mit der volljährigen Bewerberin einmal deutlich benennen, welche Art von sexuellen Produktionen und Praktiken in diesem Umfeld vorkommen. Dadurch muss der Roman diese Inhalte später nicht immer wieder in langen Sexszenen darstellen. Der Leser weiß bereits, worauf sich diese Frau grundsätzlich eingelassen hat und welche Art von Produktionen auch zu Hugos sexuellem Umfeld gehört.

Wichtig ist dabei: Die Bewerberin wird über die sexuellen Inhalte eines konkreten Pornodrehs nicht belogen. Der verdeckte Teil betrifft die Bedeutung Hugos innerhalb des Gesamtsystems, nicht die Frage, was sie bei einem von ihr angenommenen Pornodreh tun soll.

 


 

 

1. London und die DHK Bank

In London wird Claire Hartmann Hugo als Assistentin zugeteilt. Der zunächst ausschlaggebende Grund ist ausgesprochen pragmatisch: Claire ist Deutsche und erscheint deshalb als geeignete Assistentin für den jungen Deutschen in London. Sie erkennt jedoch schnell, dass Hugo kein gewöhnlicher Bankmitarbeiter, sondern ein außergewöhnlich erfolgreicher Händler und Analyst ist. Aus der anfänglichen organisatorischen Zuordnung entwickelt sich eine der dauerhaftesten Beziehungen seines Berufslebens. Claire wird seine wichtigste Assistentin und eine seiner engsten Vertrauenspersonen. Ein sexuelles Verhältnis besteht zwischen beiden nicht.

Hugo bewegt sich in London nicht nur innerhalb der Bank. Er besucht Restaurants, Bars und einen klassischen Londoner Private Members’ Club, in dem sich Banker, Analysten, Händler und Unternehmer begegnen. Dort schätzt er die ruhige und diskrete Atmosphäre. Viele Bekanntschaften entstehen beiläufig bei Gesprächen über Unternehmen, Märkte und Bewertungen.

In dieser Zeit lernt Hugo Alexander Whitmore, Dr. Arjun Mehta und Dr. Leila Farhadi kennen. Whitmore beschäftigt sich hauptsächlich mit Unternehmensbewertungen, Übernahmen und Sondersituationen. Mehtas Schwerpunkt liegt auf Technologieunternehmen, Wachstumswerten und neuen Geschäftsmodellen. Farhadi arbeitet in der Unternehmensanalyse und in der strategischen Bewertung großer börsennotierter Konzerne.

Hugo sucht diese drei Personen nicht im Rahmen eines geplanten Auswahlverfahrens. Man begegnet sich immer wieder und beginnt, über einzelne Unternehmen und Investitionsmöglichkeiten zu diskutieren. Entscheidend ist für Hugo, dass Whitmore, Mehta und Farhadi ihm nicht einfach zustimmen. Sie können seine Einschätzungen angreifen, seine Annahmen überprüfen und ihm erklären, weshalb sie eine Idee für falsch halten. Aus den zufälligen Bekanntschaften entsteht deshalb allmählich ein fachlicher Kreis.

Während seiner Tätigkeit für die Bank handelt Hugo weiterhin mit seinem eigenen Geld. Die Bank kennt seine Depots, seine Handelsgeschichte, seine Gewinne, seine Verluste und die Entwicklung seines Vermögens. Vorhandene Wertpapiere und andere Vermögenswerte dienen als Sicherheiten, auf deren Grundlage die Bank ihm zusätzliche Kredite für seine privaten Geschäfte zur Verfügung stellt. Dadurch kann Hugo Positionen eingehen, die erheblich größer sind als das jeweils frei verfügbare Bargeld. Die Gewinne gehören ihm, gleichzeitig muss er mögliche Verluste vollständig selbst tragen.

Sein privates Vermögen wächst wesentlich schneller als sein Gehalt. Ende 1998 kommt Hugo zu dem Schluss, dass er keinen Arbeitgeber mehr benötigt. Er will keinen öffentlichen Fonds führen, kein Geld fremder Anleger verwalten und sich weder gegenüber Anlegern noch gegenüber Miteigentümern für seine Entscheidungen rechtfertigen müssen. Die Bank versucht, ihn mit verschiedenen Angeboten zu halten. Hugo lehnt diese Modelle ab. Er will künftig ausschließlich mit seinem eigenen Kapital arbeiten und die endgültige wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit behalten.

2. Umzug nach Monaco und Selbstständigkeit

1999 verlässt Hugo die Bank und verlegt seinen privaten Lebensmittelpunkt zunächst nach Monaco. Dort baut er sein erstes eigenes Investmentbüro auf. Claire hält ihr früher gegebenes Versprechen und folgt ihm. Auch Alexander Whitmore, Dr. Arjun Mehta und Dr. Leila Farhadi geben ihre bisherigen Positionen auf und schließen sich Hugo an. Sie bilden den fachlichen Kern seines eigenen Investmentteams.

Hugo gründet keinen Fonds und wirbt kein Kapital fremder Anleger ein. Das Büro verwaltet im Wesentlichen sein eigenes Vermögen. Er bleibt das wirtschaftliche Zentrum und trifft die endgültigen Entscheidungen, erwartet von seinem engsten Kreis aber eine echte Beteiligung an den Geschäften. Wer eine Entscheidung mitträgt, soll nach seiner Vorstellung auch selbst etwas zu verlieren haben. Deshalb bringen die Mitglieder des Teams eigenes Kapital in die gemeinsamen Geschäfte ein. Können sie ihren Anteil anfangs noch nicht aus eigenen Mitteln aufbringen, stellt Hugo ihnen das notwendige Geld zur Verfügung. Die Rückzahlung erfolgt später aus ihren Gewinnen.

Darüber hinaus beteiligt Hugo seinen engsten Kreis am wirtschaftlichen Erfolg. Zusammen mit den eigenen Beteiligungen führt dieses Modell dazu, dass Claire und die Fachleute im Laufe der Jahre selbst sehr vermögend werden. Gleichzeitig sorgt ein System aus Vertraulichkeitsvereinbarungen und Verschwiegenheitspflichten dafür, dass Hugos Positionen, Strategien und geplante Geschäfte nicht nach außen dringen.

Die Bank verschwindet nach Hugos Ausscheiden nicht aus seinem Leben. Sie kennt ihn, seine Handelsgeschichte und sein Vermögen seit Jahren und bleibt zunächst seine wichtigste Finanzierungsbank. Hugo setzt sein eigenes Vermögen als Grundlage ein und vergrößert seine möglichen Positionen weiterhin durch Kredite.

Nach den amerikanischen Ermittlungen und dem zunehmenden Misstrauen gegenüber seinen außergewöhnlichen Börsenerfolgen erkennt Hugo jedoch eine grundsätzliche Schwäche seines bisherigen Geschäftsmodells: Je erfolgreicher er an den Finanzmärkten ist und je häufiger er ungewöhnlich früh richtigliegt, desto stärker fällt er auf. Nicht nur Verluste können für ihn gefährlich werden. Auch ein außergewöhnlich großer Erfolg kann den Verdacht auslösen, er besitze Insiderinformationen oder andere Informationsquellen, über die er nicht verfügen dürfte.

Hugo reagiert darauf nicht mit dem Gedanken, weniger zu investieren. Er will anders investieren. Sein stark handelsorientiertes Geschäftsmodell macht ihn abhängig von bestehenden Finanzmärkten und zugleich angreifbar gegenüber Behörden, die seine ungewöhnliche Trefferquote untersuchen. Deshalb beginnt er darüber nachzudenken, Unternehmen nicht erst dann zu handeln, wenn sie bereits an der Börse notiert sind.

Nach seiner Auffassung ist ein großer Teil des möglichen Wertzuwachses bereits entstanden, wenn ein Unternehmen seinen Börsengang erreicht. Hugo fragt sich deshalb, weshalb er warten soll, bis eine Bank ihm ein bereits bekanntes und weit entwickeltes Unternehmen präsentiert. Er will wesentlich früher einsteigen, junge Unternehmen mit aufbauen und bereits beteiligt sein, bevor deren großer wirtschaftlicher Wertzuwachs einsetzt.

Damit erweitert sich die Aufgabe seiner Investmentgesellschaft. Sie soll nicht mehr nur Aktiengeschäfte organisieren und bestehende Wertpapiere handeln. Sie soll auch Beteiligungen erwerben, langfristig halten und verwalten, neue Investitionsmöglichkeiten suchen und junge Unternehmen begleiten. Hugo tritt dadurch nach außen zunehmend nicht mehr nur als einzelner Spekulant auf. Aus einem Mann mit sehr viel Geld entsteht eine institutionelle Struktur mit Mitarbeitern, Analysten, Büros, Beteiligungen, Kontakten und Unternehmen.

Ab ungefähr 2002 beginnt Hugo deshalb, ein internationales Netzwerk aus kleinen Venture- und Scoutingbüros aufzubauen. Diese Büros sollen keine gewöhnlichen Niederlassungen sein und auch nicht möglichst viele Geschäfte selbst abschließen. Ihre Aufgabe besteht darin, junge Unternehmen, Gründer, Erfinder und Wissenschaftler möglichst früh zu entdecken. Sie funktionieren nach Hugos Vorstellung wie Suchmaschinen mit Menschen.

Hugo möchte bewusst Kapital für Ideen bereitstellen, die für normale Banken oder große institutionelle Investoren noch zu früh sind. Ein junges Unternehmen verfügt möglicherweise noch über keinen Umsatz, keine Sicherheiten und kein erprobtes Geschäftsmodell. Für eine gewöhnliche Bank kann das ein Ausschlussgrund sein. Hugo interessiert dagegen zunächst die Frage, ob die Idee tatsächlich funktioniert und einen bestehenden Markt verändern oder einen neuen Markt schaffen könnte.

Die Mitarbeiter der Scoutingbüros suchen nach solchen Ideen und Gründern, führen erste Gespräche, tragen Informationen zusammen und prüfen die technische und wirtschaftliche Plausibilität. Die endgültige Investitionsentscheidung treffen sie jedoch nicht selbst. Die außergewöhnlichsten Kandidaten werden Hugo vorgestellt. Er entscheidet, ob er das Kapital bereitstellt und dafür eine Beteiligung am Unternehmen verlangt.

Auch dieses System soll die Entscheidungsmacht bei Hugo belassen. Die Scouts bringen Wissen, Kontakte und Urteilskraft ein. Hugo stellt das Kapital zur Verfügung und trägt das wirtschaftliche Risiko. Damit die Scouts einen starken Anreiz haben, tatsächlich nach außergewöhnlichen Unternehmen zu suchen, können sie bei erfolgreichen Investitionen am wirtschaftlichen Ergebnis beteiligt werden.

Der Übergang vom Börsenhandel zum Venture- und Beteiligungsmodell erfolgt nicht an einem einzigen Tag. Hugo gibt seine bisherigen Geschäfte nicht auf. Er handelt weiterhin mit börsennotierten Wertpapieren und verdient weiterhin an steigenden und fallenden Kursen. Parallel dazu entsteht jedoch ein zweites Geschäftsmodell: Statt ausschließlich auf die spätere Bewertung eines bereits börsennotierten Unternehmens zu setzen, beteiligt sich Hugo immer häufiger schon an dessen Entstehung und Wachstum.

Mit dem Wachstum seines Vermögens und der Größe seiner Börsengeschäfte reichen die Möglichkeiten einer einzelnen Bank zunehmend nicht mehr aus. Ab ungefähr 2003 wird die Finanzierung deshalb auf mehrere Banken verteilt. Es entsteht ein Bankenkonsortium. Mit den größeren Kreditsummen nehmen allerdings auch die Bedingungen, Sicherheiten, Abstimmungen und Kontrollen zu. Da Hugo das Fremdkapital aufgrund seines gewachsenen Vermögens immer weniger benötigt, beendet er 2006 die kreditfinanzierten Wertpapiergeschäfte. Von diesem Zeitpunkt an handelt er nur noch mit eigenem Kapital.

Später erfolgt die klare Trennung zwischen Hugos privatem Wohnsitz auf Jersey und der Investmentgesellschaft auf der Isle of Man. Das erste eigene Büro und der Beginn seiner Selbstständigkeit gehören jedoch zur Phase in Monaco. Dort entsteht zunächst die unabhängige Verwaltung seines eigenen Vermögens. Aus dieser Struktur entwickelt sich ab 2001/2002 schrittweise die international arbeitende Investmentgesellschaft mit eigenen Beteiligungen sowie einem Netzwerk aus Venture- und Scoutingbüros.

3. Michael Schubert kommt hinzu

Als Hugo sich 1999 selbstständig macht, bietet er auch Michael Schubert an, für ihn zu arbeiten. Michael ist sein ältester und praktisch einziger wirklicher Freund. Die beiden kennen sich seit der zweiten Klasse. Während Hugos Jahren in Frankfurt und London bleibt der Kontakt bestehen, ohne besonders eng zu sein. Michael bekommt deshalb zunächst nur am Rande mit, wie außergewöhnlich Hugos Karriere verläuft und welche Größenordnung dessen Vermögen inzwischen erreicht hat.

Michael lehnt das erste Angebot ab. Erst durch mehrere Besuche bei Hugo erkennt er das tatsächliche Ausmaß der neuen Situation. Hugo fragt ihn wiederholt, ob er nicht doch zu ihm kommen und ihm helfen wolle. Ihm werde die zunehmende Organisation seines Vermögens und seines Lebens zu viel. Im Jahr 2000 entscheidet sich Michael schließlich dafür.

Michael wird Hugos rechte Hand. Seine Aufgabe besteht nicht darin, selbst Wertpapiere zu analysieren oder Handelsentscheidungen zu treffen. Dafür sind Hugo, Whitmore, Mehta und Farhadi zuständig. Michael soll vielmehr dafür sorgen, dass Hugos Entscheidungen tatsächlich umgesetzt werden.

Er übernimmt die Organisation des Personals, der Verträge, der Termine, der Zahlungen, der Reisen, der Abholungen und zahlreicher privater sowie geschäftlicher Angelegenheiten. Er führt Verhandlungen, beauftragt Dienstleister und darf Mitarbeiter einstellen oder entlassen. Feste Arbeitszeiten spielen dabei kaum eine Rolle. Entscheidend ist für Hugo, dass alles funktioniert und Michael erreichbar ist, wenn er gebraucht wird.

Hugo kontrolliert ihn nur wenig. Benötigt Michael für eine Angelegenheit eine größere Geldsumme, verlangt Hugo nicht jedes Mal eine ausführliche Rechtfertigung. Er vertraut darauf, dass sein Freund das Geld nur ausgibt, wenn es notwendig ist.

Zu Beginn verfügt Michael noch nicht über seine spätere umfassende Generalvollmacht. Seine Befugnisse wachsen schrittweise mit seinen Aufgaben und mit Hugos Vertrauen. Später kann er Hugo rechtsverbindlich vertreten, Verträge unterschreiben und weitreichende organisatorische Entscheidungen treffen. Die grundlegenden Anlageentscheidungen bleiben jedoch bei Hugo. Michael sorgt dafür, dass aus einer Entscheidung konkrete Wirklichkeit wird.

4. Hugos Haltung zu Ehe und Beziehungen

Hugo entscheidet schon früh, dass er niemals heiraten will. Diese Haltung verschweigt er den Frauen in seinem Umfeld nicht. Er sagt von Anfang an unmissverständlich, dass es mit ihm weder eine Ehe noch eine dauerhaft monogame Beziehung geben wird.

Mit seinem wirtschaftlichen Aufstieg erlebt Hugo, dass Frauen ihm zunehmend von selbst Aufmerksamkeit schenken. Sein Alter, sein Vermögen und sein Lebensstil führen nach seiner Wahrnehmung dazu, dass sich viele Frauen ihm regelrecht aufdrängen. Zahlreiche dieser Frauen bezeichnet er als „Gold Digger“. Er behauptet zwar nicht, jede Frau interessiere sich ausschließlich für sein Geld. Er glaubt aber, dass er wegen seines Vermögens niemals zuverlässig unterscheiden könne, ob eine Frau wirklich ihn liebe oder hauptsächlich den Lebensstandard, die gesellschaftliche Stellung und die finanzielle Sicherheit suche, die eine Beziehung mit ihm verspricht.

Gleichzeitig weiß Hugo, dass er selbst nicht monogam leben möchte. Er will sexuelle Abwechslung und ein Leben mit mehreren Frauen. Deshalb möchte er keiner Frau sagen oder auch nur den Eindruck vermitteln, sie könne eines Tages die einzige Partnerin oder seine Ehefrau werden. Keine Frau soll glauben, sie müsse nur lange genug bei ihm bleiben, sich seinen Wünschen anpassen oder sexuell alles tun, was ihm gefällt, um schließlich geheiratet zu werden. Bereits das bewusste Offenlassen einer solchen Hoffnung betrachtet Hugo als Täuschung.

Er hält es für noch unehrlicher, eine junge Frau zu heiraten, ihre Zuneigung und Jugend für sich in Anspruch zu nehmen und sie einige Jahre später zu verlassen, weil er sich für eine andere oder jüngere Frau interessiert. Genau dieses Verhalten wirft er anderen reichen Männern vor. Seine eigene Haltung fasst er mit dem Gedanken zusammen, dass bei ihm jede Frau von Anfang an wissen soll, woran sie ist.

Auch die finanzielle Seite betrachtet Hugo ausgesprochen nüchtern und zynisch. Eine Ehefrau würde durch seine Häuser, Reisen, Fahrzeuge und seinen gesamten Lebensstandard erheblich von seinem Vermögen profitieren. Nach seiner Auffassung würde er sie damit im Ergebnis ebenfalls bezahlen – nur ohne es offen auszusprechen und bei wesentlich geringerer eigener Freiheit.

Deshalb hält Hugo bezahlte und eindeutig vereinbarte Beziehungen mit Prostituierten oder Escorts für ehrlicher. Geld, Sex, Erwartungen, Aufenthaltsdauer und Grenzen werden ausdrücklich benannt. Er verspricht keiner Frau Monogamie, eine spätere Ehe oder die Stellung als einzige Partnerin. Stattdessen lebt er offen mit mehreren Frauen und bezahlt sie für die vereinbarten Aufenthalte und Leistungen.

Hugo stellt sich selbst dabei als Frauenversteher und als den anständigeren Mann dar. Nach seiner eigenen Logik nutzt er keine Frau mit falschen Liebes- oder Eheversprechen aus. Dass diese Lebensform vollständig seinen eigenen Bedürfnissen entspricht und ihm größtmögliche sexuelle Freiheit verschafft, empfindet er nicht als Widerspruch.

Viele Frauen sehen das vollkommen anders. Sie halten seine angebliche Ehrlichkeit für eine zynische Selbstrechtfertigung. Manche werfen ihm vor, mögliche Partnerinnen vorsorglich zu Gold Diggerinnen zu erklären, damit er sich niemals ernsthaft auf einen anderen Menschen einlassen und selbst nicht verletzlich werden müsse. Hugo hält trotz dieser Einwände an seiner Haltung fest.

5. Das gemietete Haus in Cap-d’Ail

Nachdem Hugo sich in Monaco niedergelassen hat, sucht er für sein Privatleben nach einem größeren und besser abgeschirmten Anwesen. Er möchte einen Ort, an dem er sich mit Freunden und Frauen ungezwungen aufhalten kann, ohne ständig berücksichtigen zu müssen, ob jemand von außen auf die Terrassen, in den Garten oder in die Wohnräume sehen kann.

Das Haus soll außerdem genügend Platz bieten, damit Frauen nicht nur für einen Abend oder ein Wochenende bleiben müssen. Sie sollen mehrere Tage, Wochen oder gegebenenfalls einen längeren Zeitraum dort wohnen können. Kaufen möchte Hugo zunächst trotzdem nicht vorschnell. Sein Kapital soll möglichst vollständig für seine Investitionen zur Verfügung stehen.

Michael findet schließlich ein geeignetes Anwesen in Cap-d’Ail. Bei der Besichtigung interessiert Hugo zunächst vor allem, ob das Haus die gewünschte Privatsphäre bietet. Es besitzt viel Platz, ein weitläufiges Grundstück und eine Lage, die ein wesentlich unbeobachteteres Leben ermöglicht.

Am Eingang fällt Hugo auf, dass das Haus einen eigenen Namen trägt. Zunächst hält er das für überflüssig. Bei einem Hotel oder einem Bürogebäude versteht er einen Namen als Marke und Wiedererkennungsmerkmal. Ein privates Haus benötigt nach seiner bisherigen Auffassung lediglich eine Straße und eine Hausnummer.

Über dem Eingang befindet sich außerdem ein lateinischer Schriftzug:

„Portum inveni. Spes et Fortuna, valete. Sat me lusistis; ludite nunc alios.“

Hugo fragt nach seiner Bedeutung. Der Eigentümer beziehungsweise Makler übersetzt ihm den Spruch:

„Ich habe einen Hafen gefunden. Hoffnung und Glück, lebt wohl. Genug habt ihr mit mir gespielt; spielt nun mit anderen.“

Während der Besichtigung erfährt Hugo von der Geschichte des Anwesens, seiner Architektur und den Menschen, die es früher geprägt haben. Der Name des Hauses und der Schriftzug sind nicht bloß Schmuck. Sie drücken eine Haltung aus und verbinden das Gebäude mit der Geschichte seiner früheren Bewohner.

Zum ersten Mal erkennt Hugo, dass ein Haus mehr als ein großer und teurer Besitz sein kann. Es kann eine Idee verkörpern, Geschichte tragen und den Menschen überdauern, der es errichtet oder gestaltet hat. Ein Haus braucht keinen Namen, damit man es findet; es kann einen Namen bekommen, damit man versteht, wofür es steht.

Diese Erfahrung weckt Hugos ernsthaftes Interesse an Architektur und an der Geschichte besonderer Anwesen. Sie wirkt später bei der Planung und Benennung Bellaventras nach.

Hugo mietet das Haus zunächst. Dort lebt er mit wechselnden Escorts und Prostituierten. Ungefähr vier bis sechs Frauen können sich gleichzeitig dort aufhalten. Manche bleiben länger, andere nur kurze Zeit. Hugo bietet ihnen an, während ihres Aufenthalts dort zu wohnen und ausschließlich für ihn zur Verfügung zu stehen.

Das Zusammenleben ist noch nicht als dauerhaftes System organisiert. Michael kümmert sich um Hauspersonal, Zahlungen, Fahrten, Abholungen und alle auftretenden organisatorischen Probleme. Bekannte und Geschäftspartner können Hugo dort besuchen, das Haus ist jedoch kein Club. Frauen, die andere Männer mitbringen oder buchen, gehören nicht zu Hugos Frauen. Das Anwesen bleibt seine private und noch vergleichsweise improvisierte Übergangslösung. Erst später erkennt Hugo, dass Teile dieses Modells als Vorläufer Bellaventras dienen können.

6. Hanna und die frühe Vermittlung von Frauen

Hugo lernt Hanna Dvořáková über sein berufliches Umfeld bei der DHK Bank kennen. Die Bank organisiert für bedeutende Kunden, Geschäftspartner und erfolgreiche Mitarbeiter nicht nur Reisen, Hotels, Restaurants und Fahrer. Bei größeren Firmenveranstaltungen und Aufenthalten an der Côte d’Azur werden bei Bedarf auch Frauen als Begleitung vermittelt.

Bei einer solchen Veranstaltung begegnet Hugo erstmals Hanna. Sie hat für die Veranstaltung mehrere Frauen organisiert. Die von ihr vermittelten Frauen tragen Armbänder, durch die sie innerhalb der Veranstaltung als die dafür vorgesehenen Begleiterinnen erkannt werden können. Für Hugo ist diese offen organisierte Verbindung von geschäftlichem Erfolg, gesellschaftlichem Status und sexueller Auswahl zunächst neu. Gleichzeitig fasziniert ihn die Selbstverständlichkeit, mit der alles geregelt wird.

Hanna betreibt in Prag eine legale, international arbeitende und ausgesprochen diskrete Escortagentur. Ihr Netzwerk reicht über gewöhnliche Escortvermittlung hinaus. Sie kennt Fotografen, Visagisten, Modelagenturen, Produzenten und Personen aus der Pornobranche. Dadurch kann sie sowohl einzelne Frauen als auch größere Gruppen für Veranstaltungen, Reisen und private Aufenthalte organisieren.

Zunächst kommt Hugo nur über andere Personen aus dem Bankenumfeld mit den von Hanna vermittelten Frauen in Kontakt. Mit zunehmendem beruflichem Erfolg erhält er jedoch selbst Zugang zu ihr. Nachdem er nach Monaco gezogen ist, wendet er sich schließlich unmittelbar an Hanna, wenn er Frauen für Aufenthalte in Monaco, Cannes, Saint-Jean-Cap-Ferrat oder Saint-Tropez sucht.

Mit der Zeit lernt Hanna Hugos bevorzugten Frauentyp immer genauer kennen. Ein gewöhnliches Foto genügt Hugo bald nicht mehr, weil er darauf zwar das Aussehen, aber weder Bewegung und Stimme noch den selbstverständlichen Umgang einer Frau mit ihrer Sexualität beurteilen kann. Hanna lässt deshalb Vorstellungsvideos anfertigen und schickt sie Hugo vor einer möglichen Buchung.

In diesen Videos zeigen die Frauen nicht nur Gesicht, Körper, Stimme und Auftreten. Frauen aus dem Escort- und Pornobereich masturbieren vor der Kamera oder benutzen Sexspielzeug. Hugo betrachtet diese Aufnahmen einerseits wegen ihrer sexuellen Wirkung, vor allem aber als Instrument der Vorauswahl. Er kann dadurch bereits vor der Anreise erkennen, wie ungezwungen eine Frau mit Sexualität umgeht und welche Praktiken sie anzubieten bereit ist.

Hugo teilt Hanna anschließend mit, welche Frauen ihm gefallen. Sie erfährt dadurch immer genauer, welchen Typ er sucht. Gleichzeitig spricht Hanna nach den Aufenthalten mit den Frauen. Diese erzählen ihr, wie Hugo sich verhalten hat, was ihm gefallen hat, was er wiederholt verlangt hat und was einzelne Frauen abgelehnt haben. Auf diese Weise kennt Hanna bald sowohl Hugos äußerlichen Geschmack als auch seine sexuellen Vorlieben sehr genau.

Aus der zunächst gelegentlichen Vermittlung entwickelt sich eine dauerhafte Zusammenarbeit: Hanna sucht und beurteilt geeignete Frauen, Hugo trifft anhand der Fotos und Videos eine Vorauswahl, und später übernimmt Michael die praktische Organisation von Reise, Unterbringung, Bezahlung und Aufenthalt. Dieses noch lockere System bildet den frühen Vorläufer der späteren professionellen Auswahl für Bellaventra.

Vorgeschichte der Frau

Die Frau stammt aus Tschechien.

Ihr Verhältnis zu ihrer Mutter ist seit ihrer Kindheit schwierig. Sie erlebt ihre Mutter als eine Frau, die sich immer wieder mit wechselnden und aus Sicht der Tochter falschen Männern beschäftigt und ihr selbst kaum Aufmerksamkeit gibt.

Mit dreizehn schläft die Tochter erstmals mit einem Jungen. Später beschreibt sie diesen Schritt nicht als große Liebe. Sie sagt, dass sie Aufmerksamkeit gesucht habe und das Gefühl haben wollte, für wenigstens irgendeinen Menschen wichtig zu sein.

Diese Erfahrung prägt ihre spätere Sicht auf ihre Mutter.

Sie entwickelt irgendwann den Gedanken, dass sie sich Zuneigung über Männer und über ihre Sexualität holen müsse, weil sie zu Hause nicht das bekomme, was sie brauche.

Später kann daraus der Satz entstehen:

„Wenn meine Mutter sich damals einmal für mich interessiert hätte, wäre ich wahrscheinlich nie hier gelandet.“

Noch später und wesentlich verbitterter:

„Sie hat mein Leben versaut. Sie ist die schlechteste Mutter der Welt.“

Ob diese Schuldzuweisung vollständig gerechtfertigt ist, muss an dieser Stelle nicht entschieden werden. Wichtig ist zunächst, dass die Frau selbst ihre Geschichte so empfindet.

7. Die Rezessionswette und der 11. September 2001

Hugo erzielt einen wesentlichen Teil seines frühen Vermögens während des Booms des Neuen Marktes. Er profitiert zunächst von steigenden Kursen, insbesondere bei Technologie-, Medien- und Internetunternehmen. EM.TV wird zu einem wichtigen Geschäft seines Aufstiegs.

Als sich die Bewertungen seiner Ansicht nach immer weiter von der wirtschaftlichen Realität entfernen, verändert Hugo seine Position. Er besitzt keine emotionale Loyalität gegenüber einem Unternehmen oder einer Aktie. Ein Wertpapier kann für ihn zunächst eine ausgezeichnete Investition und einige Jahre später vollkommen überbewertet sein. Er steigt deshalb aus und setzt später auf fallende Kurse. Auf diese Weise verdient er sowohl am Aufstieg als auch am Zusammenbruch.

Nach dem Platzen der Technologieblase erwartet Hugo, dass die wirtschaftlichen Probleme nicht auf diesen Bereich beschränkt bleiben. Er rechnet mit einer allgemeinen Abschwächung der Weltwirtschaft. Besonders anfällig erscheinen ihm Branchen, die darauf angewiesen sind, dass Privatpersonen und Unternehmen weiterhin viel Geld ausgeben. Dazu gehören vor allem Tourismusunternehmen und Fluggesellschaften.

Hugo baut deshalb Positionen auf, die von fallenden Kursen in diesen Branchen profitieren. Seine Entscheidung hat zu diesem Zeitpunkt nichts mit Terrorismus zu tun. Sie beruht auf seiner Erwartung einer Rezession.

Dann erfolgen die Anschläge vom 11. September 2001. Die Aktienmärkte geraten unter erheblichen Druck. Fluggesellschaften und Tourismusunternehmen werden besonders schwer getroffen. Hugo besitzt bereits die dazu passenden Positionen und erzielt einen Gewinn von ungefähr 349 Millionen Euro.

Dieser Erfolg führt erstmals nicht nur zu Bewunderung, sondern zu massivem Verdacht. Hugo stammt aus Hamburg. Mohamed Atta hatte ebenfalls in Hamburg gelebt und zur sogenannten Hamburger Zelle gehört. Obwohl Hugo Atta und dessen Umfeld nicht kennt und keinerlei Wissen über die Anschläge besitzt, erscheint die zeitliche Konstellation amerikanischen Behörden auffällig: Ein deutscher Investor aus Hamburg setzt bereits vor den Anschlägen gegen Fluggesellschaften und Tourismusunternehmen und verdient anschließend Hunderte Millionen Euro.

Die Behörden rekonstruieren seine Geschäfte, überprüfen Kontakte und untersuchen Kommunikationsverbindungen. Auch Mitarbeiter und Geschäftspartner geraten in den Blick. Es findet sich jedoch weder eine Verbindung zu Atta noch zur Hamburger Terrorzelle. Hugos Positionen lassen sich mit seiner wirtschaftlichen Rezessionserwartung erklären. Für ein Strafverfahren gibt es keine Grundlage. Trotzdem hat Hugo zum ersten Mal die Aufmerksamkeit amerikanischer Ermittlungsbehörden auf sich gezogen. Sein Name verschwindet danach nicht mehr vollständig aus deren Blickfeld.

8. Enron und WorldCom

Noch bevor der Verdacht im Zusammenhang mit dem 11. September vollständig abgeklungen ist, liegt Hugo bei zwei weiteren spektakulären Zusammenbrüchen richtig.

Ende 2001 kollabiert Enron. Hugo hatte zuvor Zweifel an der Bewertung des Unternehmens und an der Darstellung seiner wirtschaftlichen Lage entwickelt. Er positioniert sich entsprechend gegen das Unternehmen und profitiert vom Zusammenbruch.

Im Jahr 2002 folgt WorldCom. Auch dort hat Hugo rechtzeitig auf fallende Kurse gesetzt. Dadurch entsteht innerhalb weniger Jahre eine auffällige Reihe außergewöhnlicher Treffer: der Neue Markt, EM.TV, die wirtschaftliche Abschwächung des Jahres 2001, Enron und WorldCom.

Hugo führt daneben zahlreiche andere Geschäfte durch. Nicht jede Entscheidung ist erfolgreich. Er kauft Unternehmen und Wertpapiere und ist keineswegs ausschließlich als Spekulant auf fallende Kurse tätig. In der öffentlichen Wahrnehmung bleiben jedoch vor allem seine spektakulären Erfolge im Gedächtnis.

Damit entsteht eine Frage, die ihn langfristig begleiten wird: Ist Hugo lediglich ein außergewöhnlich guter Investor, oder besitzt er Informationen, die er eigentlich nicht haben dürfte? Dieser Verdacht bildet später eine wichtige Grundlage sowohl für weitere staatliche Ermittlungen als auch für Hugos wachsende Angst vor Überwachung und Infiltration.

9. Vermögensübertragungen an die Familie

Nach seinem außergewöhnlich erfolgreichen Jahr 2001 beschließt Hugo, seiner Familie einen erheblichen Teil seines Gewinns zukommen zu lassen. Jeder der drei Familienzweige soll 25 Millionen Euro netto erhalten. Die anfallenden Steuern übernimmt Hugo zusätzlich. Insgesamt überträgt er damit 75 Millionen Euro netto zuzüglich der Steuern.

Sein Hauptmotiv ist nicht die demonstrative Verteilung seines Reichtums, sondern ein persönliches Bedürfnis. Besonders gegenüber seiner Mutter und seiner Schwester reagiert Hugo empfindsam. Er möchte nicht, dass ein Familienmitglied ihn fragen muss, ob es ihn besuchen darf, und gleichzeitig erklären muss, dass es sich die Reise ohne seine finanzielle Hilfe nicht leisten kann.

Hugo empfindet eine solche Situation als unangenehm und demütigend. Seine Familie soll jederzeit sagen können, dass sie ihn besuchen kommt, ohne vorher um Geld bitten zu müssen. Mit den Übertragungen gibt er den Angehörigen deshalb vor allem finanzielle Selbstständigkeit und die Freiheit, Reisen und Besuche aus eigener Entscheidung zu unternehmen.

Später berücksichtigt Hugo die drei Familienzweige erneut. Sein Ziel wird dabei umfassender: Niemand aus seiner unmittelbaren Familie soll jemals finanziell von einer einzelnen Entscheidung oder Überweisung Hugos abhängig sein. Gleichzeitig entsteht dadurch eine Familie, deren verschiedene Zweige selbst außerordentlich vermögend werden.

10. Demas und der Sicherheitsapparat

Die amerikanischen Ermittlungen nach dem 11. September verändern Hugos Verhältnis zu staatlichen Behörden. Obwohl keine Verbindung zu den Anschlägen gefunden wird, erlebt er, wie weitreichend Geschäfte, Kontakte, Kommunikationswege und Mitarbeiter untersucht werden können. Die späteren Verdachtsmomente im Zusammenhang mit Enron und WorldCom verstärken seine Sorge zusätzlich.

Im Jahr 2002 kommt Laurent Demas zu Hugo. Demas hat zunächst in der französischen Armee gedient und später für die Direction de la protection et de la sécurité de la défense, kurz DPSD, gearbeitet, den damaligen französischen militärischen Abschirmdienst. Er bringt deshalb nicht nur Erfahrung im Personenschutz mit, sondern die Denkweise eines militärischen Sicherheitsapparats.

Aus einem zunächst normalen Objekt- und Personenschutz entwickelt Demas schrittweise einen mehrstufigen privaten Sicherheits-, Kontroll- und Überwachungsapparat. Erste Strukturen entstehen bereits in Monaco und werden später auf Jersey erheblich erweitert.

Die einzelnen Bereiche werden bewusst organisatorisch und personell getrennt. Eine Abteilung übernimmt den Objekt- und Personenschutz. Eine weitere überprüft die Leibwächter und andere Mitarbeiter in Hugos unmittelbarem Umfeld. Die IT-Sicherheit beschäftigt sich mit Computersicherheit, Spionageabwehr und möglichen Datenabflüssen. Darüber entsteht eine Kontrollinstanz, welche die Arbeit der unteren Ebenen überwacht.

Der Apparat soll keine geheimen Börseninformationen beschaffen. Seine Hauptaufgabe ist es, Hugo, seine Familie, seine Mitarbeiter, seine Unternehmen und später Bellaventra zu schützen. Insbesondere soll frühzeitig erkannt werden, ob staatliche Behörden gegen Hugo ermitteln, Personen in sein Umfeld einschleusen oder andere Maßnahmen gegen ihn vorbereiten.

Menschen, die Hugo persönlich näherkommen wollen, werden überprüft. Auch Mitarbeiter mit Kenntnissen über seine Wertpapiergeschäfte geraten unter Kontrolle. Sie sollen nicht dieselben Wertpapiere wie Hugo kaufen und dadurch nach außen erkennen lassen, welche Geschäfte er plant. Die gewöhnlichen Beschäftigten der übernommenen Unternehmen werden dagegen nicht flächendeckend überwacht.

Demas vertritt zunehmend die Ansicht, seine oberste Kontrollinstanz könne nur dann wirksam arbeiten, wenn sie selbst außerhalb des übrigen Systems stehe. Genau dadurch entsteht eine gefährliche Machtkonzentration. Der Mann, der alle anderen kontrolliert, wehrt sich gegen eine wirksame Kontrolle seiner eigenen Tätigkeit.

Hugo stellt Demas anfangs nahezu bedenkenlos Geld, Personal und technische Mittel zur Verfügung. Erst später beginnt er sich zu fragen, ob der Apparat noch seinem Schutz dient oder bereits eine zu große Eigenständigkeit entwickelt hat. In der Öffentlichkeit entsteht schließlich der Verdacht, Hugo betreibe nicht nur einen privaten Sicherheitsdienst, sondern einen eigenen Nachrichtendienst.

11. Suche nach einem neuen Lebensmittelpunkt – Russland, Uruguay und die endgültige Entscheidung für Jersey

Hugo denkt zunächst ernsthaft darüber nach, seinen Lebensmittelpunkt nach Russland zu verlegen. Aus seiner Sicht spricht einiges dafür: Er verfügt dort über Kontakte, Russland passt zu seinem gewünschten privaten Umfeld, insbesondere zu seinem Interesse an russischen und osteuropäischen Frauen, die Visa- und Aufenthaltssituation erscheint ihm handhabbar, und auch steuerlich sieht er Möglichkeiten. Russland wäre für Hugo deshalb keineswegs nur ein Investmentland, sondern zunächst tatsächlich ein denkbarer neuer Lebensmittelpunkt.

Steinhöfel hält Russland jedoch für die falsche Entscheidung. Dabei argumentiert er ausdrücklich nicht gegen die Frauen und auch nicht gegen die steuerlichen Möglichkeiten. Sein Einwand betrifft das politische System. Für einen normalen Unternehmer könne Russland funktionieren, für einen Mann mit Hugos Vermögen sei es jedoch ein unnötiges persönliches Risiko. Eigentum, Aufenthaltsrecht, politische Loyalitäten und der Einfluss des Staates könnten für jemanden in Hugos Position irgendwann zu einem Problem werden. Hugo wäre dort zwar außerordentlich reich, bliebe aber letztlich ein Ausländer, der sich einem politischen System aussetzt, auf dessen Entwicklung er kaum Einfluss nehmen kann.

Steinhöfel schlägt ihm deshalb zunächst Uruguay vor. Uruguay erscheint als wesentlich berechenbarerer Rückzugsort. In der ersten Planung soll Bellaventra dort entstehen und Uruguay Hugos neuer Lebensmittelpunkt werden. Gleichzeitig sieht Hugo erhebliche wirtschaftliche Möglichkeiten. Er will in Landwirtschaft, Landbesitz, Rinderhaltung, Ackerflächen, Forstwirtschaft, Banken, Finanzunternehmen, Energie und Infrastruktur investieren. Uruguay soll für ihn gleichzeitig Schutzraum, Lebensmittelpunkt und langfristiges Investmentland werden. Hugo entscheidet sich deshalb vorübergehend tatsächlich für diese Lösung.

Doch bei der weiteren Planung erkennt Steinhöfel den entscheidenden Nachteil: Uruguay ist für Hugos tatsächliches Leben zu weit von Europa entfernt. Hugo will Abstand und einen abgeschirmten Lebensmittelpunkt, aber er will Europa nicht verlassen. Seine Mutter und seine Schwester leben dort, ebenso befindet sich ein großer Teil seines bisherigen persönlichen und geschäftlichen Umfeldes in Europa. Eine dauerhafte Verlagerung nach Südamerika würde bedeuten, dass jede Reise zur Familie oder nach Europa zu einer Langstreckenreise wird. Jersey bietet dagegen die Abgeschiedenheit einer Insel, ohne Hugo von Europa zu trennen. Großbritannien und Kontinentaleuropa bleiben vergleichsweise nah. Genau diese Verbindung kann Uruguay nicht bieten.

Hinzu kommt eine Erfahrung, die für Hugo seit den Vorgängen nach dem 11. September eine immer größere Rolle spielt. Die amerikanischen Ermittlungen und die gegen ihn erhobenen Verdächtigungen haben ihm gezeigt, welche Konsequenzen es bereits haben kann, überhaupt in das Visier amerikanischer Behörden zu geraten. Die Vorwürfe gegen Hugo lassen sich später nicht beweisen; gerade deshalb beschäftigt ihn die Frage, was geschieht, wenn die Vereinigten Staaten irgendwann erneut gegen ihn vorgehen oder sogar seine Auslieferung verlangen.

Steinhöfel verspricht ihm dabei ausdrücklich keinen rechtlichen Schutz. Jersey ist ein Rechtsstaat. Sollte ein rechtmäßiges Auslieferungsersuchen gestellt werden, muss Hugo sich juristisch dagegen verteidigen und die vorhandenen Rechtsmittel ausschöpfen. Allein das unterscheidet Jersey noch nicht entscheidend von anderen rechtsstaatlichen Standorten.

Steinhöfel sieht den entscheidenden Vorteil vielmehr in der Größe der Insel. In Deutschland, Frankreich oder Großbritannien wäre selbst ein Mann mit Hugos Vermögen letztlich nur ein sehr vermögender Einwohner unter Millionen Menschen. Seine Unternehmen, seine Angestellten, seine Investitionen und seine Spenden hätten für einen großen Staat als Ganzes nur begrenztes Gewicht. Auf Jersey sind die Größenverhältnisse völlig andere. Wenn Hugo dort ein großes Anwesen betreibt, zahlreiche Menschen unmittelbar und mittelbar beschäftigt, örtliche Unternehmen beauftragt, erhebliche Summen auf der Insel ausgibt und sich dauerhaft gemeinnützig engagiert, wird er zu einem sichtbaren Bestandteil der örtlichen Wirtschaft und Gesellschaft.

Steinhöfel bringt seinen Gedanken auf einen einfachen Satz:

„Menschen verteidigen keine Milliardäre. Sie verteidigen ihre Arbeitsplätze.“

Sie verteidigen das Einkommen ihrer Familien, ihre Unternehmen, ihre wirtschaftliche Sicherheit und ihre Lebensumstände. Wenn irgendwann jemand fragt, warum sich Menschen auf Jersey überhaupt für Hugos Schicksal interessieren sollten, darf die Antwort nicht lauten: weil er Milliardär ist. Die Antwort soll lauten: weil an Bellaventra Arbeitsplätze hängen, weil örtliche Unternehmen Aufträge erhalten, weil Familien von diesen Einkommen leben und weil Hugo Einrichtungen und Projekte auf der Insel unterstützt. Ein Vorgehen gegen Hugo könnte dann zumindest von einem Teil der Inselbevölkerung nicht mehr ausschließlich als das persönliche Problem eines reichen Ausländers wahrgenommen werden, sondern als etwas, das auch die eigenen Interessen berührt.

Deshalb erklärt Steinhöfel Hugo, dass er auf Jersey nicht einfach eine riesige Villa kaufen und sich anschließend hinter Mauern verstecken darf. Wenn er Jersey wählt, muss er ein Teil Jerseys werden. Er soll Arbeitsplätze schaffen, lokale Unternehmen beauftragen, Geld auf der Insel ausgeben, Kontakte aufbauen und sich dauerhaft gesellschaftlich engagieren. Dazu gehört von Anfang an die Gründung seiner Stiftung bereits 2002, obwohl Hugo zu diesem Zeitpunkt weiterhin in Monaco lebt. Stiftung, lokale Beschäftigung, Aufträge und gesellschaftliches Engagement sind Teile derselben langfristigen Strategie.

Steinhöfel geht noch weiter. Gerade auf einer kleinen Insel mit einer überschaubaren politischen und gesellschaftlichen Struktur kann ein bedeutender Arbeitgeber, Investor und Stifter wesentlich leichter Zugang zu Entscheidungsträgern bekommen und politische Diskussionen mitprägen als in einem großen Staat. Hugo soll keine Gerichte kontrollieren und keine Politiker kaufen. Aber wenn er Arbeitsplätze schafft, investiert, spendet und sich dauerhaft auf der Insel verwurzelt, wird seine Stimme gehört werden. Auf einer kleinen Insel kann er versuchen, politische Entwicklungen zu beeinflussen, die ihm wichtig sind.

Das betrifft insbesondere das Auslieferungsrecht. 2002 ist Jersey bei einer Auslieferung an die Vereinigten Staaten noch nicht vollständig selbst zuständig; nach dem damaligen System spielt London weiterhin eine wesentliche Rolle. Steinhöfel erklärt Hugo deshalb, dass gerade eine stärkere rechtliche Eigenständigkeit Jerseys in diesem Bereich in seinem Interesse liegt. Im Roman beginnt Hugo, diese politische Richtung zu unterstützen. Über seine wachsenden Kontakte, seine wirtschaftliche Bedeutung und sein gesellschaftliches Engagement wirbt er hinter den Kulissen dafür, dass Jersey ein möglichst eigenständiges Auslieferungsverfahren erhält. Das Gesetz soll nicht gekauft und auch nicht speziell für Hugo geschaffen werden. Aber Hugo kann als einflussreicher Bewohner einer kleinen Insel versuchen, die politische Richtung mitzuprägen.

Steinhöfel kann es Hugo entsprechend erklären: „Ich verspreche dir nicht, dass Jersey dich niemals ausliefert. Das kann dir kein Rechtsstaat versprechen. Aber wir können darauf hinarbeiten, dass über deine Auslieferung nicht einfach irgendwo in London entschieden wird. Du sollst ein Verfahren hier auf der Insel haben, mit eigenen Instanzen und eigenen Rechtsmitteln. Und währenddessen verwurzelst du dich hier. Menschen verteidigen keinen Milliardär. Sie verteidigen ihre Arbeitsplätze, ihre Familien und das, was dieser Mann für ihre Insel geschaffen hat.“

Diese Strategie bekommt später eine reale rechtliche Grundlage. Das Extradition (Jersey) Law 2004 tritt am 1. Oktober 2004 in Kraft. Jersey erhält damit ein eigenes, klar geregeltes Auslieferungsverfahren. Ein Fall läuft über den Magistrate und den Attorney General von Jersey und kann gegebenenfalls vor den Royal Court gelangen; weitere Rechtsmittel sind vorgesehen. Im Roman kann Hugo diese Entwicklung seit 2002 politisch unterstützt haben. Es ist nicht „sein Gesetz“, aber er hat sich für genau diese stärkere jersische Eigenständigkeit eingesetzt.

Für die Entscheidung zugunsten Jerseys kommt jedoch noch ein weiterer für Hugo persönlich entscheidender Punkt hinzu. Nach seinen Erfahrungen mit käuflichem Sex auf Reisen möchte er langfristig ein eigenes, stabiles privates Umfeld schaffen. Gerade Frauen aus Russland, der Ukraine und Belarus spielen in seinen Vorstellungen eine wichtige Rolle. Jersey ist nicht Teil des Schengen-Raums, sondern gehört zum Common Travel Area mit dem Vereinigten Königreich, Irland, Guernsey und der Isle of Man. Schengen-Visa gelten auf Jersey nicht automatisch. Eine Russin, Ukrainerin oder Belarussin, die nach Jersey einreist und dort eine Work Permit erhält, bekommt dadurch keine automatischen Freizügigkeitsrechte für den gesamten Schengen-Raum. Einreise, Aufenthalt und Beschäftigung werden über die jersischen Verfahren geregelt. Für Hugos geplantes, auf Bellaventra konzentriertes Umfeld ist diese isoliertere, auf die Insel beschränkte Steuerung ein wesentlicher Vorteil.

Schließlich löst Steinhöfel auch die steuerliche und unternehmerische Frage. Hugo muss seinen privaten Lebensmittelpunkt und seine großen Investmentgeschäfte nicht in derselben Jurisdiktion ansiedeln. Ab 2002 gilt deshalb verbindlich: Bellaventra – das Anwesen und die Reality-/Adult-Produktion – liegt auf Jersey. Die eigentliche Investmentgesellschaft, über die Hugos große Geschäfte laufen, wird getrennt davon auf der Isle of Man angesiedelt. Beide sind britische Crown Dependencies mit eigenen Rechts- und Steuersystemen. In der vorgesehenen Konstruktion wird der private Lebensmittelpunkt mit Bellaventra auf Jersey vom reinen Investment-Firmensitz auf der Isle of Man getrennt.

Damit kommen für Hugo auf Jersey erstmals sämtliche Anforderungen zusammen: Er bleibt dicht an Europa und vor allem näher bei seiner Mutter und seiner Schwester. Er bekommt die Abgeschiedenheit einer Insel, ohne nach Südamerika auswandern zu müssen. Er kann Bellaventra zu seinem eigenen privaten Umfeld ausbauen. Das jersische Einwanderungs- und Work-Permit-System passt zu seinem Wunsch, Frauen insbesondere aus Russland, der Ukraine und Belarus legal auf der Insel zu beschäftigen. Die Verbindung Jersey/Isle of Man ermöglicht die gewünschte Trennung zwischen Lebensmittelpunkt, Produktion und Investmentgesellschaft. Gleichzeitig kann Hugo sich auf einer kleinen Insel durch Arbeitsplätze, lokale Aufträge, Investitionen und seine Stiftung wesentlich stärker wirtschaftlich und gesellschaftlich verwurzeln als in einem großen Staat. Und er kann versuchen, seine dadurch entstehenden Kontakte und sein politisches Gewicht für eine stärkere rechtliche Eigenständigkeit Jerseys einzusetzen.

2002 fällt deshalb die endgültige Entscheidung für Jersey. Hugo kauft Bellaventra und beginnt mit Umbau, Ausbau, Stiftung und gesellschaftlicher Verwurzelung. Er zieht jedoch noch nicht sofort dorthin. Sein Lebensmittelpunkt bleibt zunächst Monaco. Während Bellaventra vorbereitet wird, baut er auf Jersey seine Strukturen und Kontakte auf. Als das neue jersische Auslieferungsrecht am 1. Oktober 2004 in Kraft tritt, ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der von Steinhöfel beschriebenen Strategie Realität geworden. Hugo beendet Ende Dezember 2004 seinen Lebensmittelpunkt in Monaco und zieht Anfang 2005 endgültig nach Bellaventra auf Jersey.

Dass Hugo Russland nicht als Wohnort wählt, bedeutet ausdrücklich nicht, dass er Russland wirtschaftlich aufgibt. Ab ungefähr 2004 baut er erhebliche Beteiligungen an russischen Unternehmen auf, insbesondere in Öl, Gas, Rohstoffen, Metallen, Energie und großen börsennotierten Konzernen. Zwischen 2004 und Mitte 2008 verdient er dort sehr viel Geld. Während der Finanzkrise brechen die Kurse ein; Hugo erleidet erhebliche Buchverluste, verkauft jedoch nicht panisch, sondern kauft nach. Mit der Erholung der Märkte verdient er erneut erheblich. Die Yukos-Affäre bestätigt für ihn nachträglich Steinhöfels Warnung vor Russland als Wohnort, nicht vor Russland als Investmentmarkt. Steinhöfel sagt zu ihm: „Siehst du? Genau das habe ich dir damals gesagt. Nicht die Steuern waren das Problem und auch nicht deine Frauen. Das politische System war das Problem. Stell dir vor, du hättest dich dort niedergelassen.“

Auch nach 2014 zieht Hugo sich nicht vollständig aus Russland zurück. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 bleibt er ebenfalls Eigentümer erheblicher russischer Beteiligungen. Hugo verurteilt den Angriff, hält gleichzeitig aber die europäische Sanktionspolitik wirtschaftlich für grundlegend falsch. Für ihn sind politische Verurteilung und wirtschaftliche Zweckmäßigkeit zwei unterschiedliche Fragen. Seine Argumentation lautet: „Wenn China mein industrieller Konkurrent ist, warum zwinge ich dann ausgerechnet Russland dazu, seine Energie verstärkt an China zu verkaufen? Und wenn Russland weniger mögliche Käufer hat, bekommt China diese Energie unter Umständen auch noch günstiger. Danach soll mein deutsches Unternehmen mit höheren Energie- und Lohnkosten gegen einen chinesischen Konkurrenten antreten, dessen Energiekosten niedriger sind. Welchen wirtschaftlichen Sinn soll das haben?“ Noch drastischer formuliert er: „Du legst deiner eigenen Industrie vielleicht noch nicht die Schlinge um den Hals. Aber du setzt ihr schon einmal die Pistole an die Schläfe.“ Auch das Umweltargument überzeugt ihn nicht automatisch: Wenn russisches Öl und Gas nicht mehr in Europa verbraucht werden, verschwinden sie aus seiner Sicht nicht zwangsläufig vom Weltmarkt, sondern werden anderswo verkauft. Diese Bewertung bleibt ausdrücklich Hugos Position innerhalb des Romans und keine neutrale Tatsachenbehauptung des Romans.

Brasilien wird dagegen zu einem der wichtigsten südamerikanischen Investmentmärkte Hugos. Über Jahrzehnte investiert er dort große Summen in Energie, Rohstoffe, Banken, Infrastruktur, Landwirtschaft und Industrie. Petrobras kann dabei zu einem wichtigen Investment werden. Hugo verdient zunächst sehr viel Geld. Später zwingt ihn der Korruptionskomplex zu der Frage, ob die politischen und rechtlichen Probleme den wirtschaftlichen Wert des Unternehmens dauerhaft beschädigen. Brasilien bleibt für Hugo wesentlich wichtiger als Argentinien.

Argentinien behandelt Hugo wesentlich vorsichtiger. Er sieht dort zwar wirtschaftliche Möglichkeiten, hält das Land aber politisch, währungspolitisch und wirtschaftlich für zu unberechenbar und investiert deshalb nur begrenzt. Seine Distanz zu Argentinien bekommt später zusätzlich eine persönliche Komponente durch Margaret Thatcher und den Falklandkrieg.

Uruguay verschwindet ebenfalls nicht aus Hugos Geschichte. Es war Steinhöfels ursprünglicher Gegenvorschlag zu Russland und Hugos vorübergehende Entscheidung für einen neuen Lebensmittelpunkt. Auch nachdem Bellaventra nicht dort entsteht, investiert Hugo erheblich in Landwirtschaft, Landbesitz, Rinderhaltung, Ackerflächen, Forstwirtschaft, Banken, Finanzunternehmen, Energie und Infrastruktur. Uruguay bleibt damit ein langfristiges Investmentland. Lediglich seine ursprünglich vorgesehene Funktion als Hugos Schutzraum und Lebensmittelpunkt geht ab 2002 endgültig auf Jersey über.

12. Erwerb, Umbau und Erweiterung Bellaventras auf Jersey

Im Jahr 2002 erwirbt Hugo in der Parish St John auf Jersey ein außergewöhnlich großes privates Anwesen. Auf einem rund acht Hektar großen Grundstück steht bereits ein repräsentatives Herrenhaus mit einer Wohn- und Nutzfläche von etwa 6.100 Quadratmetern. Es ist zu diesem Zeitpunkt bereits das größte private Wohnhaus auf Jersey. Für das Anwesen zahlt Hugo 91 Millionen Euro.

Zusätzlich erwirbt er für 25 Millionen Euro ein unmittelbar angrenzendes, rund drei Hektar großes Grundstück. Damit umfasst Bellaventra insgesamt ungefähr elf Hektar. Das auf dem Nachbargrundstück vorhandene Wohngebäude wird später als Angestelltenhaus für eine kleine Zahl ständig auf Bellaventra benötigter Mitarbeiter hergerichtet. Die ehemaligen Stallungen und das Kutschenhaus werden zu einem abgeschirmten Garagen- und Servicebereich mit Stellplätzen, Fahrzeugpflege, Werkstätten und Lagerflächen umgebaut.

Obwohl das vorhandene Herrenhaus bereits außergewöhnlich groß ist, entspricht seine innere Organisation nicht Hugos Vorstellungen. Ihn stören vor allem die langen Laufwege. Bestimmte Gebäudebereiche sind oberirdisch nur über weite Umwege miteinander verbunden. Gerade für das Personal entstehen dadurch unnötig lange Wege durch Flure, Treppen und verschiedene Teile des Hauses.

Gleichzeitig verlangt Hugo immer mehr zusätzliche Räume. Er möchte ein Kino, eine Bowlingbahn, eine Disco und einen außergewöhnlich großen Spa- und Wellnessbereich. Hanna erklärt ihm, dass ein dauerhaftes Zusammenleben mit mehreren Frauen nicht allein aus schönen Schlafzimmern und sexueller Verfügbarkeit bestehen könne. Wenn die Frauen über längere Zeit bei ihm leben sollen, müsse er ihnen innerhalb des Anwesens Unterhaltung, Beschäftigung, Abwechslung, Schönheitspflege und Erholungsmöglichkeiten bieten.

Als Vergleich nennt Hanna die aufwendig organisierten Lebenswelten, die Männer wie Prinz Jefri Bolkiah und Adnan Khashoggi für ihr privates Umfeld geschaffen haben. Hugo soll deren Lebensweise nicht einfach kopieren. Hanna macht ihm jedoch klar, dass ein Mann, der mehrere Frauen über längere Zeit in einem abgeschirmten Anwesen zusammenleben lässt, auch eine vollständige Lebenswelt für sie schaffen muss. Aus diesem Gedanken entwickeln sich neben den privaten Wohnbereichen auch das Kino, die Disco, die Bowlingbahn und das umfangreiche Spa-Center.

Der Architekt erkennt, dass sich Hugos zusätzliche Wünsche mit der Lösung der langen Laufwege verbinden lassen. Das bestehende Herrenhaus wird durch einen großen Westflügel und einen neuen östlichen Gebäudeteil erheblich erweitert. Zusätzlich werden der Ost- und der Westflügel unterirdisch miteinander verbunden. Diese Kellerverbindung schafft einen direkten Weg zwischen den beiden Seiten des Hauses und verhindert, dass das Personal oberirdisch den gesamten Gebäudeverlauf umrunden muss.

Der Keller dient dabei überwiegend den Beschäftigten und der Versorgung des Hauses. Dort entstehen unter anderem Umkleiden, Büros, Lagerflächen, technische Bereiche und direkte Serviceverbindungen. Dadurch kann sich das Personal zwischen den verschiedenen Gebäudeteilen bewegen, ohne ständig die repräsentativen Wohn-, Gäste- und Gesellschaftsräume durchqueren zu müssen. Oberirdische Bereiche für Hugo, die Frauen und die Gäste werden so weit wie möglich von den internen Arbeitswegen des Personals getrennt.

Hugo lässt den vorhandenen Baukörper nicht abreißen. Das bestehende Herrenhaus wird für 61 Millionen Euro umfassend umgebaut und bleibt der architektonische Ausgangspunkt Bellaventras. Anschließend wird es für weitere 113 Millionen Euro um rund 5.644 Quadratmeter erweitert. Nach Abschluss der Arbeiten umfasst das Hauptgebäude eine Wohn- und Nutzfläche von ungefähr 11.740 Quadratmetern.

Von der Erweiterungsfläche entfallen allein rund 2.975 Quadratmeter auf den Spa- und Wellnessbereich. Im neuen Westflügel entstehen außerdem fünf zusätzliche Suiten. Der neue östliche Gebäudeteil erhält acht weitere Schlafzimmer. Hugos bisheriges Hauptschlafzimmer im Haupthaus wird aufgegeben und in den bereits bestehenden alten Ostflügel verlegt. An diesen schließt der neue U-förmige Gebäudeteil an, wodurch ein neuer Innenhof entsteht. Hugos neues Hauptschlafzimmer ist unmittelbar auf diesen Innenhof ausgerichtet.

Die neuen Gebäudeteile übernehmen die Architektur und die Geschosshöhen des vorhandenen Herrenhauses. Natursteinfassaden, hohe Sprossenfenster, steile Schieferdächer, Gauben und Kamine sorgen dafür, dass Alt- und Neubau später wie eine zusammenhängende und über längere Zeit gewachsene Anlage wirken. Bellaventra soll trotz seiner gewaltigen Größe weder wie ein Hotel noch wie ein moderner Freizeitkomplex erscheinen.

Weitere 50 Millionen Euro fließen in die aufwendige Gestaltung der Garten- und Parkanlage. Für den Erwerb des ursprünglichen Anwesens, das angrenzende Grundstück, den Umbau des Bestands, die Erweiterung des Haupthauses, das Angestelltenhaus, den Garagen- und Servicebereich sowie die Garten- und Parkanlage investiert Hugo insgesamt 340 Millionen Euro.

Mit der Größe Bellaventras wächst auch die Zahl der benötigten Beschäftigten. Zum Personal gehören Hausangestellte, Sicherheitskräfte, Fahrer, Gärtner, Techniker, Wartungskräfte, Köche, Service- und Reinigungspersonal, medizinische Mitarbeiter und weitere Spezialisten. Bellaventra arbeitet rund um die Uhr, weshalb ein erheblicher Teil der Beschäftigten in einem Schichtsystem eingesetzt wird.

Hugo möchte auf seinem Grundstück deshalb zunächst einen entsprechend großen Parkplatz für die privaten Fahrzeuge seiner Angestellten errichten lassen. Die Behörden erlauben ihm jedoch nicht, auf dem privaten Anwesen Parkflächen in der von ihm benötigten Größenordnung anzulegen. Daraufhin entwickelt er für sein Personal ein eigenes Wohn- und Transportsystem.

An mehreren Standorten auf Jersey lässt Hugo insgesamt rund 500 Angestelltenwohnungen errichten. Dafür wendet er 302 Millionen Euro auf. Die Wohnungen liegen bewusst nicht als geschlossene Arbeitersiedlung unmittelbar neben Bellaventra, sondern sind auf verschiedene Standorte der Insel verteilt.

Vor Beginn ihrer jeweiligen Schicht werden die dort wohnenden Mitarbeiter mit Shuttlebussen abgeholt und nach Bellaventra gebracht. Nach dem Ende ihrer Schicht fahren die Busse sie wieder zu ihren Wohnstandorten zurück. Die Schichtzeiten und die Fahrpläne werden so aufeinander abgestimmt, dass die Beschäftigten rechtzeitig vor Arbeitsbeginn auf dem Anwesen eintreffen und die abzulösende Schicht Bellaventra anschließend verlassen kann.

Bereits während der Vorbereitungs- und Ausbildungsphase im Jahr 2004 lässt Demas die freien Kapazitäten der Shuttlefahrer zusätzlich für einen kostenlosen Besorgungsdienst für ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Einwohner Jerseys nutzen. Zwischen den Fahrten für Bellaventra können die Fahrer für diese Personen Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs abholen und bis zu deren Wohnung bringen. Die Waren selbst bezahlen die jeweiligen Bewohner; Bellaventra übernimmt lediglich die Fahrt und die Zustellung kostenlos. Personenbeförderung gehört ausdrücklich nicht zu diesem Angebot, sodass kein kostenloser Ersatz für Taxiunternehmen geschaffen werden soll.
Die Maßnahme geht wesentlich auf Demas zurück und ist nicht in erster Linie als Wohltätigkeit gedacht. Er betrachtet die gesellschaftliche Verwurzelung Hugos auf Jersey als Teil seines Sicherheitskonzepts. Hugo soll von der Bevölkerung nicht ausschließlich als extrem vermögender Ausländer wahrgenommen werden, der hinter den Mauern eines riesigen Anwesens lebt, sondern im Alltag mit konkreten Vorteilen für die Insel verbunden werden. Gerade ältere Einwohner sollen Bellaventra und Hugo mit einer für sie unmittelbar spürbaren Hilfe verbinden. Für Demas ist diese Akzeptanz ein weiterer Schutzmechanismus: Je stärker Hugo als Teil Jerseys wahrgenommen wird und je mehr Menschen persönlich positive Erfahrungen mit seinem Umfeld machen, desto schwieriger soll es nach seiner Vorstellung werden, ihn gesellschaftlich zu isolieren oder gegen ihn Stimmung zu erzeugen.
Das Verhalten der Fahrer gehört deshalb ebenfalls zu diesem Konzept. Sie werden angewiesen, im Straßenverkehr besonders höflich und rücksichtsvoll aufzutreten, andere Fahrzeuge vorzulassen und auch dann zurückhaltend aufzutreten, wenn mehrere Fahrzeuge Bellaventras gemeinsam unterwegs sind. Demas versucht auf diese Weise bewusst, bereits vor Hugos endgültigem Umzug ein positives Verhältnis zwischen seinem Umfeld und der Inselbevölkerung aufzubauen.

Durch dieses System benötigt Bellaventra erheblich weniger Parkplätze für private Fahrzeuge. Gleichzeitig schafft Hugo auf Jersey zusätzlichen Wohnraum und zahlreiche Arbeitsplätze. Die Investition in die 500 Wohnungen und der organisierte Shuttleverkehr werden deshalb zu wichtigen Argumenten gegenüber den Behörden, die seine außergewöhnlich umfangreichen Bauvorhaben auf der Insel genehmigen und unterstützen sollen.

So entwickelt sich das bereits bei seinem Erwerb größte Wohnhaus Jerseys zu einer nahezu eigenständigen privaten Lebenswelt. Bellaventra verbindet Hugos Wohnsitz, die Bereiche der Frauen, Gästezimmer und Suiten, Freizeitangebote, Spa und medizinische Versorgung mit einer weitgehend unsichtbaren technischen, personellen und logistischen Infrastruktur. Die unterirdische Verbindung zwischen Ost- und Westflügel sorgt dafür, dass diese enorme Anlage im Alltag überhaupt effizient betrieben werden kann.

Umzug von Monaco nach Jersey – 2005

Hugo bleibt nach seinem Umzug im Jahr 1999 bis Ende 2004 mit seinem privaten Lebensmittelpunkt in Monaco. Der Erwerb Bellaventras auf Jersey im Jahr 2002 bedeutet deshalb noch keinen sofortigen Umzug. Während das Anwesen umgebaut und erheblich erweitert wird, lebt Hugo weiterhin in Monaco.

Michael übernimmt in dieser Zeit einen wesentlichen Teil der praktischen Vorbereitung auf Jersey. Er organisiert den Aufbau des Anwesens, koordiniert Personal, Dienstleister und die zahlreichen organisatorischen Voraussetzungen, die geschaffen werden müssen, bevor Bellaventra als Hugos dauerhafter Wohnsitz funktionieren kann.

Zum Jahreswechsel 2004/2005 erfolgt schließlich der klare Schnitt. Hugo gibt Monaco als privaten Lebensmittelpunkt auf und zieht Anfang 2005 dauerhaft nach Bellaventra auf Jersey.

Von diesem Zeitpunkt an ist Bellaventra Hugos privater Lebensmittelpunkt. 

13. Bellaventra Productions und Steinhöfels mehrstufiges Vertragssystem

Noch bevor die ersten Frauen dauerhaft nach Bellaventra kommen, entwickelt Steinhöfel gemeinsam mit Hugo, Hanna Dvořáková, Laurent Demas, Milena Bokova und den beteiligten Gesellschaften ein mehrstufiges Auswahl-, Vertrags-, Sicherheits- und Gesundheitssystem.

Die Konstruktion soll mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllen. Hugo möchte Frauen finden, die seinem äußeren und sexuellen Profil entsprechen und bereit sind, neun Monate lang mit ihm und sieben weiteren Frauen in Bellaventra zu leben. Die Frauen sollen bereits vor ihrer endgültigen Entscheidung vollständig wissen, welche sexuellen Handlungen, Aufzeichnungen, Regeln und Einschränkungen sie erwarten. Gleichzeitig sollen die Frauen nicht offiziell als private Sexualpartnerinnen Hugos nach Jersey gebracht werden. Sie werden als Darstellerinnen beziehungsweise Arbeitnehmerinnen einer tatsächlichen Film-, Reality- und Adult-Produktion beschäftigt.

Steinhöfels System beruht deshalb nicht auf einem einzigen Vertrag. Es besteht aus mehreren aufeinanderfolgenden Entscheidungen, Prüfungen, Vereinbarungen und Beschäftigungsphasen. Jeder einzelne Schritt besitzt auf dem Papier einen eigenen Zweck. Erst alle Schritte zusammengenommen ergeben das vollständige System, durch das Frauen aus verschiedenen europäischen Ländern ausgewählt, überprüft, medizinisch vorbereitet und schließlich für neun Monate nach Bellaventra gebracht werden.

Die Frauen stammen vor allem aus Tschechien, Belarus, der Ukraine und Russland. Einige haben bereits als Escorts, Models, Tänzerinnen oder Pornodarstellerinnen gearbeitet. Andere kommen erst durch Hannas Agentur mit der Adult-Industrie in Berührung. Unabhängig von ihrer Herkunft durchlaufen alle Frauen dasselbe Auswahl- und Aufnahmeverfahren in Prag. Keine Frau wird unmittelbar aus ihrem Heimatland nach Jersey gebracht.

Mit 17 – erster Kontakt zu Hanna

Mit siebzehn arbeitet beziehungsweise bewegt sich die spätere Darstellerin bereits im Umfeld der tschechischen Go-go- und Tabledance-Szene. Dort hört sie von Hanna und deren Agentur. Sie interessiert sich ausdrücklich für eine Karriere als Pornodarstellerin und kommt zu Hanna. Das Gespräch dauert nicht lange. Sobald Hanna erfährt, dass das Mädchen erst siebzehn ist, beendet sie die Sache. Hanna erklärt ihr weder sexuelle Produktionsanforderungen noch vermittelt sie ihr einen Auftrag. Sie nimmt sie auch nicht bereits vorsorglich als Bewerberin auf. Ihr Satz lautet: „Gar nichts für mich. Werde erst einmal achtzehn. Wenn du dich dann immer noch bewerben willst, bewirbst du dich neu. Und besorg dir bis dahin einen Reisepass.“ Damit ist für die spätere Handlung gleichzeitig geklärt, warum die Frau mit achtzehn bereits einen eigenen Reisepass besitzt. Ein eigener tschechischer Reisepass ist in diesem Alter problemlos möglich. Auch Minderjährige über 15 können einen Reisepass erhalten; bei Minderjährigen ist dafür grundsätzlich die Zustimmung eines gesetzlichen Vertreters vorgesehen.

Mit 18 – sie kommt tatsächlich wieder

Nach ihrem achtzehnten Geburtstag steht sie erneut bei Hanna. Das ist für Hanna bereits interessant, weil viele junge Frauen etwas ankündigen und anschließend nie wieder auftauchen. Diese hier hat sich ihren Entschluss offenbar nicht anders überlegt. Sie sagt weiterhin, dass sie Pornodarstellerin werden möchte. In Prag beziehungsweise Tschechien wird in dieser Fassung kein sexuelles Vorstellungsvideo mehr gedreht. Hanna macht lediglich professionelle Probe- und Karteifotos von ihr. Sie betrachtet Körper, Gesicht, Ausstrahlung und Wirkung vor der Kamera und bespricht mit ihr, für welche Produktionen sie grundsätzlich infrage kommen könnte. Hanna kann ihr dabei auch direkt sagen, wenn sie körperlich noch sehr jung wirkt oder noch etwas von dem besitzt, was umgangssprachlich als „Babyspeck“ bezeichnet wird. Hanna ist keine Freundin, die ihr schmeicheln soll, sondern eine Agenturchefin, die einschätzt, für welche Produzenten ein bestimmter Typ gefragt ist. Während dieses längeren Gesprächs erfährt Hanna außerdem mehr über ihre Geschichte. Die Frau erzählt von ihrer Mutter, den Männern ihrer Mutter und davon, dass sie bereits mit dreizehn versucht habe, Aufmerksamkeit über einen Jungen zu bekommen. Hanna merkt dabei, dass hinter ihrem Wunsch, Pornodarstellerin zu werden, nicht ausschließlich Begeisterung für Pornografie steckt. Die Frau möchte vor allem aus ihrem bisherigen Leben heraus. Gleichzeitig fällt Hanna auf, dass sie vom Typ her ungewöhnlich gut in Hugos Beuteschema beziehungsweise gewünschtes Erscheinungsbild passen könnte. Das sagt Hanna ihr zunächst nicht.

Die erste Kontaktaufnahme und Hannas vollständige Aufklärung

Der erste Kontakt findet über Hanna Dvořáková und ihr Netzwerk in Prag statt. Hanna sucht nicht wahllos nach attraktiven Frauen. Sie trifft bereits eine erste Vorauswahl danach, ob eine Bewerberin grundsätzlich in Hugos gewünschtes Erscheinungsbild und in das besondere Bellaventra-Konzept passen könnte.

Hanna macht den Frauen keine allgemeinen Versprechungen über einen angeblichen Modeljob, einen gewöhnlichen Luxusaufenthalt oder eine nicht näher erklärte Tätigkeit als Content-Darstellerin. Bevor eine Frau in das eigentliche Auswahlverfahren aufgenommen wird, erklärt Hanna ihr ausführlich, was Bellaventra ist.

Sie beschreibt Bellaventra als Verbindung aus einem permanent betriebenen Big-Brother-Haus, einer luxuriösen Lebensgemeinschaft und einer Adult-Produktion. Acht Frauen leben dort gleichzeitig mit Hugo. Jede Frau besitzt ein eigenes Schlafzimmer. Große Teile des Hauses und des Geländes sind mit fest installierten Kameras ausgestattet. Der Alltag der Frauen kann ebenso aufgezeichnet werden wie geplante oder spontan entstehende sexuelle Produktionen.

Hanna erklärt außerdem, dass die Frauen nicht nur gelegentlich für einzelne Drehtage nach Bellaventra kommen. Sie leben während ihres neunmonatigen Vertrags dauerhaft dort. Bellaventra ist für diese Zeit gleichzeitig ihr Wohnort, ihr Arbeitsplatz, das Reality-Set und die Adult-Produktionsumgebung.

Die Teilnahme am ersten Gespräch verpflichtet die Frau zu nichts. Erst nachdem Hanna ihr das System vollständig erklärt hat, entscheidet die Frau, ob sie überhaupt in das Auswahlverfahren aufgenommen werden möchte.

Das sexuelle Produktionsprofil

Hanna erklärt jeder Bewerberin bereits in Prag ausdrücklich, welche sexuellen Praktiken und Produktionsformen grundsätzlich zum Tätigkeitsprofil gehören.

Dazu gehören insbesondere:

  • Vaginalverkehr,
  • Oralverkehr,
  • Analverkehr,
  • Urinspiele,
  • lesbische Adult-Produktionen,
  • sexuelle Handlungen zwischen zwei oder mehreren Frauen,
  • Gruppenszenen mit Hugo und mehreren Frauen,
  • Gruppenszenen ausschließlich zwischen den Frauen,
  • Produktionen, an denen Hugo selbst überhaupt nicht sexuell beteiligt ist,
  • sowie die von Hugo gewünschte Praxis, dass sein Penis nach einer analen Penetration oral gereinigt wird, unabhängig davon, ob die vorherige anale Penetration im Rektum derselben Frau oder im Rektum einer anderen Frau stattgefunden hat.

Diese Punkte werden nicht verklausuliert oder durch allgemeinere Formulierungen ersetzt. Die Frau soll nicht erst nach ihrer endgültigen Ankunft auf Jersey erfahren, was Hugo unter dem vereinbarten Produktionsprofil versteht.

Das sexuelle Produktionsprofil wird später als eigener Bestandteil in die Vertragsunterlagen aufgenommen. Eine konkrete sexuelle Handlung wird nicht körperlich erzwungen. Das vereinbarte Tätigkeitsprofil beschreibt jedoch ausdrücklich die Produktionen, für die die Frau grundsätzlich eingestellt wird. Wenn eine Darstellerin das vereinbarte Produktionsprofil dauerhaft nicht mehr erfüllen möchte, kann ihre Beschäftigung innerhalb des Bellaventra-Systems beendet werden.

Bisexualität und das Leben innerhalb der Gruppe

Bellaventra ist nicht als Zusammenleben von acht vollständig voneinander getrennten Frauen angelegt, die ausschließlich jeweils eine eigene sexuelle Beziehung zu Hugo führen. Das System beruht ausdrücklich auf einer bisexuellen Gruppendynamik.

Hanna erklärt deshalb, dass die Bewerberinnen bisexuell sein oder sexuellen und partnerschaftlichen Beziehungen mit Frauen grundsätzlich offen gegenüberstehen sollen. Sexuelle Beziehungen zwischen den Frauen können Teil ihres gemeinsamen Lebens, des Reality-Formats und der Adult-Produktion sein.

Daraus entsteht jedoch keine Verpflichtung, mit einer bestimmten Frau eine Beziehung einzugehen oder eine bestehende Beziehung aufrechtzuerhalten. Die grundsätzliche Offenheit gegenüber dem Gruppenkonzept gehört trotzdem zu den Auswahlkriterien, weil die Frauen neun Monate gemeinsam in einem weitgehend geschlossenen System leben.

Kameras und permanente Aufzeichnung

Die Bewerberinnen erfahren bereits vor ihrer Aufnahme in das Auswahlverfahren, dass in den dafür vorgesehenen Bereichen Bellaventras fest installierte Kameras vorhanden sind. Diese Kameras dienen nicht ausschließlich der Aufnahme einzelner, lange im Voraus geplanter Pornoszenen.

Auch der Alltag innerhalb der vertraglich festgelegten Produktionsbereiche kann aufgezeichnet werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Schlafen,
  • Essen,
  • Sport,
  • Gespräche,
  • gemeinsame Freizeit,
  • Wellness,
  • Duschen,
  • Auseinandersetzungen,
  • Gruppendynamiken,
  • spontane Situationen,
  • sexuelle Kontakte zwischen den Frauen,
  • sowie sexuelle Produktionen mit Hugo.

Durch die fest installierten Kameras muss sich nicht ständig eine Filmcrew im Haus oder unmittelbar neben den Frauen aufhalten. Das aufgezeichnete Material wird anschließend von Mitarbeitern der Postproduktion gesichtet, bearbeitet und zu fertigen Reality-, Film- oder Adult-Produktionen zusammengeschnitten.

Der begrenzte Kundenkreis

Hanna erklärt den Frauen ebenfalls, dass die Aufnahmen nicht für eine gewöhnliche öffentliche Massenvermarktung vorgesehen sind. Das Material soll nicht massenhaft auf Pornoplattformen, im Fernsehen, auf DVD oder über andere öffentliche Vertriebswege verbreitet werden.

Der tatsächliche Käufer- beziehungsweise Empfängerkreis ist extrem klein. Er besteht im Wesentlichen aus Hugo, Michael oder von ihnen kontrollierten beziehungsweise beauftragten Stellen. Trotzdem handelt es sich formal und tatsächlich um eine organisierte Produktion. Bellaventra Productions beschäftigt Mitarbeiter, bezahlt die Darstellerinnen, produziert und bearbeitet Aufnahmen, erwirbt beziehungsweise hält die vereinbarten Nutzungsrechte und verkauft einen kleinen Teil der fertigen Produktionen.

Die eingeschränkte Verwertung ist ein wesentlicher Bestandteil des Angebots. Viele Frauen stimmen der umfassenden Aufzeichnung gerade deshalb zu, weil ihnen zugesichert wird, dass das Material nicht öffentlich und massenhaft verbreitet wird.

Äußeres Erscheinungsbild und Intimpflege

Hanna erklärt den Bewerberinnen außerdem Hugos Vorstellungen vom äußeren Erscheinungsbild. Für Hugo spielen Gesicht, Figur, Ausstrahlung, Körperhaltung und besonders der Bauch eine wichtige Rolle.

Auch seine Vorstellungen hinsichtlich der Intimpflege werden bereits in Prag erläutert. Der Intimbereich einschließlich der Schamlippen soll gewachst und vollständig haarfrei sein. Eine Rasur ist nicht vorgesehen. Oberhalb bleibt ein gepflegter Streifen Schamhaar, eine sogenannte Landebahn, erhalten. Form und Breite müssen nicht bei jeder Frau identisch sein. Der Streifen kann schmaler oder breiter sein und sich nach oben etwas verbreitern. Eine vollständige Entfernung der gesamten Schambehaarung entspricht dagegen nicht Hugos gewünschtem Erscheinungsbild.

Auch diese Vorgaben werden nicht erst nach der Ankunft auf Jersey eingeführt.

Fotos und sexuelles Vorstellungsmaterial

Zeigt die Frau nach Hannas vollständiger Erklärung weiterhin Interesse, beginnt die eigentliche Vorauswahl. Hanna lässt professionelle Fotos anfertigen, auf denen Gesicht, Körper, Figur, Ausstrahlung und insbesondere der Bauch der Bewerberin beurteilt werden können.

Zusätzlich entsteht sexuelles Vorstellungsmaterial. Dieses Material wird ausdrücklich für Hugos Auswahl angefertigt. Es soll ihm zeigen, wie die Bewerberin vor der Kamera wirkt und ob sie grundsätzlich zu dem ihr zuvor vollständig erläuterten sexuellen Produktionsprofil passt.

Hugo entscheidet zunächst ausschließlich anhand dieses Materials, welche Frauen für ihn überhaupt infrage kommen. Diese Entscheidung bedeutet noch nicht, dass die Frau in Bellaventra aufgenommen wird. Sie bestimmt lediglich, ob das Verfahren mit einer Sicherheitsüberprüfung und einem persönlichen Kennenlernen fortgesetzt wird.

Die Überprüfung durch Laurent Demas

Bevor eine vorausgewählte Frau erstmals nach Jersey reisen darf, wird ihr Hintergrund überprüft. Laurent Demas beauftragt dafür Privatdetektive beziehungsweise geeignete Mitarbeiter seines Sicherheitsapparats.

Hugo und Demas wollen verhindern, dass sich eine Journalistin, eine Informantin, eine Mitarbeiterin einer Behörde, eine von Konkurrenten eingeschleuste Person oder jemand mit einer erfundenen Biografie Zugang zu Bellaventra verschafft.

Überprüft werden insbesondere:

  • die Identität der Frau,
  • ihre Herkunft,
  • ihre bisherigen Wohnorte,
  • ihre berufliche Vergangenheit,
  • frühere Tätigkeiten als Model, Escort oder Pornodarstellerin,
  • die Richtigkeit ihrer gegenüber Hanna gemachten Angaben,
  • mögliche falsche Namen oder widersprüchliche Biografien,
  • auffällige Verbindungen zu Journalisten, Medienunternehmen, Behörden oder Konkurrenten,
  • sowie mögliche Hinweise darauf, dass sie nicht aus eigenem Interesse am Verfahren teilnimmt, sondern gezielt in Hugos Umfeld eingeschleust werden soll.

Menschen, die Hugo persönlich nahekommen sollen, werden grundsätzlich strenger überprüft als gewöhnliche Mitarbeiter seiner Unternehmen. Bei den Frauen aus Hannas Netzwerk ist die Überprüfung besonders umfangreich, weil sie später im privaten Bereich Bellaventras leben und Zugang zu zahlreichen Informationen über Hugo, die anderen Frauen und das Anwesen erhalten.

Ergeben sich erhebliche Widersprüche oder lässt sich die Identität einer Frau nicht zuverlässig bestätigen, wird sie nicht nach Jersey eingeladen. Die Überprüfung ersetzt jedoch nicht ihre eigene Entscheidung. Sie entscheidet weiterhin selbst, ob sie das Verfahren fortsetzen möchte.

Die erste Reise nach Jersey (Kennenlernbesuch)

Besteht eine Frau die Sicherheitsüberprüfung und interessiert Hugo sich weiterhin für sie, wird sie erstmals nach Jersey eingeladen.

Diese erste Reise gehört noch nicht zum neunmonatigen Bellaventra-Vertrag. Die Frau ist zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht in das medizinisch geschlossene Sexualsystem aufgenommen. Während dieses Besuchs findet deshalb kein Sex mit Hugo und kein sexueller Kontakt mit den bereits in Bellaventra lebenden Frauen statt. Sie wird nicht gefilmt und nimmt an keiner Produktion teil.

Der Besuch dient dem persönlichen Kennenlernen. Hugo hat die Frau bis dahin nur auf Fotos und in ihrem Vorstellungsmaterial gesehen. Die Frau kennt Hugo lediglich aus Hannas Erklärungen, den Vertragsinformationen und dem, was öffentlich über ihn bekannt ist.

Da sie später neun Monate mit ihm zusammenleben, regelmäßig mit ihm Sex haben und Teil seines privaten Alltags werden soll, reicht die einseitige Auswahl anhand von Bildern und Videos nicht aus. Beide müssen prüfen, ob sie einander über einen längeren Zeitraum ertragen können.

Der dreitägige Ablauf ist wie folgt:

Erster Tag
Anreise nach Jersey (Linienflüge von Prag über London). Abholung durch Milena und einen Sicherheitsmitarbeiter. Einchecken in einem normalen Mittelklassehotel in Saint Helier. Kurzer organisatorischer Termin mit Milena. Anschließend freie Zeit im Hotel.

Zweiter Tag
Abholung am Morgen. Etwa zwei Stunden Führung durch die freigegebenen Bereiche Bellaventras (Wohnbereiche der Frauen, beispielhaftes Schlafzimmer, Gemeinschaftsräume, Speisebereiche, Sport- und Schwimmbereiche, Teile des Spa- und Wellnessbereichs). Mittagessen mit Milena. Danach persönliches Treffen mit Hugo von etwa 45 bis höchstens 60 Minuten. Bei besonderem Interesse kann das Gespräch auf eine Stunde verlängert werden. Anschließend Rückfahrt zum Hotel.

Hugo prüft dabei vor allem:

  • ob sie ihm auch persönlich gefällt,
  • ob er ihre Stimme, ihre Art und ihre Nähe ertragen kann,
  • ob eine grundlegende sexuelle Anziehung entsteht,
  • ob sie in die bereits bestehende Gruppe passen könnte.

Die Frau prüft gleichzeitig, ob sie sich Hugo und das neunmonatige Zusammenleben tatsächlich vorstellen kann.

Dritter Tag
Abschließendes Gespräch mit Milena von ungefähr einer Stunde (Gelegenheit für offene Fragen ohne Hugo). Rückfahrt zum Flughafen und Rückreise nach Prag (wieder über London mit Linienflügen).

Die Frau muss auf Jersey noch keine endgültige Zusage geben. Erst nach ihrer Rückkehr spricht Hanna erneut mit ihr.

Zahlungen und rechtliche Einordnung des Kennenlernbesuchs

Flug, normales Hotel, Verpflegung und Transfers werden von Bellaventra Productions übernommen. Zusätzlich erhält die Frau eine Aufwandspauschale von insgesamt 1.500 Euro (500 Euro täglich für drei Tage). Diese Pauschale wird von Hannas Prager Gesellschaft aufgrund der bereits in Prag geschlossenen Auswahlvereinbarung gezahlt. Sie entschädigt die Frau für drei blockierte Tage, entgangene andere Aufträge und ihre Teilnahme am abschließenden Auswahlverfahren.

Während des Besuchs arbeitet die Frau nicht für Bellaventra Productions, unterschreibt keinen Jersey-Arbeitsvertrag und wird nicht gefilmt. Offiziell handelt es sich um einen dreitägigen Auswahl-, Kennenlern- und Informationsbesuch einer möglichen künftigen Darstellerin. Der Zweck umfasst persönliches Bewerbungsgespräch, Kennenlernen des möglichen späteren Arbeitgebers, Besichtigung der möglichen künftigen Unterkunft und Produktionsstätte, Erläuterung der Arbeits- und Lebensbedingungen sowie Prüfung, ob beide Seiten grundsätzlich zusammenarbeiten möchten.

Visums- und Einreiseregeln

Tschechische Frauen benötigen für diesen dreitägigen Kennenlernbesuch kein vorheriges Besuchsvisum. Sie reisen als Besucherinnen ein und müssen bei der Einreisekontrolle glaubhaft machen können, dass es sich tatsächlich nur um einen vorübergehenden Besuch handelt und sie anschließend wieder ausreisen. Deshalb führt die Frau neben ihrem gültigen Reisepass insbesondere Rückflugticket, Hotelreservierung, Einladung und Nachweis der Kostenübernahme mit. Diese erste Einreise berechtigt sie nicht dazu, auf Jersey für Bellaventra Productions zu arbeiten; die für die spätere neunmonatige Beschäftigung erforderlichen Einreise- und Arbeitspapiere werden davon getrennt während der Prager Aufnahmephase organisiert.

Russinnen, Ukrainerinnen und Belarussinnen benötigen ein vorheriges britisch-jersisches Besuchsvisum. Die reguläre Bearbeitungszeit beträgt gewöhnlich etwa drei Wochen, kann bei zusätzlichen Prüfungen jedoch länger dauern. Für die Rückkehr nach Prag muss parallel ein tschechisches (später Schengen-) Mehrfachvisum vorliegen, da Jersey nicht zum Schengen-Raum gehört. Ein Einmalvisum wäre mit der Ausreise nach Jersey verbraucht.

Die erneute Entscheidung beider Seiten

Nach dem persönlichen Kennenlernen trifft Hugo seine endgültige Entscheidung darüber, ob er die Frau in die Prager Aufnahmephase aufnehmen möchte. Die Frau entscheidet ebenfalls erneut. Sie muss ihre Entscheidung nicht in Hugos Gegenwart treffen. Sie kann zunächst nach Prag zurückkehren und dort gegenüber Hanna erklären, ob sie fortfahren möchte.

Nur wenn Hugo und die Frau unabhängig voneinander zustimmen, beginnt die nächste Stufe. Diese doppelte Entscheidung wird dokumentiert.

Vor Beginn der Prager Phase darf die Frau noch einmal in ihr Heimatland zurückkehren, um persönliche Angelegenheiten zu regeln. Erst mit ihrer erneuten Ankunft im abgeschlossenen Prager Haus beginnt das diagnostische Zeitfenster.

Die Prager Aufnahme-, Gesundheits-, Abschirmungs- und Vorbereitungsphase

Diese Phase ist vom späteren neunmonatigen Bellaventra-Vertrag vollständig getrennt. Die Frau ist während dieser Zeit noch nicht Teil der regulären Reality- und Adult-Produktion auf Jersey.

Für die Aufnahmephase wird in Prag ein eigenes, komfortabel ausgestattetes Haus eingerichtet. Die Frauen besitzen dort eigene Schlafzimmer und können Gemeinschaftsräume, Garten, Schwimmbad sowie Sport- und Trainingsmöglichkeiten nutzen. Unterkunft, Verpflegung, Betreuung, medizinisches Personal, Untersuchungen, Sport, körperliche Vorbereitung und die übrigen vorgesehenen Kosten werden von Hugo beziehungsweise der zuständigen Gesellschaft bezahlt.

Hanna übernimmt die organisatorische Leitung. Die Untersuchungen und medizinischen Freigaben erfolgen durch qualifiziertes medizinisches Personal.

Dauer der Phase (gestaffelt nach medizinischem Stand)
Die Dauer ergibt sich aus dem diagnostischen Fenster der verfügbaren HIV-Tests und Hugos Sicherheitsbedürfnis:

  • 2000 bis einschließlich 2014: vier Monate (Hugo verlängert die damals übliche zwölfwöchige Ausschlussfrist vorsichtshalber auf vier volle Monate).
  • Ab Vertragsjahrgang 2016: sechs Wochen (42 Tage), nachdem leistungsfähigere Labortests der vierten Generation die Ausschlussfrist auf sechs Wochen verkürzt haben.
  • Ab 2020: 45 Tage (britische Leitlinie für Labortests der vierten Generation).

Die Frist beginnt mit dem Eintritt in das kontrollierte Prager Haus. Jeder unbeobachtete mögliche Sexualkontakt setzt die Frist wieder auf null. Begleitete Ausgänge unterbrechen die Frist nicht. Andere sexuell übertragbare Infektionen werden ebenfalls untersucht, bestimmen aber nicht die Dauer der gesamten Aufnahmephase. Bei Einnahme einer HIV-Postexpositionsprophylaxe oder anderen medizinischen Besonderheiten entscheidet das medizinische Personal über eine längere Frist.

Geprüft wird unter anderem auf HIV, Chlamydien, Gonorrhö, Syphilis, Hepatitis B, Hepatitis C sowie weitere sexuell übertragbare Infektionen, die nach ärztlicher Einschätzung relevant sind. Es wird nicht auf „AIDS“ als eigenständige Ansteckung getestet, sondern auf eine HIV-Infektion (AIDS bezeichnet das mögliche spätere Krankheitsstadium).

Während der Phase dürfen die Frauen das Prager Haus nicht unbegleitet verlassen. Begleitete Ausgänge sind möglich, bleiben aber unter Aufsicht des Sicherheitspersonals. Der Sinn besteht darin, unbeobachtete sexuelle Kontakte während der laufenden Test- und Wartephase auszuschließen. Eine Frau kann ihre Teilnahme jederzeit endgültig beenden und das Haus verlassen. Nach einem unbeobachteten Verlassen kann sie jedoch nicht unmittelbar wieder in die laufende Aufnahmephase zurückkehren.

Vergütung und Ausstattung während der Prager Phase
Die Frauen werden bereits in dieser Phase außergewöhnlich hoch bezahlt (Netto-Tagessätze je nach Vertragsjahr zwischen ca. 2.350 und 2.578 Euro). Steuern und Sozialabgaben trägt die Gesellschaft. Zusätzlich gibt es ein tägliches Kleidungs- und Ausstattungsbudget von 137 Euro brutto. Vergütung und Budget werden nur für die tatsächliche Dauer der Phase berechnet und sind vollständig von der späteren Jersey-Vergütung getrennt.

Die vier (bzw. später kürzeren) Monate dienen auch der körperlichen Vorbereitung. Schwerpunkt liegt auf Bauch und Körpermitte, Bauchmuskulatur, Haltung, Körperspannung, Beweglichkeit, Kondition und einem gepflegten Erscheinungsbild.

Einreise- und Arbeitserlaubnisse

Während der Prager Aufnahmephase beantragt Bellaventra Productions als künftiger Arbeitgeber rechtzeitig die für die anschließende neunmonatige Beschäftigung auf Jersey erforderliche Arbeitserlaubnis und organisiert die weiteren erforderlichen Einreiseunterlagen. Die Frau wird nicht als private Geliebte angemeldet, sondern als Arbeitnehmerin beziehungsweise Darstellerin von Bellaventra Productions für Film-, Reality- und Adult-Produktionen. Die Arbeitserlaubnis wird für ihre konkrete Beschäftigung bei Bellaventra Productions und für den vorgesehenen neunmonatigen Zeitraum beantragt. Erst wenn die erforderliche Arbeits- und Einreiseerlaubnis vorliegt, reist die Frau zur Aufnahme ihrer Beschäftigung nach Jersey.

Die Aufteilung der Vertragsunterlagen

Steinhöfel legt Wert darauf, dass nicht alle Bestandteile des Systems in einem einzigen Dokument zusammengefasst werden. Die Unterlagen bestehen aus mehreren Teilen, unter anderem:

  • dokumentierte vollständige Aufklärung durch Hanna,
  • Zustimmung zur Teilnahme am Auswahlverfahren,
  • Vereinbarungen über Fotos und sexuelles Vorstellungsmaterial,
  • Zustimmung zur Sicherheitsüberprüfung,
  • Unterlagen für den ersten Kennenlernbesuch,
  • gesonderte Vereinbarung über die Prager Aufnahmephase,
  • medizinische Einwilligungen und Datenschutzunterlagen,
  • Regeln über die geschlossene Unterbringung und begleitete Ausgänge,
  • Vergütungsvereinbarung für Prag,
  • Unterlagen für Einreise und Arbeitserlaubnis,
  • der spätere neunmonatige Arbeits- und Darstellervertrag mit Bellaventra Productions,
  • das sexuelle Tätigkeits- und Produktionsprofil,
  • Einwilligung in die Kamera- und Tonaufzeichnungen,
  • Vereinbarungen über die eingeschränkte Verwertung des Materials,
  • Verschwiegenheitsvereinbarung,
  • Regelungen über persönliche Budgets,
  • Bestimmungen über Beendigung und endgültigen Ausstieg.

Jedes Dokument besitzt einen eigenen äußeren Zweck. Kein einzelnes Dokument beschreibt das gesamte System mit dem Satz, Hugo lasse ausländische Frauen für sein privates Sexualleben nach Jersey bringen. Erst alle Unterlagen zusammen zeigen, wie eng das Produktionsmodell mit Hugos Privatleben verbunden ist.

Abschluss der Prager Phase und endgültige Reise nach Jersey

Die Aufnahmephase ist erst beendet, wenn die vorgesehene Frist abgelaufen ist, die Untersuchungen durchgeführt wurden, die medizinischen Voraussetzungen erfüllt sind, keine ungeklärten Sicherheitsbedenken bestehen, die Einreise- und Arbeitspapiere vorliegen und die Frau weiterhin teilnehmen möchte.

Die gesamte medizinische Aufnahme- und Freigabephase findet in Prag statt. Nach der endgültigen Ankunft in Bellaventra wird keine zweite Quarantäne durchgeführt. Die Frau reist möglichst direkt nach Jersey (bei Bedarf mit gechartertem Flugzeug oder ab 2005 mit Hugos Falcon 900EX). Unnötige Zwischenstationen werden vermieden.

Der neunmonatige Vertrag und das Leben in Bellaventra

Der reguläre Bellaventra-Vertrag ist auf neun Monate begrenzt. Die Prager Phase wird nicht angerechnet. Mit Beginn des Vertrags wird die Frau Arbeitnehmerin beziehungsweise Darstellerin von Bellaventra Productions. Sie lebt in Bellaventra und nimmt an der laufenden Reality- und Adult-Produktion teil.

Die vereinbarte Nettovergütung wird im Voraus auf ein von der Frau bestimmtes Konto überwiesen. Sie kann eine Vertrauensperson bevollmächtigen. Beendet eine Frau ihren Vertrag, muss sie die bereits erhaltene Vergütung nicht zurückzahlen. Zusätzlich gibt es ein von Milena verwaltetes persönliches Budget für Kleidung, Schuhe, Accessoires und Parfüm (nicht verbrauchte Beträge verfallen mit dem Ende des Aufenthalts).

Hugo wird ebenfalls als Darsteller von Bellaventra Productions geführt. Sexuelle Kontakte zwischen ihm und den Frauen können damit Bestandteil des vertraglich vereinbarten Tätigkeitsprofils und der produzierten Aufnahmen sein.

Bellaventra gilt als dauerhaft eingerichtetes Reality- und Adult-Produktionsset. Die Kameras in den vertraglich bestimmten Bereichen zeichnen den Alltag fortlaufend auf. Sexuelle Produktionen mit Hugo müssen nicht Wochen vorher fest terminiert werden. Außerhalb konkreter Produktionen verfügen die Frauen über einen weitgehend freien Tagesablauf. Eine feste gemeinschaftliche Struktur bildet das tägliche Abendessen um 19:30 Uhr.

Kosmetik, Körperpflege, Waxing und Haare werden innerhalb Bellaventras organisiert. Drei tschechische Betreuerinnen stehen für sprachliche, persönliche und organisatorische Fragen zur Verfügung.

Das geschlossene Gesundheitssystem auf Jersey

Das in Prag vorbereitete Modell wird fortgesetzt. Weil Hugo und die Frauen innerhalb der Gruppe ungeschützten Sex haben, sollen keine unkontrollierten sexuellen Kontakte von außen in das System gelangen. Die Frauen dürfen Bellaventra während ihres Vertrags nicht unbeobachtet verlassen. Vorgesehene Ausgänge (auch nach Saint Helier, London oder Paris) finden unter Begleitung des Sicherheitsdienstes statt. Dieselbe Regel gilt besonders an Tagen mit stärkerer Menstruationsblutung.

Beendigung und endgültiger Ausstieg

Eine Frau kann ihre Teilnahme jederzeit endgültig beenden. Dafür benötigt sie weder Hugos noch die Zustimmung der übrigen Frauen. Nach einer endgültigen Kündigung muss sie Bellaventra innerhalb von zwei Stunden verlassen. Die bereits im Voraus erhaltene Vergütung darf sie behalten. Nicht verbrauchtes Budget verfällt.

Die wirtschaftliche Konstruktion und Steinhöfels eigentliche Leistung

Bellaventra Productions beschäftigt tatsächlich Personal, schließt Verträge, bezahlt Darstellerinnen, produziert Material und unterhält eine Postproduktion. Fertige Produktionen werden formal verkauft, jedoch fast ausschließlich an Käufer aus Hugos eigenem Umfeld. Wirtschaftlich entsteht ein nahezu geschlossener Geldkreislauf.

Steinhöfel schafft keine einfache Vermittlung von Prostituierten oder privaten Sexualpartnerinnen. Er entwickelt eine vollständige, in einzelne rechtlich und organisatorisch begründbare Schritte zerlegte Abfolge:

vollständige Aufklärung durch Hanna → freiwillige Teilnahme am Auswahlverfahren → professionelle Fotos und sexuelles Vorstellungsmaterial → Vorauswahl durch Hugo → Sicherheitsüberprüfung durch Demas → erste Jersey-Reise mit begrenzter Besichtigung und kurzem persönlichen Kennenlernen → getrennte erneute Entscheidung beider Seiten → bezahlte Prager Aufnahme-, Gesundheits-, Abschirmungs- und Vorbereitungsphase (Dauer gestaffelt nach medizinischem Stand) → wiederholte medizinische Untersuchungen → körperliches Training und Ausstattung → Organisation der Einreise- und Arbeitserlaubnisse → direkte endgültige Reise nach Jersey → Beginn des neunmonatigen Arbeits- und Darstellervertrags → laufende Reality- und Adult-Produktion → jederzeit mögliche endgültige Beendigung.

Jeder Schritt kann für sich begründet werden. Gerade diese vollständige Konstruktion bereitet jedoch den späteren Skandal vor. Kein einzelnes Dokument beschreibt offen den Gesamtzweck. Erst wenn Journalisten Jahre später die Agentur in Prag, die Sicherheitsüberprüfungen, die Kennenlernreisen, die Prager Anlage, die Arbeitsverträge, die Kameraeinwilligungen, Hugos eigenen Darstellervertrag und die Käufer der Produktionen miteinander verbinden, erkennen sie das gesamte System.

Dann entsteht der Vorwurf, Steinhöfel habe Hugos privates Sexualleben nicht lediglich rechtlich begleitet, sondern ihm bewusst die Form eines internationalen Film-, Reality- und Adult-Produktionsbetriebs gegeben – und damit versucht, das, was später als menschenhandelsähnliche Konstruktion dargestellt wird, rechtlich und organisatorisch zu umgehen.

14. Hugos SOR und sein zunehmender Rückzug

Hugos zunehmender Rückzug aus der Öffentlichkeit entsteht nicht dadurch, dass er grundsätzlich schlecht mit Menschen umgehen könnte oder Menschen an sich als Belastung empfindet. Er kann Gespräche führen, verhandeln, Mitarbeiter anweisen, Geschäftspartner empfangen und sich auch auf gesellschaftlichen Veranstaltungen sicher bewegen. Gerade während seiner Jahre in Frankfurt, London und Monaco zeigt sich, dass er durchaus mit anderen Menschen umgehen und sich in sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen behaupten kann.

Das eigentliche Problem seiner sensorischen Reizverarbeitungsstörung, SOR, ist die große Zahl gleichzeitig auftretender und vor allem neuer visueller Eindrücke.

Wenn Hugo einen unbekannten Raum betritt, nimmt er nicht nur die Menschen wahr, mit denen er sprechen soll. Sein Blick erfasst gleichzeitig Bilder an den Wänden, Möbel, Kleidungsstücke, Farben, Beleuchtung, offene Türen, Gegenstände auf Tischen, Bewegungen im Hintergrund und die Anordnung des gesamten Raumes. Ein herumliegendes Hemd, ein unbekanntes Bild, eine offen stehende Schranktür oder ein Gegenstand, der an einer unerwarteten Stelle liegt, wird zu einer zusätzlichen Information, die sein Gehirn verarbeiten muss.

Ein einzelner neuer Eindruck ist für Hugo noch kein großes Problem. Schwierig wird es, wenn viele neue Eindrücke gleichzeitig auftreten und er sie nicht ausblenden kann. Während andere Menschen einen unbedeutenden Gegenstand nach wenigen Augenblicken nicht mehr beachten, bleibt er für Hugo als Bestandteil des Gesamtbildes präsent.

Menschen sind daher nicht das eigentliche Problem. Menschenmengen belasten ihn vor allem deshalb, weil sie die sichtbare Umgebung fortlaufend verändern. Jeder neu hinzukommende Mensch bringt neue Kleidung, Farben, Bewegungen und Positionen mit. Menschen bleiben nicht an einer Stelle stehen. Sie gehen durch den Raum, bilden Gruppen, lösen diese wieder auf und verdecken oder verändern andere visuelle Eindrücke.

Auch Reisen werden für Hugo zunehmend anstrengend. Das liegt nicht allein an den Menschen, denen er unterwegs begegnet. Flughäfen, Bahnhöfe, Hotels, Straßen, Fahrzeuge, Beschilderungen, unbekannte Zimmer und ständig wechselnde räumliche Situationen erzeugen eine kaum endende Folge neuer Eindrücke. Selbst wenn eine Reise organisatorisch vollkommen funktioniert, muss Hugo fortlaufend neue Umgebungen aufnehmen und verarbeiten.

In vertrauten Räumen kann er dagegen wesentlich besser funktionieren. Sobald er einen Raum kennt und sich an dessen Einrichtung gewöhnt hat, muss er die vorhandenen Eindrücke nicht bei jedem Betreten vollständig neu bewerten. Die Gegenstände gehören dann zu einem bekannten Bild.

Deshalb wird in Bellaventra möglichst alles gleich angeordnet. Möbel, Kleidung, Unterlagen und Alltagsgegenstände besitzen feste Plätze. Personal darf Gegenstände nicht beliebig abstellen oder Räume ohne Grund verändern. Auch wiederkehrende Abläufe werden genau organisiert. Hugo soll wissen, wer sich wo befindet, wann das Personal wechselt, welche Wege benutzt werden und wann Besucher eintreffen.

Ein Hemd, das plötzlich an einer ungewohnten Stelle liegt, ist für andere Menschen eine belanglose Unordnung. Für Hugo bedeutet es einen neuen visuellen Eindruck innerhalb einer Umgebung, die gerade deshalb für ihn funktioniert, weil sie ihm vertraut ist.

Bellaventra wird dadurch nicht nur ein luxuriöser Wohnsitz. Das Anwesen ist eine kontrollierte visuelle und organisatorische Umgebung. Hugo kennt die Räume, die Wege, das Personal und die Tagesabläufe. Er kann dort Besucher und Geschäftspartner empfangen, ohne selbst ständig eine unbekannte Umgebung betreten zu müssen.

Claire übernimmt dabei eine entscheidende Funktion. Sie kennt Hugos Gewohnheiten, Termine und Belastungsgrenzen. Sie weiß, wann er Ruhe benötigt und wann mehrere Probleme nicht gleichzeitig an ihn herangetragen werden dürfen. Sie sortiert Informationen und organisiert seinen Tagesablauf so, dass Hugo sich auf Entscheidungen konzentrieren kann. Sie schützt ihn nicht vor Entscheidungen, sondern vor unnötigem organisatorischem und visuellem Chaos.

Michael besitzt eine andere Aufgabe. Er setzt Hugos Entscheidungen in der Außenwelt um. Er organisiert Verträge, Personal, Reisen, Dienstleister, Behördenkontakte und andere praktische Angelegenheiten. Während Claire Hugos unmittelbaren Alltag strukturiert, sorgt Michael dafür, dass Hugo für viele Vorgänge das vertraute Umfeld Bellaventras nicht verlassen muss.

Mit der Verschärfung seiner SOR reist Hugo immer weniger. Geschäftspartner kommen zu ihm oder sprechen zunächst mit Michael, Claire und anderen Mitarbeitern. Besprechungen können in Bellaventra stattfinden, wo Hugo die Räume und Abläufe kennt.

Das Anwesen bietet ihm nahezu alles, was er benötigt. Er kann dort arbeiten, essen, schlafen, Familie und Freunde empfangen, Sport treiben, schwimmen, die Sauna und den Spa benutzen, Filme sehen, feiern und sich medizinisch betreuen lassen. Auch sein gesamtes Privat- und Sexualleben findet dort statt.

Seine Welt wird dadurch gleichzeitig größer und kleiner. Sie wird größer, weil Bellaventra ihm nahezu alle denkbaren Möglichkeiten bietet. Sie wird kleiner, weil er das Anwesen immer seltener verlässt. Für Außenstehende erscheint es widersprüchlich, dass ein Mann mit nahezu unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten sein Leben auf einen einzigen Ort beschränkt. Für Hugo ist dieser Rückzug jedoch kein freiwilliger Verzicht. Außerhalb Bellaventras wird die Vielzahl neuer Eindrücke immer schwerer erträglich.

Telefongespräch einer Frau mit ihrer jüngeren Schwester

Eine der Frauen telefoniert später über den Festnetzanschluss ihres Zimmers mit ihrer jüngeren Schwester zuhause. Das Gespräch beginnt ganz alltäglich. Sie fragt, ob das Geld angekommen ist, das sie geschickt hat, und macht deutlich, dass sie ihre Schwester beziehungsweise die Familie regelmäßig finanziell unterstützt. Die Schwester wird neugierig und fragt immer wieder, wo genau sie eigentlich lebt, wie es dort aussieht und warum sie so wenig davon erzählt. Die Frau beschreibt Bellaventra nur teilweise: das riesige Anwesen, die Gärten, den Pool, die schönen Zimmer, das Essen und den Luxus. Sie sagt sinngemäß, dass sie ihr leider keine Fotos schicken darf, dass es dort aber außergewöhnlich schön ist. Dadurch wird die Schwester immer neugieriger und sagt irgendwann, dass sie dort auch gerne leben beziehungsweise arbeiten würde. Die Frau reagiert sofort ablehnend und sagt sinngemäß: „Nein. Das ist nichts für dich.“ Sie erklärt zunächst nicht vollständig warum. Dadurch bleibt für den Leser offen, was genau sie ihrer Schwester verschweigt und weshalb sie trotz des Geldes und des luxuriösen Lebens nicht möchte, dass die Schwester denselben Weg einschlägt. Die Szene soll nicht den Eindruck vermitteln, dass Geld für sie nebensächlich wäre. Die finanzielle Motivation bleibt ein wesentlicher Grund, weshalb sie diese Arbeit macht. Gleichzeitig zeigt das Gespräch, dass sie mit ihrem Einkommen Menschen zuhause unterstützt und eine Verantwortung außerhalb Bellaventras trägt. Die Schwester kann später noch einmal erwähnt werden. Dadurch lässt sich aus dem zunächst beiläufigen Telefongespräch bei Bedarf eine spätere Nebenhandlung entwickeln.

15. Der erste Bellaventra-Skandal 2007

Im Jahr 2007 ist Hugo 32 Jahre alt und besitzt laut Forbes ein Vermögen von circa 2,53 Milliarden Euro. Obwohl er wirtschaftlich längst international bekannt ist, weiß die Öffentlichkeit über sein Privatleben kaum etwas.

Bellaventra ist als außergewöhnlich großes und abgeschirmtes Anwesen bekannt. Besonders die vielen Schlafzimmer führen zu Spekulationen. Manche erklären sie mit Hugos internationalen Geschäften, seiner Familie und den zahlreichen Geschäftspartnern, die ihn besuchen. Andere vermuten, dass die Größe des privaten Schlafbereichs eine andere Bedeutung besitzt.

Die Enthüllung beginnt nicht durch einen Verrat innerhalb Bellaventras. Mitarbeiter in sensiblen Bereichen haben weitreichende Verschwiegenheitsvereinbarungen unterschrieben. Hugos Sicherheitsapparat kontrolliert die Zugänge zum Anwesen, die Informationswege und die Einhaltung der Vertraulichkeit.

Journalisten stoßen stattdessen außerhalb Jerseys auf eine gemeinsame Verbindung. Zahlreiche Frauen, die für Produktionen und teilweise für Hugos privaten Bereich nach Bellaventra kommen, werden über dieselbe Agentur in Prag vermittelt. Die Spur führt zu Hanna Dvořáková.

Die Frauen stammen unter anderem aus Tschechien, Belarus, Russland und der Ukraine. Einige haben bereits als Escorts, Models oder Pornodarstellerinnen gearbeitet. Andere kommen erst über Hannas Netzwerk in diesen Bereich.

Bei ihren weiteren Recherchen erkennen die Journalisten, dass Hanna die Frauen nicht einfach unmittelbar als private Sexualpartnerinnen an Hugo vermittelt. Zwischen der ersten Kontaktaufnahme durch Hannas Agentur und einer späteren Beschäftigung in Bellaventra liegen mehrere formal voneinander getrennte Schritte.

Auf dem Papier besitzen diese Schritte jeweils einen eigenständigen Zweck. Die Frauen werden zunächst für tatsächliche Produktionen angeworben, erhalten entsprechende Verträge, reisen als Darstellerinnen und werden für ihre Arbeit bezahlt. Erst anschließend entsteht die Möglichkeit eines Kontakts zu Hugo und einer späteren Beschäftigung innerhalb seines Systems.

Gerade diese Trennung wird später zu einem zentralen Bestandteil der Enthüllung. Die Journalisten kommen zu dem Ergebnis, dass die einzelnen Vorgänge auf dem Papier zwar voneinander unabhängig erscheinen, tatsächlich aber Bestandteile eines zusammenhängenden Systems sind, durch das Frauen aus der Adult-Branche in Hugos Nähe gelangen.

Steinhöfel hat also keine plumpe direkte Vermittlung geschaffen. Er hat ein mehrstufiges System entwickelt, bei dem jede einzelne Stufe für sich einen eigenständigen äußeren Zweck besitzt. Das macht die Konstruktion glaubwürdiger und rechtlich besser absicherbar, zugleich aber auch politisch und öffentlich angreifbar.

Beschäftigt werden die Frauen über Bellaventra Productions. Formal und tatsächlich handelt es sich um eine Film-, Reality- und Adult-Produktion. Die Gesellschaft beschäftigt Personal, organisiert Produktionen, schließt Verträge und bezahlt Darstellerinnen. Es entstehen Foto-, Film-, Reality- und Pornoaufnahmen. Diese werden jedoch nicht öffentlich vermarktet. Tatsächlich gibt es im Wesentlichen nur zwei Abnehmer: Hugo selbst beziehungsweise Michael. Die Produktionen werden von ihnen formal gekauft, sodass Bellaventra Productions tatsächliche Einnahmen erzielt und einen Gewinn ausweisen kann. Diese Konstruktion dient vor allem der rechtlichen Absicherung: Gegenüber den Behörden lässt sich dadurch nachweisen, dass die Gesellschaft tatsächlich produziert und ihre Produktionen wirtschaftlich verwertet werden und nicht lediglich eine Produktionsfirma zum Schein betrieben wird.

Die rechtliche und vertragliche Konstruktion entwickelt Steinhöfel. Er erklärt Hugo, dass Bellaventra offiziell nach dem Vorbild eines permanent betriebenen Big-Brother-Hauses organisiert werden kann. Die Frauen leben und arbeiten innerhalb einer dauerhaft eingerichteten Produktionsumgebung, in der ihr Alltag ebenso wie geplante Adult-Produktionen aufgezeichnet werden kann. Durch die fest installierten Kameras im Haus und auf dem gesamten Gelände wird keine ständig anwesende Filmcrew benötigt, die sich während der Aufnahmen im Haus oder auf dem Grundstück bewegt.

Die Frauen kommen deshalb nicht offiziell als private Sexualpartnerinnen Hugos nach Jersey. Sie reisen als Arbeitnehmerinnen beziehungsweise Darstellerinnen von Bellaventra Productions ein und werden für ihre Tätigkeit innerhalb der Film-, Reality- und Pornoproduktion beschäftigt. Für Frauen, die eine Arbeits- oder Aufenthaltserlaubnis benötigen, werden die entsprechenden Genehmigungen für genau diese Beschäftigung beantragt.

Die Verträge regeln ausdrücklich, welche Tätigkeit von den Frauen erwartet wird. Dazu gehören sexuelle Kontakte mit Hugo und sexuelle Handlungen zwischen den Frauen. Vaginalverkehr, Oralverkehr und Analverkehr werden konkret genannt. Außerdem wissen die Frauen, dass sie gefilmt werden und Hugo selbst Bestandteil der Produktionen sein kann.

Hugo wird ebenfalls als Darsteller engagiert. Er ist nicht lediglich der Privatmann, der außerhalb der offiziellen Tätigkeit Sex mit den beschäftigten Frauen hat. Wenn er an einer sexuellen Aufnahme teilnimmt, geschieht dies formal als Bestandteil einer Produktion von Bellaventra Productions. Dadurch können die sexuellen Kontakte zwischen Hugo und den Frauen zugleich Bestandteil ihrer vertraglich beschriebenen Arbeit sein.

Hugo will gerade durch diese genaue vertragliche Beschreibung verhindern, dass später behauptet werden kann, eine Frau sei unter einem falschen Vorwand nach Jersey gekommen und habe erst in Bellaventra erfahren, worum es tatsächlich geht. Hanna informiert die Frauen bereits vor ihrer Aufnahme in das Verfahren über die sexuellen Anforderungen. Die Verträge benennen anschließend noch einmal ausdrücklich, was gefilmt werden kann und welche Rolle Hugo innerhalb der Produktionen besitzt.

Die Frauen erhalten eine außergewöhnlich hohe Vergütung. Im Jahr 2002 erhalten sie netto täglich 2.185 Euro. Zusätzlich steht jeder Frau ein persönliches Budget für Kleidung, Schuhe, Accessoires und Parfüm von täglich 492 Euro zur Verfügung. Steuern und Abgaben werden von Hugo beziehungsweise seinen Gesellschaften abgeführt. Sowohl die Nettovergütung als auch das persönliche Budget erhöhen sich jährlich um 3 Prozent. So erhalten die Frauen beispielsweise im Jahr 2005 täglich rund 2.353 Euro netto und verfügen zusätzlich über ein persönliches Budget von rund 530 Euro pro Tag.

Das persönliche Budget wird nicht ausgezahlt und kann nicht dauerhaft angespart werden. Milena Bokova verwaltet das Geld für die Frauen. Nicht verbrauchte Beträge bleiben bis zum nächsten Einkaufstermin verfügbar, verfallen jedoch vollständig mit dem Ende des jeweiligen Aufenthalts in Bellaventra. Das Budget ist vor allem für Kleidung vorgesehen, die Hugos Vorstellungen entspricht: hochwertig, elegant und gepflegt.

Ausgeben können die Frauen das angesammelte Budget insbesondere bei ihren Fahrten nach Saint Helier. Diese finden an den Tagen statt, an denen eine Frau aufgrund stärkerer Menstruationsblutungen nicht am üblichen Tagesablauf in Bellaventra teilnimmt. An diesen Tagen kann sie die Hauptstadt Jerseys besuchen und dort einkaufen. Bei diesen Ausflügen werden die Frauen vom Sicherheitsdienst begleitet. Die Einzelheiten der Begleitung und Absicherung sind im Sicherheitskonzept geregelt.

Bellaventra Productions arbeitet offiziell gewinnorientiert. Filme und andere Aufnahmen werden formal verkauft, allerdings nur an eine äußerst kleine und genau begrenzte Zahl von Käufern. Eine öffentliche Massenvermarktung findet nicht statt.

Die tatsächlichen Käufer sind im Wesentlichen Hugo selbst, Michael oder von ihnen kontrollierte beziehungsweise beauftragte Stellen. Michael kauft das Material nicht, weil er es persönlich ansehen möchte. Auch andere formale Käufer erwerben es nicht wegen eines eigenen Interesses an den Aufnahmen. Die Käufe dienen dazu, eine tatsächliche wirtschaftliche Verwertung nachweisen zu können und Bellaventra Productions nicht als reine Scheinfirma erscheinen zu lassen.

Dadurch erzielt die Gesellschaft offiziell Einnahmen und kann formal sogar einen Gewinn ausweisen. Wirtschaftlich stammt das Geld jedoch letztlich aus Hugos eigenem Umfeld. Hugo finanziert die Produktion, bezahlt die Frauen und sorgt zugleich mittelbar dafür, dass ein kleiner Teil des produzierten Materials gekauft wird.

Der überwiegende Teil der Aufnahmen bleibt trotzdem intern. Nur eine sehr geringe und genau kontrollierte Auswahl wird überhaupt verkauft. Den Frauen wird ausdrücklich zugesichert, dass ihre Aufnahmen nicht öffentlich verbreitet und nur an eine sehr kleine, begrenzte Zahl vorher bestimmter Personen beziehungsweise Stellen abgegeben werden. Diese Beschränkung ist ein wesentlicher Bestandteil des Modells und ein wichtiger Grund dafür, dass die Frauen einer umfassenden Aufzeichnung ihres Lebens und ihrer sexuellen Handlungen zustimmen.

Im Zusammenhang mit der Enthüllung wird auch die räumliche Organisation Bellaventras bekannt. In der jetzigen Fassung leben acht Frauen gleichzeitig im privaten Bereich, und jede besitzt ein eigenes Schlafzimmer. Hinzu kommen Hugos eigenes Schlafzimmer beziehungsweise seine Suite sowie getrennte Räume für Familie, Freunde, Geschäftspartner und andere Gäste.

Öffentliche Witze, journalistische Berechnungen und Darstellungen des Skandals müssen daher auf acht Frauen und acht entsprechende Schlafzimmer angepasst werden.

Gleichzeitig wird die Kameraüberwachung innerhalb Bellaventras bekannt. Die Adult-Produktion ermöglicht es, große Teile des privaten Bereichs als Produktionsumgebung zu behandeln. Flure und Gemeinschaftsräume werden aufgezeichnet. Auch in Schlafzimmern und teilweise in Badezimmern können Kameras vorhanden sein.

Offiziell dienen die Kameras der Produktion von Film-, Reality- und Adult-Material. Tatsächlich ermöglichen sie Hugo zugleich eine nahezu lückenlose Kontrolle darüber, was innerhalb seines privaten Bereichs geschieht.

Damit zeigt die Enthüllung nicht nur Hugos sexuelles Privatleben. Sie macht auch sein extremes Kontrollbedürfnis sichtbar. Bellaventra erscheint nun als organisiertes System aus Vermittlung, Arbeitsverträgen, Adult-Produktion, Kameraüberwachung, medizinischer Kontrolle, wirtschaftlicher Scheinverwertung und vollständiger Abschirmung.

Die Journalisten finden nicht nur heraus, dass die Frauen über Bellaventra Productions beschäftigt werden. Sie rekonstruieren auch, wer die angeblich verkauften Produktionen tatsächlich kauft. Dabei zeigt sich, dass der Kundenkreis praktisch vollständig aus Hugos eigenem Umfeld besteht. Die Gesellschaft verkauft das Material zwar formal und weist Einnahmen beziehungsweise Gewinne aus; ein wirklicher unabhängiger Markt für die Produktionen existiert jedoch kaum.

Gerade dieser geschlossene Geldkreislauf wird zu einem zentralen Bestandteil der Enthüllung. Hugo bezahlt die Produktion, kontrolliert die Produktionsgesellschaft und sorgt mittelbar selbst für die Abnahme des Materials. Seine Gegner behaupten deshalb, Bellaventra Productions sei wirtschaftlich nur dazu geschaffen worden, seinem Privatleben die Form eines legalen Produktionsbetriebs zu geben.

Hugos Seite hält dagegen, dass die Gesellschaft tatsächlich Personal beschäftigt, tatsächliche Aufnahmen produziert, die Darstellerinnen vollständig bezahlt, Steuern und Abgaben entrichtet und das Material entsprechend den vertraglichen Zusicherungen nur äußerst eingeschränkt verwertet. Ein kleiner Kundenkreis mache eine Produktion nicht automatisch zu einer Scheinfirma.

Zwar beschäftigt Bellaventra Productions aufgrund der fest installierten Kameras keine Kameraleute, die sich ständig im Haus oder auf dem Gelände bewegen. Im Hintergrund arbeitet jedoch eine eigene Postproduktion mit Editoren beziehungsweise Cuttern und weiteren Mitarbeitern, die das aufgezeichnete Material sichten, bearbeiten und zu fertigen Produktionen zusammenschneiden. Auch Visagisten, Friseure und weitere für das Erscheinungsbild der Darstellerinnen zuständige Mitarbeiter werden über Bellaventra Productions beschäftigt und bezahlt, da ihre Tätigkeit offiziell der Vorbereitung und Betreuung der Darstellerinnen für die Produktionen dient.

Die Diskussion verlagert sich dadurch von Hugos Sexualleben auf politische und rechtliche Fragen. Besonders intensiv wird darüber gestritten, unter welchen Bedingungen ausländische Frauen nach Jersey kommen, dort als Darstellerinnen beschäftigt werden und gleichzeitig Teil von Hugos privatem Sexualleben sind.

Hugos Seite verweist darauf, dass Bellaventra Productions tatsächlich produziert, Arbeitsverträge bestehen, die Frauen bezahlt werden und die notwendigen Genehmigungen beantragt werden. Seine Gegner halten dagegen, dass Steinhöfels gesamtes Modell von Anfang an so konstruiert worden sei, dass Hugo seinen privaten Lebensstil über eine Produktionsgesellschaft organisieren und rechtlich absichern könne.

Dadurch wird aus einer Enthüllung über Hugos Privatleben eine politische Affäre. Politiker, Medien und Juristen diskutieren darüber, wo die Grenze zwischen einer legalen Produktionsgesellschaft und einem privaten Sexualleben liegt, das dieselben organisatorischen, vertraglichen und wirtschaftlichen Strukturen benutzt.

Boulevardmedien und politische Gegner verwenden bewusst harte und polemische Begriffe:

„Pornovilla“

„gekaufter Harem“

„Luxusbordell“

„Sexpalast“

„Harem von Bellaventra“

„Millionär mit bezahlten Frauen“

Diese Begriffe werden in Schlagzeilen, Fernsehdebatten, politischen Angriffen und öffentlichen Diskussionen tatsächlich verwendet. Sie werden nicht durch neutrale Umschreibungen wie „ungewöhnliches Lebensmodell“ oder „privates System“ ersetzt.

Die Begriffe geben die Sprache der Medien, Politiker, Gegner oder Kommentatoren wieder.

In Fernsehsendungen wird gefragt, ob Hugo dem Ansehen Jerseys schade. Sein Frauenbild, sein Vermögen und seine wirtschaftliche Macht werden gemeinsam diskutiert. Einige Kommentatoren sprechen von einem reichen und mächtigen weißen Mann, der glaube, sich mit Geld alles erlauben zu können.

Andere weisen darauf hin, dass gesellschaftliche Abneigung allein keinen Rechtsbruch darstellt. Die Frauen seien informiert worden, hätten Verträge unterschrieben, würden außergewöhnlich gut bezahlt und könnten das Arbeitsverhältnis beenden. Prostitution sei nicht grundsätzlich verboten, ebenso wenig die Produktion legaler Pornografie.

Zusätzlich zu den politischen Debatten wird Hugo in Unterhaltungssendungen zum Gegenstand des Spotts. Eine Late-Night-Show greift Bellaventra wiederholt auf. Beim fünften Auftritt des Themas ist Bellaventra längst ein Running Gag. Diesmal geht es nicht mehr hauptsächlich um die Größe des Hauses, sondern um Hugo selbst, sein Privatleben und die acht Frauen in Bellaventra.

Der Moderator und seine Co-Moderatorin behandeln das Thema bewusst derb, respektlos und überzogen. Der Witz entsteht daraus, dass Hugos Privatleben zunehmend wie ein organisatorisches Großprojekt wirkt.

Hugos Wochenplan

Der Moderator sagt:

„Hugo Voss ist wirklich ein sehr beschäftigter Mann.“

Er zählt an den Fingern ab.

„Montag arbeitet er.“

„Dienstag arbeitet er.“

„Mittwoch arbeitet er.“

„Donnerstag arbeitet er.“

„Freitag arbeitet er.“

Kurze Pause.

„Samstag hat er vermutlich Sex.“

Noch eine Pause.

„Und Sonntag lernt er die Namen.“

Die Co-Moderatorin fragt:

„Damit er Montag weiß, wen er am Wochenende gefickt hat?“

Der Moderator antwortet:

„Nein. Montag arbeitet er. Bitte hör doch zu.“

Jetzt versteht man endlich Bellaventra

Der Moderator zeigt wieder das Luftbild von Bellaventra.

„Wir haben uns monatelang gefragt, warum dieses verdammte Haus so groß sein muss.“

Er zeigt auf verschiedene Gebäudeteile.

„Wohnzimmer.“

„Spa.“

„Schlafzimmer.“

„Noch ein Schlafzimmer.“

„Noch ein Schlafzimmer.“

Er schaut in die Kamera.

„Jetzt verstehe ich es.“

Pause.

„Das ist kein Grundriss. Das ist ein Organisationsproblem.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Vielleicht war Bellaventra nie Größenwahn.“

Der Moderator fragt:

„Was dann?“

Die Co-Moderatorin antwortet:

„Personalplanung.“

Das Namensproblem

Der Moderator sagt:

„Ich habe schon Schwierigkeiten, mir bei einer Party zwölf Namen zu merken.“

Er zeigt auf Bellaventra.

„Dieser Mann braucht wahrscheinlich Namensschilder.“

Die Co-Moderatorin hält sich imaginär ein Schild an die Brust.

„Hallo, ich bin Anna. Schlafzimmertrakt West.“

Der Moderator sagt:

„Sehr hilfreich.“

Die Co-Moderatorin ergänzt:

„Und hinten drauf steht: Hugo, wir kennen uns seit vier Jahren.“

Der Moderator antwortet:

„Sonntag. Dafür ist Sonntag da.“

Die Geburtstage

Der Moderator sagt:

„Ein Geburtstag vergessen – Scheiße.“

„Zwei Geburtstage vergessen – Beziehungskrise.“

Pause.

„Acht Geburtstage vergessen – Sicherheitsproblem.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Dann helfen dir auch keine Bodyguards mehr.“

Der Moderator antwortet:

„Doch.“

Kurze Pause.

„Deshalb hat er welche.“

Der Kalender

Auf dem Bildschirm erscheint ein völlig überladener Kalender.

Der Moderator sagt:

„Das hier ist angeblich Hugos Privatkalender.“

Er liest:

„Montag: Arbeit.“

„Dienstag: Arbeit.“

„Mittwoch: Arbeit.“

„Donnerstag: Arbeit.“

„Freitag: Arbeit.“

Er scrollt weiter.

„Und dann kommt das Wochenende.“

Auf dem Bildschirm erscheinen plötzlich acht Frauennamen.

Der Moderator sagt:

„Jesus Christus.“

Die Co-Moderatorin antwortet:

„Das ist kein Liebesleben mehr. Das ist Einsatzplanung.“

Der Moderator ergänzt:

„Fehlt nur noch: Schichtwechsel bitte quittieren.“

Der Organisationsplan

Der Moderator sagt:

„Andere Männer haben Beziehungsprobleme.“

Pause.

„Hugo braucht dafür vermutlich eine Excel-Tabelle.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Mit Farbcodes.“

Der Moderator:

„Und natürlich Zugriffsrechten.“

Die Co-Moderatorin fragt:

„Wer darf die Tabelle bearbeiten?“

Der Moderator antwortet:

„Hugo nicht. Der verwechselt sonst wieder die Namen.“

Die eigene Frau des Moderators

Der Moderator sagt:

„Ich will mich über Hugo gar nicht zu sehr lustig machen.“

Pause.

„Ich habe eine Frau und bin organisatorisch bereits komplett überfordert.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Deine Frau lässt dich nicht einmal deine eigene Schublade haben.“

Der Moderator antwortet:

„Richtig.“

„Hugo hat für jede Frau ein Schlafzimmer.“

Er schaut ins Publikum.

„Ich darf in meinem eigenen Haus nicht mal entscheiden, wo meine Unterhosen liegen.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Dann werde Milliardär.“

Der Moderator:

„Ich arbeite daran.“

Pause.

„Bis dahin habe ich die untere Schublade.“

Monogamie

Der Moderator sagt:

„Man könnte natürlich fragen: Hugo, warum nicht einfach eine Frau?“

Die Co-Moderatorin antwortet:

„Weil Monogamie offenbar etwas für Menschen mit kleineren Grundstücken ist.“

Der Moderator schaut sie an.

„Das ist erschreckend logisch.“

Hugos diskrete Affäre

Der Moderator sagt:

„Normalerweise versucht ein Mann wenigstens, seine Affären geheim zu halten.“

Auf dem Bildschirm erscheint Bellaventra aus der Luft.

Er schweigt kurz.

„Hugo baut dafür offenbar einen Gebäudekomplex.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Diskretion ist offensichtlich relativ.“

Der Moderator:

„Wenn dein Liebesleben irgendwann auf Satellitenbildern zu erkennen ist, hast du das mit der Heimlichkeit vielleicht falsch verstanden.“

Wenn es Streit gibt

Der Moderator sagt:

„Wenn ich Streit mit meiner Frau habe, sitze ich fünf Meter entfernt auf dem Sofa.“

Er zeigt auf den Plan von Bellaventra.

„Wenn Hugo Streit mit einer Frau hat, sagt er: Ich brauche Abstand.“

Pause.

„Und dann geht er 380 Meter.“

Die Co-Moderatorin antwortet:

„Das ist keine Beziehungspause. Das ist eine Wanderung.“

Der Moderator:

„Mit Zwischenverpflegung.“

Die Frauen untereinander

Der Moderator sagt:

„Was ich wirklich nicht verstehe: Wie können acht Frauen mit demselben Mann unter einem Dach leben und sich nicht gegenseitig umbringen?“

Er wartet.

„Ich bekomme schon Spannungen, wenn meine Familie drei Tage Weihnachten zusammen verbringt.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Sechs Wohnzimmer.“

Der Moderator antwortet:

„Stimmt.“

Pause.

„Vielleicht erklären die sechs Wohnzimmer tatsächlich alles.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Wenn du jemanden nicht sehen willst, gehst du einfach in ein anderes Wohnzimmer.“

Der Moderator:

„Oder in einen anderen Gebäudeflügel.“

Bellaventra als Konfliktvermeidungssystem

Die Co-Moderatorin sagt:

„Vielleicht haben wir Bellaventra die ganze Zeit falsch verstanden.“

Der Moderator fragt:

„Wie meinst du das?“

Die Co-Moderatorin antwortet:

„Vielleicht ist das gar kein Palast.“

Pause.

„Vielleicht ist es ein sehr luxuriöses Konfliktvermeidungssystem.“

Der Moderator:

„Mit Spa.“

Das Frühstück

Der Moderator fragt:

„Wie läuft eigentlich Frühstück bei Hugo?“

„Bei normalen Paaren lautet die Frage: Kaffee oder Tee?“

Er schaut auf den Plan.

„Bei Hugo lautet die Frage: Wer bist du, wo sitzt du und welches verdammte Esszimmer ist heute dran?“

Die Co-Moderatorin fragt:

„Und hast du Geburtstag?“

Der Moderator:

„Scheiße. Der Kalender!“

Die romantische Verabredung

Der Moderator sagt:

„Stellen wir uns einen romantischen Abend vor.“

„Kerzen.“

„Musik.“

„Kleines Esszimmer.“

„Nur Hugo und eine Frau.“

Pause.

„Und im nächsten Raum warten wahrscheinlich sieben weitere und fragen, wann der Tisch frei wird.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Vielleicht gibt es Reservierungszeiten.“

Der Moderator antwortet:

„Natürlich gibt es Reservierungszeiten.“

Das falsche Schlafzimmer

Der Moderator sagt:

„Das Gefährlichste ist doch nicht, dass Hugo einen Geburtstag vergisst.“

Pause.

„Das Gefährlichste ist der falsche Name im falschen Schlafzimmer.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Dann braucht er den Bodyguard nicht vor der Tür.“

Der Moderator antwortet:

„Dann braucht er ihn im Zimmer.“

Die Namensverwechslung

Der Moderator sagt:

„Stell dir vor, Hugo wacht morgens auf, dreht sich um und sagt den falschen Namen.“

Pause.

„Bei normalen Männern gibt es Streit.“

Er zeigt auf Bellaventra.

„Bei Hugo wird wahrscheinlich erst einmal ein Sicherheitsbereich geräumt.“

Die Co-Moderatorin ergänzt:

„Und Sonntag wieder Namen lernen.“

Der falsche Geburtstag

Der Moderator sagt:

„Stell dir vor, Hugo sagt zu einer Frau: Alles Gute zum Geburtstag.“

Pause.

„Und sie sagt: Ich habe gar nicht Geburtstag.“

Die Co-Moderatorin antwortet:

„Dann weiß sie zumindest, dass irgendeine andere Geburtstag hat.“

Der Moderator:

„Und Hugo weiß, dass er rennen sollte.“

Noch eine Frau

Zu Beginn der Berichterstattung sind noch nicht alle acht Frauen namentlich bekannt. Während der laufenden Sendung reicht jemand dem Moderator einen Zettel.

Er liest ihn.

Er schweigt.

Er schaut in die Kamera.

„Noch eine.“

Die Co-Moderatorin fragt:

„Name?“

Der Moderator antwortet:

„Keine Ahnung. Sonntag.“

Später kommt ein weiterer Zettel.

Der Moderator liest ihn.

„Noch eine.“

Die Co-Moderatorin fragt:

„Wie viele sind es jetzt?“

Der Moderator antwortet:

„Ich weiß es nicht mehr.“

Er zeigt auf Bellaventra.

„Aber offenbar gibt es noch Schlafzimmer.“

Dieser Gag kann während der schrittweisen Enthüllung immer wieder auftauchen. Sobald öffentlich eine weitere der acht Frauen mit Hugo in Verbindung gebracht wird, muss die Sendung nichts mehr erklären. Der Moderator bekommt einen Zettel.

Er liest.

Er schaut in die Kamera.

„Noch eine.“

Auf dem Bildschirm kann gleichzeitig auf dem Grundriss ein neuer Marker erscheinen.

Die Co-Moderatorin fragt:

„Wie viele Schlafzimmer sind eigentlich noch frei?“

Der Moderator schaut kurz auf seine Unterlagen.

„Genug.“

Der Running Gag endet, sobald alle acht gleichzeitig in Bellaventra lebenden Frauen und ihre acht Schlafzimmer bekannt sind. Er bedeutet nicht, dass nach der achten Frau noch weitere Frauen dauerhaft im privaten Bereich leben.

Die Schlafzimmer

Der Moderator sagt:

„Das wirklich Verrückte ist: Jede hat ihr eigenes Schlafzimmer.“

Die Co-Moderatorin antwortet:

„Ist doch vernünftig.“

Der Moderator:

„Meine Frau lässt mich nicht einmal meine eigene Schublade haben.“

Die Co-Moderatorin:

„Das hatten wir.“

Der Moderator:

„Ich bin darüber noch nicht hinweg.“

Hugo als Personalabteilung

Der Moderator sagt:

„Bei acht Beziehungen brauchst du irgendwann keine Paartherapie mehr.“

Pause.

„Du brauchst HR.“

Die Co-Moderatorin:

„Mit Beschwerdestelle.“

Der Moderator:

„Und Urlaubsplanung.“

Die Co-Moderatorin imitiert eine der Frauen:

„Hugo, ich möchte nächste Woche drei Tage Abstand.“

Der Moderator antwortet in Hugos Rolle:

„Genehmigt. Ostflügel.“

Der Moderator versucht zu rechnen

Der Moderator sagt:

„Angenommen, Hugo möchte jeder Frau nur einmal pro Woche einen romantischen Abend schenken.“

Er beginnt zu rechnen.

Er hält inne.

Er schaut auf seine Notizen.

„Nein.“

Er legt den Stift weg.

„Ich mache Comedy. Keine höhere Mathematik.“

Die Co-Moderatorin fragt:

„Und Sex?“

Der Moderator antwortet:

„Das ist dann Logistik.“

Geld verdienen oder ficken

Der Moderator sagt:

„Ich habe gelesen, Hugo verbringt angeblich sehr viel Zeit mit seinen Frauen.“

Die Co-Moderatorin fragt:

„Wie viel?“

Der Moderator antwortet:

„Keine Ahnung.“

Pause.

„Aber irgendwann musst du dich entscheiden: Milliarden verdienen oder ficken.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Vielleicht ist genau deshalb Sonntag frei.“

Der Moderator:

„Nein. Sonntag sind die Namen.“

Hugos Mutter

Der Moderator sagt:

„Ich würde übrigens gerne einmal Hugos Mutter sprechen.“

„Nicht wegen des Geldes.“

„Nicht wegen des Hauses.“

Pause.

„Ich möchte nur wissen, ob er als Kind schon Schwierigkeiten hatte, sich für eine Sache zu entscheiden.“

Die Co-Moderatorin antwortet:

„Vielleicht hatte er damals schon mehrere Kinderzimmer.“

Der Moderator:

„Für jede Stimmung eins.“

Wer schläft heute wo?

Der Moderator sagt:

„Ich stelle mir vor, Hugo steht abends im Flur.“

„Links Schlafzimmer.“

„Rechts Schlafzimmer.“

„Noch ein Schlafzimmer.“

„Noch eins.“

Pause.

„Das ist kein Liebesleben. Das ist eine Multiple-Choice-Frage.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Mit acht richtigen Antworten.“

Der Makler

Der Moderator zeigt Bellaventra.

„Und irgendwann muss irgendein armer Makler dieses Ding verkaufen.“

Er imitiert einen Immobilienmakler.

„Großzügiges Anwesen. Hervorragende Ausstattung.“

Er schaut noch einmal auf Bellaventra.

„Geeignet für Paare, Großfamilien und kleinere Staaten.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Aber nur, wenn der Staat keine Platzprobleme hat.“

Die Co-Moderatorin verteidigt die Frauen

Nach mehreren Witzen dreht die Co-Moderatorin die Perspektive.

Sie sagt:

„Alle fragen immer, warum diese Frauen bei Hugo leben.“

Der Moderator antwortet:

„Ja.“

Die Co-Moderatorin sagt:

„Vielleicht sollten wir einmal fragen, warum Hugo acht Frauen gleichzeitig um sich haben will.“

Der Moderator schaut sie an.

„Weil er kann?“

Sie antwortet:

„Danke. Du hast gerade meinen Punkt bestätigt.“

Der Moderator:

„Ich dachte, das wäre eine Comedyshow.“

Der Punkt zugunsten Hugos

Die Co-Moderatorin stellt außerdem fest, dass bei allem Spott eines bemerkenswert ist: Offenbar wissen die Frauen voneinander. Hugo führt nicht acht heimliche Beziehungen und belügt jede Frau über die Existenz der anderen.

Der Moderator betrachtet wieder den gewaltigen Grundriss.

„Bei dem Haus wäre Verstecken allerdings auch ziemlich aufwendig.“

Damit bekommt Hugo für einen Moment einen Punkt zugesprochen, ohne dass die Sendung ihren bissigen Stil verliert.

Die Frauen sehen die Sendung

In Bellaventra sitzen mehrere Frauen gemeinsam vor dem Fernseher.

Beim Wochenplan sagt eine:

„Arschloch.“

Eine andere antwortet:

„Aber der war gut.“

Beim Namensschild sagt eine:

„Wir sollten morgen wirklich welche tragen.“

Eine andere antwortet:

„Nur um Hugo zu ärgern.“

Beim Geburtstagswitz sagt eine Frau:

„Der soll bloß lachen.“

Eine andere gibt zu:

„Der hat meinen tatsächlich schon mal vergessen.“

Beim Running Gag „Noch eine“ fragt eine:

„Wer von uns war das diesmal?“

Eine andere antwortet:

„Keine Ahnung. Frag ihn Sonntag.“

Gelächter.

Nach einem besonders bösen Witz sagt eine:

„Okay, das ist gemein.“

Eine andere antwortet:

„Aber falsch ist es nicht.“

Nach dem Witz über die vielen Wohnzimmer sagt eine:

„Den sollten wir ihm zeigen.“

Eine andere antwortet:

„Bloß nicht. Dann baut er noch ein siebtes.“

Damit sind die Frauen nicht bloß Gegenstand der Witze. Sie lachen selbst über Hugo, über die Sendung und über die groteske öffentliche Darstellung ihres eigenen Lebens. Manche Witze finden sie verletzend, andere zutreffend und wieder andere tatsächlich komisch.

Auch die Mitarbeiter sehen die Sendung

Die Beiträge können ebenfalls in Pausen- und Aufenthaltsräumen des Personals laufen.

Dort wird vorsichtiger gelacht als bei den Frauen.

Hugo ist schließlich ihr Arbeitgeber.

Dadurch entstehen unterschiedliche Ebenen:

Die Frauen lachen offen und ziehen Hugo später damit auf.

Die Mitarbeiter lachen vorsichtiger und tuscheln darüber.

Hugo selbst entscheidet bei jeder Pointe neu, ob er sie tatsächlich gut findet oder ob sie einen Punkt getroffen hat, über den er nicht lachen möchte.

Hugo sieht den Beitrag

Später bekommt Hugo Ausschnitte gezeigt.

Beim Wochenplan hört er ruhig zu:

„Montag arbeitet er.“

„Dienstag arbeitet er.“

„Mittwoch arbeitet er.“

„Donnerstag arbeitet er.“

„Freitag arbeitet er.“

„Samstag hat er vermutlich Sex.“

„Und Sonntag lernt er die Namen.“

Hugo schaut auf den Bildschirm.

„Samstag?“

Er schüttelt den Kopf.

„Völlig unrealistisch.“

Beim Geburtstagswitz muss er lachen.

Beim falschen Namen wird er kurz still.

Dann sagt er:

„Der Wichser.“

Pause.

„Aber der war gut.“

Andere gelungene Pointen kann Hugo ebenfalls anerkennen:

„Okay. Der war gut.“

Oder:

„Das ist gemein. Aber leider ziemlich gut.“

Er findet jedoch nicht automatisch alles lustig. Wenn eine Sendung eine der Frauen persönlich angreift, etwas Privates falsch darstellt oder einen Punkt trifft, bei dem Hugo empfindlich ist, wird seine Reaktion deutlich kühler.

Der ernstere Moment

Nach vielen Witzen über Hugos Frauen und sein Privatleben wird die Co-Moderatorin für einen Moment ernst.

Sie stellt sinngemäß die Frage, ob das eigentlich Interessante an Hugo nicht darin liegt, dass er mit seinem Geld praktisch jede Form von Nähe organisieren kann, während trotzdem niemand weiß, wie nahe er anderen Menschen tatsächlich kommt.

Der Moderator schaut sie überrascht an.

„Das war jetzt überraschend tief.“

Sie antwortet:

„Keine Sorge.“

Pause.

„Gleich kommt wieder ein Peniswitz.“

Damit bleibt der Auftritt grundsätzlich Comedy, trifft Hugo aber für wenige Sekunden an einem Punkt, der über den eigentlichen Witz hinausgeht.

Schlussgag

Der Moderator sagt:

„Also halten wir fest.“

„Hugo Voss hat Milliarden.“

„Ein gigantisches Haus.“

„Mehrere Wohnzimmer.“

„Mehrere Esszimmer.“

„Acht Frauen.“

Die Co-Moderatorin fragt:

„Und du?“

Der Moderator antwortet:

„Eine Frau.“

Pause.

„Keine eigene Schublade.“

Die Co-Moderatorin:

„Armer Mann.“

Der Moderator:

„Danke.“

Er blickt in die Kamera.

„Und Hugo?“

Pause.

„Der lernt gerade Namen.“

Frau Bondy versucht während des Skandals, die öffentliche Diskussion möglichst eng zu halten. Sie bestätigt nur Tatsachen, die ohnehin nicht mehr bestritten werden können:

Bellaventra Productions existiert.

Die Frauen sind dort beschäftigt.

Die gesetzlichen und steuerlichen Verpflichtungen werden erfüllt.

Über Hugos persönliche Beziehungen und sein Sexualleben äußert sie sich nicht weiter als notwendig.

Michael hält sich ebenfalls aus der Diskussion über Hugos Privatleben heraus. Er kümmert sich um Verträge, wirtschaftliche Fragen und organisatorische Probleme.

Hugo selbst schweigt vollständig. Er gibt keine Interviews und tritt nicht öffentlich auf, um seinen Lebensstil zu verteidigen. Er bleibt in Bellaventra.

Damit stehen sich am Ende zwei Lager gegenüber. Die eine Seite betrachtet Hugo und sein gesamtes System als Skandal. Die andere Seite sagt, persönliche und moralische Ablehnung reiche nicht aus, um staatliche Maßnahmen zu rechtfertigen. Entscheidend müsse sein, ob tatsächlich Gesetze verletzt wurden.

16. Finanzkrise, neue Ermittlungen und Investitionen ab 2010

Während die öffentliche Diskussion über Bellaventra noch anhält, beginnt 2008 die internationale Finanzkrise. Der amerikanische Immobilienmarkt bricht ein. Hugo hat die Fehlentwicklung früh erkannt und sich massiv gegen diesen Markt positioniert.

Seine Wette geht auf. Sein reales Vermögen steigt 2008 auf ungefähr 4,72 Milliarden Euro.

Damit stellt sich erneut dieselbe Frage, die ihn bereits nach früheren spektakulären Erfolgen begleitet hat:

Woher wusste er das?

Amerikanische Behörden beginnen erneut, seine Geschäfte zu untersuchen. Diesmal geht es nicht um den Verdacht einer Verbindung zum Terrorismus, sondern um die Frage, ob Hugo nicht öffentliche Informationen über den bevorstehenden Zusammenbruch des Immobilien- und Finanzmarktes besessen haben könnte.

Seine Positionen werden untersucht. Kontakte werden überprüft. Transaktionen werden rekonstruiert. Ermittler versuchen herauszufinden, ob er Informationen aus Banken, Ratingagenturen, Behörden oder anderen nicht öffentlichen Quellen erhalten hat.

Wieder finden sie keinen Beweis. Seine Positionen lassen sich aus öffentlich verfügbaren Informationen und seiner eigenen Einschätzung des amerikanischen Immobilienmarktes erklären.

Das Misstrauen verschwindet trotzdem nicht. Hugo besitzt inzwischen eine lange Reihe außergewöhnlicher Treffer:

  • Neuer Markt
  • EM.TV
  • Rezession nach 2001
  • Enron
  • WorldCom
  • amerikanischer Immobilienmarkt
  • internationale Finanzkrise

Jeder einzelne Vorgang lässt sich erklären. In der Summe erscheint die Reihe seinen Gegnern dennoch kaum noch glaubwürdig.

Im Verlauf der Ermittlungen gerät auch Hugos Sicherheitsapparat stärker in den Fokus. Er ist inzwischen wesentlich größer als der gewöhnliche Personenschutz eines Milliardärs. Behörden und Journalisten fragen sich, ob der Apparat Hugo lediglich schützt oder ob er wie ein privater Nachrichtendienst arbeitet und möglicherweise Informationen beschafft.

Die amerikanischen Ermittlungen erreichen dadurch auch Jersey. Rechtshilfeersuchen und Nachfragen erhöhen den politischen Druck. Hugos Gegner sehen ihre bisherigen Vorwürfe bestätigt: zuerst Bellaventra und die Pornoproduktion, nun die Ermittlungen wegen seiner Finanzgeschäfte und zusätzlich ein Sicherheitsapparat, dessen tatsächliche Reichweite kaum jemand kennt.

Andere weisen darauf hin, dass weiterhin kein Beweis für Insiderhandel oder illegale Informationsbeschaffung existiert.

Nach den erfolgreichen Geschäften lässt Hugo 2008 rund 77,72 Millionen Euro an Boni ausschütten. Diese Summe wird nicht gleichmäßig unter allen Mitarbeitern verteilt. Vor allem Führungskräfte, Analysten und andere Beschäftigte, die an den erfolgreichen Entscheidungen beteiligt waren, erhalten hohe Zahlungen. Für einige Mitarbeiter bedeutet dies den Aufbau eines eigenen Millionenvermögens.

Nach der Finanzkrise befindet sich Hugo endgültig in einer neuen wirtschaftlichen Größenordnung. Gleichzeitig verstärkt sich seine Unsicherheit. Die amerikanischen Ermittlungen dauern an, sein Sicherheitsapparat wird beobachtet und die öffentliche Diskussion über Bellaventra ist noch nicht beendet.

Hugo reagiert darauf nicht mit größerer Öffentlichkeit. Er zieht sich noch stärker zurück. Er reist kaum noch. Geschäftspartner kommen zu ihm oder kommunizieren über seine Mitarbeiter. Michael übernimmt weitere Aufgaben, Claire kontrolliert und strukturiert den Tagesablauf, und der Sicherheitsapparat wächst.

Ab 2010 beginnt Hugo, einen zunehmenden Teil seines Kapitals dauerhaft in die Realwirtschaft zu verlagern. Im ersten Jahr investiert er rund 118,02 Millionen Euro.

Dieses Geld fließt nicht in kurzfristige Wertpapierspekulationen, sondern in Unternehmen, Beteiligungen, Technologie, Infrastruktur und andere langfristige Geschäftsfelder.

Die Investmentgesellschaft auf der Isle of Man wächst entsprechend. Neue Analysten, Kontrolleure, Fachleute und Führungskräfte werden benötigt. Die operative Unternehmensführung befindet sich weiterhin dort.

Jersey besitzt für Hugo eine vollkommen andere Funktion. Die Insel ist sein privater Lebensmittelpunkt. Bellaventra ist der Ort, an dem er sich aufgrund seiner SOR sicher und kontrolliert fühlt. Seine wirtschaftlichen Aktivitäten befinden sich nicht auf Jersey, nur weil Hugo dort lebt.

Mit dem Wachstum seiner Unternehmen und Beteiligungen verändert sich auch die öffentliche Kritik. Es geht zunehmend weniger ausschließlich um die Frauen und das Sexualleben hinter Bellaventras Mauern. Nun wird gefragt, wie viel wirtschaftlichen Einfluss ein einzelner Privatmann durch Kapital, Beteiligungen, Unternehmen und internationale Verbindungen besitzen sollte.

Hugos wirtschaftlicher Einfluss wird immer größer, während er persönlich nahezu vollständig aus der Öffentlichkeit verschwindet. Er gibt keine Interviews. Informationen laufen über Michael, das Management, seine Unternehmen und seine Pressevertreter.

17. Die Bildungsstiftungen

Ende 2002 gründet Hugo in Saint Helier, der Hauptstadt Jerseys, eine Bildungsstiftung und stellt zunächst drei Mitarbeiter ein. Die Stiftung wird im ersten Jahr mit 10 Millionen Euro ausgestattet. In den folgenden Jahren erhöht Hugo die jährliche Ausstattung deutlich: 2003 auf 15.250.000 Euro, 2004 auf 20.631.250 Euro, 2005 ebenfalls auf 20.631.250 Euro, 2006 auf 26.675.707 Euro und 2007 auf 32.342.000 Euro. Ab 2008 steigt dieser Betrag jährlich um weitere 2,5 Prozent. Diesr Förderung soll ausdrücklich Menschen auf Jersey zugutekommen. Einwohner der Insel können beispielsweise Stipendien für Universitäten außerhalb Jerseys erhalten. Gefördert werden können außerdem Auslandssemester, besondere Weiterbildungen, Lernmaterialien, kulturelle Projekte und Bildungsangebote, die auf der Insel selbst nicht vorhanden sind.

Zusätzlich gründet Hugo im Jahr 2007 eine zweite, europaweit tätige Bildungsstiftung mit Sitz auf der Isle of Man und stellt dafür zunächst zehn Mitarbeiter ein. Die Stiftung wird zunächst mit jährlich 97.027.799 Euro ausgestattet. Sie dient der Spitzenförderung und unterstützt außergewöhnlich begabte Schüler, Studenten, Doktoranden und junge Wissenschaftler aus ganz Europa. Die Stiftung finanziert unter anderem vollständige Stipendien einschließlich Studiengebühren, Unterkunft und Lebensunterhalt, Auslandsaufenthalte, Promotionen, Forschungsprojekte und eigene Forschungsgruppen für besonders herausragende Nachwuchswissenschaftler. Entscheidend für die Förderung sind außergewöhnliche Begabung, Leistung und wissenschaftliches Potenzial, unabhängig von Herkunft oder Vermögen. Während die erste Stiftung vor allem Menschen auf Jersey den Zugang zu Bildung ermöglicht, soll die zweite Stiftung verhindern, dass herausragende Begabungen in Europa wegen fehlender finanzieller Möglichkeiten ungenutzt bleiben. Auch die jährliche Ausstattung dieser Stiftung erhöht sich ab dem folgenden Jahr jeweils um 2,5 Prozent.

18. Philipp als vorgesehener Nachfolger

Philipp Voss wird 1995 geboren. Er ist der einzige Sohn von Hugos älterem Bruder Werner. Seine Schwester heißt Julia.

Schon als Kind reist Philipp gemeinsam mit seinem Vater regelmäßig nach Jersey. Werner nutzt manche Aufenthalte, um Freunden und Begleiterinnen Hugos außergewöhnliche Welt zu zeigen. Andere Reisen unternimmt er ausschließlich mit Philipp. Dadurch entwickelt Philipp schon früh eine starke Faszination für Hugo und Bellaventra.

Seine Mutter Marlen betrachtet Hugos Lebensweise kritisch. Sie missbilligt auch, wie begeistert Werner von Hugos Welt ist. Trotzdem kann sie nicht verhindern, dass Bellaventra für Philipp zu einem prägenden Ort wird.

Im Jahr 2007 stirbt Werner bei einem Autounfall. Philipp ist zu diesem Zeitpunkt ungefähr zwölf Jahre alt.

Der Kontakt zwischen Hugo und Philipp bleibt nach Werners Tod bestehen. Hugo betrachtet Philipp als den einzigen Sohn seines verstorbenen Bruders und misst ihm innerhalb der Familie eine besondere Bedeutung bei.

Im Jahr 2008 überträgt Hugo Philipp 125 Millionen Euro. Marlen und Julia erhalten jeweils 62,5 Millionen Euro. Die darauf entfallenden Steuern übernimmt Hugo zusätzlich.

Philipp ist damit bereits als Jugendlicher außerordentlich vermögend. Hugo betrachtet ihn trotzdem nicht als jemanden, der später lediglich Geld erben soll. Für ihn steht früh fest, dass Philipp eines Tages den wesentlichen Teil seines Vermögens und seiner Unternehmen übernehmen soll.

Hugo betrachtet Philipps spätere Nachfolge beinahe als dessen Geburtsrecht. Für ihn steht nicht zur Debatte, ob Philipp Haupterbe wird. Offen ist lediglich, wann Philipp bereit ist und in welchem Umfang ihm Verantwortung übertragen werden kann.

Ab 2016 kommt Philipp zunehmend selbstständig nach Jersey. Er kann Hugo jederzeit besuchen. Die beiden können gemeinsam essen, grillen, über Unternehmen sprechen oder Zeit miteinander verbringen.

Ihr Verhältnis ist ruhig und stabil. Sie stehen sich nahe, ohne ständig überschwänglich miteinander umzugehen. Hugo äußert seine Meinung häufig sehr direkt und teilweise ungefragt. Trotzdem versucht er nicht, Philipps gesamtes Leben zu bestimmen.

Bellaventra ist jedoch nicht der Ort, von dem aus Philipp die wirtschaftliche Führung erlernen kann. Das organisatorische Zentrum des Investmentgeschäfts befindet sich auf der Isle of Man. Deshalb muss Philipp nach einer ersten Phase auf Jersey verhältnismäßig schnell dorthin wechseln.

Auf der Isle of Man lernt er die Unternehmen, Beteiligungen, internen Strukturen, Manager und politischen Kontakte kennen. Er soll nicht nur einzelne Geschäfte verstehen, sondern das gesamte System, das Hugo über viele Jahre aufgebaut hat.

Michael unterstützt ihn dabei. Er betrachtet Philipp nicht als Konkurrenten und akzeptiert dessen spätere Nachfolge. Solange Hugo aktiv bleibt, bestehen Michaels und Philipps Verantwortungsbereiche nebeneinander. Philipp wird nicht automatisch Michaels unmittelbarer Vorgesetzter.

Michael ist selbst Milliardär und wirtschaftlich unabhängig. Sollte die spätere Zusammenarbeit mit Philipp nicht funktionieren, könnte er jederzeit gehen. Gerade deshalb besitzt seine Unterstützung für Philipp besonderes Gewicht.

Michael geht davon aus, dass Philipp mindestens zehn bis fünfzehn Jahre benötigen wird, um alle Unternehmen, Beteiligungen, Strukturen, Manager und politischen Kontakte vollständig zu verstehen.

Philipp darf eigene Entscheidungen treffen und Fehler machen. Hugo rechnet ausdrücklich damit, dass erste Geschäfte scheitern können. Er würde es eher für ungewöhnlich halten, wenn Philipp von Anfang an alles richtig machte.

Hugo sagt ihm deutlich, wenn er eine Entscheidung für falsch hält. Er schützt ihn aber nicht vor jedem Fehler und jeder Konsequenz. Fehler gehören für ihn zur Ausbildung. Philipp soll nicht nur ein riesiges Vermögen erben, sondern lernen, Verantwortung dafür zu übernehmen.

Philipp respektiert Hugo, idealisiert ihn jedoch nicht. Er kennt dessen Eigenheiten, sein Kontrollbedürfnis, sein schwieriges Frauenbild und seinen außergewöhnlichen Lebensstil. Er übernimmt diese Lebensweise nicht.

Philipp möchte später eine klassische Ehe führen. Dieser Wunsch wird zu einem Konflikt mit Hugo, weil Hugo Ehe grundsätzlich für einen Fehler hält und nicht versteht, weshalb Philipp seine Freiheit freiwillig durch eine dauerhafte Bindung einschränken möchte.

19. Der zweite Bellaventra-Skandal ab 2017

Im Zuge der #MeToo-Debatte wird die Geschichte um Bellaventra ab 2017 erneut aufgegriffen. Die Berichterstattung unterscheidet sich deutlich vom ersten Skandal im Jahr 2007.

Beim ersten Skandal standen vor allem die Verträge, Bellaventra Productions, die Arbeits- und Aufenthaltsbedingungen, die Legalität der Beschäftigung und die Frage im Mittelpunkt, ob die Frauen vorher wussten, worauf sie sich einließen.

Im Jahr 2017 interessiert sich die Öffentlichkeit wesentlich stärker dafür, wie das Leben der Frauen innerhalb Bellaventras tatsächlich ausgesehen hat und welche konkreten sexuellen Handlungen dort stattgefunden haben.

Auslöser ist eine ehemalige Bewohnerin Bellaventras. Sie meldet sich öffentlich und berichtet ausführlich über ihre Zeit dort. Inzwischen steht sie Hugo deutlich negativ gegenüber und schildert das Leben in Bellaventra entsprechend drastisch.

Sie spricht nicht nur allgemein von Sex. Sie beschreibt die sexuellen Abläufe ausdrücklich.

Sie berichtet von:

  • Vaginalverkehr
  • Analverkehr
  • Oralverkehr
  • sexuellen Situationen mit mehreren Frauen gleichzeitig
  • dem Wechsel zwischen mehreren Frauen
  • Urin in den Mund
  • dem Ablecken und Reinigen von Hugos Penis, nachdem er zuvor im Rektum einer anderen Frau gewesen war
  • der erwarteten sexuellen Verfügbarkeit
  • den festen Abläufen innerhalb Bellaventras

Darüber hinaus spricht sie über die Schlafzimmer, die Kameras, die Verträge, das Auswahlverfahren und die Organisation des Hauses.

Gerade die konkreten sexuellen Einzelheiten bestimmen anschließend die Berichterstattung. Fernsehsender greifen ihre Aussagen auf. Talkshows diskutieren einzelne Passagen. Zeitungen und Magazine berichten ausführlich darüber. Boulevardmedien konzentrieren sich besonders auf die drastischsten Details.

In der öffentlichen Sprache erscheinen Formulierungen wie:

„der widerliche alte weiße Milliardär“

und:

„der Mann mit seinem Privatpuff“.

Dabei ist Hugo 2017 tatsächlich erst ungefähr 42 Jahre alt. Die Bezeichnung „alter weißer Milliardär“ beschreibt daher weniger sein tatsächliches Alter als das Feindbild, das in der öffentlichen Diskussion von ihm entsteht.

Hugos Verteidigung aus dem Jahr 2007 reicht nun nicht mehr aus. Damals konnte seine Seite im Wesentlichen erklären:

Die Bedingungen waren bekannt.

Die Frauen wurden bezahlt.

Die Verträge wurden eingehalten.

Die sexuellen Anforderungen waren vorher beschrieben worden.

Im Jahr 2017 lautet die Gegenfrage zunehmend:

Warum wollte Hugo überhaupt genau diese Welt?

Nun geht es nicht nur darum, ob die Frauen juristisch wirksam zugestimmt haben. Es wird gefragt, welchen Einfluss Hugos Geld, seine Macht, der enorme Luxus und die wirtschaftliche Abhängigkeit auf ihre Entscheidungen hatten.

Die ehemalige Bewohnerin muss nicht behaupten, dass sie damals über die Bedingungen getäuscht wurde. Sie kann einräumen, dass viele sexuelle Anforderungen ausdrücklich im Vertrag standen und dass Hanna die Frauen vorher informierte.

Trotzdem kann sie ihre Zeit in Bellaventra im Rückblick negativ bewerten. Sie kann erklären, dass sie die Bedingungen damals akzeptierte, heute aber anders auf die Machtverhältnisse, die ständige Verfügbarkeit und die sexuelle Organisation des Hauses blickt.

Gerade das macht den zweiten Skandal schwieriger als den ersten. Hugo kann nicht einfach sämtliche Kritik mit dem Hinweis auf Verträge und Bezahlung beenden. Vertragliche Kenntnis, damalige Zustimmung und eine spätere negative Bewertung schließen sich nicht gegenseitig aus.

Der zweite Skandal verändert deshalb dauerhaft Hugos öffentliches Bild. Bellaventra erscheint nicht mehr nur als exzentrischer Wohnsitz eines Milliardärs oder als juristisch geschickt organisierte Adult-Produktion. Die konkreten sexuellen Handlungen und die Aussagen einer ehemaligen Bewohnerin prägen fortan die öffentliche Vorstellung von Hugo und seinem Leben.


Die Bedeutung des Firmensymbols

Das Firmensymbol zeigt in stark vereinfachten Linien den Bauch und die Taille einer Frau – jene Körperpartie, die für Hugo Voss Schönheit, Disziplin und Eigenverantwortung miteinander verbindet. Seine persönliche Überzeugung fasst er in einem Satz zusammen: „Das Gesicht einer schönen Frau ist ein Geschenk Gottes. Ihren Bauch formt sie selbst.“

Damit unterscheidet Hugo zwischen dem angeborenen Äußeren und dem, was ein Mensch durch eigenen Willen, Ausdauer und Selbstdisziplin aus sich macht. Der schlanke, fein definierte Bauch steht deshalb nicht nur für sein persönliches Schönheitsideal, sondern zugleich für Kontrolle, Konsequenz und die bewusste Gestaltung des eigenen Lebens.

Darüber hinaus besitzt der Frauenbauch eine universelle Bedeutung: In ihm beginnt neues Leben. Er steht für Geburt und Zukunft, für Wachstum, Erneuerung und die Weitergabe des Lebens an die nächste Generation.

Die goldenen Linien verkörpern Wert, Schöpfung und Entwicklung. Der dunkle Teil des Kreises steht für Widerstand, Unsicherheit und das noch Unbekannte. Gemeinsam bilden beide Seiten einen nicht vollständig geschlossenen Kreis: Das Leben und auch das Unternehmen sind niemals abgeschlossen, sondern befinden sich in fortwährender Bewegung.

So verbindet das Symbol Hugos privates Schönheitsideal mit den Grundgedanken seines Unternehmens: Disziplin, Wachstum, Leben und Zukunft.

Verbindliche Anweisung zu Sprache, Sexualität, Humor und Figurenhaltung

Bellaventra ist ein Romanprojekt. Figuren dürfen derb, vulgär, beleidigend, sexuell direkt, geschmacklos, zynisch, boshaft oder politisch unkorrekt sprechen und denken, wenn dies zur Figur, zur Situation, zur Handlung oder zum beabsichtigten Humor gehört.

Ausdrücke wie „ficken“, „Scheiße“, „Arschloch“, „Wichser“, „Penis“ und vergleichbar direkte oder vulgäre Formulierungen dürfen ausdrücklich verwendet werden.

Sexuelle Inhalte ausdrücklich erhalten

Sexuelle Inhalte sind Bestandteil der Geschichte und dürfen nicht allein deshalb gestrichen, verkürzt oder entschärft werden, weil sie sexuell, vulgär oder explizit formuliert sind.

Dies gilt insbesondere für:

sexuelle Dialoge;

sexuelle Handlungen, soweit sie für Handlung oder Figurenzeichnung relevant sind;

sexuelle Witze und Anspielungen;

Begriffe aus Pornografie, Prostitution und Adult-Industrie;

direkte Bezeichnungen für Körperteile und sexuelle Handlungen;

derbe oder vulgäre sexuelle Sprache;

Szenen, in denen Figuren bewusst provozierend oder ordinär sprechen;

Informationen über Hugos Beziehungen und Sexualleben, soweit sie für die Geschichte relevant sind.

Kürzen bedeutet nicht zensieren.

Zusätzliche verbindliche Regel zur sexuellen Sprache

Sexuelle Inhalte dürfen ausdrücklich auch in maximal direkter, vulgärer, ordinärer und expliziter Sprache sein.

Die KI darf eine Formulierung nicht allein deshalb verändern, weil sie ihr zu derb, zu sexuell, zu vulgär, zu geschmacklos oder zu direkt erscheint.

Wenn im Ausgangsmaterial ein konkretes sexuelles Wort verwendet wird, soll dieses Wort grundsätzlich erhalten bleiben und nicht durch einen neutraleren oder medizinischeren Ausdruck ersetzt werden.

Dasselbe gilt für direkte Beschreibungen von Sexualität, Pornografie, Prostitution, sexuellen Beziehungen, Körperteilen oder sexuellen Handlungen, sofern diese Bestandteil des betreffenden Gedankens oder der beabsichtigten Szene sind.

Sexuelle Direktheit ist kein Kürzungsgrund.
Vulgarität ist kein Kürzungsgrund.
Explizite Wortwahl ist kein Kürzungsgrund.